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Itetaitombnuf und Verlag der Buchdrucker« der «er««, n. WaiienhanieS in Hanau.

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Erschein: täglich mit Ausnahme der Sonn- un'oFeierurge, mit beürtristijcher Beilage.

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Bercmtworü. Redakteur: G. Schrecker in Hana».

Nr. 98

^eensprechanschluff Nr. 605.

Freitag den 27. April

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Fernsprechanschlich Nr. 605

1906

politiMe Rundbau*

Der Abschied des Gesandten Krhr. V. Mumm von Pekinst. Der Pekinger Korrepondent derTimes" telegraphiert, daß bei der Abreise des deutschen Gesandten Frhr. v. Mumm, der Montag abend nach Tokio abreifte, um sein Beglaubigungsschreiben als Botschafter zu über­reichen, Chinesen und Angehörige der fremden Kolonien in großer Zahl zur Verabschiedung erschienen waren. Die Ge­samtheit der Ausländer bedauere den Weggang des durch urvane Formen und Gastfreundlichkeit ausgezeichneten Ge­sandten, und die Deutschen in China hätten alle Ursache, über die Tätigkeit des Freiherr« v. Mumm befriedigt zu sein, der abgesehen von seinem allgemeinen politischen Wirken, dem deutschen Handel große Förderung verschafft habe.

3ttm Bischof von Hildesheim ist der Dom­kapitular, Vikar Dr. Adolf Bertram gewählt worden.

Die Budgetkommiston des Reichstages sttzte gestern die Beratung des Militärpensionsgesetzes fort Die M 2531 wurden unverändert angenommen. Bei Abschnitt C. (Beamte und Personen in Privatrechtlichen Verhältnisten eines Dienstvertrages) wird in § 32, Kriegszulage von jährlich 180 M. für die Unterbeamten, die Beschlußfassung ausgesetzt bis zu gleichzeitiger Regelung der entsprechenden Bestimmungen des Mannschasten-Versorgungsgesetzes. Jin § 35 ist bestimmt, daß die Bemessung und Zahlung der Pensionsgebührnisse nach den vom Bundesrate festzustellenden Grundsätzen erfolgen soll. Hierzu beantragt Abg. Erzberger (Zentr.), daß diese Fest­stellung des Bundesrats dem Reichstage zur Genehmigung vorzulegen sei und, wenn die Genehmigung nicht erteilt wird, außer Kraft treten soll. Mit dieser Maßgabe wird § 35 angenommen. Abschnitt D. betrifft den Ausschluß der Ge­bührnisse von der Besteuerung und Pfändung, den Uebergang der Aniprüche auf Schadenersatz auf den zur Entrichtung der Gebührnisse verpflichteten Militärfiskus und einige Nebergangs- vorschriflen. Dabei bestimmt § 40, daß für die Beurteilung der vor Gericht geltend gemach'en Ansprüche die Entscheidungen der obersten Militärverwaltungsbehörde des Kontingents über bestimmte vorbehaltene Fragen maßgebend sein sollen, nämlich darüber, ob eine Gesundheitsstörung als eine Dienstbeschädigung anzusehen ist, ob und in welchem Grade Dienstunfähigkeit vorliegt, ob eine Dienstbeschädigung als durch den Krieg er­litten anzuiehen und ob durch eine solche Dieustbeschädigung die Erwerbsfähigkeit aufgehoben oder gemindert ist. Hierzu regt Abg. Erzberger die Einführung einer Bestimmung an, nach welcher innerhalb der obersten Militär-Verwaltungsbehörde des Kontingents ein aus drei Offizieren oder Militärbeamten gebildetes unabhängiges Kollegium endgiltig entscheiden soll. Die Mitglieder des Kollegiums sollen zur Garantie der Un­abhängigkeit mit ihrer Ernennung unabsetzbar werden.

Feuilleton.

Diplomatische Emmerlingen ans den Jahren 1864 und 1868.

Vom Grafen «nd der Gräfin Bernstorff.

(Nachdruck verboten.)

