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Hanauer H Anzeiger

Bezugspreis:

Merteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

SkotationSdruck und Verlag der Buchdruckerei deS verein, ee, Waisenhauses in Hanau.

Gelleral-Anzeiger

Amtliches Organ für Stellt« nah Landkreis Kam.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiurückungsgebühr:

Die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., im Reklamenteil die Zeile 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Henau.

Nr. 148

Ferusprechauschlutz Nr. 605.

Donnerstag den 28. Juni

Fernsprechauschlutz Nr. 605

1906

An unsere unehrlichen Inserenten!

Im Interesse der rechtzeitige»» Ausgabe unseres Blattes bringen wir die schon mehrmals aus­gesprochene Bitte in Erinnerung, die für die je­weilige Tagesausgabe bestimmten Inserate mög­lichst frühzeitig, spätestens aber bis 9 Uhr vor­mittags aufgeben zu wollen.

Amtliches.

Von beachtenswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen feilgehaltenen Mineral-Wässer, wie Selterser, Soda-Wasser it. a. m. an die Abnehmer stets eis­kalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungs­störungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.

Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unter­richts- und Medizinal-Angelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineral-Wässern im Ausschanke hiermit an­gewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel, ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwafser-Temperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa 10° Gels. abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Bieres, insbe­sondere aber der Mineral-Wässer gewarnt.

Cassel am 2. Mai 1906.

, Der Regierungs-Präsident.

I. V.: M e j e r.

Eandkrds Hanau.

Bekanntm-ungen des KimMen LllMâlmts.

Zur Belohnung landwirtschaftlicher Dienst­boten stehen dem Kreisanschuß 150 Mark aus Kreismitteln zur Verfügung.

Bei Verteilung dieses Betrages können Dienstboten, welche mindestens 15 Jahre im Landkreise Hanau in ein und dem­selben landwirtschaftlichen Betriebe treu gedient und in den letzten fünf Jahren eine Belohnung nicht erhalten haben, berücksichtigt werden.

Anträge, denen die Dienstbücher und Führungszeugnisse des Dienstherrn beizufügen sind, sind durch Vermittelung der Herren Bürgermeister 'bis $«m 5. Jttli d. I. hierher einzureichen.

Hanau den 19. Juni 1906.

Der Königliche Landrat.

J.-Nr. A 3020 v. Beckerath.

LnkiirtschlWr Martin Ham.

Die in diesem Jahre von der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel veranstaltete Bezirkstierschau und landwirtschaftliche Ausstellung findet vom 13. bis 15. Juli d. Js. in Schlüchtern statt.

Seitens des landwirtschaftlichen Kreisvereins ist eine gemeinsame Reise zum Besuche jener Ausstellung ge­plant und aus der Vereinskasse ein Betrag zur Bestreitung, der Bahnfahrkosten zur Verfügung gestellt worden.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, in ihren Ge- meinden gefälligst Umfrage zu halten und bis zum 0. k. Mts. dein Schriftführer des Vereins, Herrn Domänen-Rentmeister Reinhardthierselbst, die Namen derjenigen Mitglieder mitzuteilen, welche an der gemeinschaftlichen Reise nach Schlüchtern am 14. Juli d. Js. ab Ostbahnhof hier 552 Uhr vormittags teilnehmen wollen.

Hanan den 27. Juni 1906.

Der Vorsitzende.

v. Beckerath, Landrat.

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanau, 27. Juni.

Amts-, Bezirks-, Kreis- tu MleiMfteuer-VerMnisse

im Landkreise Hanau.

1. Staatssteuer n.

Der Landkreis Hanau bildet zur Veranlagung der Ein­kommen- und Ergänzungsstcuer einen Veranlagungsbezirk und ist in 15 Voreinschätzungsbczirke geteilt.

Die Steuerveranlagung für das Steuerjahr 1905 ergibt: Einkommensteuersoll ..... 227 068. Mk.

ErgänzungSstcuersoll..... 46 264.40

(Gegen das Doriahr an Einkommensteuer 215 089. |

Ergünzungssteuer 41 484.40) '

Im ganzen sind veranlagt

zur Einkommensteuer 7345 Personen zur Ergänzungssteuer 2731

Zur Gewerbesteuer sind veranlagt in Klasse I 1 Person zu 668 Mk.

5 Personen 1176

III 51 4104

IV 582 9332

An Wandergewerbescheinen sind 251 Stück ausgegeben.

2. Bezirks- und Kreis st euern.

Das für die Erhebung der Kreissteuern maßgebende Steuersoll betrug 613 666.37 Mk.

Es kamen zur Erhebung:

230/0 Kreissteuern (Fiskus 34,50/0) 141 126.64 Mk. gegen den Voranschlag 151125. Mk., also weniger 9998.36 Mk., welcher Betrag aus Überschüssen des Jahres 1904 gedeckt werden konnte. Außerdem: a. Hundesteuern ..... 13 577.50 Mk. b. Betriebssteuern . . . . . 5 010.

c. Wanderlagersteuer . . . . 150.

