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Hanauer K Anzeiger

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonu- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 125

Zyernsprecha«schl«tz Nr. 605.

Mittwoch den 30. Mai

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1906

Amtliches.

Bekanntmachung für Kesselstadt.

Das Ortsstatut über die Entleerung bet Latrinen- gruben im hiesigen Gemeindebezirk liegt vom 31. Mai bis 14. Juni 1906 im Entwurf auf dem hiesigen Bürger­meisteramt zur Einsicht der Gemeindeglieder aus und sind Einsprüche gegen dasselbe in dieser Zeit daselbst anzubringen.

Kesselstadt den 30. Mai 1906.

Bürgermeisteramt.

11597

politische Rundschau.

Die Dispositionen des Landtages für den Rest der Tagung sind folgende: DaS Abgeordnetenhaus geht Mittwoch nachmittag in die Pfingstferien und vertagt sich etwa bis zum 15. Juni. Nach Pfingsten wird das Abge­ordnetenhaus mir noch zwei Sitzungen abhalten und kleinere Sachen erledigen. Das Herrenhaus hat Abstand genommen, die Schulvorlage noch vor Pfingsten zu beginnen, da die Drucksachen erst heute verteilt sind. Morgen will das Herrenhaus die Knappschaftsnovelle und kleinere Sachen be­raten und sich ebenfalls bis zum 15. Juni vertagen. Am 15. und 16. Juni berät das Herrenhaus die Schulvorlage und setzt die Schulkommission ein. Am 17. Juni wird die Schlußabstimmung über die Wahlrechtsreform vorgenommen, am 20. Juni die Schlußabstimmung über den sogenannten Antrag Schiffer zur Schulvorlage (wegen der hier bean­tragten Verfassungsänderung muß eine Frist von 21 Tagen innegebalten werden). Vom 17. bis 20. Juni erledigt das

ÈMM ^ ^BM vvMenoeuMMâd MM- j^ierleu^an^ex^ Läufer, ^deiu sich, weM^ Mual ö» Jawm, hc^ am -0. Irins noch die Schulvorlage m der Schluß- angefangen, bald weitere Neubauten nnreihen dürften, in

Beratung, allerdings in der Voraussetzung, daß die Kom­mission ihre Arbeiten in drei Tagen erledigt. Die Vertagung tarnt dann am 20. oder 21. Juni eintreten.

Das neue Militärpensionsgeseh, über dessen Wirksamkeit hier und da Zweifel zu bestehen scheinen, tritt in Kraft am 1. Juli dieses Jahres. Allen, die nach dem 1. April 1905 verabschiedet worden sind, sowie den Feld- zugsteilnehmern werden vom 1. Juli 1906 nach den Be­stimmungen des neuen Gesetzes Pensionsbezüge gewährt. Nachträgliche Zahlungen für irgendwelche rückliegende Zeit finden unter keinen Umständen statt.

Erholungsurlaub des Reichskanzlers. Bestimmt ist einstweilen, daß der Reichskanzler während der Monate Juni und Juli bis in den August hinein ans der friesischen Insel Norderney verbleiben wird.

Die Kossuthpartei die bisher an den Delegationen nicht teilgenommen hatte, beschloß in ihrer gestrigen Sitzung in Budapest, diesen starren Standpunkt aufzugeben und den Parteimitgliedern die Teilnahme anheimzustellen, worauf die Wahlen zur Delegation vorgenommen wurden.

Der König von Schweden gab in dem gestern ab­gehaltenen Ministerrat die Erklärung zu Protokoll, inwelcher er dem neuen Ministerium die Gründe darlegt, weswegen er entgegen dem Vorschläge des vorigen Kabinetts seine Zu­stimmung zu der mit Rücksicht auf die abweichenden Beschlüsse beider Kammern in der Wahlrechtssrage erbetenen Ausschrei­bung von Neuwahlen zur Zweiten Kammer versagte. Der König fordert das Ministerium auf, die wichtige Wahlrechts­srage sofort einer gründlichen ernsten Prüfung zu' unter­ziehen, um der Volksvertretung möglichst schnell Gelegenheit zu geben, einen Proportionalwahlrechtsentwurf für beide Kammern des Reichstages zu beraten. Der König wünschte den Ministern Glück und Segen bei ihrer verantwortungs­vollen wichtigen Arbeit.

