Zweites Mâ
vi-rtchihriich 1,80 DL, monatlich « M^ st- <«* wärtigt Wonnenten mit dem betreffenden Postausjchtaü.
Die ernzetae Stumm« kostet 10 Psg.
VU^üâUgAgröâhU-
•t*tcti»nibr;ul und Verlag der Buchdruck«« bei oerede, re, Waisenhaus«! in Hanau.
Ltneral-Auzeiger
AMchts ®t|ii fit Mt- M FmdKmr Kam».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- mrd Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die Aulgespaüeu« Prtüzeil« »b« betet Rama 15 M« tat RLlamtnitii die Zelle 35 Ps»
B«antro«rll. Redakteur: «.Schrecker in Hana»,
Nr. 126
Fernsprechanfchliitz Nr. 605
Dinncrstag den 31. Mai
Fernsprechanschlittz Nr. 605* 1906
politische Rundschau*
Der Kaiser nahm gestern vormittag eine Parade der Potsdamer Garnison ab, die Generalleutnant v. Klinckow- stroem kommandierte. Vom Fenster des Stadtschlosses aus sahen die Kaiserin und die Kronprinzessin sowie die übrigen Prinzessinnen der Parade zu. Eingetreten waren der Kronprinz bei den Gardedukorps, die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, Oskar und Joachim sowie die Söhne des Prinzen Friedrich Leopold beim ersten Garderegiment. Bei der Parade waren anwesend die königlichen Prinzen, Generaloberst v. Hahnke, Kriegsminister v. Einem, der argentinische General Roca, der Kommandeur des österreichisch-ungarischen Infanterieregiments Nr. 134, Mladenovic, und die fremd- herrlichen Offiziere. Der Kaiser führte das Regiment der Gardedukorps vorbei. Später fand im Stadtschloß ein Frühstück statt. Nach dem Frühstück empfing der Kaiser den argentinischen General Roca.
Die verstärkte Justizkommissio» des Abge- ordnetenhartses behandelte in ihrer letzten Sitzung den Antrag des Zentrumsabgeordneten Dr. König auf Einführung des Wiederaufnahmeverfahrens im Disziplinarverfahren gegen nichtrichterliche Beamte. Im Gegensatz zur Regierung, die auf Schwierigkeiten der Regelung der Materie Hinweisen ließ und eine Vertagung der Frage bis zur allgemeinen Regelung des preußischen Beamtrnrechts anheimstellte, war die Kommission der Meinung, daß die Frage besonders dringend sei und selbständig geregelt werden müsse. Schließlich wurde der Antrag in folgender Fassung angenommen: „Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die königliche Staatsregierung um Vorlegung eitles Gesetzentwurfs zu ersuchen, , her, mÄbü^e dxs , ©ewwiimJU- . Juli MüLLber ..die Dienstvergehen der nichtrichterlichen Beamten und des Gesetzes vom 7. Mai 1852 über die Dienstvergehen der richterlichen Beamten das Wiederaufnahmeverfahren in das Disziplinarverfahren einführt bezw. neu regelt und außerdem die Fälle ordnet, in denen ein Beamter das Amt verloren hat auf Grund einer den Amtsverlust ohne weiteres nach sich ziehenden gerichtlichen Verurteilung, der später im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wird."
Konservative Partei. Der Geschäftsführende Ausschuß des konservativen Parteivorstandes hat in seiner am 25. d. M. stattgehabten Sitzung beschlossen, auf Freitag, den 30. November d. I., vorm. 11 Uhr,' im großen Saale des Architektenhauses zu Berlin eine Delegiertenversammlung der konservativen Partei einzuberusen. Für die Tagesordnung sind vorläufig folgende Punkte in Aussicht genommen: 1. Politische Lage; 2. Wirtschaftspolitik; 3. Sozialpolitik. Vorschläge zur Tagesordnung aus Parteikreisen werden von dem
Feuilleton.
