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General-Anzeiger
Amilichts Vrzm fit ÄM- »»d Fmâktis Ku«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
verautworü. Redakteur: «.Schrecker in Henan,
Nr. 164
Fernsprechanschlutz Nr. 605»
Dienstag den 17. Juli
Fernsprechanschlich Nr. 605»
1906
Hus Hanau Stadt und Eand«
Hanan, 17. Juli.
Gerichtssaal.
Sitzung der Strafkammer vom 16. Jnli.
Ein hiesiger Geschäftsinhaber hat einen seiner Tagelöhner nicht in der Ortskrankenkasse angemeldet und sich dadurch gegen § 81 des Krankenversicherungsgesetzes vergangen. Da er diesem Arbeiter die Beiträge aber gleichwohl in Abzug brachte, wurde er auch wegen Vergehens gegen § 82.b dieses Gesetzes angeklagt, das mit Gefängnis bestraft wird, wenn nicht mildernde Umstände Zugebilligt werden. Diese billigte ihm das Gericht in Anbetracht dessen, daß es der erste Fall ist, zu und erkannte bezüglich § 81 auf 5 Mk., bezüglich § 82.6 auf 20 Mk. Geldstrafe.
Sinnlos betrunken.
Der Schuhmacher Reinhard von Romstal begeht stets die närrischsten Streiche, sobald er einige Glas zu viel genossen hat, sodaß anzunehmen ist, der Alkohol löst bei ihm eine gewisse Unzurechnungsfähigkeit und eigenartige, ihm sonst fremde Neigungen aus. So befreite er, der durchaus nicht zu den Mutigsten gehört, zwei fremde bissige Hofhunde in der Nacht von ihren Ketten, ließ Esel und Pferde aus ftemden Stallungen, um darauf Reitübungen anzustellen und was solch dumme Streiche mehr sind. Jetzt sitzt • er sogar in Untersuchungshaft, weil er, sonst äußerst gutmütig, in der Trunkenheit den Pferden eines Karussellbesitzers die Zungen abgeschnitten haben soll. Am 25. März kehrte er nachts von einem Kundengang über Land zurück und verspürte dabei plötzlich Sehnsucht nach den Hühnern seiner Nachbarin. Er stieg über eine Mauer, kletterte in den Stall und holte sich zwei derselben heraus. Unterwegs erwürgte er sie. Da er bei seinem Meister Kost und Logis hat, hatte er für die Hühner durchaus keine Verwendung. Er versteckte sie am nächsten Morgen auch einfach hinter sein Bett. Diese Sache hat ihm eine Anklage wegen Einbruchsdiebstahls eingetragen, er wird aber ftèigesprochen, da das Gericht an-- nahm, er habe sich zu jener Zeit in einem Zustand befunden, der seine freie Willensbestimmung ausschloß.
Um eine Invaliden karte.
Schutz vor dem Regen suchend, stellten sich zwei Handwerksburschen, der Spengler Seiler von Kreuznach und der Taglöhner Haßlimeper von Kostheim, am 2. Juni in Langenselbold in einer Steinmetzbude unter. Auf einem Tische lag eine Jnvalidenkarte, die ihnen als begehrenswertes Objekt erschien. Seiler nahm sie deshalb an sich, worauf Haßlimeper meinte, die Karte könne er brauchen. Dieser verfügte nämlich nicht über besonders empfehlenswerte Papiere. Als sie sich entfernen wollten, bemerkten die Arbeiter die ftemden Besucher und kamen herzu, worauf es die beiden mit der Angst bekamen, die Karte zerrissen und in den Straßengraben warfen. Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls sitzen sie
Feuilleton.
Die Erkältung an heißen Tagen.
Von Dr. K. Beerwali».