Wieder erscheint demnächst ein bedeutsames Memoiren­werk, worin einer der Männer, die in der Werdezeit des neuen Deutschlands am staatlichen Leben tätig mitwirkten, seine Erinnerungen und Erlebnisse mitteilt. Diesmal ist es der Graf Albrecht Bernstorff, um den es sich handelt. Sein und seiner Gemahlin Nachlaß, die eine Fülle wichtiger, noch un­bekannter Schriftstücke und wertvoller Mitteilungen zur preußisch-deutschen Geschichte des 19. Jahrhundert enthalten, werden, von Dr. K. Ringhoffer bearbeitet, unter dem TitelIm Kampfe für Preußens Ehre" in .Kürze im Verlage von E. S. Mittler & Sohn in Berlin er­scheinen. Der Graf Albrecht Bernstorff war ein geborener Lauenburger, trat jedoch sehr früh in preußische Dienste und wurde bald mit wichtigen diplomatischen Posten betraut. Von London, wo er als Bunsens Nachfolger Preußen ver­trat, wurde er an die Spitze des Ministenums des Aus­wärtigen berufen. Als das Ministerium in konservativem Sinne reorganisiert wurde, trat er zurück, übernahm wieder­um die Londoner Botschaft und wurde so der Untergebene Bismarcks, dessen Chef er eben noch gewesen war. In London hat er dann die großen Jahre der preu­ßisch-deutschen Politik mit erlebt und mit durchgekochten; und diese Abschnitte des Buches gehören für den heutigen Leser zu den interessantesten. Durch die Freundlichkeit des Verlages sind wir in den Stand gesetzt, auS ihnen bereits jetzt zwei der wichtigsten Teile mitteilen zu können, deren Lektüre gerade im gegenwärtigen Augenblicke darum be­sonders aktuell ist, weil sie uns erneut zum Bewußtsein brinat wie feindlich Enaland den Fortschritten der deutschen

Der Antrag Erzberger wurde schließlich mit zwölf gegen zwölf Stimmen, darauf mit der Maßgabe angenommen, daß die Unabsehbarkeit der Mitglieder des Kollegiums mit Stimmengleichheit aboelehnt wurde. Zu § 42 beantragt Abg. Erzberger als Referent, die Vergünstigungen, welche der § 42 den Offizieren gewährt, auch den Sannälsoffisieren und den Beamten der Heeresverwaltungen zuteil werden zu lassen. Die Kommtssion vertagt sich auf Freitag.

Die Stonrrko m?n Hst 0 n des Neichstases nahm in zweiter Lesung mit großer Majorität eine Resolution an betreffend die Erhöhung der Einnahmen der Reichspostver­waltung durch 1. Beseitigung der im Orts- und Nachbar­verkehr bestehenden Ausnahmetarife für Postkarten, Druck­sachen, Warenproben und Geschäfispapiere, 2. anderweite Festsetzung der Gebühren für außerordentliche Zeitungs- beilagen; die Kommission lehnte den Antrag ab, als 3. zu­zufügen : Erhöhung der Gebühren für Telegramme. Die Resolution erster Lesung betreffend die Branntweinsteuer wurde in zweiter Lesung angenommen, die Resolution bezüg­lich der Wehrsteuer abgelehnt.

Die «ilmlfommi'ftsn des Abgeordnetenhauses genehmigte gestern in zweiter Lesung die W 1 bis 9 be­treffend die Träger der Schullasten und die §8 42 bis 49 betreffend die Verteilung der Schullasten, den Schulhaushalt, den Baufonds und die Staatsleistungen mit wenigen Aende­rungen nach den Beschlüssen der ersten Lesung. Die Hanpt- änderung, der die Regierungsverlreter widersprachen, besteht darin, daß feste Staatsbeihilfen bek größeren Bauten nicht nur Schulverbänden mit 4, sondern auch solchen mit 7 Schulstellen zuteil werden sollen. Die nächste Sitzung findet heute statt.

Der Beirat für ArbeitersLatifLiik beschäftigte sich am Mittwoch mit Vorschlägen für anderweitige Regelung der Lohnbücher in der Kleider- und Wäschekonfektion, mit der Arbeitszeit der Arbeiterinnen in der Fischindustrie und mit den Ergebnissen über die Verhältnisse in der Binnen- schifferei.