Kmistimcin zu Hana»,
Tätigkeitsbericht de» Dorstandes für die Zeit 1880—1906 ;
„Kunstverein zu Hanau gegründet zur Erinnerung an den Neubau der K g l. Zeichen-Akademie 1880", so lesen wir auf der ersten Seite der Vereinsstatuten und es erinnert uns diese Aufschrift daran, daß ein Viertel- jahrhundert verflossen ist, seitdem eine Anzahl Hanauer Bürger zusainmentrat und Anregung zur Gründung des Vereins gab, mit der Absicht, durch zeitweilige Ausstellungen und eine jährlich stattfindende Verlosung von Kunstwerken, die in den damals der Vollendung nahen Räumen der Kgl. Zeichenakademie fortan siatlfinden sollten, den Sinn für die bildende Kunst in unserer Stadt zu wecken und zu fördern. Es dürfte jetzt, da seit Gründung des Vereins 25 Jahre verflossen sind, geeignet erscheinen, einen Rückblick auf die Tätigkeit des Vorstandes zu werfen, auch den Mitgliedern eine aktenmäßige Darstellung der Entstehung und Entwickelung des Vereins zu geben, der seit seiner Gründung an Existenzberechtigung nicht allein nichts eingebüßt, sondern vielmehr fortgesetzt zugenommen hat. Den Mitgliedern sei aber auch an dieser Stelle der Dank für ihre Mitwirkung, für das dem Vorstand erwiesene Vertrauen und das betätigte Interesse in der Förderung der idealen Absichten desselben ausgesprochen.
Bereins-Chronik.
Im März 1879 trat eine Anzahl Herren, nämlich: Akademiedirektor Hausmann, Landgerichtsrat Reul, Schuldirektor Jungheim, Fabrikant Friedr. Pissinger, Pfarrer Heuser, Ferd. Koch, August Deines, Cornelius Huber, Ludwig Linibert, Friedr. Fischbach, August Schleißner, H. F. Ziegler, Heinrich Weishaupt, Karl Hoffe, G. von
Geschäftsführenden Ausschüsse in Erwägung gezogen werden. Sie sind bis spätestens Mitte September an das Bureau des Hauptvereins der Deutschen Konservativen (Berlin W. 9, Köthenerstraße 3) einzusenden. Weitere Mitteilungen werden rechtzeitig erfolgen.
Branntweinfteuernovelle. Die „Nordd. Allgem. Zig." schreibt: Dem Reichstage ist noch in jüngster Zeit ein Gesetzentwurf zugegangen, der eine Unbilligkeit beseitigen soll, die durch die letzte Branntweinsteuernovelle im Jahre 1902 geschaffen wurde. Damals wurde bestimmt, daß der Höchstbetrag des Kontingents für neu entstandene Brennereien von 80 000 auf 50 000 Liter Alkohol herabzusetzen sei. Die betreffende Vorschrift bezieht sich aber nur auf die im Jahre 1902/03 stattgehabte Verteilung des Gesamtkontingents Infolgedessen dürfen die Brennereien, die bei den späteren, alle fünf Jahre zu wiederholenden Neukontingentierungen, zunächst also im Jahre 1907/08, zum Kontingent neu verlangt werden, wieder mit dem früher zulässigen Höchstkontingent von 80 000 Liter bedacht werden, während die vor fünf Jahren neu verlangten Betriebe sich unter den gleichen Verhältnissen mit einem Kontingent von 50 000 Liter begnügen mußten. Bereits bei der Beratung des Gesetzes von 1902 wurde darauf hingewicscn, daß ein derartiger Zustand unhaltbar und daß durch ein besonderes Gesetz die verschiedene Behandlung der Brennereien verhindert werden müsse. Die Vertreter der Regierung haben sich bereits damals und auch später hiermit einverstanden erklärt und die Einbringung eines bezüglichen Gesetzentwurfes vor den: Jahre 1907/08 zugesagt. Ausfallen könnte vielleicht, daß diese Zusage im gegenwärtigen Zeitpunkt erfüllt wird, obwohl die Beratung erst im nächsten Herbste stattfinden kann. Hierzu wird in der dem EyttWrfe beigegebenen BegrMbemerkt.^ Die nächste Neukontingentierung findetim Brcnnereihetriebsjahr 1907/08 statt. Da neu entstandene Brennereien hierbei nur berücksichtigt werden, wenn sie bis zum 1. Oktober 1907 betriebsfähig hergerichtet sind, ist zu erwarten, daß die Neuerrichtung von Brennereien, die schon in den letzten Jahren nicht unerheblich war, in nächster Zeit einen großen Umfang annehmen wird. Wenn auch die Beteiligten wiederholt darauf hingewiesen wurden, daß die Absicht besteht, den Höchstbetrag des Kontingentfußes der neuen landwirtschaftlichen Brennereien noch vor der nächsten Kontingentierung auf 50 000 Liter Herabzusetzen, so ist doch nicht ausgeschlossen, daß hier und da für den Entschluß zu einem Neubaue die Tatsache bestimmend ist, daß vorläufig noch der Höchstbetrag von 80000 Liter im Gesetz steht. Um in solchen Fällen Enttäuschungen und Beschwerden tunlichst zu vermeiden, ist für erforderlich gehalten worden, den Gesetzentwurf noch in dieser Tagung des Reichstags wenigstens vorzulegen, wenn auch auf seine I
Rocßler und Stadtbaumeister Thyriot mit der schon angegebenen Absicht zusammen und ernannte einen vorläufigen Ausschuß. Dieser sollte sich mit den Vorarbeiten befassen und sie so beschleunigen, daß die erste Ausstellung des Vereins gleichzeitig mit der Einweihung des neuen Akademiegebäudes stattfinden könnte.
