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Hanauer K Anzeiger
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Amtliches Orgm fit Stobt Mb FivLkreis Sm».
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Nr. 143 Fernsprechanschlitsr Nr. 605»
Erscheint täglich mit Ausrrcchm« der Sonn- und Feiertage, mü belletristischer Beilage. «erantmorS, Redsümer <• Schrecker ts C««;
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Freitag den 22. Juni
Kernspröchanschltttz Nr. 605» 1906
Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Aus Anlaß des am 24. d. Mts. auf den Wiesen zum Waldesel hier stattfindenden Sängerfestes haben an diesem Lage von mittags 1 Uhr ab alle Fuhrwerke als Zufahrtsstraße zu«» Festplatz die Schwinvefurtstratze und als Abfahrtsstratze den Weg entlang am Bahnkörper in der Richtung Jahnstraße zu benützen. Der Bahnübergang wirb während dieser Zeit für alle Fuhrwerke gesperrt.
Hanau den 22. Juni 1906.
Königliche Polizei-Direktion, v. Beckerath.
Eandkreis Hanau.
BekllllntmchlllMN des Königlichen Lnndrntsnmts.
Zur Belohnung landwirtschaftlicher Dienstboten stehen dem Kreisauschuß 150 Mark aus Kreismitteln zur Verfügung.
Bei Verteilung dieses Betrages können Dienstboten, welche mindestens 15 Jahre im Landkreise Hanau in ein und demselben landwirtschaftlichen Betriebe treu gedient und in den letzten fünf Jahren eine Belohnung nicht erhalten haben, berücksichtigt werden.
Anträge, denen die Dienstbücher und Führungszeugnisse des Dienstherrn beizufügen sind, sind durch Vermittelung der Herren Bürgermeister bis zum 5. Juli d. I. hierher einzureichen.
Hanau den 19. Juni 1906.
Der Königliche Landrat. J.-Nr.A3020 v. Beckerath.
Stadtkreis Hanau.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Maurerpolier Joh. Heinr. Bröning aus Langendiebach als Baukoutrolleur bestellt worden ist. Hanau den 18. Juni 1906.
Städtische Polizei-Verwaltung.
Der Oberbürgermeister.
Dr. G ebeschus. 13116
Feuilleton.
Aus Roßdorfs Vergangenheit.
(Nachdruck verboten.)
Vom 23. bis 25. Juni ds. Js. feiert der Gesangverein Eintracht zu Roßdorf das Fest seines fünfundzwanzigjahrigen Bestehens; die Gesangvereine des Niddertalsängerbundes, an dessen Spitze der Graf von Oriola zu Büdesheim steht, werden sich an dem Feste vollzählig beteiligen, und Roßdorf wird eine Menge Gäste von nah und fern auf kurze Zeit beherbergen. Aus diesem Anlaß bieten wir unseren Lesern einige' Nachrichten aus Roßdorfs Vergangenheit. Wenn augenblicklich von Roßdorf aus nichts besonderes zu merken ist, so hat es doch einst im Mittelalter einen bedeutungsvollen Platz eingenommen unter allen Ortschaften der Herrschaft Hanau und weit über deren Grenzen hinaus.
Roßdorf gehörte zu dem angestammten Besitz der Herrn von Hanau; nach der alten Einteilung wurde es zum Kinziggau gerechnet, der einen Teil der Wetterau bildete. Zum erstenmale wird eS in einer um das Jahr 850 anzusetzenden Urkunde (Schenkungs- und Besitzstandsverzeichnis von Gütern des Klosters Fulda) erwähnt. Daß es viel älter ist als 1000 oder 1100 Jahre, ist selbstverständlich; schon seine Lage und prähistorische Funde in seiner Nähe lassen es als unzweifelhaft erscheinen, daß in seiner Gemarkung und wohl auch im Bereich des heutigen Ortes selbst schon in frühgeschichtlichen und vorgeschichtlichen Zeiten sich menschliche Ansiedelungen befurtben haben. Spuren römischer Ansiedelungen hat man innerhalb des jetzigen Dorfes nicht gefunden, aber nachgewiesen sind sie in seiner Umgebung.