InKrzbehörden tmb Publikum. Der Zustiz- minister hat (außer der bereits mitgeleilten Verfüaung geg-n das allzulange Wartenlassen uiw.) dieser Tage an sämtliche Justizbehörden folgende Zirku'arverkügung erlassen: In der Rundverfügung vom 30. April 1896 ist den Justizbehörden zur Pflicht gemacht, im amtlichen Verkehre mit dem Publi­kum jede Schroffheit zu vermeiden. Wenn schon angenommen werden darf, daß diese Verfügung im allgemeinen Beachtung gefunden hat, so geben doch einzelne Wahrnehmungen An­laß, sie in Erinnerung zu bringen. Die Wahrung des An­sehens und des Vertrauens, dessen die Justizbehörden zu einer gedeihlichen Ausübung der Rechtspflege bedürfen, fordert von

Erstarkung und Einigung gegenüberstand. Bernstorff spricht es selbst aus: er stand damals in Feindes Land; und er hat auf seinem gefährlichen Posten wackerFür Preußens Ehre" gefochten.

I.

Das diplomatische Spiel auf der Londoner Konferenz von 1864.

Mit jedem Tage redete sich die englische öffentliche Meinung in größeren Eifer gegen den preußischen Staat hinein. 'Ueberall wurde die Losung ausgegeben, Preußen müsse als der Anstifter des Krieges dargestellt, Oesterreich dagegen möglichst geschont werden. Endlich nach langem Klagen fand ein großer Teil der englischen Presse einen Trost in folgendem Umstand. Jene Blätter bemerkten nach Bernstorffs Schilderung mit Genugtuung, daß man in Berlin von der Einsetzung deS Augustenburgers als Herzog nichts wissen wolle, und folgerten daraus, daß Preußen notwendigerweise in einen Gegensatz zu den Wünschen der Majorität deS deutsch«'»: Volkes gelangen werde. Daraus schöpfte man in England neue Hoffnungen für den Sieg der dänischen Sache, die man irrtümlicherweise für die des Rechtes hielt. Dänemark aber schien es förmlich darauf abgesehen zu haben, durch sein ganzes Verhalten die Berechnungen und Hoffnungen seiner englischen Freunde zu zerstören, denn jetzt zwang es durch seine aggressiver: Maßregeln zur See auch den deutschen Bund,an dem Kriege teilzunehmen, den Oesterreich und Preußen bisher allein geführt. So wurde England um eine neue Enttäuschung reicher. Um so eifriger versicherten die englischen Zeitungen, daß man eine gute Sache verteidige und für denungerecht" angegriffenen kleinen dänischen Staat gegen seine mächtigen Bedrücker Partei nehme. Von der national-deutschen Stimmung der Schleswig-Holsteiner hatten ja kaum zehn Leute in England eine Ahnung. So viel stand fest, die Okkupation Jütlands drohte jetzt die schleswig-holsteinische Frage in eine ganz neue Phase treten zil lassen.Der Bogen ist in diesem Moment zu straff ge­spannt," schrieb Bernstorff in seinem Bericht vom 25. Februar, daß, wenn wir ihn noch schärfer anzichen, der Bruch un­

allen beteiligten Beamten ein besonderes, volle Unparteilich­keit zum Ausdruck bringendes Maß von Ruhe und Besonnen­heit. Ein schroffes Vorgehen ist leicht geeignet, den Eindruck der Heftigkeit und Voreingenommenheit ffr erwecken und da­durch die sachliche Erledigung der Geschäfte zu erschweren. Etwaigen Ausschrettunaen mit Erfolg entgegenzutreten, ist ein festes, aber ruhiges Verhalten das wirksamste Mittel, zumal für schwerere Fälle den Gerichten ausreichende gesetzliche Be- fugnisse zur Aufrechterhaltung der Ordnung und des An­standes bei ihren Verhandlungen gegeben sind. Auch bei Bem außerhalb gerichtlicher Verhandlungen, insbesondere in den Gerichtsschreibereien und Sekretariaten sich abwickelnden amtlichen Verkehr ist dem Publikum feW zulässige Entgegen­kommen zu erweisen. Die Beachtung dieser Aufforderungen zu überwachen und durch persönliche Einwirkung zu fördern, liegt den Aufsichtsbehörden ob. Beseler.

CMati für Südwestafrita. Am Montag den 30. b. Mts., abends, werden die DampferGertrud Wörmann" undElenore Wörmann" mit 10 Offizieren, etwa 200 Mann und 1000 Pferden von Hamburg nach Südwestafrika abgehen.