Im gtouember wurde in einer Anzahl von Sitzungen unter Leitung des Herrn Direktor Hausmann zunächst formell die Absicht der Gründung bestätigt, es wurden Satzungen beraten und nach Vorschrift der letzteren der erste Vorstand gewählt, der aus den Herren Oberbürgermeister Rauch als Vorsitzenden, Direktor H aus m a n n , Landgerichtsrar Reul, Kaufmann Ludwig Limbert, Rentner Ferdinand K o cf), Architekt G. von R o e ß l e r, Maler H. G o l l n er, Landgerichtspräsident Lang, Dr. med. Eisenach und Stadt- baumeister Thyriot bestand. Am 21. November wurde seitens der Direktion der Königlichen Zeichenakadeinie genehmigt, daß für die periodischen Ausstellungen „des neuen Vereins" die Aula des Neubaues zur Verfügung gestellt werde. Zugleich erfolgte der Anschluß au den Rhein. Kunstverein, der nunmehr acht Städte nämlich: Baden, Darmstadt, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Mainz, Mannheim und H a n a u in sich vereinigte imb gegen Zahlung eines Jahresbeitrages die Verpflichtung übernahm, die perio- ,scheu ^Ausstellungen der einzelnen Vereine zu beschicken, bezw. die Versendung der Kunstwerke von Stadt zu Stadi zu überwachen und zu regeln. Die erste Ausstellung fand im November 1880 statt, und nach Beendigung derselben die erste Verlosung am 5. Dezember. An diesem Tag würbe auch der Beitritt zu dem „Verein für historische Kunst" beschlossen, der gegen eine jährliche Vergütung von Mk. 150 hervorragende Kunstwerke zur hiesigen Ausstellung sendete. Dadurch wurde der Wert der letzteren nicht wenig gehoben und das Interesse für die höhere Kunst belebt. Zugleich erwarb der hiesige Verein das Recht, an de n Verlosungen dieser Kunstwerke teilzmuhmen.
alsbaldige Verabschiedung nach der Lage der Geschäfte nicht mehr gerechnet werden kann. Im Interesse der Beteiligten ist es erwünscht, wenn diese Ausführungen durch die Fachpresse der landwirtschaftlichen Organe eine möglichst weite Verbreitung finden würden.
Der Gesamtverband deutscher Metalliu- dirstrieller versendet folgende Mitteilung: „In der Sitzung des Vorstandes vom 29. Mai d. J. wurde festgestellt, daß die streikenden Gießereiarbeiter der Bezirksver- bände Braunschweig, Breslau, Dresden und Hannover ihre Forderung nach Mindestlöhnen zurückgezogen und sich damu abgefunden haben, daß die Arbeitgeber eine Verhandlung mit Vertretern der Arbeiterorganisationen ablehnen. Demzufolge beschloß der Vorstand, daß die auf den 2, Juni d. J. festgesetzte Aussperrung nicht zur Ausführung komnien soll."
Oesterreichisches Kabinett. Der Sekiionschef in Ackerbauministerium, Dr. Frhr. v. Beck, wurde gestern zum Kaiser berufen und mit der Kabineisbildung beauftragt.
