31. Mat ______________
Witrzbing, 30. Mai. Heute vormittag erschoß sich hier der Bankier Karl Str oh m'b crg. Hohe Spekulationen, inan spricht von 1 Million Mark Passiva, dürften der Gruud zum Selbstmord sein.
FC. Breitenheim a. v. Nahe, 31. Mai. Der 45jährige Arbeiter S ch w i w i n g fiel von bem Scheunengerüst auf die Tonne, erlitt einen'Schädelbruch unb starb kurz darauf. Er hinterläßt eine Frau und 11 Kinder.
Goldhehleleiprozeß-
X Hana«, 31. Mai. Vor der Strafkammer haben sich heute zu verantworten der Goldarbeiter Philipp Schneider, der selbständige Graveur Karl Emmerich und dessen Sohn, der Mechaniker Jean Emmerich, ersterer wegen Golddiebstahl, fettere beiden wegen Hehlerei. Die Anklage legt Schneider zur Last, bis zum Jahre 1905 durch eine fortgesetzte Handlung für 12 000 Mk. Gold bei der Firma Drescher u. Küfer (rtivendei zu haben. Die beiden Emmerich sollen gemein- ichaftlich ihres Vorteils wegen bis zum Jahre 1905 für zirka 14 000 Mk. Edelmetalle angekauft bezw. bei deren An- kauf mitgewirkt haben, Sachen, von denen sie müßen, oder den Umständen nach annehmen mußten, daß sie gestohlen waren. Angeklagter Schneider sagt aus, er habe bei Drescher u. Kiefer täglich 18—20 Tiegel Polierschliff geschmolzen und sich von diesem, wenn er abgetrieben war, kleinere Quantitäten angeeignet und bei genügenden Mengen in Manchen geschmolzen. Insgesamt habe er sechs Manchen verkauft, davon 4 an Jean, 2 an Karl Emmerich. Veranlaßt worden sei er zu den Diebstählen durch den Sohn Jean Emmerich, der ihn eines Tages im Jahre 1900, als die Rede darauf kam, daß Schneider wenig verdiene, gesagt habe, er solle etwas machen, sein Vater würbe cs kaufen. Darauf habe er diesem teils hier, teils in Frankfurt im ganzen 4 Blauchen gegeben. Die letzte im vorigen Jahr. Dem Vater Karl Emmerich habe er zwei Blanchen gegeben. Für das Gramm habe er 1 Mk. bekommen. Insgesamt habe er für die gestohlenen 6 Blanchen zirka 2000 Mk. gelöst. Schneider hatte 18 Mk. Lohn pro Woche, hat aber bereits in den Jahren 1896 und 97 zirka 1900 Mk. und später noch verschiedene Male größere Beträge in die Sparkasse eingelegt. Während er in der Voruntersuchung sagte, daß er schon damals Goldblanchen an Karl Emmerich verkauft habe, will er diese Einlagen heute darauf zurückführen, daß er von seiner Mutter 1200 Mk. geerbt habe, die diese dem verstorbenen Meerbott geliehen hatte, und von dessen Witwe nach und nach zurückgezahlt wurden. Außerdem habe er ba= Urals an einem Handel mit Glühstrümpfen viel Geld verdient. Darauf aufmerksam gemacht, wie cs komme, daß er häufig Beträge abgehoben habe, also Geld benötigte, und dann kurz darauf wieder Geld einzahlte, sagt er,er habe von dem Vater des unehelichen Kindes seiner Frau um diese Zeit 200 M. erhalten und ein ander Mal 300 Mk. erhoben, weil er bei der Versteigerung das Meerbottsche Haus ersteigern wollte, das Geld dann aber wieder eingezahlt habe. Seit bezogen. Er behauptet, davon auch an andere abgegeben zu haben, kann aber nur 2 Personen benennen, denen er kleinere Quantitäten überlassen. Angeklagter Karl Emmerich treibt das selbständige Graveurgeschäft seit den 60er Jahren. Er arbeitet für Fabrikanten und es gehört der Sitte gemäß das abfallende Metall, der sog. Gravierstich, ihm. Er behauptet, daß alles, was er an Gold mit hohem Feingehalt verkauft hat, von Schneider stamme. Das gesamte von ihm verkaufte Gold stamme teils aus dem Graveurstich, teils aus Goldsachen, die ihm von dem im Jahre 1886 verstorbenen Bijouteriefabrikanten Lehmkuhl als Zahlung für gelieferte Arbeiten gegeben wurden, teils aus ersteigerten Goldsachen und aus Blanchen, die ihm Schneider gebracht. Wie viel ihm dieser gebracht, weiß er nicht mehr.
