Mwt B Ur. 118 des „Ihriger“
Montag den 21. Mai 1906
Die Eröffnung des Simplontunnels.
Brieg, 19. Mai. Der König von Italien traf heute vormittag ^sll Uhr hier ein, am Bahnhof empfangen von den Mitgliedern des schweizerischen Bundesrats, dessen Präsident Forrer den König mit Händedruck begrüßte. Der König trug die Uniform eines Znfanteriegenerals ohne Orden. Nach dem Abschreiten der Ehrenkompagnie und dem Empfange mehrerer italienischer Abordnungen begabsich der König mit dem Gefolge in den Pavillon, wo ein vom Bundesrat gegebenes Frühstück stattfand. Hierbei brachte der Bundespräsident einen Toast auf den König von Italien und das italienische Volk aus. Der König erwiderte, die Simplonbahn sèi eine zu begrüßende Garantie der unzerstörbaren Freundschaft beider Nationen. Nach dem Frühstück folgte die Abfahrt des Königs Mch Domodossala.
Domodossola, 19. Mai. König Viktor Emanuel traf nachmittags mit einem Sonderzuge durch den Sim- ploniunnel von Brieg hier ein. Kurz darauf trafen mit einem andern Sonderzuge der schweizerische Bundespräsident und die Mitglieder des Bundesrats ein. Der König empfing die Ortsbehörden und einheimischen Abordnungen und sprach seine Bewunderung über das großartige Werk des Simplontunnels aus. Später fand in den reichgeschmückten Sälen des Bahnhofs ein von dem König zu Ehren des schweizerischen Bundesrats gegebenes Festmahl statt, wobei Trinksprüche gewechselt wurden. Bei dem Festmahle saßen der König und Präsident Torrer einander gegenüber. Der Trinkspruch, den der König ausbrachte, hatte folgenden Wortlaut:
„Es ist mir äußerst angenehm, den höchsten Beamten der kernigen Schweiz auf italienischem Boden zu begrüßen bei dieser Gelegenheit, die deshalb besonders glücklich ist, weil das Datum der Einweihung des Simplontunnels ewig denkwürdig in der Geschichte der kühnsten menschlichen Wagnisse bleiben wird. Ich bin glücklich, daß Hie Feier dieses Sieges von Wiffen und Arbeit in ihren Anstrengungen und Zielen zwei Völker vereint gefunden hat, zwischen denen der Wetteifer im Fortschritte ein immer festeres und kräftigeres gegen - seitiges Vertrauen herstellt. Wenn der Geist der Völker sich den friedlichen Künsten zuwendet und Werke wie dieses hervorbringt, so wird unsere Seele tiefer von der tröstlichen Hoffnung auf eine noch reichere Zukunft des Menschengeschlechts in Gesittung und Glück erfüllt. Ich bitte Sie, Herr Präsident, und Sie, meine Herren 9tâte, mit mir auf ewige Freundschaft zwischen der Schweiz und Italien zu trinken."
Der Trinkspruch, mit dem Bundespräsident Torrer antwortete, lautete wie folgt:
„Im Namen des Bundesrats danke ich Eurer Majestät aus tiefem Herzen für den so herzlichen Empfang, den wir auf italienischem Boden gefunden haben. Wir Schweizer werden stets die angenehme Erinnerung an diese schönen Tage bewahren und die Worte nicht vergessen, die Eure Majestät jetzt die Güte hatten, an uns zu richten. Sie kommen von Herzen und gehen zu Herzen. Sie sind für uns ein kostbares Pfand der Freundschaft, die beide Nationen verbindet, und der wir ewige Dauer wünschen. Möge sie der Samen einer fruchtbaren Zukunft sein und ihre Verwirklichung in unseren vielen Beziehungen finden, namentlich hinsichtlich der wechselseitigen Schätze der Arbeit. Nun ist der Augenblick, daß wir uns trennen, gekommen. Ich bitte Eure Majestät, mit mir und meinen Kollegen auf den Tag
Feuilleton.
Das alte Postwirtèhaus.
Line Automobil-Phantasie von Georg Lüneburg. (Fortsetzung.)
„Den Hof werden Sie kaum wiedererkennen, Herr Doktor", erzählte er mir, während wir die Treppe hinunterstiegen und die große Halle durchschritten, „wir haben da doch manches ändern müssen und auch neues hinzubauen. Es ist alles ganz zeitgemäß eingerichtet und natürlich ausschließlich dem Automobilverkehr angepaßt."
