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vterteli-hrNch IM IRL, monatlich 60 Vg., ffr «* sättigt Abonnentvi mit dem bettefienben Poümgjchi^ Die einzelne Numm« kostit 10 Wg.
Ketetitoibriwl mb Verlag der Buchdruck«« di« ernte, a, Waijeuhau,«« in Hanau.
Amtliches Organ für SUN- Mi AMreis Samt
Erjchrüu täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
V«a«tw*r«. Asbeste«: •. Schricker ■ H««»
Nr. 102
Fernsprechanschlutz Nr. 605.
Mittwoch den 2. Mai
Kernsprcchanschlutz Nr. 605
1906
Amtliches Handelsregister.
Firma Friedrich Weber in Hanau: Unter dieser Firma betreibt der Emailleur und Graveur Friedrich Weber in Hanau ein Geschäft als Einzelkaufmann.
Der Ehefrau des Emailleurs und Graveurs Friedrich Weber, Mathilde geb. Mohrauer in Hanau ist Prokura erteilt.
Hanau den 28. April 1906.
Königliches Amtsgericht 5. »50S Gefundene und verlorene Gestenstände rc.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit etwas über 27 Mk., 1 Partie Musterlappen, 1 grauer Damen-Trikothandschuh (rechter), 1 Nickelkneifer.
Verloren: 1 goldnes Halskettchen mit Anhänger (Herz mit 2 Photographien), 1 Dienstbuch und Zeugnis für Emilie Kunkel.
Hanau den 2. Mai 1906.
Hus Hanau Stadt und £and.
Hana«, 2. Mai.
* Taschen-Kahrplan. Der heutigen Ausgabe unseres Blattes ist der für das Sommerhalbjahr gültige Taschenfahrplan beigeingt.
* Rrichsbanknebenstelle. Am 14. Mai d. I. wird in F r a u st a d t eine von der Reichsbankstelle in Glogau abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktein Giroverkehr eröffnet werden.
* Chor ver Marienkirche. Morgen abend Probe. Bitte um allseitiges Erscheinen. Die Programme mitbringen. r. Historische Kommission fürHessen «.Waldeck. Am Samstag den 19. Mai findet in der Universität Marburg eine Sitzung der historischen Kommission für Hessen und Waldeck statt.
* Städtische Badeanstalt. Im Monat April 1906 wurden an Bädern abgegeben: Kl. 1: 92, Kl. il: 250, Kl. III: 1271, Douchebäder 18, Römisch-Irische Bäder 39; zusammen 1670 Bäder. Die größte Zahl der abgegebenen Bäder betrug 244 am 14. April, die kleinste Zahl 15 am 24. April.
* Silberknrs. Der Konventionspreis des 0,800 feinen Silbers beträgt für Aufträge vom 1. d. Mts. an bis auf weiteres 78 Mark per Kilo.
* Niehsche-Cyklits. Heute abend 8 Uhr: 3. Dortrag tm "Nitsensaale."
Feuilleton.
Hermann Gallier t. Ein Beitrag zur Hanauer Kunst» und Künstlergeschichte. Von Ernst I. Zimmermann.
(Nachdruck verboten.)
Ani späten Nachmittag des 21. April bewegte sich ein kleiner Trauerzug von der Friedhofskapelle zu Hânau durch den in lenzfrischem Grün prangenden Friedhof. In einem schmalen Seitenweg machte er Halt und hier auf dem vorderen schattigen alten Friedhof, mit den mooSumsponnenen sfeuumrankten Gedenksteinen, den hohen Bäumen und den träumerisch-stillen Winkeln, an der Seite der vor 16 Jahren, nach 24jähriger Ehe verstorbenen Gattin, senkte man den Toten hinunter. Droben im grünenden sonnumglänzten Baumwipfel sang die Amsel ihr Äbendlied und mit ihr jubilierte die ganze Natur über den Einzug des Frühlings. Und wie hier alles sang und frohlockte, dem Leben und Lichte zu, so flehte, sehnte und frohlockte derjenige, dessen Leiche man soeben in die Grube gesenkt, dem Tode, dem Grabe zu. „Ende, o ende Herr im Himmel, die Qual und erlöse mich von dem furchtbarsten aller Leiden", war unter namenlosen Schmerzen sein tägliches Beten, seit Jahren. Unsagbar hat er gelitten . . . ! Erkrankt seit etwa zwölf Jahren, lebte Hermann Göllner schon säst acht Jahre lang von jedem Verkehre fern: ein tiefer Schmerz für diesen Mann mit dem reichen Gemütsleben, für diesen Freund einer harm- losen Geselligkeit. Scheu wich er in den letzten Jahren seinen liebsten Freunden aus, wenn er einmal auf der Straße sich zeigen mußte, denn er wollte nicht sehen lassen, wie das entsetzliche Leiden sein Antlitz immer mehr vernichtete . . . Alle ärztliche Kunst konnte nicht helfen, alle aufopfernde Pflege der einzigen Tochter die Schmerzen kaum lindern. Endlich, endlich nahte die Erlösung, und so stand der kleine Kreis der Leidtragenden an der offenen Gruft in dem tröstenden Gedanken, daß hier der Tod nicht zu früh gekommen sei. »atz « ein Erlöser gewesen
* Turnhallenbanten. In der dem KrelSturntag in Eltville vorangegangeneu Kreisausschußsitzung wurden Unterstützungen aus der Rothermelstifiung für Turnhallenbauten bewilligt den Turnvereinen: Altendiez, Bergen bei Hanau, Hechtsheim, Kaub, Marburg (Turnv.) und Niederramstadt.