Fast scheint es paradox, daß auch an heißen Tagen die Möglichkeit einer Erkältung nicht ausgeschlossen sein soll. Wie wenig aber diese Behauptung übertrieben ist, weiß jeder Weltreisende, der auf seinen Fahrten auch durch das Rote Meer gekommen ist. Mit Recht gilt dieses als der heißeste Ort der Erde, und doch stellen sich mit großer Regelmäßigkeit gerade in ihm die schwersten Darmkrankheiten ein, für welche allein die Erkältung verantwortlich gemacht werden muß; denn hier in der Mitte des freien Meeres von spezifischen pathogenen Keimen sprechen zu wollen, dürfte wohl selbst dem fanatischsten Bakteriologen nicht einfallen, und in der Tat wäre dafür auch nicht der geringste Anhalt. Also nur die Erkältung ist es, welche diese profuse Darmstörung hervorruft, und welcher sich die Paffagiere gewöhnlich des Nachts aussetzen, trotzdem die Nächte selbst hier noch eine Temperatur von 30 Grad Celsius und mehr haben. Wenn aber des Abends der glühend rote Sonnenball ins Meer ge- funfen ist und der leise Abendwind sich erhebt, dann erwachen wie aus bleierner Erstarrung die Menschen auf deni großen Ozeandampfer, sie erheben sich aus den Liegestühlen, in denen sie mühsam atmend wegen der glutvollen Lust den Tag verbracht haben, und jeder ist eifrig bemüht, so weit er irgend kann, den geringen Wind möglichst unvermittelt an seine Haut treten zu lassen. Wohl ist dieser Wind für den Augenblick ein Labsal und eine Erquickung, aber am nächsten Morgen schon büßt eS der Reisende schwer, daß er so leichtfertig gehandelt und seinen Körper ohne Schutz dem Abend- und Nachtwind a usgesetzt hat; denn fast ohne Ausnahme stellt sich als Folge der Darmkatarrh ein. Das weiß der erfahrene Reisende sehr wohl, und sobald die tropische Nacht angebrochen, entkleidet auch er den Oberkörper, aber durch eine wollene Leibbinde schützt er den Darm und behütet diesen so vor der schweren Erkrankung.
seitdem in Untersuchungshaft. Haßlimeper befindet sich im wiederholten Rückfalle, hätte also als Mindeststrafe drei Monate Gefängnis zu gewärtigen. Da er feine Bemerkung nach den heutigen Erklärungen des Seiler aber erst machte, nachdem dieser die Karte bereits an sich genommen, eine Anstiftung also nicht vorlag, mutz er freigesprochen werden, während sein Freund 8 Tage Gefängnis erhielt, die durch, die Untersuchungshaft verbüßt sind. Freudestrahlend setzten sich beide alsbald wieder auf Schusters Rappen und ritten in die goldene Freiheit hinaus.
28 Mittelrheinischks Kreistnrnsest.
Auch der gestrige zweite Harrptfesttag bescheerte uns ein Wetter, wie es der Festausschuß sicher nicht anders gemacht hätte, wenn er dazu in der Lage gewesen wäre.
Das Einzelwetturmen
(Sechskampf) begann um 6 Uhr früh in 2 Gruppen. Es beteiligten sich 426 Turner. Für den Sechskampf waren an volkstümlichen Uebungen bestimmt: 1) Hochspringen, 2) Weit- springen, 3) Steinstoßen. —. Von 10—1 Uhr fand Frühkonzert, um 2 Uhr in der Festhalle eine
Festtafel
statt, die zahlreiche Teilnehmer aus der Stadt wie von auswärts aufwies. Den Reigen der Trinksprüche eröffnete der 1. Kreisvertreter Herr Schmu ck-Darmstadt, der ausführte:
Hochverehrte Damen und Herren, liebe Turner! Mit dem Festmahle, das uns hier vereinigt hat, haben wir bereits den Höhepunkt unseres 28. Kreis turnfestes nahezu überschritten, und wir sind in der Lage, nun feststellen zu können, daß alle _ die Hoffnungen, die wir am Kommersabend an dieses Fest geknüpft haben, in reichem Maße erfüllt worden sind. Alle von der Feststadt Hanau getroffenen Einrichtungen haben sich in der glänzendsten Weise bewährt, sodaß es uns leicht geworden ist, unser Turnprogramm in der besten Weise abzuwickeln und zu erledigen. Und so sage ich denn dem 9. Kreis und Allen Dank, die hier dazu beigetragen haben, daß es uns möglich gewesen ist, unsere turnerischen Arbeiten in dieser Weise zu erfüllen. Ich sage unsere turnerischen Arbeiten, denn die Feste sind für uns Turner zunächst eine Arbeit und zwar eine hochbedeutsame Arbeit, eine Arbeit im Dienste des Vaterlandes. Nur gu diesem Dienst hat , unser Turnvater Jahn vor nahezu hundert Jahren Deutschlands Jünger und Männer ausgerufen, damals als der Begriff Vaterland geschwunden war, als man vergessen hatte, das Vaterland zu lieben und gu achten, weil man es nicht mehr kannte, sogar sogenannte geistig hochstehende Männer träumten von der Möglichkeit einer allgemeinen Völker-Verbrüderung und trotzdem der Fuß des fremden Eroberers sich immer fester auf unseren Nacken gesetzt hatte. Man hatte vergessen, daß die höchsten Güter eines freien Mannes, die Ehre und die Unabhängigkeit seiner Nation sind. Kaiser und Reich, so hieß die Parole, die uns
In unserer Heimat sind die Verbältnifle natürlich nicht so extrem, aber ähnlich gestalten sie sich doch. Nicht allein das unvorsichtige Trinken großer Mengen kalten Wassers bringt eine Erkältung des Darmes, sondern auch bei uns spielt der Wind und vor allem die Abkühlung während der Nacht eine nicht ungefährliche Rolle und wird die Ursache von manchem Darmkatarrh sowie von Schnupfen und rheumatischen Schmerzen. An heißen Tagen, wie sie der vergangene und dieser Sommer gebracht haben, soll man daher doppelt vorsichtig in Bezug auf die Abkühlung sein, und man soll vor allem darauf achten, daß stets der Unterleib sowie die Bauchgegend und die entsprechenden Partien des Rückens eine genügende Bekleidung tragen. Oberkörper, Beine und Füße können unbeschadet entblößt bleiben, niemals aber darf die Leibesmitte zu lange der wärmenden Hülle entbehren.
