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Hus aller Welt.

Einem raffinierten Stellenvermittelungs- ichwin-el, biivcb den zahlreiche Berliner geschädigt worden sind, ist die Polizei in Hamburg auf die Spur gekommen. Ein gewisser Ernst Möckel, der dort in der Seilerstraße 58 wohnte, erließ in Berliner Zeitungen Inserate, wonach er Stellungen auf erstklassigen Ozeandampfern vermittele. Die sich hierauf Meldenden mußten zunächst fünf Mark für Aus­lagen einsenden: nachdem dies geschehen, hörten sie nichts mehr von der Sache. Als mm dieser Tage einige der Reflektanten persönlich in Hamburg vorsprachen, fanden sie das Nest leer: der angebliche Möckel war aus seinem Logis spurlos verschwunden. Bei einer durch die Polizei vorgenommenen Haussuchung fand man in dem Ofen des von M. bisher bewohmen Zimmers nicht weniger als 304 Kuverts mit der Adresse:Ozean, postlagernd Berlin NW., Postamt 21", ferner 137 blaue Briefumschläge mit Berliner Adressen und sieben eng beschriebene Bogen betreffend den Nachweis von Stellungen. Hieraus ergibt sich, daß M., der nachweislich nur drei Tage in dem angegebenen Onanier logiert hatte, den Stellenvermittelungs­ichwindel in großem Umfange betrieben hat.

Ein irrrgesühnter dreifacher Mord. Aus Posen wird berichtet: Die entsetzliche Blutlai, die sich in der Nacht zum 1. April d. J. auf dein Vorwerk Wiebelshof bei Bomst zugetragen hat und bei der die Hochbelagten Kuhfütterer Grciser- schen Eheleute ermordet und beraubt wurden, während die 37jährige Tochter am folgenden Tage ihren schweren Ver­letzungen erlag, scheint leider keine Sühne zu finden. Zwei Kriminalbeamte, ein Berliner und ein Posener, die in den letzen Wochen an Ort und Stelle die Untersuchung geführt haben, mußten jetzt ihre Bemühungen um die Auffindung einer Spur zur Ermittelung des Mörders, auf dessen Ergreifung von der Staatsanwaltschaft 1000 Mark Belohnung gesetzt waren, anfgebeu, da sich kein einziger der Verdachtsmomente gegen eine bestimmte Person aufrecht erhalten ließ. Die Ge­nannten sind jetzt nach Berlin bezw. Posen zurückgekehrt. Besonders erschwert wurde die Untersuchung dadurch, daß die Mordtat sich in einem drei Kilometer von der Landstraße abseits gelegenen Hause 'zugeiragen hat.

Selbstmord eines italienischen Millionenschwind- lers. Ueber die Aufsehen erregenden Fälschungen von ita­lienischen Aktien und Wertpapieren, von denen wir bereits berichtet haben, liegen nunmehr weitere Einzelheiten vor. Luigi Ciro, das Haupt der Fülscherbande und der einzige aus der Gesellschaft, dem es gelungen ist, den Händen der . Mlizei, zuMriNMN, har .inzwischen ZöMdâ M^jeM.â^ legt. Er wurde am Friedhof zu Alessandria mit durch­schossener Brust tot aufgefunden. In seinen Taschen fand man eine große Anzahl gefälschter Aktien und drei Briefe, Briefe, von denen einer an die Schwester des Selbstmörders gerichtet ist. In diesem Briese bittet er seine Familie und alle die, die er unglücklich gemacht hat, um Verzeihung. Ciro hinterläßt eine Frau, mit der er 19 Jahre lang ver­heiratet war, und zwei Kinder. Der Unglückliche war ur­sprünglich Lehrer in Lomello, mußte aber wegen eingetretener Schwerhörigkeit den Berus aufgeben und wurde nun Bienen­züchter. Später wurde er Handelskommissar und Vertreter von Versicherungsgesellschaften. Schließlich begann er in Wertpapieren zu spekulieren und eitbete nunmehr als Ver­brecher und Selbstmörder. Ciro war in Mailand, Padua und Alessandria eine angesehene Persönlichkeit. Inzwischen hat man alle Mitglieder der Fälscherbande hinter Schloß und Riegel gesetzt? Es sind dies vor allem drei Leute, die am Vertrieb der gefälschten Papiere teilnahmen, ein Schneider, ein Drogist und ein. Unternehmer für Zimmermannsarbeiten: ferner der Steinschneider und Lithograph Paolo Ravinale, der die Platten für die Fälschungen angesertigt hat, und die Brüder Brandonie, in deren Druckerei und Lithographie die Falsifikate vervielfältigt wurden. Die Fälschungen sind so meisterhaft gelungen, daß gewiegte Fachleute sie nur schwer von den echten Papieren unterscheiden können. Die Ver­hafteten haben bereits umfassende Geständnisse abgelegt. Es wurden ungefähr für 1h- Millionen gefälschte Titres ange­fertigt, eine Million wurde bereits aus den Markt geworfen. Die Bande arbeitet schon seit einem Jahre und hat die falschen Papiere zumeist bei Provinzbanken und Privatkapi- taliften placiert. Plan vermutet, daß sich ein starker Stock von Falsifikaten in Paris befindet. Es ist interessant, daß der verhaftete Paolo Ravinale vor kaum drei Monaten eine schöne, junge Frau geheiratet hatte, da er durch den vor­züglichen Gang des Geschäftes in die glückliche Lage versetzt würde, einen Hausstand zu begründen. Die arme, junge Frau wird nun den Rest der Flittermonate einsam verbringen müssen. Der Schaden, den die Bande angerichtet, hat zahl­lose Familien an den Bettelstab gebracht.

