13. ZNtt
Freitag
Drahtnachrichten.
Dir Nordlan-sreise ves Kaisers.
Lromsö, 12. Juli. Die Jacht „Hamburg" mit bem d eu tschen Kaiser an Bord, ist heute mittag nach HamMerfest abgegangen.
Hammerfest, lß. Juli. Die „Hamburg" hatte auf dem Weg von Tromsö hierher bei aufklärendem Wetter und ruhiger See eine herrliche Fahrt durch die Schären und Fjorde. Die Temperatur war 70 Celsius. An Bord ist alles wohl. In Tromsö -meldeten sich beim Kaiser der norwegische Stiftamtmann und der kaiserliche Konsul I e b s e n.
Englisches Unterhaus.
LouSon, 12. Juli. Bei der Beratung des HeeresetatS gibt Kriegsminister Haldane eine längere Erklärung betreffend die Vorschläge der Regierung über die Reorganisation des Heeres und die Verminderung der Ausgaben ab. Das Ergebnis dieser Vorschläge ist, daß, während gewisse Verminderungen im Friedensetat möglich gewesen seien, England noch im Stande sei, ein Expeditionskorps von 150000 Mann nach auswärts zu entsenden und die effektive Stärke dieser Streitmacht unvermindert während der ersten Stadien Les Feldzuges austechtzuerhalten.
London, 12. Juli. (Fortsetzung.) Im weiteren Verlaufe der Darlegungen verweist der Kriegsminister Haldane auf die in der jetzigen HeereSorganisation bestehende Verwirrung und führt weiter aus, wenn der Dienst bei Munitionskolvnuen, beim Transport- und Verpflegungswesen, der jetzt der regulären Armee obliege, von der Miliz geleistet werde, so würde einerseits die Zahl der für Kampfzwecke verfügbaren Truppen in großen! Maße vermehrt werden, während sich andererseits wesentliche Ersparnisse ergeben würden. Der Generalstab habe unter Zugrundelegung dieserGrundsätze einen Plan für die Kriegs organisation ausgearbeitet. Wenn die Vorschläge der Regierung verwirklicht würden, werde sie in der Lage sein, für den überseeischen Dienst schleunigst 4 Kavalleriebrigaden, 6 Divisionen, jede zu 8 Brigaden, also rund 150000 Mann zu mobilisieren. Die so organisierte Streitmacht werde um 50 pCt. stärker sein, als irgend ein Expeditionskorps, das bis jetzt von England zu organisieren versucht worden sei. ES sei möglich, eine solche Streitmacht mit reduziertem Friedensstande zu organisieren, aber nur unter der Bedingung, daß die Miliz sich für den Auslandsdienst zu Kriegszwecken verpflichte. Die Regierung schlage vor, daß die Armee 20000 Reguläre weniger haben solle als jetzt. Die Reduktion würde erreicht durch Abschaffung von 10 Jnfanteriebataillonen, einschließlich zweier Gardebataillone und durch Benutzung der Miliz für Hilfsdienste. Haldane erklärt schließlich, Lie Kavallerie solle unverändert bleiben, während Vorkehrungen getroffen würden zur Mobilisation von 63 Batterien zur Vervollständigung der Erpeditionsstreitmacht, die bestehen würde aus 50000 Mann aktiven Regulären, 70000 Mann regulärer Reserve und 30000 Mann Miliz. Die indischen Truppen .sollten unverändert bleiben. Die Mehrzahl der abzuschaffenden Bataillone sei in den Kolonien stationiert. Für die Verteidigung des Mutterlandes gegen feindliche Angriffe und für Verstärkungen für die Expeditionsstreitmacht müsse hauptsächlich auf die Noomanry und die Freiwilligen gerechnet werden. Für bessere Organisation der beiden letzteren Streit- mächte werde jetzt vom Generalstabe ein Plan ausgearbeitet. Bei der Organisation des Expeditionskorps habe sich die Regierung von der Möglichkeit leiten lassen, daß eine lange Friedenszeit komme oder daß alle Nationen sich entschließen, ihre Rüstungen in großem Maße herabzumindern. Die Regierung habe deshalb einen Spielraum gelassen, sodaß lHe Streitmacht Zusammengezogen oder ihre Bildung verzögert werden könne je nach dem Staube der Politik. Der Notwendigkeit der Herabsetzung der Heeresausgaben stimme er zu. Die Demokraten verlangten Erleichterung der erdrückenden Heereslasten und die Regierung habe geglaubt, in dieser Bewegung die Führung übernehmen zu sollen.
