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Hanauer K Anzeiger
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stet- und FauLLltis Kmm.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 139 Jbbejxl^
Aernsprechanfchliitz Nr. 605
Montag den 18. Juni
F-virspvechanschluß Nr. 605
1906
Hier-«
„Amtliche Beilage Nr. 8."
Amtliches.
Auf Grund des § 100 t der Reichsgewerbeordnung wird die Anordnung vom 28. Oktober 1899 (Amtsblatt Seite 307) zur Errichtung einer Zwangsinnung für die Schreiner und Glaser in der Stadt Hanau hierdurch zurückgezogen.
Die Auflösung der Zwangsinnung hat zum 1. Juli d. J. zu erfolgen. (At II. G. 833)
Cassel den 7. Juni 1906.
Der Regierungs-Präsident.
J. D.: Mejer. 12807
Landkreis Hanau.
BckmtmHnWn des Königlichen LanörniMmts.
Der bisherige Beigeordnete, Landwirt Konrad Rauch in Kilianstädten ist zum Bürgerineister dieser Gemeinde gewählt und bestätigt worden.
Hanau hen 15. Juni 1906.
Der Königliche Landrat.
A 2944 0. Beckerath.
Ich habe heute die Annahme des seitherigen Nachtwächters Wilhelm H a b e r m a n n in Bischofsheim zlim 2. Orts- diener dieser Gemeinde bestätigt.
Hanau den 15. Juni 1906.
Der Königliche Landrat.
V 4423 v. Beckerath.
Die Besitzer von beweglichen Dampfkesseln mache ich auf die Vorschrift des § 43 der Anweisung, betreffend die Genehmigung und Untersuchung der Dampfkessel vom 9. März 1900 (Regierungs-Amtsblatt 1900 Seite 115) aufmerksam, wonach jeder Zu- und Abgang eines Dampfkessels, ebenso wie eine zeitweise oder dauernde Außerbetriebsetzung eines solchen dem Dampfkesfel-Ueberwachungsverein Frankfurt a. M. und der Ortspolizeibehörde Anzeige zu machen ist.
Die Ortspolizeibehörden ersuche ich, die Kesselbesitzcr hiervon in Kenntnis zu setzen.
Hanau den 15. Juni 1906.
Der Königliche Landrat.
A 2941 v. Beckerath.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Am Mittwoch den 30, V. Mts., nachmittags von 3 Uhr ab, findet von der Leipzigerstraße (vor bem Gaswerk) aus die Versteigerung der durch einen Sturm umgefallenen Bäume der städtischen Straßen rc. statt.
Kaufliebhaber werden zu diesem Termin eingeladen.
Hanau den 18. Juni 1906.
Stadthauptkaffe. 12799
Genossenschaftsregifter.
Genossenschaft: Oberrodenbacher Darlehttstassen- Verein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschrällkter Haftpflicht in Oberrodenbach: An Stelle der ausge- schiedcnen Vorstandsmitglieder Nikolaus Müller und Eduard Adam II. zu Oberrodenbach sind Ludwig Peter I und Wilhelm Noll daselbst in den Vorstand gewählt.
Hanau den 12. Juni 1906.
Königliches Amtsgericht 5, 12798 Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit 10 Mk., 20 Stück Vorstecknadeln, 1 Portemonnaie mit 90 Pfg., 1 Drehorgel (in der Wirtschaft „Brauerei Dörr" stehen geblieben), 1 Notizbuch mit einer Gewerbclegitimationskarte für Jakob Wittersheim, 1 weißes Taschentuch mit 'einem durchbrochenen E gez., 1 blaue Kinder-Matrosenmütze (mit der Aufschrift S. M. S. „Panther"), 1 rotes Handtäschchen mit etwas über 2 Mk. Inhalt.
Verloren: 1 goldnes Armband, 1 goldne Damenuhr, i schwarz emailliertes Armband, auf der inneren Seite vergoldet.
Hanau den 18. Juni 1906,
Zugelaufen: ein schwarzer Pinscher mit gelben Beinen, m. Gschl.; ein deutscher kurzhaariger Jagdhund, braun getigert, m. Geschl.
Zugeflogen: eine Militärbrieftaube mit dem Stempel Pirmasenz (Pfalz).
Mittelbuchen den 15. Juni 1906.
Bürgermeisteramt. 12789
Hus Hanau Stadt und Tand.
Hanau, 18. Juni.
