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Gelieral-Anzeiger

AwIIllhes Grgm für Stabt- nub fanbhrcig ganan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bellelristtscha Beilage.

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Freirag den 23. Milrz

Ftrnspr<chanschl«sr Nr. 605.

1906

Amtliches.

Landkreis Hanau» LtkamtmaANkn des Köm^ichen Lllndratsamts.

In Enkheim ist dir S ch w eines eu che ausgebrochen. Gehöftssperre ist angeorbnet.

In Hüttenstesâtz ist die Schweinrseuche erloschen en» Die Gehöftssperre aufgehoben.

Hanau den 20. März 1906.

Der Königliche Landrat.

J. A.: Conrad, Kreissekretär.

Festgestellt: die Schafräude in Somborn und die Rot­laufseuche unter den Schweinen in Breitenborn, A. W., Kreis Gelnhausen.

Hus Ranau Stadt und fand»

Hana«, 23. März.

Gerichtssaal.

Sitzung der Strafkammer vom 22. März.

DaS Marderfell.

Der Taglöhner und Abdecker Schultheiß von Gelnhausen soll seinem Nachbarn Mösinger einen Marder aus der Falle gestohlen und zu diesem Behufe die Umfassungsmauer des Gartens überstiegen haben. Die Verhandlung am Montag über diese Sache hatte einen Augenscheinstermin nötig lje- macht, der gestern nachmittag stattfand. Die heutige fort­gesetzte Verhandlung endete mit der Verurteilung des Ange­klagten zu 4 Monaten Gefängnis wegen einfachen Diebstahls im wiederholten Rückfälle. Schweren Diebstahl nahm daS Gericht deshalb nicht an, weil die Möglichkeit besteht, baß der Marder mittels der Kette, an der die Falle befestigt war, von oben in die Höhe gezogen, der Dieb also nicht in den Garten eingestiegen ist.

Verleumdung.

Der Taglöhner und frühere Wächter der Dach- und Schließgesellschaft H. von hier hat einen hiesigen Feldhüter durch verleumderische Nachreden beleidigt und erhielt deshalb vom Schöffengericht 1 Monat Gefängnis. Die Strafkammer hebt das Urteil auf und erkennt mit Rücksicht darauf, daß die Verleumdung nicht aus Böswilligkeit, sondern nur auS Großtuerei und deshalb begangen wurde, um sich bei seinen Vorgesetzten lieb Kind zu machen, auf 40 Mark Geldstrafe.

Im Wiederaufnahmeverfahren wird der Schneider Jakob Schnarr von Koblenz freigesprochen von der Anklage der Wchrpflichtverletzung, wegen der er im Jahre 1892 von der hiesigen Strafkammer in Abwesenheit 5u 160 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Die Verurteilung beruhte auf einer Personenverwechselung.

Feuilleton.

Wie Tim schlafen.

(Nachdruck verboten.)

In welcher Stellung schläft ein Bär? Welche Lage nehmen der Affe, der Elefant, der Tiger beim Schlummer ein? Schlafen Fische überhaupt? Das sind Fragen, die über­aus nahe liegen und doch von der Mehrzahl der Menschen nicht beantwortet werden können. Wenn der normale Leser auf eine solche Frage stößt, so sagt er sich:Das ist sonder­bar; darauf bin ich bisher nie gekommen!" Der normale Leser mag sich aber des Gedankens ertröften, daß auch so mancher Student der Naturwissenschaften seine Unwissenheit in bezug auf die äußeren Bedingungen des Schlafes der Tiere und ihre Gewohnheiten dabei würde bekennen müssen, wenn er danach gefragt würde. Und das hat wieder einen ganz einfachen Grund darin, daß die Mitteilungen über dies so naheliegende und doch so versteckte Gebiet in der Litera­tur weit verstreut sind und daher selbst dem Fachmann leicht entgehen. Eine eigene Arbeit über den Gegenstand hat erst vor kurzem der sränzösische Naturwissenschaftler Herr Pèrès veröffentlicht.