Das Ministerium Giolitti. Das neue italienische Kabinett ist gebildet und hat sich, derAgencia Stefani" zufolge, folgendermaßen zusammengesetzt: Präsidium und Inneres Giolitti, Auswärtiges Tittoni, Justiz Gallo, Schatz Müjorano, Finanzen Massimini, Krieg Generalleutnant Digano, Marine Admiral Mirabello, Unterricht Fusinato, Oeffentliche Arbeiten Gianturco, Ackerbau Coccuortu und Post Schanzer. Die neuen Minister leisten morgen den Eid in die Hand deS Königs.

Hus Fyanau Stadt und Hand.

Hanau, 30. Mai.

V Die Projektier ungsarbetten zur neuen Bahn­strecke Seligenstadt-Gelnhausen sind durch den beauf­tragten Ingenieur bereits soweit abgeschlossen, daß die spezifi- sierten Pläne und Rentabilitätsberechnungen den maßgebenden Faktoren in Kürze zur endgiltigen Entscheidung unterbreitet

werben können. Durch geschickte Tracierungen konnte die anfängliche Bahnstrecke von 22 Kilometer Länge auf 20,5 Kilo­meter reduziert werden. Die Baukosten verringern sich demgemäß, einschließlich der Baukapitalzinsen, auf 1 691 000 Mk. Die Gesamt-Grunderwerbskosten beziffern sich auf 265 000 Mk. Jedes Hektar Baugelände erfordert, einschließlich der Ent­schädigungen für Obstbäumc rc., einen Kostenaufwand von durchschnittlich 8000 Mk. Die Ueberbrückung des Main­stromes unmittelbar bei Seligenstadt beansprucht ein Bau­kapital von 360 000 Mk. Projektiert ist eine Eisenbahn- und Fahrbrücke mit 5 Pfeilern, von welchem der mittlere eine Spannweite von 80 und jeder der 4 anderen eine solche von 40 Metern erhält. Die Rentabilitätsberechnungen führ­ten zu einem Erträgnisse von 4,16 Prozent des Anlage- Kapitals.

* Reichsba«knebenstelle. Am 7. Juli d. I. wird in Zabrze eine von der Reichsbankstelle in Gleiwitz ab­hängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und be­schränktem Giroverkehr eröffnet werden. -

* Neubauten zu Kesselstadt. Wie wir hören, haben die hiesigen Mitglieder der Bezirkskommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler innerhalb des Regierungs­bezirks Cassel, die Herren Kreiskonservatoren Akademielehrer Zimmermann und Stadtbaurat Thyriot an den Landeskonservator Herrn Prof. Dr. v. Drach in Marburg einen Bericht über das neue Bauprojekt eingereicht. Es wurde betont, daß durch die Neubauten am Main das herr­liche landgräfliche Schloß Philippsruhe in seiner architektonischen Wirkung, namentlich in seiner Mittelpartie, schwer beeinträchtigt werde. Auch das Landschaftsbild, eines

der schönsten an den Mainufern, werde durch den projef»

feiner wunderbaren Wirkung vernichtet. Der Herr Landes­konservator wurde gebeten, Stellung gegen das neue Bau­projekt zu nehmen.

* Prämiiert. Bei der am 27. d. Mts. in München stattgefundenen Kriegs- und Polizeihund-Dressurprüfung ge­wann Herr E. A u e in Kesselstadt, für eine Deutsche Schäfer­hündin für beste Dressurleistung einen ersten und einen Ehrenpreis.

* Stadttheater. Auf Grund des kürzlich von der Stadtverordnetenversammlung genehmigten Theatervertrages hat der Magistrat das Stadttheater für die Spielzeit 1907 bis 1910 an den Oberregisseur Adalbert Steffi er vom Residenztheater Hannover übertragen.