Briefkasten.
H. K. Sie müssen selbstredend um die Genehmigung nachsuchen.
Hus alter Meli.
Schwere Gewitter und wolkenbruchartige Regengüsse haben vorgestern nachmittag wieder in verschiedenen Teilen Schlesiens große Schäden ungerichtet. In Beuthen wurde ein Kutscher mit beiden Perden vom Blitz erschlagen.
Die Diesjährige Auslandsstudienreise, welche die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft veranstaltet, führt durch Böhmen und Mähren und endigt in Wien. Die Zeit, in welcher sie stattfindet, ist vom 19. Juni bis zum 6. Juli. Für die deutschen Landwirte verspricht die Gesellschaftsreise deshalb besonders interessant zu werden, weil die larbwirt« schriftlichen Verhältnisse in Böhmen und Mähren in vielen Stücken große Ähnlichkeit mit den deutschen haben. Sich an dieser Reise zu beteiligen, dürfte ebenso dem Ackerwirt wie bem Viehzüchter anzuraten sein, denn beide Zweige der Landwirtschaft werden gebührende Berücksichtigung finden. Daneben wird aber auch der Brauer und Brenner seine Rechnung finden, da Brauerei- und Brennerei-Anlagen, sowie Brau- weuen«, Braugerste- und Hopfenkulturen besichtigt werden. Mcht weniger Interesse wird dem Weinbau gewidmet werden. Die Vorbereitungen für diese Reise sind ganz bc- sonders sorgfältig getroffen worden, so daß mit Bestimmtheit ein gutes Gelingen der Reise zu erwarten ist. Teilnehmerplätze sind noch frei und haben die Anmeldungen möglichst sofort bei der Hauptstelle der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft, Berlin SW., Dessauerstr. 14, unter gleichzeitiger Einsendung der Einschreibegebühr von 50 M. zu erfolgen.
Hufrut
Nach Mitteilung der Hauptsarnmelstelle deS LandesvereinS vom Roten Kreuz in Hamburg sind am 30. d. MtS. die letzten dort lagernden Bestände an freiwilligen Materialgaben nach Südwestafrika abgesandt worden. Um auch für diè Zukunft bem Bedarf an solchen genügen zu können, erscheint es unerläßlich, daß die freiwilligen Leistungen von neuem ein«
Donnerstag
setzen und daß weiterhin ausreichende Materialabgaben bei« gebracht werden, damit bis zum vollständigen Abschluß der lriegerischcn lluleruehmungcu in den Kolonien in der bis Hengen, von allen Seiten so wohl empfundenen Hilfsleistung keine Einschränkung eintreten muß.
Bier, Wein, Kognak, Schaumwein, Mineralwasser, Fruchtsast, eingemachte Früchte, Milchkonserven (nicht stark gesüßte), Tabak, Cigarren und Cigaretten sind jederzeit willkommen. Auch Hemden, Unterjacken, Unterbeinkleiderund Socken sollen, nameiitlid) in den vorderen Reihen, recht erwünscht sein.
Auskunft über die Art der Verpackung und Signierung der abzusendenden Materialgaben wird im Zimmer 12 des Rathauses erteilt.
Geldspenden nimmt die hiesige Stadthauptkasfe nach wie vor entgegen.
Hanau den 27. April 1906.
Der Vorstand des Zweigver- Der Vorstand des Vater- eins vom Roten Kreu'z. ländischen Frauenvereins.
Dr. Gebeschus. Kathinka Heraeus.
Aus z ü g c aus d e m Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.
M a r j o ß. Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung der in der Gemarkung Marjoß belegeneu, int Grundbuchc von Marjoß zur Zeit der Ein- tragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen: 1) des Maurers Kaspar Bohnert (Paulus Sohn) jit Marjoß, 2) des Ackermanns Kaspar Simon zu Marjoß, eingetragenen Grundstücks besteht, sollen dieses Grundstücke am 27. Juni 1906, vormittags 9 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu' Steinau versteigert werden.