Sobald die Sonne gesunken ist, treten Luftströmungen ein, die uns gar nicht bemerkbar werden, die aber doch dem Körper Wärmeverluste zufügen, die für ihn auf die Dauer sehr empfindlich sind und auf die der an kühleren Tagen so sorgfältig arbeitende Wärmeregulator in der Haut um so weniger reagiert, als sie auch diesem sonst so aufmerksamen Wächter sich zu entziehen wissen. Die Haut aber ist an heißen Tagen strotzend mit Blut gefüllt, weil der Körper Bestreben hat, so viel Wärme von seiner Oberfläche abzugeben, als irgend möglich ist, und da mit dem Nachlassen der Luftwärme sich die Hantgefäße keineswegs gleich wieder zusammenziehen und ihren Inhalt verringern, so kann nach Sonnenuntergang der Verlust an Körperwärme ein recht erheblicher werden und leicht die zulässigen Grenzen übersteigen, wenn nicht rechtzeitig Vorkehrungen dagegen getroffen werden.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß ein gewisser Teil der Sommer-Diarrhöen kleiner Kinder und Säuglinge ebenfalls auf die Erkältung und nicht immer allein auf die unzweckmäßige Nahrung zuriickzuführen ist. . Kinder laufen gern mit entblößtem Unterkörper umher, und der Säugling in seinem Wagen im Garten oder sonst im Freien strampelt auch gern die Decke ab und liegt dann vollkommen nackt da. Wenn nun ein Wind sich erhebt und über den kleinen Körper hinwegstreicht, oder wenn die Entblößung lang gedauert hat, so entsteht hier bei dem schwächlichen, wenig widerstands-
Jahn geschaffen hat, so hat sie geheißen stets für unsere deutsche Turnerschast bis auf den heutigen Tag und sie darf das Verdienst für sich wohl in Anspruch nehmen, in weiten Kreisen den Gedanken cm Kaiser und Reich wach gehalten zu haben bis uns endlich jene Männer geschenkt worden sind, die dazu berufen waren Kräfte zu sammeln und diese von der Einigkeit der deutschen Stämme zu überzeugen, diesen Gedanken in dieWirklichkeit umzusetzen. Heute genießen wir die Wohltaten, für die vordem Tausende vergebens geblutet haben,wir sind in wenigen Jahren eine achtungs gebietende Nation geworden und besitzen ein Vaterland, in dem jeder feine Kräfte frei entfalten kann und das jedem ein offenes Feld bietet zur Entwicklung seiner Kräfte. Nur an einem Fehler franst unsere heutige Generation. Sie nimmt Kaiser und Reich als etwas Selbstverständliches hin, als könne es gar nicht anders sein und hat vergessen, daß es schwer gewesen ist, diese Güter zu erkämpfen. Leider wird heute vielfach vergeffen, daß heute die Schicksale der Völker wandelbar "sind, wenn sie es nicht vergeffen, sich gesund an Geist und Leib zu halten, daß sie wandelbar sind, sich zu Institutionen zu bekennen, die durch die Geschichte und Erfahrung als das feste Bollwerk des Friedens und der Unabhängigkeit erkannt worden sind. Wir haben unserer heutigen Generation die heilige Aufgabe gestellt, das zu erhalten, was für unsere nationale Arbeit erhaltenswert und erachtungswert geworden ist und an dieser Arbeit ist in hervorragender Weise unsere deutsche Turnerschast tätig und bereit gewesen.