* Betriebsstesellschaft Bad Orb. Der Gewinn für 1905 stellt sich auf 13678 M., der zur teilweisen Deckung der Unterbilanz aus dem Jahre 1904 Verwendung finden soll.
* Turnerisches. Auf dem Kreisturntage in Eltville wurde auch die Herausgabe einer Kreiszeitung, und zwar probeweise, beschlossen. Die Kreiskafse trägt die Kosten, jedem Verein wird für jedes angefangene Hundert steuernder Mitglieder ein Stück frei geliefert. Auf Antrag des geschäftsführenden Ausschusses wurde die Stelle des Mitgliedes für die Presse als dauernde Einrichtung erklärt; dieses Mitglied gehört dem geschäftsführenden Ausschuß ân.
* Die Erdrutschungen am Bahnhof Elm, die sich Ende März ereigneten und große Verwüstungen anrichteten, auch größere Verkehrsstörungen zur Folge hatten, sind fast völlig beseitigt. Der Boden hatte sich an einzelnen Stellen etwa 8 bis 10 Meter gesenkt, stellenweise hatte sich auch der Wiesengnind gehoben, die Becker und die darauf befindlichen Obstbäume waren in eine schiefe Lage geraten. Auf die verschiedenste Weise ging man an die Beseitigung der entstandenen Schäden. Es wurden tiefe Stollen ins Erdreich getrieben und diese mit Basalt ausgefüllt, an anderen Stellen wurde Erde angefahren, um die entstandenen Senkungen zu beseitigen. Es gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit, die äußerlich sichtbaren Schäden zu beseitigen.' Es gilt ■ aber auch, für die Zukunft derartige Vorkommnisse zu verhüten. Deshalb wurden von der Landesgeologischen Anstalt in Berlin in der Mähe des Bahnhofes Eun eine Sterne von Bohrungen voM» nommen, um die Beschaffenheit der Erde festzustellen. Dabei wurde nun konstatiert, daß unter der relativ geringen oberen Bodenschicht eine sehr starre Letieschicht liegt, die in der nassen Jahreszeit sich mit Wasser vollsaugt und so die darüber liegende Schicht zum Rutschen bringt. Es sollen nun durch Wasserableitungen, Stollenanlagen u. s. w. Maßnahmen getroffen werden, um die Letleschicht für die Zukunft möglichst trocken zu halten, sodaß dadurch Erdrutschungen verhindert würden.
* Ei« Wort an die Jugend. Der Arbeiterturnerbund verteilt zur Werbung für Zöglinge ein Flugblatt: „Ein Wort an die Jugend" benannt, in dem in Bezug auf die Vereine der Deutschen Turnerschaft folgendes gesagt wird: „Gehe nicht in die deutschen Turnvereine, denn sie stehen deiner freien, geistigen Fortentwickelung hindernd im Weg, und im reiferen Alter bereust du es bitter, wenn du die Zeit in Vereinen zugebracht hast, die dir ftirs künftige
Emailmaler Hermann Göllner war der jüngeren Generation von Hanau schon ein Fremder. Zum letzten Male trat er bei der in der Aula der kgl. Zeichenakademie im Juni 1894 veranstalteten „A usstellung von K u n st w e r ke n aus Hanauer Privatbesitz" an die Oeffentlichkeit,
und damals schrieb der inzwischen verstorbene Dr. Winkler in seinem Ausstellungsbericht über die Arbeiten Göllners folgendes: „Von Hermann Göllner, dem Hanauer Altmeister der Emailmalerei, sind einige seiner unübertrefflichen köstlichen Feinmalereien ausgestellt, von denen wir auf das
Leben nichts nützen. Befolgst du unsere Mahnung, bann wirst du unS später dankbar dafür sein, du wirft auch bald begreifen und erfahren, warum wir dich vor der Deutschen Turnerschaft warnen. Folge unserem Ruf und schließe dich einem Verein an, der dem Arbeiterturnerbund angehöri." — Hieraus ist mit voller Deutlichkeit zu ersehen, daß der Grund, warum der umworbene junge Mann nicht in die Deutsche Turnerschaft, sondern in den Arbeiterturnerbund eintreten soll, nichts mit dem Turnen zu tun hat und ihm verschwiegen werden muß. Warum wohl? Die ganze Mache ist so durchsichtig, daß von ihr nur ein ganz unerfahrener Jüngling betört werden kann, jeder andere aber allein daraus ersieht, ba^ der Ar- beiterturnerbund nur sozialdemokratische Ziele verfolgt und darum die jungen Leute zu kapern versucht. In der Deutschen Turnerschaft dagegen finden die jungen Leute, was ihnen nottut, eine gute turnerische und vaterländische Erziehung.