Großartig in seiner weiten Geräumigkeit dehnte sich der Hof vor uns aus. . An der Rückseite des Hauses war ein großes, vorspringendes Glasdach angebracht, unter dem die abgeladenen Koffer einstweilen Schutz gegen Sonne und Witterung fanden. Von hier aus führte ein gedeckter Gang zu der zur linken Seite gelegenen Garage. Eigentlich müßte ich sagen Garagen, denn es waren mehrere nebeneinander liegende Gebäude, deren Zwischenwände herausgebrochen und durch Säulen ersetzt waren. Das Ganze war mit starkem Draht-Glas eingedacht, so daß bei Tage, wie mir der Wirt versicherte, vollständige Tageshelle darunter herrschte. Vom Dach herab, sowie über dem Hof hingen zahlreiche elektrische Bogenlampen, die bei der jetzt anbrechenden Dämmerung Herr zu leuchten anfingen. .
„Sehen Sie, Herr Doktor," erklärte mir Herr Geksten- «rg, „dies war, wie Sie sich vielleicht noch entsinnen werden, früher der große Schuppen für die Postwagen. Einen Teil des daneben liegenden, ehemaligen Pferdestalles haben wir noch dazu nehmen müssen, nachdem er natürlich gänzlich umgebaut worden ist. Die ganze Vorderwand des Gebäudes besteht aus Türen, die sich in den Boden versenken lassen. Hier können wir 20 bis 25 Automobile unterstellen, und wenn es mal an Raum gebricht, haben wir an das alte Stallgebäude anlehnend noch einen Reserveschuppen, der 10 Automobile beauem lassen kann."
trinken zu wollen, der uns aufs neue vereint finden wird zu anderen Werken des Friedens, der Freundschaft und des Fortschritts."
Hus aller Mell.
Der Veteran der deutschen Turner Dr. med. Ferdinand Götz in Leipzig-Lindenau feiert am 24. d. Mts. seinen 80. Geburtstag. Der verdiente und allverehrte Vorsitzende der über 700 000 Mitglieder zählenden und über die ganze zivilisierte Welt verbreiteten Deutschen Turnerschaft begeht das schone Fest in seltener geistiger und körperlicher Frische und bietet den lebendigen Beweis dafür, daß Turnen jung erhält. Der 80jährige Greis ist noch heute auf dem Turnplatz tätig, auf welchem er schon als 20jâhriger Student mit Eifer turnerischen Uebungen oblag. Im Jahre 1849 nahm der junge Götz an dem Maiaufstande in Dresden teil. Seit dem Jahre 1855 übt Dr. Götz eine umfangreiche ärztliche Praxis in Lindenau bei Leipzig aus. 1857 übernahm er die Leitung der Deutschen Turn-Zeitung und 1880 das Amt eines Geschäftsführers der Deutschen Turnerschaft, deren tatkräftiger Vorsitzender er im Jahre 1895 wurde. Diele der wichtigsten Organisationsarbriten innerhalb der deutschen Turnerschaft sind auf seine Anregung zurückzuführen. Obgleich selbst politisch tätig, war es doch stets sein Grundsatz, daß die Politik von der Turnerei ferngehalten werden muffe. Das haben ihm die deutschen Turner stets gedankt. An dem bevorstehenden Feste wird die gesamte deutsche Turnerschaft ihres Dr. Götz in ganz besonderer Liebe gedenken.
Versuchter Bankraub. Im Bankgeschäft von Kappeller in der Vrienner Straße zu München versuchten am Freitag vormittag zwei junge Burschen einen Bankraub. Nachdem sie sich eine Zehndollarnote angeeignet hatten, drängten sie mit vorgehaltenem Revolver das Personal in den Schalterraum zurück und verlangten die Oeffnung des Geldschrankes. In diesem Augenblick betrat einer der Bankboten den Geschäftsraum, was die beiden Burschen zu schleuniger Flucht veranlaßte. Sie konnten aber bald im Keller eines benachbarten Hauses verhaftet werden. Die Täter sind der Kaufmannslehrling Wilhelm Hockart aus Leipzig, der vor kurzer Zeit nach Unterschlagung von 2000 Mk. aus Leipzig flüchtete, und der Kaufmannslehrling Otto Wingeß aus Leipzig.
Verlosttuge«.
Stadt Paris 500 Fr.-Lose vom Jahre 1875. Ziehung vom 5. Mai 1906. Auszahlung am 25. Mai 1906. Hauptpreise: Nr. 191824 zu 100 000 Fres. Nr. 35271 zu 50 000 Fres. Nr. 47107 325192 418124 je 10 000 Fr. Nr. 46883 110147 181159 263826 j« 5000 Fres. Nr. 12614 26796 51609 100645 104950 146066 1540gl 164507 210169 236718 240128 240144 258958 261156 277697 294198 299668 312085 347498 362231 363305 382622 383292 473698 477036 je 1000 Fr.
