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Stetatienidruck und Verlag der Buchdruckerei oeS verein, es. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Orgsn für SW und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Dir sünsgespaltene Petüzeile ober deren Raum 1d %. im RÄlamenteil die Zelle 35 Pfg.

DnaniworU. Redakteur: @. Schrecker in Hanau.

Nr. 153

WernspvechanfchKch Nr. 605

Mittwoch den 4. Juli

Fernsprechanschlutz Nr. 605

1906

Amtliches.

Bekanntmachung.

Etwa 500 Kilo alter Akten sollen am Montag den 16» Juli d. Js., vormittags 11 Uhr, im hiesigen Gerichtslokal, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 4, öffentlich meist-

bietend verkauft werden.

Hanau den 27. Juni 1906.

Königliches Amtsgericht

14076

Hus Hanau Stadt und Tand»

Hanau, 3. Juli.

Hessischer Fsrstverein.

P Gelnhausen, 3. Juli. Die gestrige Tagung des hessischen Forstvereins schloß mit zwei interessanten Vorträgen: Zuerst sprach Forstmeister Wolff aus Wetter überBe­gründung und Erziehung der Kiefern- be st än de im V er ein s g eb i et e". Mitberichterstatter war Oberförster Caesar aus Hersfeld. Das Vortrags- thema fesselte die Zuhörer in hohem Maße, die sich an­schließende rege Debatte bewies, daß der Vortrag auf frucht­baren Boden gefallen war. Speziell für die Hanauer bzw. Main- und Kinziggegend interessant war der Vortrag deS Forstmeisters Fenner- Wolfgang bei Hanau, der folgendes Thema berührte:

Der Fraß der Kiefernbusch Hornblattwespe (L ophyru8 pini) 1904 und 1905 in den Wal­tz ungen des unteren Main- und Kinzigtales des Regierungsbezirks Cassel.

Einleitend berührte der Referent das Auftreten der Blatt­wespen in früheren Zeiten. Wenn auch zu allen Zeiten in unseren deutschen Wäldern. - die Blatrwespe mehr oder weniger durch ihren Fraß sich bemerkbar machte, so sei ihre größere Verbreitung doch erst in der Zunahme des künstlichen An­baues der Kiefer begründet. Nach den vorhandenen Auf­zeichnungen sei man wohl zu der Annahme berechtigt, daß die Blattwespe etwa alle 2025 Jahre in größeren Mengen auftrete. 1820, 1844, 1866 und 1885, sowie zuletzt 1904/05 sei ein größeres Auftreten der Insekten zu verzeichnen ge­wesen.

Das jetzige F r a ß g e b i e t der L. p. unseres Bezirks umfaßt die Kiefernbestände der Königlichen Oberförsterei Wolfgang, Kassel, ferner Teile der Oberförsterei Hanau, Orb, Bieber und Flörsbach, sowie das Gräff. Jsenb. Meerholz'sche Revier Meerholz und wird begrenzt im Westen durch den Main vom Eintritt in Preußisches Gebiet bis zur Einmün­dung der Kinzig bei Hanau, im Norden dutch die Kinzig vom Main bis an den Aufenauer Berg und im Westen von da bis wo der Flörsbach die bayerische Grenze berührt.

Gleichzeitig traten die Blattwespen schädlich auf in den Waldungen von Lothringen, der Pfalz, des Odenwaldes, der Bergstraße, deS Mains und Rheins sowie auch in Bayern (Unter- und Oberfranken; Nürnberg).

