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San Francisco.*)

Auf der Ueberfahrt von Oakland nach San Francisco be­merkt man zur rechten Seite die kleinen InselnGoat Alcatraz und Angel" und gleichzeitig den Eingang zum Goldenen Tor sGolden Gate), das den Golf von San Fran­cisco mit dem Stillen Ozean verbindet. Beim Ferry Depot, das auf dem Westufer des Golies und direkt gegenüber von Oakland liegt, betritt der Reisende den Boden von San Francisco, jener'merkwürdigen Stadt, die vor einem halben Jahrhundert noch ein Goldgräberdorf, in der Zwischenzeit zu einer Großstadt von über 300 000 Seelen sich emporge­schwungen hat. In ausgezeichneter Lage mit mildem, nahe­zu stationären Klima (37" nördl. Breite, Durchschnittstcm- peratur 56° Fahrenheit), auf der Westseite gegen die Ufer des Stillen Ozeans sich hinziehend, östlich an den Golf an= grenzend und in südlicher Richtung gute Landverbindungen mit stuchtbaren Landstrichen, vereinigt es alle die Grund­bedingungen, die zur bedeutenden Entwicklung eines Ge­meinwesens erforderlich sind. Die Halbinsel, auf deren Nord­ostende sich die Stadt erhebt, ist 50 Kilom. lang und bildet das Trennungsstück von Golf und dem Stillen Ozean. Die Stadt selbst ist von Osten nach Westen gerechnet etwa

*) Ancesichls der unacheliren Vibbebmkatestrophe in Kalifornien und

speziell in San Francisco bieten nur hier nit unseren Lesern eine Schilderung der dem Berderben aewèihten Stadt, rvelche wir mit We- uebmigung der Veckagshm lang Strecker it. Schröder in Stuttgart dem in ihrem Bei la i er> Nennten Nen-wei l von K. Zimmermann:Oii kel San., Ameiilanische Reise- und Mtnrbi'ber" (drosch. Mk. 4., geb. Mk 5.) enmedn rn. In dem Werk findet der Leier, nne aus der obigen kleinen Probe hervor-cht, eine ;W' atregenber ©railfdji brauigen roh Land, Leuten und Leben in dem jetzt fo-fdjnw heimgesuchten Gebiete. Wie das ganze Buch, so sind auch die Stellen, die sich auf Kalifornien beziehen, so plastisch geschrieben, bau der Ort des Schreckens »nb der Zerstörung uns näher geriieft e> scheint und wir uns ein deutliches Bild "om Umfang der Katastrophe machen können.

10 Kilometer breit und von Norden nach Süden bemessen etwa 12 Kilometer lang. MitAusnahme des Unteren Teiles der Stadt, der vom Golf einaeschlossen ist und der eine horizontale Lage zeigt, hat San Francisco eine höchst ungleiche Bodengestaltung : bald zieht sich der Weg in nahe­zu vertikaler Richtung aufwärts, bald ebenso jäh'abfallend der Tiefe zu. Durch Benützung einer der Kabelivagen, die von der Unterstadt westwärts gegen das Goldene Lor hin ziehen, kann sich der Fremde ein besonders anschauliches Bild von diesen berühmten Berg- und Talfahrten von San Francisco machen, und es wird in der ersten Zeit für ihn sehr verblüffend sein, wenn er die Wahrnehmung macht, daß sein Kabelwagen bald jählings aufsteigt, bald jählings der Tiefe zusteuert und beides mit einer beträchtlichen Schnelligkeit.