London, 12. Juli. Unterhaus. (Fortsetzung.) Die Meinungen des Hauses über die Vorschläge des Kriegsministers waren geteilt. Während einige Redner die vorgeschlagenen Herabminderungen als unrütlich belämpften, waren andere der Ansicht, daß sie nicht weit genug gingen. Der Kriegsminister erwiderte schließlich, es sei ÜNmögncb, allen recht zu machen und erklärte, die Regierung beabsichtige, an dem vorgeschlagenen Plan festzuhallen.
Die Dreyfus-Affäre.
Paris, 13. Juli. Es heißt, daß Dreyfus seinen Rang als Major mit dem Datum des 30. September 1901 erhalten werde.
Paris, 13. Juli. Die gesamte Presse begrüßt die Entscheidung des Kassationshofs an leitender Stelle. Einzelne nationalistische und konservative Blätter greifen den Kassationshof in schärfster Weise an. Der „Eclair" schreibt: daS Urteil sei ein politischer Gewaltstreich, ein Attentat gegen die Kriegsgerichte. Der „Gaulois" schreibt: die Freisprechung des Dreyfus ist ein Meisterstück der Umstürzler, welche das Land in dauernder und unheilvoller Weise entzweien wollen. Denn sie haben an einem und demselben Tage die Autorität der Militärgerichtsbarkeit diskreditiert und öffentlich die Ziviljustiz blosgestellt. Die „Autoritè" sagt, man irre sehr, wenn man glaubt, daß durch diese Entscheidung aller Groll beseitigt worden ist. Es sei zu befürchten, daß Dreyfus an seinem wiedereroberten Säbel im ganzen Lande wenig Freude haben werde, es würde Ohrfeigen auf ihn regnen, wenn er eine Kaserne betreten wollte. Die „Libre Parole" veröffentlicht abermals ein offenes Schreiben an General Mercier, in welchem es heiht: „Sie haben Ihr Versprechen nicht gehalten. Ihre beiden Briefe sind leere Ausflüchte. Schweigen v Sie, weil Sie für Ihre Ruhe fürchten? Oder hegen Sie die Besorgnis, daß durch Enthüllung von Staatsgeheimnissen auswärtige Verwickelungen entstehen könnten? Die erste Meinung ist widersinnig, die zweite wäre nichtig, denn niemand wird glauben, daß die Vorgänge, welche sich zur Zeit der Verhaftung Dreyfus zugetragen haben, ein „casus ßelli" sein und einen Zwist mit einer fremden Macht heraus beschwören könnten. Sprechen Sie gleich! Man gibt Ihnen „och einen Tag Kredit, morgen wäre es zu spät!“
Paris, 12. Juli. Außer der Interpellation Pressens»'s über daS Urteil in der Dreyfus-Affäre wird der Deputierte Breton einen Antrag in der Kammer einbringen auf U e b e r f ü h r u n g d e r Ü e b e r r e st e Z o l a' s i n s Pantheon.
Paris, 12. Juli, Die Minister hielten heute abend muer bem Vvrsitz Falltdres eine Sitzung ab, in welcher be- schlLsse« würde, morgen früh bem Bureau der Kammer zwei
Gesetzentwürfe zugehen zu lassen, nach denen Dreyfus | und Piguart in die Stellung eingesetzt werden sollen, in der sie sich befinden würden, wenn sie in dec Armee geblieben wären, außerdem D r e y s u è z u m N i t t e r der Ehrenlegion ernannt werden soll.
Folgenschwerer Automobilunfall.
London, 12. Juli. Bei Handcroß in der Nähe von Crawley (im Sussex) stürzte heute ein Automobil- omnibuS, da seine Bremsvorrichtung versagte, einen Abhang hinunter. Sechs Personen wurden getötet und zwanzig verletzt.
Mutmatzticher Mörder.
Berlin, 13. Juli. Dem „Berl. Lok.-Anz." zufolge ist der verhaftete mutmassliche Mörder des Matrosen Stubb- Mann in Potsdam der Schlösser Karl Hüller aus Wannsee, welcher in einem Break heimfuhr.
Ermordet.