UlUerlei aus Bayern. Für die Ergreifung und Ueber sührung des Täters, der am 26. April in L i u d a u die 1899 geborene Kaufmannstochter Erna Spiegel ermordete, sind 1000 Mk. Belohnung ausgesetzt. Vermißt wird seit vorigen Freitag der Viehhändler Höselschwaiger von Nieder- a i ch bach bei Landtzhtit. Da der Vermißte eine größere Geldsumme bei sich führte (man spricht von 6000 Mk.), so wird ein Verbrechen vermutet. Söldner Franz Seeholzer in F u r t h bei Hagenau stürzte sich die Treppe seines Wohn­hauses hinab und brach das Genick. Er hatte eine ihm wegen Jagdvergehen zudiktierte Gefängnisstrafe von 1 Jahr antreten sollen. Im Mosergarten in Landshut ent­stand vorgestern zivischen Infanteristen und Schweren Reitern eine größere Schlägerei, wobei die blanke Waffe eine Rolle ipielte. Auf beiden Seiten gab es bedeutende Verletzungen. Ein Infanterist erhielt eine schwere Kopfverletzung. Einer ver Rädelsführer wollte auch gegen die einschreitèndèn Schutz­leute mit dem Säbel einschlagen, worauf letztere sich ge­nötigt sahen, den Revolver zu ziehen. Der Rädelsführer uurde verhaftet und später von einer Militärpatrouille ab­

geholt. In der Hauptverkehrsstraße (Bahnhofstraße) in der Industriestadt F r a n k e n t h a l kam es vor, daß ein großer Bienenschwarm sich seine bessere Niederlassung zu wählen wußte, als einen von einem Postbeamten bewegten kleinen Postkarren. Der ungewöhnliche Vorgang gab Anlaß zu einem Menschenauslauf. Die Bienen wurden von einem herbeigerufenen Imker eingefangen und geborgen. Auf bem Bahnhof zu Passau wurde eine Saccharinschmugglerin in der Person der Häuslerstochter Adelheid Schmid: von Schnellenzipf bei Freyung verhaftet. Sie war auf der Reise aus der Schweiz und führte ein Paket eingeschmuggelten Saccharins mit sich. Der Begleiter der Verhafteten, welcher einen Handkoffer trug und wahrscheinlich ebenfalls ein Schmuggler war, entkam. Die Brauerei Geiger in Damm ging in den Besitz des Obermälzers der Riesschen Malz­fabrik, Louis Peter, über. Als Kaufpreis werden 96 000 Mark genannt. In Zettlitz 'bei Licktensels ist das achtjährige Mädchen des Korbmachers Sünkel durch einen Motorradfahrer aus Burgkundstadt überfahren unb lebens­gefährlich verletzt worden.

Verlobung. Berta v. Krupp, die älteste Tochter des Wirkl. Geh. Rats v. Krupp, hat sich mit dem Legationsrat Gustav v. Bohlen und Halbach, Legationssekretär bei der preußischen Gesandtschaft am päpstlichen Stuhl, verlobt.

Beendetes Disziplinarverfahren. Das auf eigenen Antrag gegen den Geh. Medizinalrat Professor Dr. Schatz in Rostock eingeleitete Disziplinarverfahren ist nunmehr zu Ende geführt worden. Es hat keinerlei Anlaß gegeben, irgendwelche Untersuchung wegen der ihm vorgeworfenen angeblichen Unterschlagungen anzustrengen. Geheimrat Schatz wird Ende nächsten Monats aus allen von ihm bekleideten Aemtern scheiden und sich lediglich seiner Privatpraris widmen.