Die Pacificstadt San Francisco ist ein kosmopolitisches Gemeinwesen ersten Ranges. Es gibt wohl wenige Städte der Welt, die ein ähnliches Vöstergemisch aufweisen. Von Europa sind so ziemlich alle Rassen'und Nationalitäten ver-

treten, Asien hat die Zopfbrüder der Chinesen und Japaner­in reichlichem Maße geliefert, dem heißen Afrika entstammt die zahlreich domizilierende Negerbevölkerung, und auch Australien stellt ein annehmbares Kontingent. Einzelne Stadtviertel sind von bestinimlen zusammengehörigen Be­völkerungsteilen

das chinesische von Japanern,

italienische

nahezu ausschließ, ch bewohnt, wie Viertel von Chinesen, das japanische das spanische von Mestizen, das von Italienern. Für den Ethno­graphen ist hier ein großes Feld seiner Beobachtungen, ebenso für den Sprachforscher, der hier die Tonlante einer großen Anzahl moderner Sprachen vernimmt und Gelegenheit bat, im Leben selbst, an der Quelle seine bisher nur durch Pro- fessionisten imb Bibliotheken erworbenen Kenntnisse in wirk­lichem Sinne zu bereichern. Was nun das Gesamtbild der

Stadt anbetrifft, so zeigt sie durchaus ein großstädtisches Gepräge, dem wahrlich nichts von dem fehlt, was man in bezug auf Leben und Verkehr in anderen Großstädten be­obachten kann. Die Stadt San. Francisco ist noch besonders dadurch merkwürdig, daß sie das erste und gleichzeitig das letzte große Gemeinwesen nach einem niedrere tausend Kilo-

j meter durch Berg- und Wüstenregionen führenden Weg dar» I stellt, das letzte Gemeinwesen im Westen, das das Ge­präge moderner Kultur in sich vereinigt. Als Durchgangs­punkt für den Handel, der sich zwischen Europa und Nord­amerika einereits und Asien andererseits vollzieht, ist die Stadt ein bedeutendes Verkehrszentrumein großer Export- platz und Jmportplatz zugleich: wie die großen europäischen Dampferlinien ihre Bewegung vornehmlich westlich über den Atlantischen Ozean hin gegen die Weltstadt New-T>ork haben, so die großen westlich laufenden Bahnsysteme Nordamerikas gegen Sans Francisco hin von wo aus der Verkehr sich weiter entivickelt gegen die über dem Stillen Ozean ge­legenen Produktionsgebiete von Japan, China, Indien und Australien.

Was nun die ökonomischen Verhältnisse von San Fran­cisco, der bei weitem bedeutendsten Stadt des Staates Kalifornien, anbetrifft, so ist vor allem das charakteristische Merkmal zu konstatieren, daß der für gewerbliche und in­dustrielle Zwecke wertvollste städtische Bodenbesitz in Händen verhältnismäßig weniger Personen oder Familien sich be­findet, wodurch notwendig die gewerbetreibende Bevölkerung in ein ökonomisches Abhängigkeitsverhältnis gedrängt wird und die Gljanccn des Erwerbslebens um ein Bedeutendes reduziert sind. Die an einzelnen Plätzen San Franciscos an ' die städtischen Grundbesitzer zu bezahlenden unverhältnis­mäßig hohen Pachtzinsen sind nicht bloß ein Einkommens- verlust, sondern sie sind auch ein konstantes Hindernis für erfolgreiche Bestrebungen der betreffenden Geschäftsinhaber und Gewerbetreibenden, indem dieselben nur selten vermögen, ihr Unternehmen lukrativ zu gestalten.

In Van Netz-, in der Golden Gate Avenue, am oberen Teil der Pinestraße rind insbesondere in bem zwischen der Leavenworth- und Powellstraße gelegenen Teil der Kali- jornienstraßè, bekannt als Millionärenviertel unter dem NamenWob Hill", trifft man jene Personen, denen der größere und gleichzeitig wertvollere Teil des Bodens von San Francisco gehört, und unter denen sich einzelne be­finden deren Tageseinnahme sich auf 1020Q00 Mark und '"^.beziffert Die Eigentümer des städtischen Grundbesitzes sind die Nachkommen teuer Personen, die. als San Francisco