* Hilfe für Conrrièi-es. Die Annahme, daß die Kaiserin dem Wohltätigkeitskonzert, das Friedensverein, Alliance Frangaiee und Verkehrsverein am Donnerstag, 3. Mai, abends 8 Uhr, im Frankfurter S a a l b a u veranstalten, die Auszeichnung ihrer Gegenwart schenken werde, hat sich nicht verwirklicht. Die Kaiserin, die dem Unternehmen sonst sicherlich geneigt gewesen wäre, darf ihre Homburger Kur nicht unterbrechen. ' Dagegen haben die vereinigten Vorstände den Landgrafen Alexander von Hessen und den Prinz e n und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen gebeten, der Veranstaltung beizuwohnen. Außer einer Dichtung Emil Claars, „Die erste Botschaft", wird Herr D i e g e l m a n n vom Schauspielhaus den Prolog sprechen, den Frau Elisabeth Mentzel verfaßt hat. Im übrigen behält das Programm den schon angezeigten Inhalt: Gesangsvorträge von Frau G r e e f f - Andriessen und Herrn Tyfsen, lebende Bilder nach Meunier's Arbeitsdenkmal, gestellt von Künstlern und Turnern, Vorträge des P h i l h a r m o n i s ch e n V e r ein s der Vereinigung für populäre Kammermusik und des Herrn Konzertmeisters Lange. — Die Preise der Plätze sind bei den Voroerkaufsstellen, bei Andrä, Firnberg, Holz, Schottenfels, im Palmengarten, Zoologischen Garten und in den Hotels zu erfahren. Der Verkauf abends an der Saalbaukasse geschieht ohne Aufschlag. Plätze sind fchon gum Preise von zwei Mark aufwärts zu haben, um auch den Minderwohlhabenden die Unterstützung des guten Werkes zu ermöglichen.
Madonnenbild nach dem Moretto'schen Gemälde im Städel'schen Institut zu Frankfurt besonder? Hinweisen: die wundervolle Wiedergabe der Goldbrokatgewänder darin ist allein ein Meisterstück. Die Gollner'schen Arbeiten übertreffen wirklich die sonst sehr gediegenen, aber etwa? trockenen' Emailbilder des verstorbenen N i ck e l, die dabei mit ausgestellt sind. Der liebenswürdige Humor seiner Persönlichkeit'spricht uns auch aus einigen Genrebildern in Oel entgegen." Neun Jahre vorher, im Juni 1885, bei Gelegenheit der Feier des 25jährigen Bestehens des Hanauer Zweigvereins der Deutschen Kunstgenossenschaft und der dieser- halb in der Aula der Akademie veranstalteten großen Ä u s- st e l l u n g von Arbeiten seiner Mitglieder berichtete der Schreiber dieser Lebensskizze u. a. folgendes: „Emailmaler Göllner konnte leider nur weniges zur Ausstellung bringen, weil seine Arbeiten, im Dienste der hiesigen Kunstindustrie stehend, meist nach auswärts gelangen und nicht mehr er-, reichbar sind. Aus den ausgestellten Kinderporträts, Engelgruppen, Medaillons nach Teniers und Rafael ersehen wir aber seine feine künstlerische Ausführung und die farbenprächtige glanzvolle Wirkung seiner Arbeiten zur Genüge."
Ties waren die beiden Veranlassungen — außer der Ausstellung von einigen A q u a r e l I e n aus Brückenau und Lindenfels im hiesigen Kimstverein — bèi welchen Göllners Name in den letzten 20 Jahren öffentlich noch genannt worden ist. In Fach- und Künstlcrkreisen war er aber trotzdem nie vergessen, wie er denn in der Emailtechnik bis vor acht Jahren noch tätig war. Als eine Fachklasse für E m a i l m a I e r e i in der Zeichenakademie abermals neu eingerichtet werden sollte, wurde selbstverständlich auch Goll- ner, der einjahrlang (1879/80) Leiter der früheren Fachklaff, gewesen war, um Rat gefragt. Sein Gutachten ist für Fach- kreise sehr interessant. Er schrieb unterm 14. Juni 1898 folgendes:
„Als in früheren Jahren, hauptsächlich auf Anregung und Betrieb hiesiger Bijouteriefirmen, die Fach klasse für E m a i l m a l e r e i an der hiesigen Akademie eingerichtet wurde, konnte als Lehrer — vom hiesigen Platze — nur Herr Ott (Maler Ph. A. Ott, eingetreten in die Akademie im April 1876) in Frage kommen, welcher al» tüchtig« vxgttifche»