GOeS Matt.
Hanaukr K Anzeiger
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Gcntral-Auzcigcr
Imtlidjcs Organ für Stob und Färm Kun.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- «nd Feierwge, mit belletristischer Beilage.
etxrMwagSgebfitri
Nr. 87
Wernsprechanschlich Nr. 605.
Donnerstag den 12. April
Wernsprechanschlich Nr. 605.
1906
Handelsregister.
Firma Anglist Bonifer in Großauheim: Unter dieser Firma betreibt der Bauunternehmer August Bonifer in Großauheim ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann.
Hanau den 7. April 1906.
Königliches Amtsgericht 5.
8096
Hus Hanau Stadt und fand«
Hana«, 12. April.
Deamten-Personalnachrichten.
Versetzt: der Regierungsrat Koehler, seither Mitglied der Königlichen Generalkommission in Merseburg, in gleicher Amtseigenschaft nach Cassel, als Ober-Postinspekior der Postinspektor Riemenschneider von Hanau nach Erfurt, als Postinspeklor der Ober-Postpraktikant Lütt ke von Bromberg nach Hanau, die Postsekretär Baumgarten von Hanau nach Altena (Wests.), Grunewald von Cassel nach Hanau, Mühling von Hanau nach Siegen.
* Redaktionell. WG^ Des Kaesreitaqs folgen erscheint die nächste Nnmmer «nseres Blattes erst Samstafl den 14. April z« flewohnter Stunde.
* Thüring. Ulanen-Regt. Nr. 6. Herzog von Urach, Oberst, Kommandeur des Thüring. Ulanen-Regts. Nr. 6, von dieser Stellung enthoben behufs Verwendung a'ö Kommandeur des Draaoner-Regiments „Königin Olga" (1. âüriiemb.l Nr,.^2S (LudwigMirâ.^.,.MNor .FM von, iStaubitz u. Altengabel vom 2. Bad. Drag. - Regt. Nr. 21 (Bruchsal) wurde unter Beförderung zum Oberstleutnant zum Kommandeur des Thüring. Ulanen-Regts. Nr. 6 ernannt.
* Befördert. Major Zillmann vom Inf. - Regt. Heffen- Homburg Nr. 166 wurde unter Beförderung zum Oberstleutnant in das Kulmer Jnf.-Regt. Nr. 141 (Graubenz) versetzt.
* Versetzt wurde Major A. Sell, Adjutant der Feld- zeugmeisterei, in das Infanterie-Regiment Hessen-Homburg Nr. 166.
* 21. Kavallerie - Brigade. Generalleutnant von Festenberg-Packisch, bisher Kommandeur der 21. Kavallerie- Brigade in Frankfurt a.M., wurde zum Chef des Militärreit- instituts in Hannover ernannt. — Prinz Ernst von Sachsen- Weimar, würtlembergischer Oberst èc la suite Dragoner- Regiment 25, kommandiert nach Preußen, bisher Kommandetir .................—................ ................ ...................
Feuilleton
j in itr Zchw-Mmie.
Von B»r. F. Ouilling.
Die Aula unserer Zeichen-Akademie beherbergt seit einigen Tagen wieder einmal eine seltene Auswahl hervorragender Gemälde. Es ist lebhaft zu bedauern, daß diese lehrreichen Ausstellutigen nicht Häuser stattsinden. Alle Vierteljahr eine einzige! Wenn sic sich öfter — etwa alle 8—14 Tage — wiederholten, so läge das durchaus nicht nur im Interesse des Schreiners, der die Bilder nach seinen eigenen künstlerischen Gesichtspunkten aufhängt, sondcm auch im Interesse unserer kunstliebenden Bürger, deren Besuch sich dann zweifellos mehr verteilen würde, anstatt sich zu drangvoll fürchterlicher Enge zu stauen, wie man es in diesen Tagen wieder beobachten kann. Allerdings, man versteht diesen Zudraug, wenn man sich die Ausstellung selbst näher ansieht. Schon äußerlich wie vornehm und edel in der Gesamterscheinung! Seit Menschengedenken verwendet man mit rühmenswerter Pietät als Reposttorien urehrwürdige, mit Papier überzogene Gestelle, ruhig und einfach in der Form: ein brauner Sockel, darüber eine große, leider durch die Bilder vielfach verdeckte graue Fläche, die durch alte Nägel, Drähte und Schnüre, Kliffe und herabhängende Popierfetzen wirkungsvoll belebt und gegliedert ist. . t e r ,
Und auf diesem wohlbereclmeien, fast zu dekorativ wirkenden Hintergrund nun diese Gemälde in dieser Anordnung. Die früheren Gartenarchitekten pflegten, .wenn sie eine Sträuchergruppe anlcgcn wollten, einige Riemchen in die Luft zu werfen und an den Stellen, wo sie niederstelen, die Pflanzen einzusetzen. Nach einem ähnlichen Pnnzip scheint hier verfahren zu sein. Damit ist erreicht, daß das .luge nirgendwo durch übertriebene kleinliche Syinetrie beleidigt
des genannten Regiments, mit Führung der 21. Kavallerie- Brigade beauftragt.