Oesterreichisches Abgeordnetenhaus. (Sitzung vom 30. Mai.) Präsident Graf Vetter rechtfertigt die Absage der gestrigen Sitzung. Es habe ihm gänzlich fern gelegen, das Haus an der Besprechung der' Situation und an der Stellungnahme zu der Demission des Kabinetts zu hindern. Er habe sofort die heutige Sitzung einberufen, als ihm der Wunsch der Mehrheit des Hauses nach Abhaltung einer Sitzung bekannt gegeben worden sei. Kathrein begründet den von der gestrigen Obmännerkonferenz angenommenen Dringlichkeitsantrag; in dem Augenblicke, wo Ungarn sich anschicke, einseitig und zum Nachteile Oesterreichs die gemeinsamen Beziehungen zu lockern und zu lösen, dürfe das Haus nicht zugeben, daß über das Recht der Be- vplkerung Oesterreichs ohne das Haus irgendivie verfügt werde. Sobald die Verhältnisse es erheischen, müsse das Haus einberufen werden. Redner der verschiedenen Parteien verwahren sich gegen den ungarischen Versuch, durch Einbringung eines selbständigen ungarischen Zolltarifs den 67er Ausgleich zu brechen. Von tschechischer Seite wird den Deutschen die Schuld an dem Niedergänge des österreichischen Parlaments zugeschoben. Die Tschechen seien nicht bereit, für die Deutschen die Kastanien aus dem Feuer zu holen und die Magyaren zu beleidigen. Adler (Soz.) erklärt, die Schuld daran, daß die Einbringung eines selbständigen Zolltarifs in Ungarn ohne Befragung des österreichischen Parlaments und gegen den Einspruch der Regierung erfolgte, treffe nicht nur die Krone, sondern auch das Parlament, welches sich jahrelang keinen Respekt zu verschaffen gewußt haüc und dessen bürgerliche Parteien wegen kleinlicher Eifersüchteleien die Bildung einer Regierung und die Uebernahme der Verantwortung ablehnen. Nur durch die Schaffung einer wirklichen Volksver-
Im Jahre 1883 beantragte die Stadt Mannheim die Wanderausstellungen auszuheben und statt dieser permanente Ausstellungen zu schaffen, weil dadurch die Beschaffenheit der Ausstellungen verbessert werbe; da aber die kleineren Städte dies reicht einzurichten vermochten, so verblieb es wie vorher. Die Statuten und namentlich die §§ 11, 12 und 13 machten eine Aenderung erforderlich, die denn auch im Januar 1884 beschlossen wurde und als wichtige Anordnung die Anlegunc von Akren durch den Schriftführer verlangte. Daß bis jetzi der Vorsitzende der Oberbürgermeister und der ständige Vertreter desselben der Direktor der König!. Zeichenakademie waren, erleicherte sehr den Betrieb, weil ja" die Sitzungen gewöhnlich im Rathause, die Ausstellungen regelmäßig in der Akademie stattfanden.
Vom Vorstand des Rhein. Kunstvereins wurden neue Statuten vorgelegt und unter dem 23. November 1885 genehmigt. Die Aenderung regelte das Verfahren, das zur Anwendung kommen sollte, wenn eingesandte Kunstwerke nicht zur Ausstellung gelangen und zurückgestellt werden sollten.
Akademiedirektor Professor Hausmann starb am 10. März 1886 und Professor Wiese trat als stellvertretender Vorsitzender an seine Stelle. Wegen der Verdienste des Verstorbenen um den Kunstverein wurde an seinem Grabe ein Kranz niedergelegt.
Die Stadt Mannheim kündigte ihre Mitgliedschaft am Rhein. Kunstverein und wiederholte, daß sie eine qualitative Besserung der Ausstellungen nur in permanenten Ausstellungen mit ausschließlicher Zulassung hervorragender Künstler erblicke.
Der Vorsitzende, Herr Oberbürgermeister Rauch legte sein Amt und seine Mitgliedschaft am 23. August 1887 wegen Veränderung des Wohnsitzes nieder, nachdem er die Bestrebungen des Vereins sieben Jahre lang in ganz besouderer Weise gefördert hatte.
(Forsetzung folgt).