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Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker tu Harum.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Netatieardruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, rv. Waisenhauses in Hanau.

EinrückungsgebLh« *

Die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. im Reklamenteil die Zeile 35 Pfg.

Bezugspreis:

Vierteijâhrlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für auä» wärtige Wonnenten mit dem betreffenden Postauffchlag, Die einzeln« Nummer kostet 10 Pfg.

M. 166 Fernsprechanschlutz Nr. 605.

Donnerstag den 19. Juli

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Fernsprechanschlittz Nr. 605. 19 06

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Damensonnenschirm (am Griffende Monogramm P. J. L.), 1 Portemonnaie mit 2 Pfg. und 1 kleines Zwanzigpsennigstück, 1 silbernes Kettenarmband und 1 Cigarrenspitze in einem Laden liegen geblieben.

Gefunden a u f d e m F e st p l a tz e: 1 goldene Damenuhr, 1 braunes Reitertäschchen mit 22,53 Mk., 1 'große goldne Brosche mit schwarzem Stein, 1 Herren-Nickel- uhr mit Uhrband schwarz rot gold.

Verloren: 1 Paar Ohrringe, 1 grauer Sommerrock mit Taschenuhr.

Verloren auf dem Festplatze: I Stola mit Bänder, 1 weißer Damenschirm, 1 Schlangenring mit Brillanten,

1 Brosche mit Bildnis.

Hanau den 19. Juli 1906.

Hus Hanau Stadt und £and.

HtMKIt, 19. Juli.

2 8. Mittelrhmnsches Kreisturnfest.

Das Volksfest.

Ende gut, alles gut! -- Es wurden zwar Stimmen laut, welche von einer Schlußfeier sprachen, die am Sonntag stattfinden sollte. Aber die meisten Komiteemitglieder, mit, soviel uns bekannt, einerlöblichen" Ausnahme, schüttelten energisch die Köpfe, sprachen mit verdächtiger Eile und mit kräftigem Nachdruck ein doppeltesgenug, genug", und der Gedanke wurde nicht weiter ausgesponnen. Man wendete sich wieder der Flaschenbatterie zu, die der Festwirt aus Anlaß seiner Ernennung zum Ehrenmilglied des Wirtschafts­ausschusses auffahren ließ und die sich mit unheimlicher Eile vermehrte. Der Vorsitzende des Festausschusses feierte diese in jeder Hinsicht reichlich verdiente Ehrung durch einege­bundene" Ansprache und überreichte ein Ehrendiplom. Der Aufseher vom Tanzplatz erschien ab und zu am Komiteetisch, meldete, erhübe schon 25 MarkUeberschuß" und besah sich lächelnd die unendliche EtikettenreiheHenkel trocken."Lasse danze", rief einer und schenkte aufs neue ein.

Am Nachmittag sah es noch aus, als würde der Festplatz nicht sehr voll werden, aber als der Zeiger so auf die siebente Stunde heranrückte, da ergoß sich ein Strom von Besuchern auf die Eingangspforte, der schier unabsehbar war. Viele behaupten, der Besuch sei stärker gewesen, wie am Sonntag. Ein Menschengewimmel sondergleichen.

Der Nachmittag war der Unterhaltung der kleinen Welt gewidmet. Sie spielten Sack-,'Eier- und sonstiges Laufen, Garnwickeln, Wurstschnappen, Seilziehen usw. Den kleinen Siegern winkten hübsche Belohnungen in Gestalt von allerlei Scherzartikeln und Spielzeug. Am Abend stellte die Turn­gesellschaft Pyramiden, denen am Schluß ein großes Brillant- feuerwerk folgte. Aber noch lange währte das Leben und Treiben auf dem Festplatz und eine hohe Obrigkeit mußte schon ganz energisch werden, um die ganz Sitzfesten und Feierwüttgen zu verscheuchen. Allerdings war es auch die höchste Zeit.

