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General-Anzeiger

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Die fünfgespaveu« Prtitzeile »der deren Raum 15 Wt

8totati»nlbru4 und Verlag der Buchdruckers del «â. e». Waifenb misei in Hamm.

Amtliches Organ für AM- md Fml>Kms Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- undFeiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 124 Ferttsprechanschlich Nr. 605. DltNstag dtN 29. Mai F-rttsprechanschlitß M. 605. 190 6

Arrrtttches.

Landkreis I^anau.

BelMtmchllngen des Königlichen Landrntsamts.

Erloschen: Die Schweineseuche in Obersotzbach und Eidengesâß, Kreis Gelnhausen.

Festgestellt: Der Rauschbrand in Weilers, Kreis Geln­hausen.

Desgleichen der Milzbrand in Leisenwald, Kreis Geln­hausen.

Hanau den 28. Mai 1906._________________V 3883

Stadtkreis Ranam

Am Mittwoch den 30. Mai er., vormittags von 10 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaals des Neu­städter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen re. zur Schlichtung anbringen können. Hanau den 26. Mai 1906.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

I. V.: Vr. K opp en. 11483

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 lederne Brieftasche, 1 Mülleimer.

Verloren: 1 Onirbrosche mit Brillanten und Perlen, 1 Taschenmesser mit grauem Etui.

Hanau den 29. Mai 1906.

Hanau, 29. Mai.

Bibelstunde. Heute abend S1^ Uhr findet Bibel­stunde im evangel. Vereinshause statt, gehalten von Herrn Pfarrer Fuchs.

* Kaisermanöver. Zum Oberbefehlshaber für das während der diesjährigen Kaisermanöver au^ustellende Armee- Oberkommando für das 3. und 5. Armeekorps wird General der Infanterie v. Lindequist, Inspekteur der 3. Armee- inspcktion in Hannover, ernannt.

* Arbeitsjnbilänm. Morgen Mittwoch den 30. Mai begeht der Küfer Joseph Schluckebier in der Zigarrenfabrik von P. G. Hoffe Wwe. hier sein 25jâhriges Arbeitsjubiläum.

* Vermißt. Seit dem 24. d. M. wird die 34jährige Gräfin Wanda v. Lüttichau, die sich in einem Sanatorium in Hofheim im Taunus befand, vermißt. Die Dame, die in Berlin, Uhlandstraße 50, zusammen mit ihrer Schwester

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Feuilleton.

Am 28. MittellheW« Kreistmsch in iw, 14. dis 18. Ui 1906.

II.

Turner ist ein junger Soldat, ein lümmelhafter, wackerer Kerl, ein frischer junger Gesell, der sich in ritterlichen Taten übet. Hans Michael Noscherosch (Philauder von Sittewald 1650.) Früher als in vielen anderen Gegenden fand die Turn­kunst am Rhein und Main Eingang" und Hanau ist mit unter den ersten Städten, wo sie gepflegt wurde. Zwar sollen schon 1804 an der Musterschule in Frankfurt, den von Guts Muths seit 1793 gegebenen Anregungen, entsprechend körperliche Uebungen und Spiele im Freien betrieben worden sein, allein eine weitere Verbreitung fanden dieselben damals nicht und waren auch jedenfalls von einem eigentlich turne­rischen Wesen noch weit entfernt.

Als indeß Friedrich Ludwig Jahn, der 1810 seinDeutsches Volkstum" erscheinen ließ und die darin enthaltenen Worte zur Tat umsetzend, 1811 den ersten Turn­platz in der Berliner Hasenhaide eröffnet hatte, der 1813 mit seinen Turnern als der erste freiwillige und eifrigste Werber der Lützow'schen Freischaar ausgezogen war, 1814 als Mit­glied der LandesbewaffnungS-Kommission in Frankfurt weilte, wurde an verschiedenen Frankfurter Schulen der Turnunter­richt eingeführt und es bildeten sich dort 1815 freie turne­rische Vereinigungen, denen Gymnasiasten und andere junge Leute angehörten. Die Umstände machen es wahrscheinlich, daß damals schon der Anstoß zur Einführung des Turnens in Hanau gegeben wurde. Der damalige Direktor des Hanauer Gymnasiums Dr. Iohannes Schulze, war wie seine Schriften aus dieser Zeit beweisen, nicht nur ein