Die Schreibung des Namens Roßdorf ist im Mittelalter außerordentlich verschieden, und selbst wenn man einen Preis aussetzen wollte, so würde wohl kaum noch eine andere gefunden werden können, lins klingt das Wort so einfach, daß wir mit unserer Kunst bald zu Ende wären; nicht so jene Urkundenschreiber, die uns folgende Formen überliefert
Hus Hanau Stadt und Eand*
Hanau, 22. Juni.
* Zur Einweihung des Reichsbankgebäudes.
Bei dem Festessen im „Bürgerverein", welches sich an die Einweihung des Reichsbankgebäudes anschloß, war nach dem Kaisertoast (Kommerzienrat Canth al) auf den Präsidenten des Reichsbankdirektoriums, Herrn Dr. Koch, Exzellenz, ein Hoch durch Herrn Heinr. Ott ausgebracht und ihm ein Telegramm übersandt worden, das lautete: „Eurer Exzellenz senden bei Einweihung des hiesigen Reichsbankneubaus in Dankbarkeit und Verehrung ergebensten Gruß. Die Hanauer Kaufmannschaft und ihre Gäste." Exzellenz Dr. Koch hat nunmehr mitgeteilt, daß er sich über das in seiner Abwesenheit eingegangene Telegramm sehr gefreut habe und den Absendern dafür seinen herzlichen Dank mit den besten Glückwünschen aussprechen lasse.
* Stellenvermittlung des Kunstgewerbever- eins. Durch die Geschäftsstelle des Hanauer Kunstgewerbevereins können zur Zeit folgende Arbeitnehmer der Edelmetallbranche, welche Stellen suchen, nachgewiesen werden: 1 Werkmeister, 8 Goldschmiede, 5 Bijoutiers, 3 Juwelenarbeiter, 6 Fässer, 3 Graveure, 3 Ziseleure, 8 Silberschmiede, 2 Besteckarbeiter, 3 Hammerarbeiter und Monteure, 2 Monteure, 1 Silberschleifer.
* Kreisturnfest. Heute abend 9 Uhr präzis findet in der „Centr alh alle" die gemeinsame Gesang stunde der beteiligten Gesangvereine st a tt.
* Silberkurs. Der Konventionspreis des 0,800 feinen Silbers beträgt für Aufträge vom 21. d. Wts. an bis auf weiteres 77 Mark per Kilo.
* Immobilien-Umsatz. Durch Vermittelung des Herrn Max Levisohn, Immobilien- und Hypotheken- geschäft in Frankfurt a. M., hat derHanauerCredit- v ereinG. m. u. H. seine Dampfziegelei inDobin sowie seine in Steglitz gelegenen Bauplätze gegen das dem Bankier Herrn Adolph Lindner in Berlin gehörige, dahier liegende B a u t e r r a i n an der Frankfurter Landstraße, sogen. Weyeräcker, sowie das kleinere Bauterrain neben der chem. Fabrik von Deines u. Neffen an der Bruchköbelerlandstraße vertauscht.