Kunst und lieben.

Die auswärtige Presse in Paris. Aus Paris wird geschrieben: DieAssociation Syndicale de la Presse Mrai? gére" in Paris, der die Pariser Korrespondenten fai aller großen Zeitungen Europas und Amerikas angehören, gab in den Sälen des Palais d'Orsay ihr Jahresdiner und ein glänzendes Konzert. In dem eleganten, sehr kosmopolitischen Publikum, das den Konzertsaal füllte, sah man zahlreiche bekannte Persönlichkeiten der Pariser Gesellschaft und unge­mein viel schöne Frauen. Der deutsche Botschafter Fürst Radolin war mit dem Legationssekretär v. Flotow und dem Botschaftssekretär v. Lucius erschienen, der Botschafter der Vereinigten Staaten Mac Cormik gleichfalls mit mehreren Herren seiner Botschaft; der italienische Botschafter Gral Tornielli, der belgische Gesandte Baron d'Anethan, der spanische Geschäftsträger der den zur Hochzeitsfeier nach Madrid gereiften Marquis del Muni vertrat und viele andere Mitglieder des diplomatischen Korps hatten sich ein­gefunden. Die auswärtige Presse bot ihren Güsten eine Reihe airserlesener künstlerischer Genüsse. Fräulein Lindsay von der Großen Oper, gleich ausgezeichnet durch Schönheit und Kunst, sang unter stürmischem Beifall den Walzer aus GounodsRomeo et Juliette" und mehrere Lieder, und bi jugendliche Tragödin des Theatre Francais Delvaire, die gleichfalls jene beiden Gaben, Schönheit nnb Kunst in reichem Maße besitzt, entzückte durch die edle Anmut, mit der sie Verse von Leconte de Lisle und Müsset vortrug. Du Kammersängerin Elise Kutscherra sang mit ihrer prachtvollen AusdruMähigkeit und Wärme die Arie der Elisabeth und Lieder von Schubert, Fräulein Marie de L'Jsle, die Carmen der Opera Comique, sang graziös und liebenswürdig eine Arie aus derHochzeit des Figaro", und der populärste Montmartre-Chansonnier Fursy gab ferne neuesten politischen Lieder zum besten. Präsident der Association ist jetzt R. Blasco (Correspondencia d'Espana), Vizepräsident, wie bis­her, Theodor Wolff (Berliner Tageblatt). In den Vorstand iinb in der letzten Generalversammlung außerdem unter anderen gewühlt worden: Bernasconi (Carriere della Sera), Raper (Morning Post), Levin (Börsenkurier) Brandresh (Daily Mail) und Sänger (Neues Wiener Tagblatt).

Sport.

Die Herkomer-Konkurreuz. An die Stelle bet Gördon-BemiettremienS, welches in ein Schnelligkeitsrennen pur exeellence auSartete, ist in Deutschland die Herkomer- Konkurrenz gesetzt worben. Es sollen keine ungeheuerlichen Rennmaschinen mehr produziert werden, sondern wirklich brauchbare Tomenwagen, die in gleicher Weise Geschwindig­keit, Haltbarkeit, Bequemlichkeit, Schönheit der Wagen und andere Faktoren erkennen lassen. Die Vereine, die die Ver- anstalmng übernommen haben, sind der Kaiserliche Auwmobil- Klub, der bayerische und der österreichische Automobilklub. Die Herkomer-Konknrrenz ist nach der Ausschreibung eine internationale Tourenfahrt, offen für Motorwagen aller Art von 16 HP. aufwärts, die sich im Besitz von Mitgliedern der internationalen anerkanmen Vereinigungen befinden. Sie müssen allen Anforderungen entsprechen, die an einen guten Tourenwagen zu stellen sind: außerdem werben sie von Herrenfahrern gesteuert. Die Konkurrenz nimmt ihren An­fang am 5. Juni in Frankfurt a. M. und sieht eine Strecke von etwa 1600 Kilometer für die Teilnehmer der Konkurrenz vor. Am 5. Juni sind die Fahrzeuge in Frankfurt a. M. dem Arbeitsausschuß vorzuführen und erhalten dort Nummern- schilder und Grenzpassierkarten. Am 6. erfolgt die Fahrt von Frankfurt a. M. nach München, am 7. von München nach Linz und am 8. von Linz nach Wien. Am 9. ist Ruhetag in Wien. Am 10. gebt die Fahrt von Wien über den Semmering nach Klagenfurt, am 11. von Klagenfurt nach Innsbruck, am 12. von Innsbruck nach München.