* Verliehen. Dem Kriegsfreiwilligen Oberleutnant der Reserve a. D. Strahler, früher im Thüring. Ulanen- Regt. Nr. 6, wurde der König!. Kronenorden 4. Klasse mit Schwertern verliehen.
* A«szeich° ung. Herr I. H. Werner, Seniorchef der Firma kaiserlicher Hofjuwelier I H. Werner in Berlin ist zum königlicb preußischen Kommerzienrat ernannt worden.
* Tse Ladengeschäfte dürfen drei Tage vor Ostern, d. i. am Mittwoch, Gründonnerstag und Karsamstag bis 10 U b r abends geöffnet bleiben.
* Paketbeftellung. Am Karfreitag und 1. Oster- feiertaa findet Paketbestellung statt.
* Zur Mainkaualisation. Nach dem „L.-A? ist die Verständiaw mit den Mamuserstaaten wegen Fortführung der Mainkanalisaiion von Offenbach bis Atcbaffmburg nunmehr so weit gefördert, daß bald nach Ostern der Vertragsabschluß erfolgen wird. Ehe dann an die Aussübrung des Planes gegangen werden kann, muß noch die Zustimmung der Landtage der beteiligten Staaten eingebolt werden. Der Vertrag wird in Berlin abgeschlossen werden.
«Hauptprobe. Für die morgen abend (Karfreitag) um halb 6 llbr stattfindende liturgische Andacht in der Johannis- kirchc ist die Hauwprobe des Chores auf 8"« Uhr für heute angesetzt. Die Möglicher sind hierzu freund!, eingeladen.
* Der Dank der 97er. Am 1. April fand bekanntlich in Saarburg das 25 jährige Jubiläum des Infanterieregiments Nr. 97 statt, das in den ersten Jahren seines Be- stel'kns in Han nt gern»sanierte. An den Festlichkeiten beteiligten sich auch ein Anzabl ehemal. 97er aus unserer Stabt und eine ..SkpjHguou , mit Herrn Hauptmann a. D., v. Buttlar an der Spitze überreichte in deren Auftrag dem Regiment ein Festgcschenk, einen silbernen Schellenbaum, wofür das Oistzierkoz-ps der 97er jetzt an den Führer der Deputation nachfolgendes Dankschreiben gerichtet hat: „Die Wogen des Festes sind verrauscht und da drängt es mich, vor allem Ihnen, sehr verehrter Herr v. Buttlar, unb all den gütigen Spendern des prächtigen Schellenbaumes nochmals und immer wieder unseren herzlichen Dank und unsere große Freude zum Atlsdnlck zu bringen. Wir freuen uns, in ihm an der Spitze unseres Regiments dauernd ein äußeres Zeichen vor Augen zu haben für die schönen Geiühle der Dankbarkeit und Wertschätzung, die uns mit unserer lieben ersten Garnison, ihren Be- und Umwohnern verb-nden. Wenn etwas den Wert dieser Staunen erregenden Festgabe noch erhöben kaun, so ist es das Bewußtsein, daß emsige Hanauer Stâiibe, Hanauer Geist und Hanauer Fleiß dieses Kunstwerk entstehen ließen. Dadurch gewinnt die wertvolle Gabe in ihrem ethischen Wert.
wird; große und kleine Formate, alle Sorten Rahmen hängen wahllos, oft sogar in angenehmer Schräge, durcheinander und die Werke desselben Künstlers sind in der Regel auf die verschiedensten Stellen verteilt, um Abwechslung im Eindruck und für den Beschauer eine nur zuträgliche körperliche Bewegung zu erzielen. „Und so lebten wir denn in der schönsten Disharmonie" hcißts in Charleys Tante.