Die nach vorstehenden: Steuersoll mit 7,8 °/o berechnete Bezirkssteuer betrug 47 865.97 Mk.

3. Gemeind est euern.

Mit Ausnahme der Gemeinden Eichen, Hochstadi, Mar­köbel und Wachenbuchen haben im Rechnungsjahr 1905 sämtliche Gemeinden des Kreises zur Bestreitung der Ge­meindebedürfnisse Gemeindeumlagen erheben müssen und zwar wurden erhoben:

4O°/o

aller Steuerarien

in 1 Gemeinde

45°/o

ff

ff

1 Gemeinde

50°/»

ff

2 Gemeinden

8O°/o

ff

//

1 Gemeinde

7Q°/o

ff

ff

2 Gemeinden

750/0

ff

fr

1 Gemeinde

8O°/o

ff

ff

3 Gemeinden

1,00°/»

ff

ff

6 Gemeinden

110%

ff

ff .

1 Gemeinde

130°/»

ff

ff

4 Gemeinden

150%

ff

ff

3 Gemeind«:

16O°/o

der

Realsteuern 11.

14O°/o der Personälsteuern

17O°/o

ff

ff ff

19Oo/o

2OO°/o

ff

ff ff

17 5°/0

205°/o

ff

ff ff

260°/»

in je 1 Gemeinde.

* Sanitätsweser». Der Verwaltungsbericht des Kreisausschusses des Landkreises äußert sich wie folgt: Der Gesundheitszustand der Bevölkerung war namentlich in den Winter- und Frühjahrsmonaten ein recht ungünstiger, die Zahl der Erkrankungen und Sterbefälle dementsprechend hoch. Rheumatische Erkrankungen und Eänkheiten der Ätmungsorgane traten sehr zahlreich auf. Die Influenza gewann, besonders in den ersten Monaten des Jahres eine epidemische Verbreitung, wie es seit 1889/90 nicht vorgekommen ist, jedoch war der Charakter der Krank­heit kein bösartiger. Don Infektionskrankheiten waren Diphtherie, Scharlach, Keuchhusten und Masern in verschiedenen Ortschaften verbreitet, Typhus trat in vereinzelten Fällen, namentlich auf der Domäne Gronauerhof auf. Im Land­kreise sind 16 Aerzte ansässig und zwar: Dr. Franken­berg und Dr. Himmelreich in Bergen, Dr. Göbel in Enk­heim, Dr. Schüler* in Bischofsheim, Dr. Drullmann in Dörnigheim, Dr. Marquardt und Dr. Münzel in Fechen­heim, Dr. Freisfeld und Dr. Rothschild in Großauheim, Calamiuus in Langendiebach, Dr. Claus und Dr. Schneider­in Langenselbold, Dr. Lobert in Marköbel, Dr. Blumenthal in Niederrodenbach, Dr. Weitzel in Wachenbuchcn und Dr. Walther in Windecken. Den: Apotheker Dedolph in Hünfeld ist die Konzession zur Errichtung und Führung einer neuen Apotheke in Großauheim erteilt worden. Im Jahre 1905 waren impfpflichtig:

1776 Erstimpflinge einschl. der Restanten aus früheren Jahren,

1246 Wicdcrimpflinge

Sa. 3022.

In den sieben Jmpfbezirken wurden 2755 Kinder geimpft, die Kostei: betrugen 1214 Mk. Die für die außerordentliche Armei:- und Krankenpflege vom Kreis aufgcwendeten Kosten beziffern sich auf 13445.29 Mk. Erstattet wurden non den verpflichteten Armenverbänden und Angehörigen 5561.88 Mk. In der Kinderheilanstnlt Orb wurden 19 Kinder aus dem Landkreise Hanau 4 Wochen lang unentgeltlich verpflegt, der Kreis hat ivie in früheren Jahren einen Unterhaltungskosten­beitrag von 600 Mk. geleistet. In Langendiebach und I Windecken sind Gemeindekrankenpflege-Stati onen I errietet worden. welche mit je 200 Mk. jährlich auS

Mitteln des. Bezirks-Verbandes unterstützt werden. Im Kreise bestehen jetzt 6 solcher Stationen.

* Handelskammer Hanau. Das Reichsamt des Innern hat die Herausgabe einer Zusammenstellung der geltenden Handels-, Zoll-, Schiffahrts- und Konsularverträge des Deutschen Reiches und einzelner Bundesstaaten mit dem Ausland unternommen. Die Zusammenstellung erscheint demnächst unter dem Titel:Die Handelsverträge des Deut­schen Reichs" in einem Bande von etwa 85 Druckbogen 8° Umfang im Verlage der Königlichen Hofbuchhandlung von E. S. Mittler L Sohn in Berlin SW 12, Krochstraße 68/71, und können im Buchhandel geheftet zum Preise von 12 Mk. und gebunden zum Preise von 13,50 Mk. bezogen werden. Bestellungen nimmt auch die Handelskammer in Hanau ent­gegen.