_ In der Oberförsterei Wolfgang zeigte sich die fressende Afterraupe zuerst Ende Mai und im Juni 1904 im Groß- auheimer Gemeindewald, von Südwesten und Westen her. Der Fraß war im Ganzen unbedeutend und überschritt die Grenze zwischen Staats- und genannten Gemeindewald nur in ganz geringer Ausdehnung, (im Jagen 59 b). Fast gleich­zeitig trat der Afterraupenfraß auch in den Nachbarrevieren unseres Bezirks sowie in den Königl. Bayerischen und Großherzl. Hessischen Forsten auf. Nach den dankenswerten Mitteilungen, die mir auf Ersuchen von den betreffenden iReüierporftcmben gemacht wurden, im Forstamt. Aschaffen- burg-Nord, in den Oberförstereien Seligenstadt 'und Gräff. Jsenburg-Meerholz'schen Waldungen im "Juni; in den Ober- förstereien Kassel (Kreis Gelnhausen), Bieber, Orb und Groß­steinheim Ende August 1904; dagegen wurde in der Ober- försterei Darmstadt und Offenbach schon im Frühjahr 1903 ein stärkeres Auftreten der Blatiwespe bemerkt; zu derselben Zeit auch im Bayerischen Forstamt Wasserlos, Complex Unterwald, gleichzeitig mit der Nonne, wo dann im Herbst 1903 in dem unmittelbar an das hiesige Revier angrenzenden Gemeindewald Alzenau auf einer Fläche von rund 770 ha die Raupen schon stark fraßen. Ohne die Preußische Landes- und Maingrenze im geringsten zu beachten, drangen dann große Schwärme von Blattwespen in unser VereinSgebiet ein, und verbreiteten sich rasch in östlicher Richtung, indem Um­fange, wie schon früher angegeben; das Kinzigtal jedoch nur an einigen Stellen (Oberförsterei Hanau) und Gemeindewald Lieblos (Oberförsterei Bieber) überschreitend. Fast alle In­sekten haben mehr oder weniger eine Vorliebe für kränkeln­des auf schlechtem Boden erwachsenes Holz, für lichte und schlecht bestandene Orte, ganz entschieden aber die Blattwespe. In den angrenzenden Bayerischen Gemeindewaldungen wird in den auf einem armen Sandboden stockenden Kiefernwal­dungen die Nadelstreu derart genutzt, daß der Boden voll­ständig rein ist. Hier ist ein Dorado für allerlei Insekten; so kam auch in 1889 die Nonne aus den Bayerischen Wal­dungen in das hiesige Revier.

Die im Mai und Juni 1904 sich zeigenden Afterraupen traten noch nicht in großen Massen auf; der angerichtete Schaden war nicht bedeutend. Es wurden meist nur die vorjährigen Nadeln und auch diese nur, wenigstens so lange die Raupen noch klein waren, vom Rande bis zur Mittel­rippe, die stehen blieb, benagt; daher sah man ganze Beste mit dürren, braunen krausenartigen Fäden. Auch wurden längere oder kürzere Stummel oder ganze Nadelbüschel stehen gelassen, die befallenen Bestände konnten deshalb den Mai­trieb noch ungestört ausrecken. Dagegen hatte sich daS In­sekt im Distrik 25 des Somborner Gemeindewaldes (65jähr. Kiefern in gelichteter Stellung) gleich bei seinem ersten Auf­treten als sehr schädlich erwiesen. Es müssen hier besonders große Schwärme von Wespen zur Eierablage eingefallen sein. Der Bestand wurde ziemlich kahl gefressen, auch die Maitriebe.

Anfang August (1904) sand das zweitmalige Schwärmen der Wespen statt, welche sich nun rasch über das ganze Re­vier verbreiteten; alles, was an Kiefernbeständen' auf dem Zug der Wespe lag, wurde mehr oder weniger befallen. Alt- Holz und junge Stangenhölzer; gutwüchsige und schlecht­wüchsige, geschlossene und gelichtete, reine und gemischte Be­stände, ob aus Saat oder Pflanzung entstanden; Nord- und Südseite u. s f. Vorzüglich und in größerer Anzahl zeigten sie sich auf den Sommerseiten, wo die Stämme am meisten Licht und Wärme genießen, gegen Wind geschützt sind, der Prozeß des Auflösens, des Kreislaufes und der Ausleerung der überschüssigen, wässerigen Teile aber schneller vor sich geht. Ebenso wurden die geschützten und sonnigen Ränder der Wege und Gestelle, sowie die absetzenden Ränder der älteren und jüngeren Bestände bevorzugt. Die stark durch­forsteten, die im Lichtungsbetrieb mit Buchen unterbauten Bestände, die Ueberhälter und Samenbäume, überhaupt Stämme mit guten Kronen und die aus den noch geschloffenen Beständen mit der Krone (Spitzen) hervorragenden Stämme waren auffällig stärker befressen. als,diegespannt gehaltenen, noch wenig oder gar nicht durchforsteten. In das Innere namentlich noch geschloffener Bestände, schienen sie nur un­gern einzudringen; hier nur hauptsächlich die Spitzen der hervorragenden Stämme befallend; hier wurden sie auch sprungweise und in einzelnen Horsten öfters zahlreich zusam­mengedrängt beobachtet, sobald einzelne Stellen über die durchschnittliche Höhe des Bestandes heroorsahen. Es sind dies für die weitere Ausbreitung des Fraßes die richtigen Fraßherds. Wenn die Wespen bei ruhigem, warmen Wetter in dichten Haufen schwärmen, so erheben sie sich ähnlich wie ein Bienenschwarm in die Höhe und sehen sich nun nach ge­eigneten Stellen zur Eierablage um, wobei ihnen einzelne oder auch forstweise hervorragende Stämme am ersten in die Augen fallen, und die sie dann massenhaft befallen, nm sofort mit dem Begattungsgeschäft und Eierablage zu be­ginnen. So war z. B. im Jagen 62 der Oberförsterei Wolf­gang eine etwas erhöhte fast kreisrunde Stelle von 0,02 ha Größe, eines öö/80jährigen Kiefernbestandes mit 64 Stück Stämmen bestanden, derart massenhaft von der Blattwespe befallen, daß 54 der Stämme dürr wurden; auch im Jagen 64b war ein ähnlicher aber größerer Fraßherd; der übrige Teil deS Jagen und die angrenzenden waren dagegen ganz gering mit Afterraupen besetzt. Durch dieses Verhalten der schwärmenden Wespen ist es auch erklärlich, warum in Schonungen die Samenbäume, Ueberständer und Schirm­bäume ganz auffallend stark befallen wurden; war an diesen nichts mehr zu fressen, so wurde auch der Jungwuchs nicht verschont.