Kein Mißklang hat die ganze Feier gestört und die Ein­stimmigkeit, mit der das Fest von Fremden sowohl wie von Einheimischen als ein prächtiges und wohlgelungenes be­zeichnet wurde, gereicht allen zur Ehre, die. sich darum ver­dient gemacht haben. So wird das 28. Mittel - rheinische Turnfest noch lange in der Erinnerung fortleben und Hanaus Ruf als Stätte der Gastfreundschaft und Geselligkeit aufs neue befestigen. . Ein sonniger Himmel hat ihm gelacht, sodaß die Arrangeure selbst in der Wahl des Zeitpunktes eine glückliche Hand gezeigt haben, was eben­falls in diesem wetterwendischen Sommer keine leichte Sache war. 8

Epilog.

Die Geigen verstummen, der Tanz ist aus.

Gründlich keil ist die schönste Tugend, um die wir Deutschen von anderen Nationen teils beneidet, teils belächelt werden. Gründlichkeit ist die schätzenswerte Eigen­schaft, mit der man hierzulande an kleine und große Aufgaben heranzutreten pflegt. Gründlichkeit vor allen: ist die still­schweigende Parole, die bei uns Hanauern gilt, wenn wir ans Festefeiern gehen; und manchmal wird sie in so erstaun­lichem Diafee angewandt, daß selbst die Protestschreie sterbens­kranker Geldbeutel davon erstickt werden. Aber auch die gründlichste Gründlichkeit kann es nicht ändern, daß man schließlich das letzte kümmerliche Nestchen von Festfreude mit einem langen Seufzer wieder einpacken und mit einem drei­mal längeren Seufzer zu den banalen Obliegenheiten des Mtaas zurückkehren mu»

Die letzte Rakete ist am dunklen Sommerhimmel verpufft und hat ihre glänzenden Leuchtkugeln wie einen letzten Fest­gruß bem Platze zugeworfen, auf dem fünf Tage lang die Fröhlichkeit so heimisch gewesen; der letzte Kanonenschlag ist verknallt und die tausende kleinen Geisterchen, die so emsig die Lebensfreude unter die Feiernden trugen, sind erschrocken um- gepurzelt und werden sobald nicht wieder aufstehen; und die letzten blinkenden Goldstückchen sind flink dahingerosit und klatschend in einer großen Lache von Pschorrbräu undFest­wein" versunken. Einmal muß es ja doch ein Ende nehmen, flüstert tröstend der V' rstand den betrübten Herzen zu. Ach ja, seufzt dieses resigniert und wünscht die Weisheit des un- lechlichen Vorstandes zum Kuckuck. Und dann, meint der Vorstand weiter, ist es auch für den wirtschaftlichen Wohl­stand nicht gerade gedeihlich, wenn. Ach, geh mir doch, murrte das arme Herz, der Wohlstand der Wirtschaften ist doch schließlich auch ein Faktor .... Und da kommen mit einem Male die Erinnerungen wieder angeschossen, in ganzen Schwärmen, kichernde, jauchzende und jodelnde, und jede von ihnen hat einen schäumenden Maßkrug in der Hand und jede von ihnen schreitProst"! daß die Zeltwände zittern. Herrgott, ist das ein Leben! Die waschechte Münchener Kathi hat gar nicht Hande genug, um all die bierheischenden, schreienden, spaßhaften Gäste zu bedienen. Ein fleischiger Herr mit dem Stockschnupfen steigt auf den Tisch und hält eine Rede, auf Münchnerisch natürlich, zum Entsetzen der echten" Kathi. Der fleischige Herr ist ein Witzbold, der den verstocktesten Augen Tränen zu entlocken versteht, und er redet, redet, redet kuriose Dinge von seltsamer Logik, Be­hauptungen mit sonderbaren Beweisen, Definitionen von verblüffender Komplikation; bis einige der Umsitzenden resolut aufstehen und den wie einen Fisch zappelnden, fleischigen Herrn mit dem Stockschnupfen forttragen, weit weg, in. eine entlegene Ecke des Fesrplam.s.