Standesamt der Stadt Hanau.

Verzeichnis

der in der Zeit vom 23. Mai bis 31. Mai 1906

vorgekommenen

Aufgebote.

Am 23. Mai. Karl Paul Richard Tempert, Packer dahier. mit Marie Louise Batst dahier. 25. Peter Adam, Steinschläger in Kleinsteinheim, mit Marie Habermann daselbst. 28. Hermann Bärwinkel, Fabrikarbeiter dahier, mit Marie Franziska Ullrich dahier. 28. _ Friedrich Otto Hugo Schmalz, Polizeisergeant in Weißenfels, mit Maria Magdalene Philippine D i e n a l d dahier. 29. Georg Kenner, Schneider dahier, mit Marie Elisabeth Knobloch dahier. 29. Joseph Gottmann, Bierbrauer dahier, Witwer, mit Karoline Nolte dahier. 29. Wilhelm Köhler, Kaufmann in Worms, mit Marie Friederike Magdalene Goll dahier. 29. Heinrich Friedrich Richard L o h r e n g e l, Trompeter und Sergeant dahier, mit Anna Margarete Elisa­beth Lotz dahier. 30. Julius Karl Georg Ernst, Bade» anstältsbesitzer dahier, mit Thereie H o m e i st e r in Som­born. 31. Heinrich Sebold Günther, Schlosser in Offen­bach a. M., mit Anna Marie Grebe, Witwe geb. Loos daselbst. 31. Karl August Göbel, Kaufmann m Meiningen, mit Maria Margarete Thalwitz in Aschaffenburg. 31. Heinrich Karl Ferdinand Joseph, Goldarheiter dahier, mit Maria Rosina Weidner dahier. 31. Melchior Heinbuch, Fahrbnrsche dahier, mit Katharina Herbold dahier.

Ehefchlietziurgen.

Am 26. Mai. Peter Schäfer, Mechaniker dahier, mit Johanna Kießling in Kesselstadt. 26. Thomas Kiest» ling, Maschinentechniker in Kesselstadt, mit Wilhelmine Becker dahier. 26. Johannes Diebel, Postassistent in Ohligs, mit Katharina Elisabetha Pflug dahier. 26. Rudolf Glöckner, Graveur dahier, mit Elisabetha Her­bert in Kleinsteinheim. 28. Richard Königs Gefreiter, vor der Einstellung Schlosser, dahier, mit Louise Euler dahier.

Geburten.

Am 23. Mai. Karl Georg, S. des Formers Georg Preiß. 23. Erna Franziska, T. des Oberkellners Wilhelm Happe. 25. Bernhard Ludwig, S. des Lokomotivheizers Heinrich Kaspar Ehrhardt. 25. Anna _®Up, T. des Lokomotivheizers Wilhelm Schößler. 25. Sophie Maria, T. des Glasers Daniel Wilhesin Hölzer. 27. Katharina Emma Wilbelmine, T. des Fuhrmanns Wilhelm Loos. 27. Emil Adam, S. des, Fabrikarbeiters Johann Peter Müller. 28. Karl Wilhelm, S des Taglöhners Heinrich Ritter. 30. Anna, T. des Taglöhners Wilhelm Schulz.

30. Friedrich, S. des Hausburschen August Fischer.

Todesfälle.

Am 23. Mai. Albert Gottfried, S. des Arbeiters Gott­fried Weingart dahier, alt 2 M. 24. Richard llttecht, Taglöhner in Oberdorfelden, alt 46 I. 25. Margarete Hittel Witwe, geb. Sebold, von Neuses, alt 60 I. 25. Heinrich Bolünder, Taglöhner in Rückingen, alt 65 J. 25. Peter Alt, Schmied dahier, alt 71 I. 25. Johann Evangelist Reder er, Schlosser dahier, alt 54 I. 27. Witwe Johanna Agathe H a m e l b e r g , vorher verwitwete Schmidt geb. Dingeldein, alt 72 I. 27. Ludwig, S. des Fahr­burschen Friedrich Reuter dahier, alt 1 I. 28. Witwe Barbara Hahn geb. Huber dahier, alt 57 J. 29. Barbara, T. des Taglöhners Franz Acker in Orb, alt 1 M. 29. Georg R e u l, Buchbinder in Heldenbergen, alt 49 J. 31. Marie Wilhelmine, T. des Silberarbeiters August Batten­hausen dahier, alt 2 I.

! Friedrich Adelmann

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