* Das Preußische Staatsschuldbuch ist auch in dem abgelaufenen Geschäftsjahr in steigendem Umfange in Anspruch genommen worden. Während Ende März 1905 die Summe der in das Staatsschuldbuch eingetragenen Schuldverschreibungen der 3'/- und 3prozentigen konsolidierten Anleihe sich auf 1 781 172 750 Mk. bezifferte, war dieselbe Ende März 1906 auf 1 839 932 750 Mk. gestiegen, welche sich auf 33 977 Konten verteilten. Von letzteren waren 12 123, d. i. 35,7 pCi. mit einem Kapitalbetrage bis zu 4000 Mk. gebucht; 7224, d. i. 21,2 pCt. mit einem solchen von 4000 bis 10 000 Mk.; 9671, d. i. 28,5 pCt. mit einem Kapitalbetrage von 10 000 bis 50 000 Mk., während der Rest mit 4959 oder 14,6 pCt. auf Kapitalforderungen von über 50 000 Mk. entfiel. Für physische Personen standen Ende März 1906: 20 623 Konten über 825 053 250 Mark, für juristische Personen 6053 Konten über 701 635 800 Mark und für Vermögensmasscn ohne juristische Persönlichkeit 6491 Konten über 202 036 500 Mk. offen. Der Rest verteilt sich auf andere Vermögensmaffen, Handelsfirmen, eingetragene Genossenschaften und eingeschriebene Hilfskassen, Die Zahl der Konten für Bevormundete oder in Pflegschaft Stehende betrug 1674. Von den Gläubigern der einzelnen Konten hatten 29 205 ihr Domizil in Preußen, in anderen deutsche» Staaten 4385, in den übrigen Staaten Europas 294, in Asien 21, Afrika 14, Amerika 55 und in Australien 3. Das Staatsschuldbuch ist allen Besitzern von Schuldverschreibungen der konsolidierten Anleihen zu empfehlen, welche Kapital und Zinsen gegen den Schaden unbedingt sichern wollen, der ihnen durch Diebstahl, Verbrennen oder sonstiges Abhandenkommen der Haupturkunden, Zinsscheine oder Erneuerungsscheine nicht selten entsteht. Die Eintragung der Staaisschuldverschreibungen in das Schuldbuch geschieht gebührenfrei, auch werden laufende Verwältungskosten von den Konteninhabern nicht erhoben. Wird die Forderung von den Gläubigern zurückgezogen, so wird für ihre Löschung und für die Ausfertigung neuer Schuldverschreibungen eine Gebühr von 75 Pfg. für 1000 Mk. (mindestens 2 Mk.) erb oben. Formulare zu Eintragungsanträgen werden do in Staatsschuldbuchbureau in Berlin, Oranienstraße ' 92/94, sowie von den Regierungs-Hauptkassen, Kreiskassen re. und Reichsbankanstalten unentgeltlich verabfolgt.
* Die Verlegung der Station Vilbel. Eine Anzahl von Geschäftsleuten aus Vilbel hatte betreffs der in Aussicht genommenen Verlegung des Babnhofs Vilbel eine Vorstellung an den Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtet und die Handelskammer Friedberg um Unterstützung derselben gebeten. Die Eingabe gipfelte in der Bitte: 1. die Station Vilbel an ihrer jetzigen Stelle zu belassen; 2. wenn jedoch aus vcrkehrstechnischen Gründen die Verlegung des Bahnhofs unbedingt notivendig sei, so bitten die Interessenten, daß a) an der jetzigen Station alle Personenzüge halten und vor allem Güterverkehr für Stückgüter unb Waggonladungen eingerichtet wird und b) die Verpflichtung zur Er- Haltung der in Vilbel getroffenen Einrichtungen übernommen wird. — Die Handelskammer Friedberg richtete daraufhin nachstehendes Gesuch an den Minister der öffentlichen Arbeiten: „Wir gestatten uns, Ew. Exzellenz unseren verbindlichsten Dank für das Entgegenkommen auszusprechen, das Sie uns in der Angelegenheit betr. Beibehaltung des jetzigen Bahnhofs Vilbel bewiesen haben. Die zahlreichen Interessenten fühlen sich jedoch stark beuyruhigt durch den Passus Ihres Erlasses, daß die Beibehaltung des jetzigen Bahnhofes nur als eine provisorische und vorzugsweise nur für die dem Arbeiterverkehr dienenden Züge gedacht ist. Diese Beschränkung würde jedoch den überwiegenden Interessen des Handels und der Industrie von Vilbel nicht gerecht werden und eine eminente Schädigung für den größten Teil der Stadt bedeuten. Als eine berufene Vertreterin von Handel nnd Industrie fühlen wir uns verpflichtet, unseren früheren Antrag vom 16. Dezember 1905 zu wiederholen, geneigtest verfügen zu wollen, daß neben dem projektierten Hauptbahnhof zum mindesten der jetzige Bahnhof für den Personenverkehr mit beschränkter Stückgüterannahme (Stückgutverkehr) dauernd erhalten bleibt."