^ Wegelagerer. Unweit Groß-Karben huldigten zwei auf demGronauer Hof" bisher beschäftigte Russen einem seltsamen Privatvergnügen. Sie legten sich nämlich in einen Chausseegraben und schossen mit scharfer Munition auf die Passanten. Zwei Lehrer aus der Umgegend schienen be­sonders willkommene Zielobjekte der beiden Scharfschützen zu sein. Die in erhebliche Lebensgefahr gekommenen Jugend­bildner verstanden die russischen Schüsse aber schlecht und erhoben alsbald die Anzeige, worauf die beiden Helden ver­haftet wurden. Die Verwechslung zwischen russischen und deutschen Sicherheitsverhältnissen dürften die beiden Wegelagerer bitter zu bereuen haben.

* Siebenschläfer und Peter und Paul, der 27. und 29. Juni, sind zwei hervorragende Wendetage im Glauben des Volkes. Wenn es am Siebenschläfer regnet, so soll es sieben Wochen lang regnen, woran Jupiter Pluvius sich erfreulicherweise nicht im geringsten hält, da er, den Wetterpropheten zum Trotz, seinen Kopf für sich hat. Peter- Paulstag heißt es, daß, wenn er in heller Sonnenglut ver­streicht, gutes Erntewetter bevorsteht.

* Zurück in die Garnison. Das thüring. Ulanen- Regiment ist nach beendigtem Brigadeererzieren, das bei Mainz ftattfanb, heute in seine Garnison Hanau zurück­gekehrt.

* Die Glaser- und Schreiner-Zwanas-Junung hält heute Abend 9 Uhr in dergoldenen Gerste" ihre letzte Mitgliederversammlung ab, in welcher über die Verwendung der Utensilien, sowie über eventuelle Gründung einer freien Innung gesprochen werden soll. Die Mitglieder werden hierauf noch besonders aufmerksam gemacht.

* Lohnbewegung in der Zigarren-Juvustrie. In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung der Zi­garrenarbeiter wurde mitgeteilt, daß die Mehrzahl der Fa­brikanten eine Lohnerhöhung bewilligt habe. Nur in einer Fabrik bestehen Differenzen, dahingehend, daß durch die von den Wwkelmachern eingereichte Kündigung dir Fabrik sich veranlaßt sah, auch den Zigarrenmachern bedingungsweise zu kündigen. Die Gauleitung soll nach Versammlungsbeschluß den Versuch machen, auch hier noch eine Verständigung zu erzielen.

^ Gilt schwerer Nuglückssal! ereignete sich gestern vormittag auf der von Klein-Auheim nach Hainstadt führen­den Kreisstraße unmittelbar beim Bahnübergang?. Dort wurde nämlich das vor einen unbeladenen Federpritschen- wagen gespannte feurige Pferd des Handelsmannes Willi Hirschmann aus Klein-Auheim infolge Insektenstichen plötzlich wild und schlug mit beiden Hinterbeinen wiederholt zurück. Der auf dem Bocke sitzende Hirschmann erhielt dabei zwei wuchtige Huftritte, welche das linke Unterbein total zer­schmetterten. Gleichzeitig machte das scheue Pferd einen Seiten« sprung, wodurch der Wagen in den Chausseegraben stürzte und der schwer verletzte Fuhrwerksbesitzer in weitem Bogen herabgeschleudert würbe. Das Pferd riß loß, sprengte in rasendem Galopp querfeldein und konnte erst später auf freiem Felde eingefangen werden. Ein zufällig des Weges kommen­der Radfahrer, Herr Metzger Georg Wissel aus Seligenstadt, nahm sich des verunglückten Handelsmannes liebevoll an und sorgte für rasche Hilfe. Hirschmann wurde alsbald per Equipage nach Hanau verbracht, nachdem ihm ein Arzt einen Notverband angelegt hatte.

* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. ist am nächsten Sonntag der Eintrittspreis bis 1 Uhr auf 30 Pfg. (Kinder 20 Pfg.) und für das Aquarium mit Reptiliensaal auf 20 Pfg. für alle ermäßigt. Um 1 Uhr wirb der Garten für die Vormittagsbesucher geschlossen und von da an kostet es 1 Mk. (Kinder 50 Pfg.) für den Garten und 50 Pfg. (Kinder 20 Pfg.) für das Aquarium.

* Zirkus Henry. Heute morgen punkt 6 Uhr 87 Min. traf der Zirkus Henry mittelst Sonderzugs hier ein. Abends 8^ Uhr findet die Gala-Première statt. Karten- Vorverkauf in Fr. König's Sofbuchhandlung, Marktplatz, Telephon 60.