Schifssrmchrichteu.
(Allcheteilt ooitt Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1).
Der Dampfer „Kronprinz Wilhelm" ist am 29. Mai wohlbehalten in New - Pork angekommen.
Der Postdampfer „Vaderland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 29. Mai wohlbehalten in New -Port angekommen.
Bremen, 26. Mai. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Zielen" ist gestern in Colombo eingetroffen.
âstUiachrichte«.
Die Lage in Oesterreich und Ungarn.
Wien, 31. Mai. In Einzelkonferenzen mit den Parteiführern entwickelte Frhr. v. Beck sein Programm. Er macht sich die Wablreform Hohenlohes zu eigen und betrachtet deren rascheste Erledigung für unerläßlich. Bezüglich der ungarischen Frage steht er auf dem Standpunkt, daß das österreichische Parlament den Zolltarif gleichfalls als autonomen österreichischen Zolltarif beschließen oder sofort in eine Revision des gesamten Ausgleiches ein treten falle.
.Bus ap Ms.WgeordMien^ die Petitionen mehrerer Mumzipien, das Kabinett Feferoary unter Anklage zu stellen, einem Ausschuß zur schleunigen Berichterstattung zu überweisen.
Wegen Aufreizung.
Berlin, 31. Mai. Die „Boss. Zig." melbet aus Breslau: Die Strafkammer verurteilte den Redakteur Klüß von der sozialdemokratischen „Volksmacht" wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gewalttätigkeiten gegen einauber zu 3 Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr beantragt.
Norwegen und Schweden.
Christiania, 31. Mai. Die Bestattung Ibsens veranlaßte die erste freundliche Annäherung zwischen Schweden und Norwegen. Die schwedischen Universitäten sandteil Kränze. Eine Anzahl hervorragender schwedischer Person- - lichkeiten treffen in Christiania ein.
Abgelehnt.
München-Gladbach, 31. Mai. Der Antrag auf Gewährung eines Darlehens von 1360 000 Mark aus dem Kleinbahnfonds für den Bau einer elektrischen Straßenbahn von München-Gladbach--Viersen—Dülken nach Süchteln wurde vom Provinzialausschuß der Rheinprovinz abgelehnt, weil die projektierte Bahnlinie voraussichtlich nicht rentabel sei.
Areigefprochen.
München, 31. Mai. Der Redakteur der durch Post- verbot unterdrückten freidenkerischen Zeitung „Die Wahrheit", Richter, wurde von den Geschworenen vom Vergehen der Kirchenbeseidigung, begangen durch) einen Artikel „Der Kampf gegen Rom", freigesprochen.
Aus Arankreich.
Paris, 31. Mai. Trutz bet den Bischöfen auferlegten Geheimhaltung werden verschiedene Einzelheiten über den Verlauf der gestrigen Versammlung berichtet. Das Schreiben des Papstes an den Kardinal Richard enthält keinerlei Weisungen betreffend die Annahme oder Ablehnung des Treunungs- gesetzes. Der Papst ermahnt darin die Bischöfe, die ihnen vorgelegten Fragen ausschließlich von bett höheren Gesichtspunkten der Seelsorge und des Interesses ihres Vaterlandes zu prüfen. Der Brief schließt zwar mit einer Anspielung auf die Verfolgungen, welche die Kirche in Frankreich zu crieiben haben werde, doch wird dies in keiner Weise mit der etwaigen Entscheidung der Bischossversaunuluug in Verbindung ge« bracht. Der Papst zitiert hierbei die Worte Christi, welche die Apostel barmt erinnern, daß sie um seines Namens zu leiben haben werden, und daß er sie in die Welt schicke wie Lämmer unter die Wölfe. Dieses Schreiben wurde von der Versammlung der Bischöfe sofort mit folgender Depesche beantwortet: „In dem Augenblicke, wo die Bischöfe Frankreichs sich versammeln, um in' vollständiger Freiheit über die Bedürfnisse der gegenwärtigen Zeit zu beraten, beeilen sie sich, zu Füßen Euerer Heiligkeit die Huldigung ihrer kindlichen und vollständigen Ergebenheit niederzulegen und zu versichern, daß sie, was immer auch sich ereignen werde, ebenso unerschütterlich den Interessen des Glaubens wie der Gröne und