Es ist die Meinung des Tages, daß wir es wohl verstehen unsere Jugend und unsere Scharen zu disziplinieren und daß wir es verstehen den Grund zu legen, zur Sittlichkeit und freien Erkenntnis, die nicht durch Gesetze verordnet werden können. Das haben die glänzenden Darbietungen unserer Turner und die musterhafte Ordnung gestern und heute aufs neue bestätigt, und daß wir es ferner auch verstanden haben durch unsere Turnerschast die Volkskraft zu erhalten, das ist eine unbestreitbare Tatsache. Ich erinnere nur an die Tatsache, die feststehend ist, daß in dem Kriegsjahr 1870—71 von allen, die ins Feld gezogen sind, nur 3 Prozent mit dem eisernen Kreuz dekoriert worden sind, aber, von allen Turnern haben 5 Prozent dieses Zeichen nach Hause gebracht. Man sollte meinen, daß solche Bestrebungen gerade in den führenden Kreisen der Nation die lebhafteste Unterstützung finden müßten, leider trifft diese Tatsache nicht vollständig zu und viele sind es, die uns fern steheü. Ich benutze die Gelegenheit, an alle Mann, die wirklich von sich sagen wollen, daß sie deutsch gesinnt sind, ich benutze diese Gelegenheit, sie zu veranlassen, daß sie tätig oder helfend in unsere Reihen ein treten und auf diese Art können sie am besten ihren Patriotismus bekunden und eine Brücke schlagen über eine Kluft, die breite Volksschichten von einander trennen und die nicht durch Gesetze und Verfügungen zu überbrücken sind, sondern nur dadurch, daß wir uns brüderlich einigen und in jedem Menschen den Menschen ehren und achten. Wer mit in unsere Reihen
fähigen Menschlein viel leichter eine Erkältung als bei dem kräftigeren Erwachsenen, und dann soll hinterher die Nahrung allein die Schuld für die verhänisvolle Erkrankung tragen. Es würde sich gewiß sehr empfehlen, wenn Mütter unb Kinderwärterinnen auch mit dieser Möglichkeit mehr als es heute geschieht, rechnen und ihr mehr Beachtung schenken würden. Sicherlich würde dadurch manches Leben, das der schwere Darmkatarrh schließlich als Opfer verlangte, erhalten worden sein.
Sehr häufig stellt sich die Erkältung, wie erwähnt, des Nachts während des Schlafes ein. Man öffnet alle Fenster, damit die Luft möglichst vollen Zutritt hat, und wenn auch beim Zubettgehen der Körper bedeckt wurde, so kommt es doch sehr häufig vor, daß während des Schlafes die Decke abgeworfen wird und außer dem leichten Nachthemd der Körper keine sonstige Hülle hat. Man soll daher" auch nicht an sogenannten Sommernächten das Bett so stellen, ba& ber Zug vom Fenster den Körper direkt treffen kann, und wer dazu neigt, sich im Schlafe abzudecken, der wird gerade im Sommer gut tun, eine leichte seidene Leibbinde während des nachts zu tragen. Die Belästigung durch eine solche ist keine große, der Schutz auf der anderen Seite aber ein so wesentlicher, daß der Vorteil den geringen Nachteil bei weitem überwiegt.
Auch wer an Sommerabenden hinausgeht in die öffentlichen Gärten der Vorstadt, wird in den meisten Fällen gut handeln, wenn er sich für das Sitzen draußen einen leichten Sommerüberzieher mitnimmt, da auch das Ruhen in der sich abkühlenden und von den nicht fühlbaren Strömungen durchzogenen Luft eine Erkältung begünstigt; denn was für den in Bewegung befindlichen Menschen unschädlich ist, kann dem auf der Bank oder auf dem Stuhl im Freien Sitzendsr wohl schädlich werden. Vor allem ist eS auch hier der Unterleib, der zu schützen ist, und eigentümlicherweise scheint es weniger verhängnisvoll zu sein, wenn, natürlich nicht zu schnell hintereinander, einige Gläser selbst kälterer Flüssigkeit getrunken werden, als wenn ein kalter Luftzug diese Teile des Körpers trifft. Vielleicht ist auch aus dieser Beobachtung das Sprichwort von den warmen Füßen und dem kalten Kopf entstanden; denn in Wirklichkeit kann man bei systr-