Um mm zunächst mit den Tieren zu beginnen, die stehend schla'en, so gehören in diese Klasse der Esel, daS 9J!au!tier, der Elefant und die Mehrzahl der anderen Dickbäuter. Daß auch die meisten Vögel beim Schlafe auf einem Beine stehen und dabei ihren Kopf unter die Flügel stecken, ist eine der wenigen Tatsachen auf dem Gebiete deS TierschlafeS, die als allgemein bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Manche Vogelarten schlafen in Gesellschaft, wie z. B. die Wildtauben in Nordamerika. Sehr viel Merkwürdiges bietet ganz be- sonders der Schlaf der Fische. Das Volumen der Fische stimmt nämlich mit dem des Wassers so nahe überein, daß sie ohne ersichtliche Anstrengung ruhig auf dem Sande oder Kiese verharren können. Schlafen sie nun hierbei? Wahr» ichemtich; obwohl sie nicht ihre Augen schließen. Der Gründ­

Schwer büßen

muß die Ehefrau des Schreinergesellen P. von hier den Diebstahl ein«^ wollenen Tuches. Sie nahm am 13. De­zember v. I. aus einem hiesigen Trödlerladen ein auf der Erde liegendes wollenes Tuch mit nach Hause und brachte es erst wieder zurück, als die Sache bereits angezeigt war. Da sie bereits zweimal wegen Diebstahls zu geringen Gefängnis­strafen verurteilt wurde und die letzte Strafe noch nicht ganz 10 Jahre (es fehlten noch einige Tage daran) zurück­liegt, so befindet sie sich im wiederholten Rückfälle und muß trotz Zubilligung mildernder Umstände und trotz Erkennens der geringsten zulässigen Strafe auf drei Monat« inS Ge­fängnis.

Körperverletzung.

Der Maler Düsterhöft von Schlierbach mißhandelte in einer dortigen Wirtschaft einen anderen Gast, indem er ihn fast ohne jede Veranlassung gu Boden warf, ihm den Rock zerriß und einen Schlag mit dem Stock ins Gesicht versetzte. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 4 Wochen Gefängnis, seine Berufung wird verworfen.

Freigesprochen

wird der Dienstknecht Johann Heller von HilderS von der Anklage der Unterschlagung, der er sich dadurch schuldig ge­macht'haben soll, daß er in zwei Fällen von den Kunden erhaltene Gelder nicht an seinen Arbeitgeber, einen Mühlen- besitzer, ablieferte. Das Schöffengericht hatte ihn zu einer Woche GemngniS verurteilt, die Straffammer spricht ihn frei, da die Möglichkeit besteht, daß der Mühlenbesitzer das Geld erhalten, aber aufzuschreiben vergessen hat.

Unverbesserlicher Schwindler.

Der Taglöhner Friedrich Bläßer von Rommelshausen hat sich unzählige Male des Betrugs und der Unterschlagung schuldig gemacht und außer zah' reichen Gefängnisstrafen auch einige Jahre im Zuchthaus abgebüßt. Seine Spezialität sind Permietungsschwindeieien. Am 12. Januar vermietete er sich wiederum bei einem Mühlenbesitzer in Langenselbold und ließ sich dabei 2 Mark geben. Natürlich kam er nicht. Später trug er für einen hiesigen Stuhlflechter ansgebesserte Stühle zu den Kunden und behielt dabei 3 Mark für sich. Der Angeklagte wird zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

Vogelstellerei.

In, Angersbach und Umgegend steht der Vogelfang und Vogelhandel in hoher. Blüte' Der Landwirt Wacker von dort wurde des Oefteren mit verdächtigen Paketen beobachtet und schließlich einmal visitiert, wobei man 13 junge Blutsinken und 2 Nester bei ihm fand. Aitßerdem hatte èr ein größeres Stück Maschendraht bei sich, wie es zum Schutze der Obst­bäume gegen Wildfraß verwendet wird.. Die Vögel hatte èr einem Vogelsteller abgekauft und das Schöffen­gericht Großenlüder sah das als Hehlerei an und verurteilte ihn dieserhalb zu 5 Tagen Gefängnis. Die Strafkammer muß aber in Anbetracht dessen, daß hier offenbar eine Lücke im Gesetz vorhanden ist, indem dieses wohl den Vogelfänger,