wohnte, hatte vor einigen Wochen schwer nervenleidend das Sanatorium aufgesucht, um hier Erholung zu suchen. Am Donnerstag verließ die Gräfin die Anstalt, um spazieren zu gehen, kehrte jedoch nicht zurück. Es gelang bisher nicht, den Verbleib der Kranken zu ermitteln. Gräfin Wanda v. Lüttichau wurde 1872 zu Koblenz geboren; sie ist von schlanker Gestalt und trug schwarzes Tuchkleid, schwarze Pelz­mütze und Boa.

* 28. mrttâhèittisches Kreisturmfest 1906 zu Hattütt. Die F e st o r d n u n g für das in den Tagen vom 8.18. Juli ds. Js. in unseren Mauern stattfindende 28. mittelrheinische Kreisturnfest ist nunmehr wie folgt fest­gesetzt:

I. Vorfeier.

Sonntagden 8. Juli: Vorm. 1 P/s1 Uhr Früh- konzert auf dem Festplatz. Nachm. halb 4 Uhr Turnen der Hanauer Schulen. Nachm. Turnen der Hanauer Turner­schaft. Abends 8 Uhr Konzert und turnerische Aufführungen der Frauenabteilungen in der Festhalle. Tanz auf dem Festplatz.

II. H a u p t f e i e r.

Sanistag den 1 4. Juli: Empfang der auswär­tigen Turner, Nachm. 3 Uhr Sitzung des Kampfgerichts im Vereinshaus der Turngemeinde (Jahnstraße). Abends 8 Uhr Begrüßungsfeier in der Festhalle. Uebergabe der Festleitung an den Kreisausschuß. Gesangsvorträge der vereinigten Hanauer Gesangvereine. Turnerische Vorführungen der Hanauer Turnvereine (Jugend- und Frauenabteilungen). Konzert und turnerische Aufführungen auf dem Festplatz.

Sonntag den 1 5. Juli: Morgens halb 6 Uhr Weckruf. Morgens 7 Uhr Vereinswetturnen. Empfang der auswärtigen Tmnex. MttaM 12.Mr Mssstâug W, Fest- zuges. Nachmittags halb 1 Uhr Festzug durch die Stadt nach dem Festplatz. Nachm. 3 Uhr Allgemeine Freiübungen. Nachm. 5 Uhr Turnen der Altersriegen. Sondervorführungen der Gaue, Turnspiele, Eilbotenlauf. Nachm. 47 Uhr Kon­zert in der Festhalle und auf dem Festplatz. Abends 8 Uhr- Verkündigung der Sieger im Vereinswetturnen. Abends 8 bis 12 Uhr Konzert und turnerische Aufführungen der aus­wärtigen Vereine in der Festhalle. Abends 812 Uhr Konzert und Tanz auf dem Festplatz.

Montag den 1 6. Juli: Morgens 5 Uhr Weckruf. Morgens 6 Uhr Einzelwetturnen (Sechskampf). Vorm. 10 bis 1 Uhr Konzert auf dem Festplatz. Nachm. 2 Uhr Fest­tafel in der Festhalle. Nachm. 4 Uhr Wctiurnen in den volkstümlichen Uebungen (Dreikampf), Turnspiele. Nachm.