Anleihe der Stadt Paris von 1876. Ziehung vom 10. Mai 1906. "Auszahlung ant 25. Mai 1906. Hauptpreise: Str. 23180 zu 100 000 Fr. Nr. 242767 zu 10 000 Fr. Nr. 221109 zu 5000 Fr. Nr. 3622 16620 19318 101097 133665 141434 164154 198833 209426 217806 je 1000 Fres.
Serbische Staats- (Tabak-) 10 Fr.-Lose vom Jahre 1888. Ziehung vom 1./14. Mai 1906. Prämien- Verlosung. Serie 683 Nr. 5 zu 25 000 Fr. Serie 478
Ja, müssen Sie denn sooiele mitunter einstellen?" fragte ich erstaunt.
„O, fast jeden Tag in der Hochsaison" entgegnete Gerstenberg, „und manches liebe Mal haben wir nicht Raum genug."
Der große Schuppen war auch jetzt fast mit Automobilen gefüllt. Wir schritten weiter.
„Hier im mittleren Teile des ehemaligen Stalles finden jetzt die großen Post-Automobile ihren Platz," fuhr der Wirt fort, „sie haben sehr starke Motoren, können daher die Steigungen im Gebirge verhältnismäßig schnell überwinden und werden sehr viel von Reisenden benutzt.
„Ich habe die Posthalterei immer noch in meinen Händen," fügte er mit einem gewissen Stolz in der Stimme nach einer kurzen Weile hinzu, „und nun ich all den ewigen Aerger mit den Pferden nicht mehr habe, bin ich auch sehr zufrieden mit dem Geschäft." .
Damit waren wir am Ende des Stalles angekommen, aus dessen Innern Hammerschläge ertönten.
Diesen Teil des Stalles habe ich in eine Reparaturwerkstatt umbauen lassen, und ich halte einen sehr tüchtigen Mechaniker dauernd im Dienst. Die Werkstatt ist mit allen notwendigen Maschinen und Werkzeugen neuester Konstruktion " ausgestattet. Die treibende Kraft liefert ein Elektromotor. Die Stadt hat ein Elektrizitätswerk am Fluß oberhalb der Stadt angelegt, wo die starke Wasserkraft des Flüßchens ausgenutzt wird, und ich habe für mehr Haus Anschluß an die Leitung erhalten. Hieran schließt sich ein Magazin, in dem ich stets alle etwa erforderlich werdenden Ersatzteile auf Lager halte."
Neben der Werkstatt und dem Magazin befand sich die den Hof abschließende Quermauer des Grundstückes, von der wieder ein breites Glasdach hinausragte. An einer Seite stand eine merkwürdig aussehende Maschine, von der mehrere Gummischlänche mit seltsam geformten Saugern an den Enden, wie die Arme eines großen Tintenfisches ausgingen.
Ich fragte nach dem Zweck dieses wunderbaren Instrumentes,
Nr. 89 zu 250 Fr. Serie 234 Nr. 99, Serie 9054 Nr. 90, Serie 9090 Nr. 7, Serie 9397 Nr. 73, Serie 9989 Nr. 44 je 100 Fres. Serie 90 Nr. 30, Serie 1537 Nr, 73, Serie 3242 Nr. 62, Serie 4047 Nr. 94, Serie 5558 Nr. 36, Serie 5995 Nr. 72, Serie 6374 Nr. 10, Serie 6414 Nr. 8, Serie 6822 Nr. 39, Serie 7181 Nr. 16, Serie 8027 Nr. 10, Serie 8079 Nr. 84, Serie 8733 Nr. 20, Serie 9315 Nr. 13, Serie 9869 Nr. 6 je 50 FrcS. Auszahlung der Treffer am 12. Juni 1906. — Amortisations-Verlosung. Gezogene Serien: 481 767 2013 3311 4751 5803 7654 7900 8170 8305 8597 8857 8986 9875 9965. Auszahlung am 12. Juni 1906.
Schwedische Theaterbau-Lose von 1889. Ziehung vom 1. Mai 1906. Hauptpreise: Serie 8156 Nr. 46 zu 15 000 Kr. Serie 1622 Nr. 41 zu 5000 Kr. Serie 929 Nr. 14, Serie 941 Nr. 43, Serie 4981 Nr. 30, Serie 8074 Nr; 50, Serie 9421 Nr. 32 je 1000 Kronen. Serie 1534 Nr. 44, Serie 2586 Nr. 12, Serie 3117 Nr. 47, Serie 4515 Nr. 38, Serie 4752 Nr. 29, Serie 4775 Nr. 12, Serie 7063 Nr. 14, Serie 7296 Nr. 1, Serie 9513 Nr. 20, Serie 9567 Nr. 31 je 500 Kr. Auszahlung am 1. Juni 1906. (Ohne Gew.)
Schisfsttuchrichten*
(Mitgeteilt vom Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1).