* Johannissöst. Der Ortsverein des Verbandes der Deutschen Buchdrucker begeht am Sonntag den 1. Juli sein diesjähriges Johannisfest, verbunden mit der 4 0- jährigen Jubiläumsfeier des Verbandes. Die Feier findet in der „Stadt Bremen" statt. Das Komitee ist eifrig an der Arbeit und lassen die Vorbereitungen des Festes, nachmittags Gartenfest, abends Abendunterhaltung
haben: Rorsdorf, Rostorf, Rosdorf, Rosdorph, Rostorft, Rostroft, Rorstorff, Rorstorf, Rosstorff, RoStroff, Roshdorff,- Roisztorp, Roistorpf, Roistorpff, RostorpH, Rostort, Rostdorf, Rosdorff, Riostorf, Roisdorf, .Rosdorf, Rostorpf, Roz- dorff, Rozdorff, Roisdorff, Roistorf, Roistorff, Rosdorff, Roßdorff, Rusdorf, Rusdorff, Rustorf, Rustorff, Rorstdroff, Rosdroff, Roßdroff, Rorsdorff und ähnliche, die wir nicht mehr alle nennen wollen; die vorstehenden mögen genügen. Bemerkenswert ist uns, daß wir vielfach die'zweite Silbe des Namens so geschrieben finden, daß das „r" nicht vor beth „f", sondern vor dem „o" steht, daß sie also nicht „dorf" lautet, sondern „drof". Die Vermutung ist wohl nicht ohne weiteres zurückzuweisen,daß dies dieältesteund wohl auch richtigere Form des Namens vorstellt, eine Form, die man in der ganzen Gegend int Munde der Leute noch antrifft. Wenn unsere Landleute unter sich sind und mit einander reden, dann sprechen sie von Rosdruff oder auch Rusdruff. Daß wir jetzt in der zweiten Silbe des Wortes «ein Dorf finden, das hat vielleicht seinen Grund darin, daß man aus dem unverständlichen Wort eine Bezeichnung machte, unter der man sich eher etwas denken konnte: das haben jedenfalls die Schreiber fertig gebracht. Aber selbst in amtlichen Schreiben finden wir noch vielfach bis in verhältnismäßig neuere Zeiten die Formen Rustrof, Rostruff usw. Wenn wir bedenken, daß der Dialekt häufig älteste Formen erhalten hat, dann werden wir wohl auch nicht fehlgehen, wenn wir in Rosdruff, Rustruff u. a. die ursprüngliche Bezeichnung des Dorfes vermuten, die das Volk, unbekümmert um die amtliche Schreibung festgehalten hat, wie es auch heutenoch nur einfach von Kebel (so -richtig; nicht Köbèl) statt Bruchköbel, und von Steden statt von Kilianstädten spricht.
Aus dem Mittelalter sind uns die Namen einiger Bewohner von Roßdorf erhalten: wir finden bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts folgende urkundlich erwähnt: von Buchen, Buffe, von Credorf, Volpre, Gisenbechere, Wasmudi, Wolfbere, Bupph, Hummer, Medeburger, Morspecher, Opilio, Richel, Werfeller, Gankman, Heybt, Rocknuwer, Smit und den Frauennamen Jutta.
Roßdorf hat als ein Teil der Herrschaft und Grafschaft Hanau von Anfang an deren Schicksale und Wandlungen
mit Ball, darauf schließen, daß die Teilnehmer im Kreise bei Schwarzkünstler einige recht angenehme Stunden verleben können. Karten ä 50 Pfg. sind von den Mitgliedern schon jetzt zu haben.
* Sommer - Theater. Das Sommer-Theater aufs Beck's Felsenkeller wirb nächsten Sonntag wieder eröffnet werden. In den Eröffnungsvorstellungen wird u. a. der berühmte Tierbändiger Herr Richard L i st mit seinen wunderbar dressierten Bären auftreten. Durch Annoncen wird noch weiteres bekannt gegeben.
V Das Gauturnsöst des Gaues Offenbach- Hanau wurde nunmehr definitiv auf den 5. August nach Mühlheim anberaumt.
* Schülerausflua. Vom schönsten Wetter begünstigt unternahmen gestern die einzelnen Klaffen des hiesigen kgl. Gymnasiums unter Führung ihrer Ordinarien Spaziergänge in die herrlichen waldigen Gebirgspartien der näheren und weiteren Umgebung.
* Ab gestürzt. Der gestern in der Hospitalstraße mit Dachdeckerarbeiten beschäftigte Dachdecker Fèrd. Jüngling erlitt, einen schweren Unfall. Das das Schiebgerüst festhaltende Tau riß plötzlich, desgleichen auch das Seil, mit dem sich Jüngling angebunden hatte, sodaß er in die Tiefe stürzte und dabei eine 6 cm lange Kopfwunde und eine Gehirnerschütterung erlitt.
* Mainwafserwärme gestern abend 16 Grad.
Gerichtssaal.
Sitzung ves Schwurgerichts vorn 21. Juni.
Kindestötung und Beihilfe.