6 Uhr Kinderturnen der Turngemeinde. Nachm. 47 Uhr- Konzert auf dem Festplatz. Abends 8 Uhr Verkündigung der Siegerin: Sechskampf. Abends 812 Uhr Konzert und

Patriot, der ohne Zweifel mit Jahn in persönliche Berührung gekommen sein mutz, er war auch, seit 1808 mit Franz Passow befreundet, ein warmer Freund und Beförderer des Turnens. Schulze wurde schon 1816 nach Coblenz berufen und kam 1818 als vortragender Rat in das Preußische Kultus- Ministerium. Als solcher wurde er der Verfasser der Verfügung vom 24. Oktober 1837 betr. Ein­führung des Schulturnens und hat an der berühmten Ka- binetsordre Friedrich Wilhelms IV. vom 6. Juli 1842, die die Turnsperre aufhob, hervorragenden Anteil. Ob es nun wie wahrscheinlich, auf Schulzes Anregung zurückzuführen ist oder nicht, jedenfalls wurden schon 1816 in Han a u tur­nerische Uebungen betrieben und es bildete sich 1817 eine freie turnerische Vereinigung, an der etwa 80 bis 100 Gym­nasiasten und Realschüler teilnahmen. Den Turnunterricht leitete P r o f e s s o r V ö m e l, ein geborener Hanauer, der 1816 von Wertheim hierher berufen worden war und später Dftektor des Gymnasiums in Frankfurt wurde. Ueber die Art des Turnbetriebs, der auf einem ziemlich dürftig aus­gestatteten Turnplatz am Wilhelmsbader Weg stattfand, liegt uns die ausführliche prächtige Schilderung eines damaligen Teilnehmers Iulius Carl vor. (Deutsche"Turnzeitung Nr. 6 vom 6. Februar 1863.)

In Gießen war 1816 durch der Deutschen Burschenschaft angehörende Studenten (von ihrer schwarzen Tracht die Gießener Schwarzen" genannt) ein Turnverein gegründet worden, und 1817 entstand der noch heute bestehende Mainzer Turnverein, der älteste des Mittelrheinkreises. DieGießener Schwarzen", unter ihren Führern Karl Follen und Christian Sartorius, (beide Dichter heute noch bekannter Turnlieder) waren um die Ausbreitung des Turnens unermüdlich tätig, ver­folgten aber daneben auch politische Ziele und eine Auslese von ihnen waren die sog.Unbedingten." Die Ermordung Kotzebues durch den Burschenschafter und Turner Karl Lud­wig Sand, (der zu denSchwarzen" undUnbedingten" ge­hörte) am 23. Mürz 1819 hatte zur Folge, daß das Turnen in Preußen und den andern deutschen Bundesstaaten ver­boten wurde. Jahn selbst kam in Gefangenschaft, der auch der königstreue Arndt nicht entging und blieb auch noch nach seiner Freisprechung unter Polizeiaufsicht.

Gesangsvorträge der vereinigten Hanauer Gesangvereine 'n der Festhalle. Abends 812 Uhr Konzert und Tanz auf dem Festplatz.

Dienstag den 1 7. Juli: Morgens 8 Uhr Weit­fechten. Vorm. 101 Uhr Konzert auf dem Festplatz. Nachm. 3 Uhr Ringkampf. Nachm. 47 Uhr Konzert auf dem Festplatz. Nachm. 6 Uhr Verkündigung der Sieger im Dreikampf, Wettfechten und Ringkampf. Abends 812 Uhr Konzert und turnerische Aufführungen in der Festhalle. Abends 812 Uhr Konzert, turnerische Aufführungen und Tanz auf dem Festplatz.

Mittwoch den 18. Juli: Turnfahrten in die Um­gebung. Nachm. von 3 Uhr ab Volksfest: Kinderspiele, Volksbelustigungen, Konzert und Tanz auf dem Festplatz. Abends 10 Uhr- Feuerwerk.

* Zentralstelle für Obstverwertung tu Frank­furt a. M. Die Zeit der Reife verschiedener Obstsorten, wie Erd-, Johannis- und Stachelbeeren, Heidel- und Him­beeren, Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen, ist da oder steht nahe bevor, und wir wollen daher alle Produzenten und Konsumenten wieder auf die Frankfurter Zentralstelle für Obstverwertung aufmerksam machen, die es den Ver­käufern und Käufern so sehr leicht macht, die Obsternte an den Mann zu bringen bezw. den Bedarf an Obst zu decken. Die Interessenten haben nur das zur Verfügung stehende Quantum oder die benötigte Menge der Zentralstelle anzu­geben, um sofort von dieser mit einer größeren Zahl von Produzenten und Konsumenten in Verbindung gesetzt zu werden. Einzige Bedingung ist, daß das abgesetzte oder erworbene | Quantum immer sofort der Zentralstelle mitgeieilt wird. Es | wird natürlich auch erwartet, daß immer nur gutes Obst geliefert wird; die Käuferstud gebeten, von

