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ßmsiner K Anzeiger
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Amlliihts Organ für SlaM- in) Janiktris gönnt
Erscheint täglich mit Ausnahme der Saun- und Feiertage, mü belletristischer Beilage,
Nr. 56
Uernsprechanschl«^ Nr. 605»
Mittwoch den 7. März
Z5er«sprechanschl«tz Nr. 605»
1906
Amtliche.
Bekanntmachrmg.
1. Die Aushändigung der Krregsbeorveritnsten und Patznotizen erfolgt in diesem Jahre in der Zeit vom 10. biS einschl. 25. März.
In der Stadt Hanau „durch Ordonnanzen des Haupt- meldeamts."
In den Landorten „Lurch die Ortspolizeibehörden."
2. Die bis jetzt noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungsverânderungen sind sofort zu melden
3. Die Mannschaften der Reserve, Landwehr I. und H. Aufgebots, sowie die Ersatz-Reservisten ha^en, falls sie nicht selbst zu Hause sein können, eine andere Person des Hausstandes mit Empfangnahme der Kriegsbeorderungen und Paß- notizen zu beauftragen. Die Beauftragten haben die Quittung auf dem Quittungsabschnitt der Kriegsbeorderung oder Paßnotiz zu leisten.
4. Denjenigen Mannschaften des Deurlaubtenstandes, welchen bis zum 25. 3. 06 noch keine Kriegsbeordenmg oder Paßnotiz für das Mobilmachungsjahr 1906/07 ausgebändigt ist, wird hierdurch aufgegeben, dieselbe in der Zeit vom 26. bis spätestens 81. 8. 06 beim Hauptmeldeamt Hanau, Paradeplatz, während der Geschäftsstunden an Wochentagen von vormittags 9 bis 12 Uhr, nachmittags von 3 bis 6 Uhr abzuholen.
Mannschaften der Landorte können die betreffende Mel- dung über Richtempfang an das Hauptmeldeamt schriftlich machen. Militärpapiere sind mitzubringen bezw. miteinzusenden. ......ir. Die Vym 1 April d. Js. ab nicht mehr gültigen gelben KriegSbeorderungen und die Paßnotizen sind an diesen Tagen durch die Mannschaften selbst zu vernichten, die neuen roten find einzukleben.
Königliches Hauptmeldeamt Hanau.
Aufgebot.
Der Schuhmacher Konrad Kirchner n. in Hüttengesäß als Pfleger der ledigen Katharina All von da hat beantragt:
1. die verschollene Katharina Alt, geboren den 6. März 1826 zu Hüttengesäß,
2. die verschollene Ehefrau Anna Maria Schüler, geb. A l t, geboren 26. November 1834 zu Hüttengesäß, 3. die verschollene Witwe Kunigunde Reichard, geb. Alt, geboren 22. Juli 1828 zu Hüttengesäß,. zuletzt wohnhaft in Hüttengesäß, für tot zu erklären.
Feuilleton.
Die BcwcDNN des Mondes.
Der Trabant der Erde läuft um die letztere in einer elliptischen Bahn in einer mittlern Entfernung von 384000 Kilometer. In der Erdnähe ist seine Entfernung um 30000 Kilometer kleiner, in der Erdferne um ebenso viel größer. Er braucht zu einem Umläufe 27 Tage und 8 Stunden. Er legt daher in einem Tage etwa 13 Grad unter den Sternen zurück, und wenn wir unS einmal in einer klaren Nacht den Stand des Mondes unter den Sternen genau merken, so finden wir, daß er im Laufe einer Stunde um den Betrag seines Durchmessers nach Osten fortgerückt ist. Die Zeit von 27 Tagen und 8 Stunden, innerhalb deren er wieder zu denselben Sternen zurückkehrt, nennt man die siderische Umlaufszeit des Mondes.
In dieser Zeit riickt nun aber die Sonne jedesmal soviel weiter nach Osten fort, daß der Mond noch über 2 Tage braucht, um sie einzuholen. Es dauert 29 Tage und 13 Stunden, bis er wieder in dieselbe Stellung zur Sonne zu- rückkehrt. Dieser Zeitraum wird die synodische Umlaufszeit genannt. Sie ist für uns viel wichtiger und augenfälliger, denn von ihr hängt die Wiederkehr der Phasen ab. Von einem Neumond, einem Pollmond bis zum andern muß unser Trabant einen synodischen Umlauf vollenden.
Die Ebene, in der unser Mond die Erde umkreist, bildet mit der Ebene, in der dir Erde ihren Umlauf um die Sonne vollführt, einen Winkel von etwa« mehr als 6 Grad. Die beiden Ebenen schneiden sich in zwei gegenüberliegenden Punkten, die „Knotenpunkte" genannt werden. Fielen die beiden Ebenen zusammen, so würde der Mond bei jedem Neumonde vor die Sonne treten und eine Sonnenfinsternis verursachen — und bei jedem Bollmonde vom Schatten der Erde getroffen und selbst verfinstert werden. Infolge der Neiguna der Bahnebenen gegeneinander steht unser Trabant «fee bei Ramuttü» -»«èit^ nürdlub oder üütiidb u her
Die bezeichneten Verschollenen werden aufgefordert, sich spätestens in dem auf
den 9. November 1906, vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Aufgebots- termin zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung erfolgen wird.
An alle, welche Auskunft über Leben oder Tod der Verschollenen zu erteilen vermögen, ergeht die Aufforderung, spätestens im Aufgebotstermine dem Gerichte Anzeige zu machen.
Langenselbold den 3. März 1906.
Königliches Amtsgericht. 4992
Hus Hanau Stadt und Eand*
Hanan, 7. März.