Haben wir die vornehme Ausstattung der Ausstellung genügend auf uns wirken lassen, so geht es an die Betrachtung der einzelnen Bilder. Welche Fülle gediegener, größtenteils von Damen geleisteter Arbeiten. Die Darmstädter Jur-y, die mit der Begutachtung dieser Bilder betraut ist, verdient wahrlich nicht niedriger gehängt zu werden, im Gegenteil möglichst hoch. Nehmen wir zunächst Obst, Geniüse und Verwandtes. Da ist Gertraude Gette-Charlotteuburg mit einem erst vor knapp drei Jahren entstandenen Bildchen „Chri)santhemen" vertreten, dem offenbar das Motiv einer in einem Milchnapf explodierten Zitrone in glücklichster Verwendung zu Grunde liegt. Auch weiter sind noch Chrysanthemen vorhanden, ebenso Pfirsiche, gemalt von Marie von Vogten-Görlitz. Auf derselben künstlerischen Höhe wie Frau oder Fräulein Getie's Chn)santhemen sieben das Blumen- und das Fruchtstück von Luise Fröhlich-Berlin. Herrlich! Besonders daS Fruchistück, lauter Aepfel auf einer Zeitung. Ich bemerke ausdrücklich, daß es sich bei der Unterlage der rotbackigen Früchte nicht etwa um ein zerknülltes und von einem Weißbinder verschmiertes Stück Blech, sondem um eine Zeitung handelt, sogar um eine englische Zeitung, wie die Künstlerin selbst durch die, wenn auch auf dem Kopfe stehende Überschrift „The daily tclegraph" in zarter und feinsinniger Weise anbeutet. Und nun erst „Mohnblumen". Dreimal sind sie da: Anna Georg-DeideSheim, Luise Max Ehrler- München und Lina von Zicten-Dresden haben sie auf dem Gewissen. Die letztgenannte, eine eigenartige Künstlernatur, bald malt sie ganz trocken, wie in den Bildern „Dachau", „Nachmittags sonne" und andere, bald wieder äußerst saftig
Die heutige Kummer uuqaüi auger dem UuterhattuuL^dtLtt IG Sette«.
Und wenn wir alle, die wir diese schönen Festtage miterlebten, dereinst von der Erdfläche verschwunden sind, dann wird der schöne Schellenbaum nicht ein stummer, sondern ein sprechender Zeuge sein für die liebevollen Bande zwischen dem Hanauer Land und den alten 97ern. Wir alle hier legen grossen Wert darauf, sehr verehrter Herr v. Buitlar, daß jeder der Spender erfahre, wie wir uns gefreut haben und uns noch freuen. Wir können nicht jedem einzelnen schreiben. Seien Sie bitte unser Dolmetsch! Im Namen des Offizier- korps Regiments 97: v. Mey, Oberstleutnant.
* Hauptversammlung des Turn- & Wecht-Club.