Lieferungen dem Komitee Mitteilung zu machen. Gut ist es, wenn mit den Anmeldungen nicht zu lange gezögert, sondern schon vor der Reife von dem erwarteten Ertrage bezw. der benötigten Menge der Zentralstelle Mitteilung gemacht wird, damit die Vorverhandlungen vor der Reifezeit erledigt werden können und seinerzeit auf Grund der geschehenen Abschlüsse sofort mit dem Versand begonnen werden kann, denn manche Obstsorte verträgt ja kein langes Lagern. Es werden auch für Spätobst, insbesondere Äepfel und Birnen, jetzt schon Anmeldungen angenommen. Die Vermittelung ist für Käufer und Verkäufer kostenfrei.

* Durchschnittspreise. Der Durchschnitt der höchsten Tagespreise für Fourgge beträgt mit einem Aufschläge von 5 vom Hundert für den Monat Mai 1906 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für Hafer 9 Mark 71 Pfg., für Heu 4 Mk. 20 Pfg., für Stroh 3 Mk. 15 Pfg. pro Zentner.

Wie Carl berichtet, wurde auch im Frühjahr 1819 in Hanau das Turnen verboten, nach einer Zeitungsnachricht in Nr. 14_ desBemerkers" vom 8. Dezember 1818 scheinen übrigens schon um diese Zeit also lange vor dem Sand- schen Attentat die Turnplätze in Hanau und Marburg durch Regierungsverfügung geschlossen worden zu sein.

Doch auch nach dem Verbot wurde während der folgen­den beiden Jahrzehnte privatim weiter geturnt und so sind in dieser turnerischenSchüleroereinigung dieAnfänge zu finden, aus denen die heutige Turngemeinde hervorgegangen ist.

Schon 1836 waren die Turner zu einer Turngemeinde zusammengetreten, die jedoch schon im Sommer 1837 der Auflösung anheimfiel, doch wurde noch in demselben Herbst 1837 die Neugründung der noch heute bestehenden Hanauer Turn gemeinde unternommen. Der junge Verein ent­wickelte eine eifrige Werbetätigkeit, er trat mit Jahn in Briefwechsel, veröffentlichte in den von Carl Euler heraus­gegebenen Jahrbüchen: der Turnkunst (Danzig 1843) einen Bericht über seine Entstehung und gab damit Anregung zur Gründung neuer Vereine, für welche die gleichzeitig abge­druckten Hanauer Satzungen vorbildlich wurden. Wie uns der Altmeister und vieljährige Vorsitzende, spätere Ehrenvor­sitzende der Deutschen Turnerschaft, Theodor Georgii (t 25. 9. 1892), damals erst 20 Jahre alt und Student zu Tübingen, in einem Aufsatz:Württembergische Turnzu­stände" (Turnzeitung herausgegeben von Karl Euler und Dr. Lameu. Karlsruhe 18461 berichtet, verbreiteten Hanauer Turner das Turnen in Württemberg. Er schreibt u. a.: Ein solches ächtes Turnerleben zu fördern, waren und sind in Stuttgart besonders Turner aus Hanau tätig, die meist als Goldarbeiter und Graveure da in Arbeit stehen. Die Zahl der Turner stieg über 300. Ordnung und Gehorsam wurden auf dem Turnplatz heimisch, ein "rüstiger Sinn be­tätigte,sich auf Turnsahrten.---"----

Der Verein gab Satzungen, entworfen nach denen der Hanauer, legte sie ber Regierung zur Genehmigung vor, die günstige Antwort erteilte." Georgii berichtet ferner, wie der Hanauer Lelong, ein Goldschmied, in Stuttgart als städtischer Turnlehrer angestellt und von der obersten Schul- bebörde in der: Jartkreis und nach den Schullehrer-Semi-