Immer fieberhafter wird die Tätigkeit an der Schank­stelle, immer emsiger und rastloser reimen die vermittelnden Madkn von Faß zu Gast, von Gast zu Faß. Mit jeder Minute, die der Zeiger vorrückt, steigt die Stimmung, mit jedem Steinkrug aus der unversieglichen Quelle wird die Laune ausgelaffener, der Kontakt zwischen den Gäuen inniger, hier und da umarmen sich ein paar Selige, die sich sonst im Leben nicht ausstehen können; zwei grimmige Streithähne, die noch vor einigen Mimiten in einem erbitterten Kampf überdie Macht der Persönlichkeit" . begriffen waren, haben sich um den Hals gefaßt und schwören, daß sie sich niemehr verlassen wollen, ein dritter, den die ganze Geschichte nichts angeht, tritt zu ihnen und trinkt mit ihnen Bruderschaft; für welche Leistung ihn ein vierter erthusiastisch küßt, während ein fünfter inzwischen den Maßkrug des vierten austrinkt.

Das Stimmungsniveau steigt und steigt. Ein bartloser Jüngling mit öligem Scheitel geht an allen Tischen umher und stellt sich vor; manchmal werden seine unaufhörlichen Verbeugungen ironisch erwidert, manchmal erhält er einen aufmuNicruden Stoß in die Seite oder einen Schlag mit der flachen Hand auf den hohen Hut und zuletzt wird ihm ein Krug über den öligen Scheitel geleert; und der Inhaber des Kruges stellt an den Jüngling das rechtlich nicht ganz be­gründete Verlangen, den Krug wieder frisch füllen zu lassen. Eine kleine Auseinandersstzüng darüber schlichtet die Kathi zu Ungunsten des Jünglings, worauf die ganze Gesellschaft ein Lied anstimmt, ein Lied, dessen Text die freudige Er­klärung an eine unbekannte Susanne enthält,daß das Leben doch so schön sei". Ein paar ganz begeisterte steigen auf den Tisch und tanzen nach der sinnigen Melodie zwischen stürzenden Steinkrügen umher, während noch begeistertere langsam, aber zuversichtlich unter die Tische sinken. Und die Stimmung steigt und steigt. . . Nur ganz vereinzelt sieht man noch Leute, die nicht gerade damit beschäftigt sind, ihren Nachbarn zu umarmen und ihm eine nachdrückliche Versiche­rung der Zuneigung zu geben; nicht immer in fließender Rede, stets aber in unrerfennbarer Herzlichkeit. Und die Bierquelle sprudelt und sprudelt, unerschöpflich und pflicht- getreu und die Kathi wird nicht müde, die Lechzenden zu laben!

Das hat nun alles ein Ende. Der liebe tägliche Gang nach dem Festplatz, von dem die flatternden Wimpel schon so verheißungsvoll grüßen, wird durch prosaischere Wege er­setzt ; der Klemmriegel wieder über die Börse geschoben, die sich so gerne und so skrupellos öffnete und der Alltag tritt wieder in seine Rechte. Man darf sie ihm ja nicht streitig machen und man duckt sich hinein, mit der ganz leisen, tröstenden Hoffnung, daß aus der verglimmenden Äsche der verlöschten Festfiammen schon eines Tages wieder ein festliches Feuer aufloderu wird. Und es ist so was schönes um's

Eine Postkarte vom Turnerfeste.

In corpore sane mens sana sich freut, Das sah man so recht bei dem Turnerfest heut, Wo alle die Straßen mit Fahnen geschmückt Und überall Zeichen der Freud' man erblickt. Jahnbilder, Girlanden und Sprüche zumal Sieht man an den Häusern in reichlicher Zahl. Ein herrlicher Festzug die Stadt froh durchwallt, Der draußen am Lambopschen Schießplatz macht Halt, Ein riesiger Feftraum mit Hall' sich hier dehnt, Dom nahen so herrlichen Wald noch verschönt; Hier singen die Sänger mit Stimmen so klar, Es ringen die Turner in stattlicher Schar In edelem Streit um den Siegespreis. H.

* Verein für hessische Geschichte unv Landes» Zünde. Die diesjährige Mitgliederversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde findet vom 9.11. August in Melsungen statt. Gäste, auch Damen Md willkommen. Donnerstag, 9. August: Nachmittags Sitzung des Gesamtvorstands. Abends Vereinigung der Mitglieder und Gäste. Freitag, 10. August: Mitgliederversammlung (Geschäftliches ; Votträge.) Frühstück. Besichtigung der Stadt und der Ausstellung Melsunger Altertümer. Nachmittags Festmahl. Abends Festlichkeit im Kasinogarten. Samstag, 11. August. Ausflug nach Burg Spangenberg. Dringend erwünscht, namentlich wegen Unterbringung der von aus­wärts zu erwartenden Teilnehmer, ist die rechtzeitige Anmel-' dung mit Angabe, ob Unterkunft im Gasthaus oder Bürger­haus gewünscht wird. Alle Anmeldungen sind bis spätestens 20. Juli zu richten an Herrn Bürgermeister Gleim in Melsungen.