Der Dampfer „Königin Luise" ist am 16. Mai wohlbehalten in New - Aork angekommen.
Der Dampfer „Chemnitz" ist am 17. Dcai wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Vereins- n. Vergnngungsnschrichten
für Montag den 21. Mai.
Kirchenchor der ZohanniAirche: Abends 8 Uhr: Probe im UrounzHälcherl der Kirchë.
Turn- u. Fechtklub: 6—7'/,: Frauen-, 81/’—10 : Jugend abtnlunz.
Evang. Männer- und Jünglingsverein: Gesang (Eo. BereinshasS.) Brieftanben-Klub: Versammlung in der Brauerei Orschler.
Sèenograpben-Verein Stolze-Sckreh: Vereinsabend in der „Sonne". Gesellige Verbindung „Melitia": Spielabend „zur goldnen Gerste". Gesellschaft „Heiterer Bund": Vereinsabend im „Deutschen Schützen . Verein der Briefmarkensammler: Zusammenkunft im „Restaurant MohrA Babelsberger Stenographen - Verein im Gasthaus zu den ,3 Rindern :. Abends von 8—9 Uhr: AnsängerkursuS, 9—10 Uebuurtstroü.«, verkebrS- und Redeschrift.
Verein „Hessischer Bund": Versammlung im „Hessischen Hof". Freiwillige Feuerwehr, 4. Komp., Zusammenkuni: im „Schützenhos, 5. Seng), Zusammenkunft bei Uljamer.
Verein „tlmrer uns*: Zusammenkunft „zu den vier Iahreszeüeu". Erste Hanauer Karnevalgesellschast: Vereinsabend im „Deutschen Ha»»- Gesellschaft „Lustige Brüder": Klubabend bei Heinrich Vowinkel.
für ® i engtag den 22. Mai.
Ortskrankenkasse für den Landkreis Hanau: Nachmittags 3 Uhr: Generalversammlung im „Löwengärichen", Vorstadt 1.
Versteigernngs- re. Kalender für Dienstag den 22 Mai.
Nachmittags von 2 Uhr ab sollen im Verfteigerungslokale Salzkraß« Nr. 28 eine Partie Mobiliar- und andere Gegenstände durch den beeid. Taxator und Auktionator Herrn Fr. Kämpfer gegen Barzahlung versteigert werden.
„Das ist eine Maschine", erklärte Herr Gerstenberg, „die den Staub von den Automobilen durch Aufsaugung entfernt. Durch Anbringung einer Patentvorrichtung am Sauger — eS ist das eine ganz neue Erfindung — wird das Automobil auch in seinen entlegensten Teilen und engsten Winkeln in unglaublich titrier Zeit von jedem Pattikelchen Staub gereinigt. Die Maschine habe ich erst seit einigen Wochen und sie erregt die Bewunderung jedes Automobilisten, der fieber mir benutzt hat."
„Dort drüben", fuhr er fort, indem er auf ein neues Seitengebäude wies, das sich auf der anderen Seite des Hofes vom Hause abzweigte, „dort drüben habe ich anbauen lassen müssen, teils um mehr Fremdenzimmer zur Verfügung zu haben, sowie auch Unterkunft für die Fahrer der Herrschaften zu schaffen."
Nachdem ich mich überzeugt hatte, daß sowohl unser Automobil wie der Führer gute Unterkunst gefunden hattW, mußte ich daran denken, selbst Toilette zu machen, denn meine Frau würde gewiß schon ungeduldig warten, und mein Magen machte auch seine Forderungen durch Krrurrm geltend.
So verabschiedete ich mich denn vorläufig vom alten Postwirt, wie ich ihn in Gedanken immer noch nannte, und sprach den lebhaften Wunsch aus, er möge nach unserm Abendessen eine Flasche seines guten, alten Weines mit uns unter den alten Bäumen trinken. Dann wollten wir der alten Zeiten gedenken und die neue leben lassen.
Meine Frau empfing mich scheltend über mein langes Fortbleiben und trieb mich zur Eile an.
Auch unser Zimmer war elektrisch erleuchtet, und über der Waschtoilette befanden sich die Hähne der Wasserleitung, die das Wasser unmittelbar in die Waschbecken ergossen.
Als ich meine Toilette beendet hatte, gingen wir hinunter^ um zu Abend zu essen, wozu wir beide einen resvektable» Appetit zu haben uns eingestanden. Ein Kellner öffnete uns die Tür zum alten Speisesaal, an den sich der neu angebaut» unmittelbar anschloß.
Mit bewegtem Herzen schaute ich mid? in dem alten trauten Heime um. Da war freilich noch die prächtige Hol-, tärelung und die echte deutsche Decke mit ben vielen schrott«