Aus der Anklagebank sitzen die Dienstmagd Hildegard Romeis von Wüstensachsen und der Besitzer der in der Nähe gelegenen Beckenmühle, Gottlieb Happel. Erstere ist geboren am 25. April 1888, letzterer am 25. Mai 1874 und seit 1897 verheiratet.
Die Romeis, die seit Januar v. I. bei Happel diente, ist beschuldigt, am 24. Dezember v. I. ihr unehelich geborenes Kind gleich nach der Geburt getötet zu haben, Happel sie dazu veranlaßt und ihr Beihilfe geleistet zu haben. Auch soll dieser sich im Sinne des § 220 R.-St.-G.-B. vergangen haben. Das Kind hat nach ärztlichem Befund stark geatmet, also wohl nach der Geburt kräftig geschrieen.
Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oeffentlich- keit statt, doch wird den Vertretern der Presse die Anwesenheit gestattet.
Die Angeklagten haben von Beginn des Dienstverhältnisses an bis zum Eintritt des zur Anklage stehenden Ereignisse- intime Beziehungen miteinander unterhalten. In: März traten dann die unerwünschten Folgen ein, ohne daß jedoch beide sich vorläufig noch Befürchtungen hingaben. Im Mai fuhren beide zu einem Arzt, da sie hier aber leugnete, intime
geteilt; in politischer Hinsicht wär^es wegen besonderer geschichtlicher Ereignisse in der Vergangenheit kaum zu er- wähnen. Doch hat es als Sitz der Antoniter und eines Erzpriesterstuhles in früherer Zeit eine große Bedeutung gehabt.
Das Antoniterhaus zu Roßdorf ist der Ueberlieferung zufolge eine Stiftung deS Hanauer Dynastengeschlechtes, vielleicht noch aus dem 12. Jahrhundert. Sicher ist, daß das Haus schon im Jahre 1235 bestand und als älteste Anto- niterniederlassung in Deutschland angesehen wurde, sodaß eS auch die Generalpräzeptorei über die anderen Niederlassungen dieses Ordens in unserem Vaterlande wurde. Gewöhnlich findet man angegeben, daß Heinrich II. von Dorfeiden - Hagenowe (1234—1241) die Antoniter von einer Reise aus Frankreich mitgebracht habe. Der Orden war im Jahre 1095 von einem Edelmanne gestiftet, widmete sich der Krankenpflege und nahm später die Regel des H. Augustinus an. Er gehörte , zu den vornehmeren Orden des Mittelalters. Die Ordenstracht war ein schwarzes Kleid mit einem halben Kreuz in blauer Farbe auf der linken Brust. Der Besitz der Antoniter mehrte sich durch Schenkungen, Vermächtnisse und Käufe beträchtlich. 1235 überließ ihnen z. B. das Kloster Limburg das Mulenrod bei Kinzheim, 1236 nahm die Stadt Frankfurt sie in das Bürgerrecht auf und bezeugte ihnen die Schenkung eines Hofes in Frankfurt; 1240 erkaufen sie Güter des Klosters Meerholz in Jssigheim, 1240 desgleichen in Roßdorf, 1245; vermachte Heinrich von Lengsfeld, Bürger zu Gelnhausen, seine Güter in Roßdorf; 1251 kaufen die Antoniter wiederum vom Kloster Meerholz Güter in Roßdorf und Windecken; 1263 kaufen dieselben Hof und Güter zu Roßdorf von der Propstei Naumburg; 1270 übergaben Reinhard von Hanau und seine Frau 'den Antonitern zu Roßdorf einen Weinberg daselbst zu abgabefreiem Eigentum; im selben Jahre schenkte ihnen Philipp von Bolanden Güter zu Roßdorf imb Dorfeiden: gleichzeitig erkauften sie Güter des Stiftes St. Alban zu Mainz:> 1347 verkaufte Reiprecht von Büdingen ihnen seine Güter zu Roßdott: der Butter- stüdter Hof war in ihrem Besitz schon im Jahre 1288; deshalb führten die Butterstädter Höfe, jetzt Gemeinde Butter- stadt, auch die Bezeichnung des Antoniterbofes oder der „wälschen Höfe", weil die Antoniter aus Frankreich, aus