* Eine große SchnhknNuftrie-Fachausftellnng wird am 22. 23. und 24. Juli in Cassel abgehalten und zwar in den Räumen des von der Regierung für diesen Zweck zgr Verfügung gestellten Orangerie-Schlosses. Die Fachausstelluüz wird vom Central-Verband Deutscher Schuhwarenhändler (Sitz Erfurt) veranstaltet und dürfte, nach der zahlreich«: Beteiligung zu urteilen, sehr viel'Sehenswertes bieten. Zur Ausstellung gelangen: Schuhwaren, Leder, Leisten, Maschinen, Werkzeuge, Sâaufenster-Artikel, Nähgarne und sonstige Be­darfsartikel. Mit der Ausstellung ist ein Wettbewerb um den besten deutschen Normalstiefel verbunden worden, an dem sich zahlreiche erste Firmen beteiligen. Die Ergebnisse dieses Wettbewerbs werden in einer Sonder-Ausstellung zur Schau gebracht. Nach alledem dürfte diese Fachausstellung sowohl für Schuhhändler und Schuhmacher, als auch für Nicht­fachleute von großem. Interesse sein, sodaß deren Besuch empfohlen werden kann.

* Prämiiert. Auf derGroßen internationalen Jubi­läums-Ausstellung von Hunden aller Rassen" in Frankfurt erhielt die Dachshündin des Herrn Lehrer Kircher in Langen­selbold einen 1. Preis.

* Im BÄrgervereitt spielt heute abend die Kapelle der 166er und ist ein sehr schönes Operetten-Programm zu­sammengestellt.

* Sehr erfreulich. Dem Beispiele anderer Städte folgend, wurde zu Anfang dieses Jahres von einigen weit­sichtigen Metzgermeistern unter der Leitung des Herrn Ober­meisters Schindler eine Vereinigung gegründet zum Zwecke einer besseren Verwertung der .Häute und Felle. Um das Gefälle in gewünschter Weise zu konservieren und zu lagern, wurde in der Nähe des Nordbahnhofs eine Halle gebaut. Die Häute werden hier gesalzen, aufbewahrt und dann all­monatlich im Anschluß an die Auktion der Frankfurter Fleischerinnung versteigert. Gestern fand die erste berartige Versteigerung statt. Das Resultat war ein unerwartet günstiges. Die erzielten Preise waren wie folgt: Rinder­häute 59^2 Pfg., rote Kuhhäute 5758 Pfg., schwarze Kuhhäute 52Vg Pfg., Ochsenhäute 53l/2Sä1/« Pfg., Bullen­häute 40 Pfg., Hammelbiösen 3.50 Mk. Die Preise ver­stehen sich für Ochsen-, Rinds- und Kuhhäute per Pfund am Lagerplätze. Gekauft wurde fast ausschließlich von Leder­fabrikanten ober deren Beauftragten. Angesichts der schwie­rigen Lage des Metzgerhandwerks infolge der sehr hohen Vieh­preise dürfte dieser Erfolg den beteiligten Metzgern eine er­freuliche Erfahrung sein und wird gewiß dazu beitragen, daß alle in rechter Verfolgung ihrer eigenen Interessen sich alle der Vereinigung anschließe. Wir wünschen diesem Unter­nehmen besten Erfolg.

* Silberne Hochzeit. Herr Konrad Völker uitb Frau, gr. Dechaneistraße 14 wohnhaft, feiern morgen den 20. Juli das Fest der silbernen Hochzeit.

* Hitze. Gestern hatten wir in diesem Sommer bis jetzt die größte .Hitze zu verzeichnen. Das Thermometer zeigte um 5 Uhr nachmittags noch 36 Grad Celsius im Schatten.