Die gegen die Main- und Kinzigebene höher gelegenen Bestände, besonders die Nord- und Osthänge, wurden von dem Insekt weniger heimgesucht. Mitteilung aus bem Forst­amt Aschaffenburg und der Oberförsterei Bièber.

In dem kurzen Zeitraum von wenigen Wochen erlangte das Uebel den höchsten Grad der Ausdehnung und Stärke. In den befallenen Orten waren jetzt Milliarden von Raupen mit dem Zerstörungswerk beschäftigt: ihr Fraß geht mit unglaublicher Schnelligkeit durch den Leib, und fast ununterbrochen gehen Exkremente fort; die Raupen hingen stellenweise so massenhaft an den Besten, daß man die Nadeln nicht sah ; ging man durch die befallenen Orte, so hörte man ein fortwährendes Knistern, ein Geräusch wie das eines niedergehenden leichten Regens rieselnden Sandes, besonders bemerkbar in den mit Laubholz gemischten und daher mit einer Laubdecke versehenen Kiefernb'estünden; fast im ganzen Fraßgebiet bedeckte der Koth so dicht den Waldboden, daß seine Oberfläche grünlich erschien. Die Raupen traten überall mit einer kolossalen Gefräßigkeit auf, so daß mehrfach in den betroffenen Orten die Rinde an den Maitrieben mit benagt wurde.

Der Fraß, welcher schon Ende September sehr abgenom­men hatte, dauerte bis EndeOkt. 1904; doch wurden zu dieser Zeit noch baumaufwärtskriechende Raupen bemerkt.

Mit der allmählichen Beendigung des Fraßes krochen die Raupen an den Stämmen herunter, wurden auch durch Regen oder Wind aus den Baumkronen auf die Erde ge­schleudert, oder ließen sich fallen; durch Spinnen können ste sich nicht herablassen.

Nach der letzten Häutung (deren mehrere stattfinden) frißt die Afterraupe nichts mehr, reinigt sich durch vollständig« Entleerung der Exkremente und beginnt nach Verlauf von 1248 Stunden den bekannten Cocon zu spinnen, in welchem sie zum Unterschiede von allen übrigen spinnenden Insekten sich nicht gleich verpuppt, sondern im Raupenzustande ver­bleibt, bis sie sich dann kurz vor dem Ausschlüpsen 8 bis 14 Tage in Puppen verwandelt. Hierdurch kommt es, daß die Raupen von der Nachsommergeneration mindestens 5 Monate (NovemberApril und oft noch viel länger, wi« schon erwähnt, in ihren Cocons liegen, während die bei Frühjahrsbrut sich häufig schon nach wenigen Tagen ver- puppen.

Ende September schon fanden sich einzelne Cocons sowohl an Stämmen als am Boden, die Zahl der versponnenen Raupen nahm bedeutend zu, anfangs Oktober war das Ver­spinnen allgemein, Ende Oktober fanden sich nur noch wenige und am 8. November überhaupt keine Blattwespen­raupen mehr vor; damit war der Fraß für 1904 vollständig beendet.

Die Zeit ihres Erscheinens erstreckte sich also vom Mat bis zu Anfang November; die herrschende Zeit wo sie sich in größter Anzahl vorfanden, erstreckte sich von Mitte August bis gegen Ende September.