• Reichstagsabgeordneter Dr. Lueas vor seinen Wählern. Wie öffentlich angekündigt, war für gestern nachmittag in der „Centralhalle" eine Versammlung anberaumt, in der der Abgeordnete unseres Reichstagswahlkreises Herr Dr. Lueas zu seinen Wählern sprechen sollte. Trotz der vielen Veranstaltungen in nah und fern war der Besuch der Versammlung ein enormer, namentlich aus den ländlichen Ortschaften hatten sich viele Zuhörer eingefunden. 23 Orte des Kreises Hanau waren zum Teil durch einige zwanzig Abgeordnete vertreten. Die Leitung der Versammlung lag in den Händen des Herrn Dr. Heraeus, der nach Eröffnung der Versammlung und Begrüßung der Erschienenen alsbald dem Abgeordneten das Wort erteilte. Herr Dr. Lucas gab nun in etwa ^/»stündiger Rede nicht etwa einen trockenen Geschäftsbericht, sondern verbreitete sich großzügig und interesiant über alleDorkomm- niffe in der äußeren und inneren Politik des Reiches. Mit einem schrillen Mißton sei der Reichstag geschlossen worden, die Abstimmung vom 28. Mai habe die Ablehnung der Stelle eines Staatssekretärs für das Kolonialamt zur Folge gebabt und die Geschichte jener Zeit sei noch nicht geschrieben, die zu dem Ergebnis jener Abstimmung geführt habe. Sicherlich fehlte eine starke Regierung, hätte Fürst Bülow damals die Zügel in der Hand gehabt, die Sache wäre anders verlaufen. Ueberhaupt biete die Zeit seit Fürst Bülow erkrankt, kein erfreuliches Bild unserer inneren und äußeren Polittk. In der äußeren Politik sehen wir, daß nach dem gewaltigen Ringen in Ostasien England die Früchte gepflückt hat, wir teilweise die Kosten tragen. Ein erfreulicher Lichtblick sei in der letzten Zeit sicherlich der herzliche Depeschenwechsel zwischen den Monarchen der Dreibundländer, auch die Marokkokonferenz habe unsere Diplomatte auf der Höhe ihrer Ausgabe gefunden, doch haben auch dort die Verhandlungen gezeigt, daß die Zahl unserer Freunde mindestens nicht größer geworden ist. Alle Vorgänge zeigen nun, daß wir am besten tun, uns auf die eigene Kraft zu verlassen, neben der Erhaltung eines starken schlagfertigen Landheeres auch unsere Flotte nicht vernachlässigen, die unsere blühenden Küstenstädte, unsere Handelsschiffe auf ihrer Fahrt schützen soll. Wenn wir aber unsere Söhne den Wogen der Meere anvertrauen, so muß es geschehen auf solchen Schiffen, die den modernen Anforderungen entsprechen. Soldaten und Schiffe aber kosten Geld, erfordern mehr Opfer, als wir bisher für diese Zwecke aufzubringen hatten. Es mußten neue Einnahmequellen geschaffen werden, die für das Reich unbedingt notwendig waren. Gegen die 200 Mill, neuer Steuern erhob sich ein großer Sturm, diejenigen, die am lautesten die Aufbesserung der Gehälter, die Fortführung der Sozialreform verlangten, standen an der Spitze der Gegner der Steuerreform. Geld zu schaffen, ohne daß es jemand zahlt, das Rezept aber hat noch niemand gefunden. Er, Referent, sei selbst ein Freund direkter Steuern, mit blasser Theorie aber komme man nicht weiter, denn was die Kommunen nehmen, kann das Reich nicht mehr verlangen. Leicht sei es ihm und den anderen, die der Steuerreform zugestimmt, nicht geworden. Eingehend beschäftigte sich der Referent mit der F ah r k a rt e nsteuer, die ungerechterweise den Nationalliberalen in die Schuhe geschoben werde. Man solle bedenken, daß bie 4. Klaffe ganz freigelaffen werde von der Steuer, auch die Arbeiter- und Schülerkarten befreit bleiben. Wer in der 3. Klaffe nach Frankfurt fahre, zahle 5 Pfg., nach Mannheim 10 Pfg., nach Nürnberg 20 Pfg. Halte nun jeder einmal Selbst- einkehr und frage sich, ob bei solchen Reisen der Betrag von 5, 10 oder 20 Pfg. eine Rolle spiele, den er für das Reich übrig haben solle. Der Sturm, der sich in der Presse und im Publikum erhoben, solle Gewähr bieten, daß die Reichsboten nicht leichtsinnig an die Bewilligung gegangen seien. Der Referent berührte auch den neuen Zolltarif und hob hervor, daß ei der Energie und der Tatkraft unserer Industrie gelungen sei, bis jetzt wenigstens mit Leichtigkeit darüber binwegzukommen der Landwirtschaft habe der Zolltarif den Vorteil gebracht, daß ein weiteres Sinken der Preise verhindert worden sei. Bei dem Kapitel Fleisch teuexung streifte der Referent die an den Tag gekommenen skandalösen Zustände in den amerikanischen Schlachthöfen, das Bemühen unserer Regierung, die Einschleppung der in Oesterreich und Rußland wütenden Maul- und Klauenseuche von uns nach Möglichkeit fernzuhalten. Auf die vielen kleineren Vorlagen könne er nicht eingehen, auch nicht alles berühren. Wenn ei nun auch der Bureaukratie nicht immer gelinge, den richttgen Ton im Verkehr mit dem Publikum zu finden, viele Arbeitgeber leider nicht das richtige Verständnis für die sozialen Fragen besitzen und die Presse noch viele unerfüllte Wünsche vortrage, so haben wir doch im großen ganzen Ursache, mit dem Kegenwartsstaat zufrieden zu sein und müssen uni für den