ling z. B. sucht sich beim Anbruch des Abends einen sandigen Fleck unter Steinen, und dort verbleibt er, dem Strome zugewandt, indem sein Körper auf dem unteren Schwanzlappen und auf seinen Brust- und Bauchflossen ruht. Wahrscheinlich nimmt er dieselbe Stellung auch im Winter an und verbleibt dort bis zum Frühling während seiner Neberwinterung. Wie der Gründling, so schlafen auch Barben und Bleie in Gesellschaften, aber auf schlammigem Grunde. Der Hecht schläft im Sommer nahe der Böschung an der Oberfläche, wohin die Sonne noch bringen sann ; der Karpfen hält sich nahe dem Grunde, der Aal verbirgt sich in Löchern, die er nahe der Böschung macht. Die Beobachtung der Seefische ist schwieriger, als man sich vielleicht denkt; man nimmt jetzt an, daß Heringe, Makrelen und andere Wanderfische den Winter in einer Art von Lethargie auf dem Grunde zubringen. Ob sie dabei die Stellung des Gründlings annehmen? Vielleicht: obwohl PleoiNe le Pelry Tausende' von Makrelen halb vergraben im Schlamm be­obachtet hat, wobei sie ihre Schwänze vertikal empor« streckten.

Die Bratachier schlafen sitzend, den Kopf in der Lust; die Kröte schläft bei Tage in Höhlen oder unter Fellen und zieht sich für den Winter unter die Erde zurück. Sie ver­gräbt sich rückwärts, wobei ihre Hinterfüße und das Ende ihres Leibes dazu dienen, das Loch zu graben, während sie mit den Vorderfüßen uachstößt. Die Beuteltiere sind durch ihre Körpergestalt allgemein gezwungen, sitzend zu schlafen; das Kusu schläft in kauernder Stellung "mit dem Kopfe zwischen den Vordersüßen. Die Lemuren kauern gleich­falls beim Schlafe, wobei sie den langen buschigen Schwanz um ihre Hinterbeine schlingen. Bei den Schimpansen unb anderen Affen wächst das Haar am Ober- und Unterarme in entgegengesetzten Richtungen, und dies dient dazu, das Tier wirksamer vor dem Regen zu schützen, wenn eS, die Arme gefaltet und an den Körper gedrückt, im dichten Walde ober im Busche schläft. Der Orang-Utang hält feine Siesta mit gekrümmtem Rücken, den Kopf auf die Brust nicber« hängend; zuweilen hält er sich mit einem ausgestreckten Arme an einem Zweige fest, doch im allgemeinen hängen feine beiden Armen w den Seiten herunter. Auch Ptnguino»

nicht aber auch den Käuler solcher Vögel mit Strafe bedroht, auf Freisprechung erkennen. Wegen deS Diebstahls der Drahtes erhält Wacker 2 Tage Gefängnis.

Beleidigung.

Die Witwe Harnischfeger von Neudorf schimpfte einige junge Leute, die sie in einer verdächtigen Situation über» raschten und ihr ins Gesicht leuchteten, tüchtig auS. DaS Schöffengericht erkannte auf 3 M. Geldstrafe, ihre Berufung wird verworfen.

* Landes-Dersicheranqsanstalt Helsen-Nassa«. ^8r bot ft reib Har au Land stellen sich die Ergebnis!« d« Bewilligung »an Alters-, Invaliden- und K r anten - Renten in d« Zeit nein 1. Januar 1891 bis Bube Derember 1905 wie folgt t

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Bon der LandeS-D« si terun q?an>la!t HeNen-Naffau, deren Beärk die RegiernnaSdeärke Gaffel und Wiesbaden, sowie daS Fürstentum Waldeck »miam, >,nd seit dem 1. Januar 1891 überbauet bemühet

9295 Altersrenten im Eejaml-Zahresoelrage von 1 286 916. M. 30139 Invalidenrente« , , , , 4.369 076. K

2168 Kranlenreuten , , , , 344 163 60 , 41602 Renten mit einem <?esamt.IadreSbetrage oon 5,999,5^5.60 M

Hiervon und nach Berücksichtign»" der durch Tod ic. ertviaren Abgänge @nbe Dezember 1905 nocfi zu rahlm.