Nèwyork, 13. Juli. Bei dem Bau des neuen Plaza' Hotels ermordeten 30 Unions-Arbeiter einen Spezialpolizisten, zwei andere wurden schwer verwundet. Die Beamten beschützten Leute, die nicht der Union angehören. Der schreckliche stampf fand in der 8. Etage auf schwankendem Bretterboden statt. Vorher entfernten die Arbeiter eine schmale Leiter und schnitten damit ihren Opfern den einzigen RettungS- weg ab.
Selbstmord.
Dessau, 13. Juli. In Alten verübte die Frau des Bäckermeisters Rathmann, der sich kürzlich erhängte, einen grauenhaften Selbstmord, indem sie sich mit Petroleum begoß und dann anzündete.
Bergiftungsversuch.
Stettin, 13. Juli. Der bei dem Schneidermeister Hohen- walb beschäftigte Bügler Ortwig versuchte seinen Meister zu vergiften, indem er ihm Lysol in den Kaffee goß. Hohen- wald liegt schwer krank darnieder. Ortwig wurde verhaftet.
Prozeh Zander,
Breslau, 13. Juli. Noch ehe der Monstreprozeß gegen Major Zander zu Ende gegangen ist, wird eine Reihe interessanter Beleidigungsprozesse angekündigt, deren Ursache in den Breslauer Verhandlungen liegt. Uèbrigens soll der Kaiser über den Prozeß Jmmediatsberichte eingefordert haben.
Wolkenbrüche.
Göttingen, 13. Juli. Bei Geismar und Billingshausen richteten Wolkenbrüche großen Schaden an. Im Lèinelal sind große Strecken überschwemmt.
Niederlage.
New-Orleans, 12. Juli. Ein amtliches Telegramm, welches der hiesige Konsul von Guatemala erhielt, meb der, daß der Kampf zwischen den Truppen von San Salvador und Guatemala, in welchem Regalado fiel, bei E l j i d a r o staitfand, und daß die Truppen von San Salvador eine Niederlage erlitten.
Sonder Oersonenzüge
die aus Anlaß des
28t Akittelrhein. ^reistnrnfestes zu ^mtau
an den über den Sonderzügen angegebenen Tagen gefahren werden.
Statioueu
Am 14. Juli
Am 15. Juli
Stationen
Am 15. Juli
Am 16. u. 17. Juli
Vorzug 231 2-4®.
Vorzug 213 2-4®.
Nach^g.
2-4®.
VorzugjNachzg.
232 1 214
2-4®., 2-4®.
Strecke Frankfurt a. M. H. P. Bhf.- Haitau Ostbhf.
Frankfurt a. M. H.-B. ab
433
610
700 i
Hanau Ostbhf. . . . ab
654
Frankfurt-Sachsenhausen „
4«
6*8
708
Kll-Steinhciul .... an
668
Frankfuri-Oberrad . , „
450
664
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Mblheim a. M.. . . „
706
Offenbach (neu) . . . „ Mhlhenn a. M.. . . „ Kl.-Steinheiiii . . . . „
458
701
721
Offenbach (neu) . . . „
715
50»
519
710
718
730
738
Fiankfuit-Oberrad . . „
Frankfurt-Sachsenhausen „
733
728
Hanau Ostbhf. ... an
523
722
743
Fraukfurt a. M. H.-B. an
736
1221 122 1233 12« 12* 1266 iS
Strecke Frankfurt a. M. Ostbhf.—Hanan Ostbhf.
Stationen
Am 15. Juli
Stationen
Am15. Juli
Am 15. und 16. Juli
Am 15. und 16, Juli
Vorzug 453 1-4®.
Vorzug 363 2-4®.
V 1 1-431. ]
2-4SI.
Nachzg. 400 1-SKl.
^ 1-4®.
Frankfurt a.M.Ostbh. ab
550
915
965
Ha«»« Ostbhs. ... ab
IO*»
1100
1224
Mainkur.....„
559
925
10*
Hanau Wcstbhf. ... an
10^
1104
12g
Bischofsheim-Rumpenheim „
6*
981
1011
Mll>clnisbad ...»
103?
1114
12g
Hochstadt-Dörnigheilll . „
610
936
1016
Hochstadt-Dörnigheim . „
1014
1121
1243
Äilhelmsbad . . . . „
616-/3
942 l/i
1083
BischofSheiur-Rmnpenheim „
IO«
11261/,
12*9
Hanau Westbhs. . . . „
623
950
1031
Mainkur ......