Ans Deutsch- »üvweftasrika. Eine amtliche Mel­dung aus Windhuk besagt: Am 20. April im Gefecht bei Witmund gefallen: Oberleutnant Leo v. Baehr (früher Drag.-Regt. 10), Kopf-und Rückenschuß. Schwer­verwundet: Reiter Josef Schlegel (früher Jnf.- Regt. 44), Bauchschuß, in derselben Nacht noch gestorben; Leutnant Friedrich Schlüter (früher Jnf.-Regt. 42), Knochenschuß am linken Unterarm; Unteroffizier Antort Michalik (früher Jnf.-Regt. 51), Schuß am linken Ober­arm, linken Oberschenkel, Streifschuß am Rücken; Gefreiter Arthur Franke (früher Hus. -Regt. 12), Brustschuß links; Reiter Robert Hoff m a n n (früher Jnf.-Regt. 56), Reiter Hermann Gnau (früher im Württeinb. Drag.-Regt. 25). Leichtverwundet: Sanitätsunteroffizier Johann Graf (früher bayr. 1. Chev. Regt.), Gefreiter Gust. Jastrewski (früher Jnf.-Regt 146).

Die Hamburqer Krawalle. In der Schwurge­richtsverhandlung wegen der Ausschreitungen am Schopenstehl wurde gestern die Vernehmung der 30 Angeklagten beendet. Die wegen Raubes, Plünderung und Hehlerei Angeklagten leugnen fast sämtlich ihre Schuld. Bei der Beweiserhebung, wozu 112 Zeugen geladen sind, bekundeten zunächst mehrere Beamte der politischen Polizei, daß die von der sozialdemo­kratischen Partei am 17. Januar nachmittags veranstalteten öffentlichen Versammlungen, in denen scharfe, aber nicht auf­reizende Reden gehalten wurden, ruhig verliefen. Auch for­derten die Referenten die Menge zu ruhigem Verhalten und Auseinandergehen auf. Da die Beamten über die Ausfüh-

vermeidlich erscheint. Leider ist es nicht das Recht, das rt der Politik den Ausschlag gibt, sondern die Interessen und die Macht, dieselben zur Geltung zu bringen.*) Es ist hier außerdem die aura popularis, die entscheidet. Da diese öffent­liche Meinung nie dulden würde, daß eine österreichische Flotte die englische Küste passiert, um Kopenhagen zu bombardieren, so ist sie auch nicht geneigt, die Besetzung des eigentlichen Königreichs Dänemark durch die Alliierten zu gestatten." Die Erstürmung der Düppeler Schanzen, welche am 18. April stattfand, hätte beinahe in London die Kugel ins Rollen gebracht, lind als nun gar die österreichischen Kriegsschiffe wirklich in Sicht der englischen Küste kamen, entstand ein allgemeines Kriegsgeschrei.Der Ton der Mehrzahl der Journale, welcher politischen Richtung sie auch angehören," so urteilte Bernstorff in jenen Tagen,übertrifft alles an Heftigkeit und Ungebührlichkeit, was man bisher erlebt hat. Diese Zeitungen verschmähen nicht die Lüge und die in­famsten Verleumdungen, um uns bei der öffentlichen Meinung anzuschwärzen und unsere Ehre, unsere teuersten Interessen und unsere Heiligsten Smyfinbungen anzugreiten."**)

Aber auch die d-uksche öffentliche Meinung begann jetzt immer höhere Wogen zu schlagen; ganz Deutschland allen voran die hocherregte Bevölkerung Schleswig- Holsteins trat für die völlige Losreißung der Herzog­tümer von Dänemark ein. Aller Blicke richteten sich aus die Londoner Konferenz in der Erwartung, daß es den deutschen Bevollmächtigten gelingen möge, den deutschen Standpunkt gegenüber England, Frankreich und Rußland mit Eyren zu vertreten. In der Konferenzsitzung vom 12. Mai gab Bernstorff im Namen der beiden deutschen Großmächte die Erklärung von der Hinfälligkeit der Verträge von 1852 ab, allerdings mit dem Zusatz, Preußen und Oesterreich hätten den guten Willen, aus "jede neue Kombination ein- zugehen, die geeignet sei, den Frieden herberzutühren, ohn« wohlerworbene Rechte zu verletzen. Die letzte Einschränkung war dazu bestimntt, dassehr beunruhigte Gewissen" der öfter-

1 Verölst Bernstorff» vom 25. Februar 1864. (Uebersetzung au» dem Framösiichen.)

**) Bernstorff an den König. London, 5. Mai 1864