* Erfreulich und ehrend. Der Baufirma Friedrich Rumpf hier wurden von Königl. EisenbahndirektionFrank­furt die Maurerarbeiten ausschließlich Materiallieferung für das neue Geschäfts- und Präsidialgebäude am Hohenzollern- platz in Frankfurt a. M. im Betrage von Nèk. 200 000 über­tragen.

* Hanauer Geschichtsverein. Im Bürgerverein hielt am Montag abend der Hanauer Geschichtsverein seine Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Geh. Ober­justizrat Koppen, eröffnete kurz nach 6*/i Uhr die Jahres­versammlung, worauf der Schriftführer, Herr Stadtschul­inspektor Lorenz, den Jahresbericht erstattete. Durch Tod, Versetzung, Abmeldung rc. ist die Mitgliederzahl etwas gesunken; z. Zt. zählt der Verein 306 Mitglieder. Hoffent­lich werden die entstandenen Lücken durch reichlichen Zugang ausgefüllt! Der Jahresbericht erwähnte ferner die Erweite­rung des Museums durch Heranziehung der Höfhalle und Räume gleicher Erde, durch Aufstellung eines Bürgerzimmers aus dem Anfänge des 19. Jahrhunderts, die Beiteiligung des Vereins an den Ausgrabungen am Kinzigheimerhof und am Burgwall; der Besuch des Museums ist wenig rege, obwohl Vorstandsmitglieder zur Auskunftserteilung re. stets anwesend sind und auch nachmittags Gelegenheit zum Besuche gegeben ist. Bei seiner Anwesenheit in Hanau stattete auch Herr Regierungs-Präsident Graf v. Bernstorff dem Museum einen Besuch ab. Als erfreulich sind zir bezeichnen die zahl­reichen Zuwendungen, infolgedessen eine Nachversicherung für 5300 Mk. eintreten mußte. Im Berichtsjahre wurden 3 Monalâversammluugen abgehalten mit Vorträgen der Herren Stadtbaurat a. D. Thyriot und Dr. Kittsteiner, die recht viele Nachfolger finden mögen, da es nicht immer leicht ist, Vortragende 31t gewinnen. Der Vorstand hielt 46 Sitzungen ab. Ausgeschieden ist der Kassierer, Herr Bückmann, an dessen Stelle Herr Hauptmann a. D. v. B u t t l a r trat. Für Herrn Dr. Quilling delegierte der Vorstand Herrn Stadtrat Alberti in den Vorstand der Lesegcsellschaft. Dein Magistrat wurde zum Schlüsse Dank abgestattet für die stete Bereitwilligkeit, die Interessen und Aufgaben des Geschichtsvereins fördern zu helfen.

Die heutige Stummer umfatzt autzer dem rtutertzalLuuasvlatt 14 Seite«

Ueber den Zuwachs der Bibliothek 1905/06 wird wie folgt Bericht erstattet:

1. Ankäufe. An Zeitschriften: Hessenland-, Korrespondenzblatt des GesamtvereinS M.; Westdeuts che Zeitschrift für Geschichte und Kunst; Burgwart. Ferner: Hottenroth,Die nassauischen Volkstrachten"; Joh. Andr. Berg- sträßer,Ueber sein 1784 angekündigt es Problem . . . oder über Sy nth emat ogr aphik" Hanau 1785.