Trotzdem im Winter 1904/05 von den am Boden liegen­den Cocons nur noch verhältnismäßig wenige mit lebenden Raupen und Puppen besetzt gefunden wurden, sah ich am 28. April 1905, einem warmen, sonnigen, windstillen Tage wieder die ersten Blattwespen in großen Schwärmen an den Gestellrändern an den Baumkronen und zwar an der Grenze, wo der Herbstftaß 1904 aufgehört hatte; das Schwärmen .setzte sich bis etwa Mitte Mai fort. Die in den Rindenritzen versteckten und von Feinden verschont gebliebenen Cocons waren zur Entwicklung gelangt. Raupen wurden zuerst am 16. Juni und dann wieder am 24. August bemerkt, doch in so geringer Zahl, daß ihr Fraß, der diesmal besonders auch auf Junghölzer und Schonungen sich erstreckte, wo außer den Nadeln an den zarten Zweigen auch die Rinde Èefreffen wurde, weiter keine Besorgnis erregten, die man anfangs beim Schwärmen der Wespen gehegt hatte. Der Fraß flaute nun überall stark ab, nur hier und da fand man noch fref» sende Raupen; die letzten sah ich am 28. September 1905; dann war keine Spur mehr zu finden. Ebenso überraschend wie der Anfang war das Ende.

Der Anblick der mehr oder minder entnadelten Kiefern- bestände im Winter 1904/05 war ein höchst trauriger. Don weitem erkannte man die angegriffenen Orte an ihrer braunen,- düsteren und dürren Farbe ; eine Farbe ähnlich als wenn ein zu heißes Bügeleisen über blendend weiße Wäschs gezogen worden ist. Manche Aeste der beschädigten Stämme sind ganz von Nadeln entblößt, andere haben noch feine übrig gelassen, gekrauste braune Fäden und selbst die noch nicht angefreffenen Nadeln sichtbar geschädigter Bäume haben eine gelbliche Farbe und zeigen beim ersten Anblick ihren krankhaften Zustand, wie ein Mensch, der eine schwere Krank­heit überstanden. Mancher Baum und mancher Bestand mag wohl, weil man aus Mangel an Erfahrung das Schlimmste, das Absterben befürchtete, einer voreiligen Art geopfert wor­den sein. Dieser Uebereifer war, wie jetzt die Erfahrung ge­lehrt hat, nicht angebracht. Bettachtete man mir offenem Auge im Herbst 1904, als der Fraß seinen Höhepunkt erreicht hatte, die besessenen Stämme, so fand man bei allen, daß der folgende Jahrestrieb in der Knospe, welche fast immer noch mit einigen Nadeln des MaittiebS (dessen Nadeln die Blattwespe ungern nimmt) versehen war, schon vorgebildet und im Keimen lag. Auch war eine Wiederholung der Fraßes in den stark befressenen Beständen mit der größten Wahrscheinlichkeit nicht zu erwarten, well die Wespen hier keine Nadeln für die Eierablage fanden. So konnte man sich der Hoffnung hingeben, daß nicht ganze Bestände ver­loren gehen würden und diejenigen, welche die Sache mit ruhigem Blute ohne ängstliche Ueberftürzung ansahen, wur­den in ihren Hoffnungen auf ein noch immerhin befriedigen­des Ende nicht getäuscht. In dem von den Wespen befallenen Gebiete war nirgends ein Kahlabtrieb von Kiefernbeständen als Folge des Fraßes erforderlich.

* Generalkirchenvisitation. Am 1. und 2. Juli hielt Herr Generalsuperintendent D. Pfeiffer aus Cassel unter Assistenz des Herrn Superintendent Fritsch die Generalkirchenvisitation der Klasse Bücherthal, und zwar in Wachenbuchen ab. War der Vormittags-Gottesdienst des ersten Tages, in welchem der Herr Generalsuperintendent selbst die Predigt hielt, mehr für die Gemeinde Wachenbuchen bestimmt, so fanden sich im Nachmittags-Gottesdienst nicht blos die Glieder der Gemeinde Wachenbuchen, sondern auch zahlreiche Gemeindemitglieder aus den benachbarten Ort­schaften, sowie die gesamte Klassengeistlichkeit ein. In diesem Gottesdienst predigte zuerst Herr Pfarrer H e cf aus Hütten- gesäß über Jesaia, Kapitel 12. Alsdann nahm Herr General- superintendent Pfeiffer das Wort, um in Lerzandringender, feffelnder, geistesmächtiger Ansprache über die Bekehrung des