2868 Altersrenten im likesamt-Iahresbeirage von 428 869.20 M. 16' 69 Invalidenrenten , , , , 2 455 310 60 ,

965 Jtranfenreiuett , , , , 154 397 60 ,

2u402 Renten mit «'nem Mesamt-Iastresberrage von 3,038 537.40 M.

Der von dem Reiche ;u leistende Zuschuß beträgt l/'2<>100 ,

M'tbin bleiben Chr« Dezember 1905 aus Mitteln der LandeS-Verüchcrungsanstall Hessen-Nassau an Reinen !U labten âbrlicb ........... 2 018 437 40 M.

*A«s dem Jahresbericht der Handelskammer. Im Handel mit Edelsteinen verlief daS Geschäftsjahr 1905 ebenso wie das Vorjahr befriedigend. Bei bohrn Preisen sowohl für Brillanten und Farbsteine als auch für Perlen zeigte sich in Deutschland fortgesetzt lebhafte Nachfrage nament­lich nach guter feiner Ware, während zu Aufträgen für den

und Pelikane ruhen in sitzender Stellung, und zwar pflegt ein ganzer Schwarm unter einem vorstehenden Felsen zusammen zu schlafen. DR^ Schnabel ruht auf der Brust, ober sie biegen den Hals zurück und legen ihn auf den Rücken.

DaS .Krokodil unb der Kaiman ruhen auf ihrer ganze« Baucksiäche am Grunde des Flusses. Eidechsen schlafen mit geschlossenen Annen und offenem Munde, und ebenso Der« halten sich die Schildkröten, deren Landarten trockenes Gras oder feiefite Löcher aussuchen, während die See-Schildkröte an der Oberfläche der See schwimmt. Dies ist der gegebene Augenblick, um sich ihrer zu bemächtigen. Bei dieser Gelegen­heit fei bemerkt, daß der Hase keineswegs, wie irrig behauptet worden ist, mit offenen Augen schläft; denn seine Pupillen sind während des Schlafes hermetisch verschlossen.

Ebenso wenig ist her Glaube mancher Fischer irrig, daß die Walarten nicht schlafen, weil der Walfisch bei Nacht ebenso wie bei Tagebläst". Die Bewegungen, die den Strahl erzeugen, sind automatisch, wie unser Atem. Der Walfisch und andere Tiere seiner Klasse schlafen an der Oberfläche der See. Robben, Ottern und Walross« spielen nur bei stürmischem Wetter, bei ruhigem Wetter scheinen sie ihre Zeit fcfilafenb zu verbringen. Walrosse sieht man oft auf dem Eise dicht bei einander in Reihen liegen, wobei ein? den Hals auf den Rücken des anderen legt, sowie auch Schweine oft tun. Sie begeben sich nicht zum Schlaf, ohne vorher eine Wache aüszustellen, bie die anderen aufweckt, sobald sie einen Feind erspäht. Auch manche Vogel arten, insbesondere die Schwimmfüßer, schlafen auf dem Bauche ruhend. Der Sturmvogel schläft ruhig auf der See im wütendsten Stürme; auf dem Eis« ruht er mit der Brust gegen den Wind und dem Schnabel unterm Flügel. Die Wildtauben liegen in Binsen an Teichrändern, die Schnäbel in ihr öliges Gefieder versenkt; die Wildgänse schlafen auf dem Lande, und zwar an offenen Plätzen geschützt durch Wachtposten. Der Fasan, der nacht» auf Siesten sitzt, hält sich am Tage, besonders bei sehr wamiem Wetter, am Boden. Wenn der Strauß zur Ruhe gehen will, so legt er sich Riebes indem er zuerst die Late