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der Wohlfahrt des Lande? treu bleiben werden, welche« fif heiß Heben und bem sie mit Eifer dienen wollen." Der Erz- bischvf von Albi verlas einen Bericht über die Aufnahme, welche die gegen das Trennungsgesetz gerichtete päpstlich« EnchKika bei den Katholiken Frankreichs gefunden habe. Sodann erstattete der Erzbischof von Besancon einen Bericht über die Frage der Kultusvereinigungen, welcher in dem Vorschlag gipfelt, die gegenwärtigen Kirchenfabriken der einzelnen Pfarrsprengeln beizubehalten und dieselben dm Forderungen deS Trenuungsgesetzes durch Vermehrung ihrer Mitglieder anzupassen. Diese Fabriken können von der Regierung Kultusvereinigungen genannt werden. Man werd« schon dafür Sorge tragen, daß sie wie in der Vergangenheit von der kirchlichen Autorität abhängen. Mehrere Bischöfe wiesen darauf hin, daß im Falle der Ablehnung des Trennungsgesetzes riesige nach Millionen zählende Summen iwtwenbig seien, um einen Privatgottesdienst einzurichten. Die Mehrzahl der Blätter glaubt, die Versammlung der Bischöfe werde eine Lösung finden, durch welche ein schwerer Kouflikt mit der Regierung werde vermieden werden können.
Paris, 31. Mai. Die Erzbischöfe von Caulbèry und Cambrais und die Bischöfe von Nancy und St. Flur find zur Konferenz der Kirchenfürsten nicht erschienen. Man rechnet, daß von bett 77 anwesenden annähernd 50 für bie Annahme des Trennungsgefetzes stimmen, doch sorgt die vom Papste angeordnete strengste Geheimhaltung der Versammlungen dafür, daß weder über diese noch über daS Ergebnis der Abstimmung etwas genaues in die Oeffent- lichkeit gelangt.
Paris, 31. Mai. Der sozialistische Deputierte ConstanS kündigt bem Ministerpräsidenten eine Interpellation an über die Haltung der Behörden beim AuSstand der Bergarbeiter in Moutlucon, sowie über die Maßnahmen, welche die Regierung gegen die Arbeitgeber zu ergreifen gedenke, di« angeblich die Arbeitsfreiheit behindert haben.
Unterzeichnung des EhekontraktèS.
Madrid, 30. Mai. Der Unterzeichnung des Ehekontraktes zwischen König Alfonso und Prinzessin Ena, die jetzt den bei ihrem Ucbertntt zur katholischen Kirche angenommenen Rainen Victoria sührt, wohnten die Ritter vom Goldenen Vließ, die Generalkapitäns, die Mitglieder der Regierung, das diplomatische Korps und die oberen Hofchargen bei. Zur Unterzeichnung bediente sich das Paar der von den Journalisten zum Geschenk dargebrachten goldenen Feder.
Englisches Unterhans.
London, 30. Mai. In der Sitzung des Unterhaiftes führten die Mitglieder der Arbeiterpartei Klage über die zögernde Haltung der Regierung 'bei dec Behandlung des Arbeitslosenproblems. John Burns, der Präsident deS Landesverwaltungsamtes, verteidigte die Regierung gegen den Vorwurf der Gleichgiltigkeit bei der Regelung dieser Frage und erklärte, die Regienlng halte sich an die Zusage der Thronrede, ein Gesetz darüber einzubringen, gebunden. Charakteristisch an der Debatte war der in den Reden der Mitglieder der Arbeiterpartei und von Burns hervorgetretene Antagonismus.
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Wie«, 20. Mai. Der internationale Verband der Akademien der Wissenschaften trat heute unter dem Vorsitz des Präsidettteu der Wiener Akadeiaie, Professor Dr. Sueß zusainmeil. Die Berliner Akadeniie ist durch die Sekretäre, die Professoren Dr. Waldmeyer und Dr. Diels verirrten. Auch die Akademien von Rom, Paris, London, Christiania, Kopenhagen, München und Budapest haben Vertreter entsandt. Einstimmig wurde beschlossen, das Gesuch der japanischen Akademie in Tokio um Ausnahme in den Verband dem nächsten Kongresse zur Annahme zu empfehlen.
London, 31. Mai. Das Unterhaus hat sich bis zürn 7. Juni vertagt.
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