Am Montag abend hielt der Turn- & Fecht-Club in dem kleinen Saale der Turnhalle seine diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab, die von 50 Mitgliedern besucht war. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden entnehmen wir kurz folgendes: Der Verein, der in diesem Jahre auf eine 37- jährige Tätigkeit zurückblickt, zählte am Schlüsse des Vereinsjahres 170 Mitglieder in der Herrenabteilung gegen 163 im Vorjahre, und 54 in der Damenabteilunq gegen 49 im Vorjahre. Die Vereinsgeschäfte erledigte der Vorstand in 16 Sitzungen, außerdem fand die ordentliche Hauptversammlung sowie 2 Mitgliederversammlungen statt./ Wir lasten die einzelnen Begebenheiten, die uns erwähnenswert erscheinen, hier folgen, wie sie sich der Reihe nach zugelragen haben. Am 22. April fand die übliche Karfreitags-Turnfahrt statt, für die diesmal ein ganzer Tag angesetzt worden war. Sie ging von Hüttengesäß über die Ronneburg nach Büdingen und von hier über Breitenborn nach Gelnhausen. Es beteiligten sich daran 34 Turner. Das Lamboyfest wurde in althergebrachter Weise gefeiert. Bei dem am 2. Juli in Großauheim abgehaltenen Gaufest war der Verein durch 3 Wett» turner vertreten, von denen 2 als Sieger hervorgingen. Am 15. Juli fand eine Nachtturnfahrt, auf. den Hahnenkamm statt, an der sich 74 Personen beteiligten. Dieser folgte am 6. August eine Tagrsturnfahrt die sich von Gelnhausen über das Hufeisen—Lützel—Roßbach—Bieber nach der Lochmühle erstreckte, an der sich wegen der ungünstigen Witterung nur 42 Personen beteiligten. Am 2. September nahm der Verein mit seiner Fahne an dem Festzuge zur Einweihung der in Wilhelmsbad errichteten Bismarckssäule teil. Das Stiftungsfest wurde am 10. September in der Turnhalle in Form eines Familienabends mit turnerischen Vorführungen gefeiert; demselben ging am Morgen ein Weltturnen der jüngeren Turner im Sechskampf voraus. Bei der am 22. Oktober stattgehabten Kreisturniahrt, die in Form eines Kriegsspiels in dem Gelände zwischen Offenbach, Frankfurt und Darmstadt abgehalten wurde, nahmen 14 Turner teil. Die alljährlich int Heilst stattfindende Abendunterhaltung wurde am 11. November in der „Centralhalle" abgehalten
und pastos, wie im „Herbst" und in den „Garben". Der Herbst ist wundervoll im Ton und in der Durchbildung des rechts stehenden Baumes. Der Inhalt eines umgestürzten Leimtopfes hat zweifellos Anregung, Vorbild und Farbe dafür abgegeben. Und die Garben? Wenn das dem Bilde angeheftete Etikett nicht mit einem anderen verwechselt ist, müssen tatsächlich Garben auf einem Felde dargestellt sein; das Gemälde selbst gibt darüber und über sonstige unwichtige Details keinen Aufschluß.
Valeria Fuhrmano-Düsseldorf. Seltsamer Name. Italienischer Vorname, italienische Endung des Zunamens und darin ein deutscher Fuhrmann. Alle Achtung vor dem Sprachgefühl des Schreibers der Etiketten; daß bei dem Vornamen Valeria der Zuname Fuhrmano und nicht Fuhrmans lauten müsse, stand bei ihm fest. Allerdings die Bilder, die unser diesem Namen ausgestellt sind, haben gewiß nichts Italienisches, ich wüßte überhaupt nicht, was sie eigentlich haben. Das eine, große, zeichnet sich besonders durch seinen schönen, reich verzierten Goldrahmen und da» als Luft figurierende, sehr nahrhaft aussehende, Farbengemenge aus; man wird an eine Mischung von Kartoffelbrei und Erbsenpuree wohltuend erinnert. Der Unterschied zwischen Gemüse und Landschaft ist auch bei anderen Bildern durchaus nicht einfach festzustellen, man vergleiche z. B. August Schuberts aus Spinat und Kohl zusammengeschweißteS Gemälde „Gen Holland hin". Im Uebrigeu sind ausschließlich Perlen der Landschaftsmalerei zu sehen. Die Palme gebührt hier ohne Zweifel Karl Schickhardt-Stuttgart mit feinen „Abendwolken", die man als Äbcndstimmung verständnisvoll dicht ans Fenster ins Helle Sonnenlicht gehängt hat. Ach und wieviel bester wäre es diesem Bilde und be- Beschauer, wenn cs möglichst im Dunkeln blieb!
(Schluß folgt).