2. Geschenke. 1. Vom Herrn Unterrichts- Minister:Denkmalpflege" VII. Jahrgang. 2. Von Herrn Anton Jobst (aus dein Nachlaß des Chronisten Jean Jobst): eine Handschrift, betiteltSammlungen zur Gräflich Hanauischen Geschichte" von 1699, vermutlich vom Chronisten D h e i n herrührend. 3. Vom Verein für H e= bung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Bay­ern:Denkschrift über die Verbesserung der Bayerischen Donau" rc. München 1905. 4. Von Herrn Alex. Jung: Eine Anzahl älterer Hanauer Gymnasial - Programme; E. GouthaudMonographie de Dornholzhausen" , Homburg, 1864; Heinr. HoppeDenkschrift über die konfessionellen Wirren in der evangel. Kirche Kurhessens", Cassel, 1854. 5. Von Herrn Emil Weil: ein Stammbuch vom Jahre 1811, herrührend vom Regimentsarzt Berkmann. 6. Von Herrn Aug. B i l d h ä u s e r: Anselm v. FeuerbachLehr­buch des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts", Gießen, 1828;Handbuch der Hessen-Cassel'schen Landes­verfassung und Rechte", IV. Teil, Cassel, 1800. 7. Von Herrn Hopf: Dasselbe, II. Teil, Cassel, 1796. 8. Von Herrn Ferdinand K i I l m e r : eine Serie Radierungen, Tiere sarsteuend, von dem Hanauer Maler Fries ; ein Gesellen­brief für Jakob Killmer (den Vater des Spenders), vom Jahre 1806; eine Originalzeichnung von Emailmaler Her­mann Göllner, darstellend den VereinSamstagia" (in derBavaria" imHohen Turm"), vom Jahre 1867. 9. Don Herrn Oberlehrer Dr. Friedr. Wilhelm in Ratibor: Beilage zum Jahresbericht des Gymnasiums zu Ratibor, ent­hält u. a.Sage über die Schelme von Bergen".

Der Rechner Herr Hauptmann a. D. v. Buttlar leg> die Jahresrechnung sowohl für die Kasse des Grimm- Museums wie für die Kasse des Geschichtsvereins vor. Es wird ihn: Entlastung erteilt. Der Mitgliederbeitrag für 1906 bleibt wie bisher 5 Mk.

Herr Stadtbaurat a. D. Thyriot berichtet über 83au» lidjeâ und die Unterbringung der Sammlungen in folgender Weise:

- In der Jahresversammlung oom 18. Mai vorigen Jahres hatten wir mitteilen können, daß d i e mit der Heranziehung des Hofraumes und linksseitigen Abteilung des Stockwerkes gleicher Erde in unserem Museum zusammenhängenden Bau­arbeiten nahezu vollendet, auch ein Teil der noch im Schloßhofe befindlichen historischen Steinwerke römischer und mittelalterlicher Herkunft bereits Aufstellung in einem neuen Raum gefunden hätten. Bald nachher war denn auch die gänzliche Aufstellung vollendet, und so find seit beinahe Jahresfrist alle von dem Vorstände des Ge­schichtsvereins angesammelten Gegenstände unter eitlem Dache vereinigt, die Aufstellung zu einem vorläufigen Ab­schluß gelangt. Die inzwischen zur Abrechnung gekommenen Baukosten im Gesamtbetrag von etwas über- Mk. 4000 find wie vorher beschlossen, annähernd je zur Hälfte von der Stadt Hanau und dem Geschichtsverein getragen worden, von dem letzteren aber noch weiter und besonders Mk. 200 zur Herstellung eines in sich abgeschlossenen Raumes im H- Obergeschoß dazu verwendet worden, in demselben die in größerer Anzahl dem Verein zugewendeten Gegenstände ver­schiedener Art, dem ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts angehörend, aufzustellen, mit der BezeichnungMotive einer Kleinbürgerstube und Küche" der genannten Zeit. Eine ganze Menge der Belehrung wird nunmehr in übersichtlicher Weise den Besuchern geboten und benen' welche besonderes Interesse für einen oder den anderen Gegenstand haben sollten, durch die Vorstandsmitglieder gerne Auskunft erteilt. Das A r ch i v befindet sich noch in dem alten Regierungs- gebäude des Schloßhofes, da der Verein im alten Rathaus, dem Museum einen feuergeschützten Raum noch nicht besitzt. Die Anlage eines solchen ist aber im Prinzip ge» nehmigt, dessen Herstellung wird ja auch, nachdem die In- veniarisicrung und wissenschaftliche Ordnung des Bestandes erfolgt sein wird, dann in nicht allzuferner Zeit erfolgen. Die Anlage eines guten, an die Leitungsröhren der städtischen Wasserleitung angeschlossenen Blitzableiters ist von der Stadtverwaltung erbeten worden, ebenso ein weiterer feuersicherer Gesimsabschluß der Hinterseite unseres Museums-