IO*
1133
12g
Hanau Ostbhf. ... an
627
964
1035
Frankfurt a. M. Ostbh. an
1104
112
ig
Strecke Friedberg (Hessen)—Hanan Ostbhf.
Stationen
Am 15. Juli
Son- derzug 2-4®.
—
Friedberg (Hessen) .
ab
Soo
v'.iienljcim . . ; . .
Sos
—
irrhstadt-Kakchen . . .
ff
817
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Heldenbergen-Windecken
826
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—
Ostbkim b. Windeckeu .
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—
Bruchköbel.....
310
—
—
Hanau-Norddhf. . , ,
869
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—.
Hanau Ostdbf, . .
an
1 838
—-
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Bemerkungen t
Es empfiehlt sich, die Vorzüge zu benutze», well diese Züge auf den AbzweigungSstatioucn die Anschlüsse an andere Züge sicherer erreichen, als die nachfolgenden Hauptzüge.
Die Beförderung der Reifenden erfolgt zu gewöhn- ; lichen Fahrpreisen.
Die Nachtfahrzeüen von 600 Nm. bis 568 Vm, I sind durch Unterstreichung der Minuten;nfcr bezeichnet.
Frankfurt a. M., im Juli 1906. (HL 8, 25.)
L Königlich» Eiltabadn-Dirrtti»».
Washington, 18. Juli. (Reuter.) Das Staatsdepartement erhielt eine Depesche des diplomatischen Vertreters von San Salvador, nach welcher der frühere Präsident von San Salvador, Regalado, der Führer der Truppen von Salvador im gegenwärtigen Streite mit Guatemala, in den, Kampfe, der heute stattfand, gefallen sein soll. Ueber das Ergebnis der Schlacht macht das Telegramm keine Angabe
Ansstandsbeweanng.
Leipzig, 18. Juli. Eine Versammlung des Senne» felder Bundes beschloß nur dann die Arbeit aufzunehmen, wenn die Gehilfenforderungen vorher geregelt werden, insbesondere wenn alle Ausgesperrte und Streikenden die alten Plätze wieder einnehmen sönnen.
Rom, 13. Juli. Nach 14tägiger Dauer des Streikes werden durch Vermittelung des Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs erneute Verhandlungen mit den Transport- Arbeitern ausgenommen. Die Straßenbahn bietet nunmehr Lohnerhöhungen im Gesamtbeträge von 90 000 Lire pro Jahr. Die Arbeitskammer befürwortet die Annahme der Zugeständnisse. Die Beilegung des Streikes scheint wahrscheinlich.
Segelsport.
Le Havre, 13. Juli. Im Anschluß an den Kampf um den Pokal von Frankreich, bei welchem die deutsche Jacht „Felca" siegte, veranstaltete die hiesige deutsche Kolonie ein Festmahl zu Ehren der Segler und Mitglieder des Komitees der „Sigue Maritime Francaise", wobei der deutsche Generalkonsul von Oertzen den Vorsitz führte. Der von einem deutschen Teilnehmer ausgebrachle Trinkspruch auf „Frankreich zur See" wurde mit lauten Hurrarufen ausgenommen, während die Musik die Marseillaise spielte.
Kiel, 12. Juli. Prinz Heinrich von Preußen begab sich heute mit dem Prinzen Waldemar zu mehrwöchigem Aufenthalt nach Tirol und der Schweiz.
Tanger, 12. Juli. Privaten Meldungen aus Fez zufolge, soll der Sultan an einer Fistel operiert worden sein und sich bereits auf dem Wege der Besserung befinden. Di« Gerüchte über eine ernstere Erkrankung des Sultans, die von der „Döpsche Marocaine" wiedergegeben wurden, entbehren jeder Begründung.
Durban, 12. Juli. Messini und Nahlevut» kagimuni, zwei Hauptanführer der aufftänbigen Zulus, haben s i ch ergeben.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Dien st stelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).
Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 13. Juli bis zum nächsten Abend.
Schwache westliche Winde, ziemlich trübe, nur stellenweise leichte Niederschläge, Temperatur nicht erheblich geändert. W^ö^^äMMN »WJlMJ.'iil lU3g?«g3K«eEgaESESE3£^-^JET?^^