* Pasfionsgottesdienst. In der Marienkirche findet heute abend 8 Uhr Passionsgottesdienst statt. Texte zu 10 Pfennigen find an den Kirchtüren zu haben.
* Handelskammer Hanan. Der Herr Regierungspräsident weist wiederholt darauf hin, daß die öffentliche Reklame mit dem Besitz von Auszeichnungen, die von Veranstaltern schwindelhafter Ausstellungen gegen Entgelt verliehen sind, ohne daß ein ernsthafter Wettbewerb vor der Oeffentlichkeit vorangegangen ist, den Tatbestand einer strafbaren Handlung, insbesondere des unlauteren Wettbewerbes bilden kann. In neuerer Zeit sind nun zahlreiche Fälle von Medaillenschwindel aus Anlaß privater, namentlich im Ausland veranstalteter Ausstellungen bekannt geworden. Von berufsmäßigen Anenten, die für ihre Person ausschließlich oder vornehmlich Erwerbszwecke verfolgen, Werden Gewcrbetreiheyde zur BeschickWg von Ausstellungen zu bestimmen gesucht, denen keinerlei allgemeinere Bedeutung beizumessen ist. Die Gewerbetreibenden müssen sich verpflichten, die Ausstellung zu beschicken und für die in Aussicht gestellte Auszeichnung — in der Regel eine goldene Medaille — einen hoben Geldbetrag (meistens mehrere hundert Mark) an den Agenten zu zahlen, während der Agent auf jeden Ersatz von Kosten und Auslagen für die übernommene Vertretung verzichtet, wenn die versprochene Auszeichnung nicht verliehen wird! Die Handelskammer zu Hanau warnt die gewerbetreibenden Kreise ihres Bezirk« vor der gewerblichen Verwertung solcher Ausstellungsmedaillen und bittet die Interessenten, ihr von vorgekommenen Fällen der vorbezeichneten Art, sobald sie zu ihrer Kenntnis gelangen, Mitteilung zu machen.
* Monatsversammlrtng ves Geschichtsvereins.
In der vorigen Monatsversammlung hatte Herr Dr. Kitt- steiner den Teil jener Reise in die Mittelmecrländer, der
Sonne, bei jedem Vollmond nördlich oder südlich vom Erdschatten, und eine Finsternis entsteht nur, wenn er sich bei Neumond oder Vollmond sehr nahe einem Knotenpunkte befindet.
Die Lage der Mondbahn verändert sich dadurch fortwährend, daß die Knotenpunkte sich bei jedem Umläufe deS MondeS um die Erde um mehr als 1 Grad nach Westen verschieben. In einer Zeit von 18 Jahren 7 Monaten laufen die Knotenpunkte um die ganze Mondbahn. Nach diesem Zeitraume nimmt also die Mondbahn immer wieder dieselbe Lage unter den Sternen ein. So befindet sich jetzt der auf« steigende Knoten, d. h. der Punkt, an dem unser Trabant von der südlichen auf die nördliche Ekliptik übergeht, auf der Grenze der Sternbilder Jungfrau und Löwe. Dieselbe Lage hatte der aufsteigende Knoten im März 1886.
Unser Trabant dreht sich auch um seine Achse, aber nur sehr langsam: er braucht zu einer Drehung genau ebenso lange wie zu einem Umlaute um die Erde. Dadurch kommt es, daß der Mond unS stets dieselbe Seite zukehrt, so daß wir nur die Hälfte von seiner Oberfläche zu sehen bekommen, die andere Hälfte bleibt unfern Augen für immer verborgen. Die Ursache dieser Merkwürdigkeit liegt in der Gestalt des MondeS, die in der Richtung auf die Erde zu etwas länglich ist. Unser Trabant bewegt sich daher ebenso, als wenn er mit der Erde in fester Verbindung stände. Er schwankt dabei aber ein wenig, und infolge dieser Schwankung, welche „Libration" genannt wird, lernen wir etwas mehr als die Hälfte seiner Oberfläche kennen.
Für einen Mondbewohner dauert daher ein Tag 29’/, mal so lange als ein irdischer Tag. Nahe dem Aeqnator scheint die Sonne fast 15 von unseren Tagen und bleibt dann ebenso lange unter dem Horizonte. Befindet sich der Bewohner auf der uns zugekehrten Hälfte, so sieht er die Erde sich nur wenige Grade um eine mittlere Stellung bewegen, dabei zeigt sie die gleichen Phasen wie unser Mond, ist freilich fast viermal so groß und daher fast nahezu 16 mal so hell wie dieser. Um -
ihn von Algier über Batna und Lambesis zu den großartigen Ruinen der Römerstadt Thamugadi (Timgad) führte, an der Hand zahlreicher Photographien, dst zum großen Teil von ihm selbst ausgenommen morden waren, anschaulich und klar geschildert. Am Montag aberb hielt er einen zweiten Vortrag, der frire Reiseerlebnisse auf Sizilien behandelte. Nach kurzer historischer Einleitung wandte sich der Redner zur Brsch--ibnpg Palermos, der Hauptstadt der Insel, die phönizischen Ursprungs ist und im Jahre 245 v. Chr. von den Römern erobert wurde. Dst Hauptgebäude der Stadt wurden in Lichtbildern vorgeführt und besonders die baugeschichtlich wichtige Kathedrale, die aus einer Moschee entstanden ist, besprochen. Besonders interessant waren die Nachbildungen der Grabmäler der beiden Staufer, Heinrichs VL und Friedrichs II. Von Palermo ging die Reise über Segesta und SelinuS, Lilybaeon und Drepanum nach Agrigent, Städte, deren Tempelruinen vor allem das In« tereffe des Reisenden fesseln. Auf Agrigent folgt Syrakus, dessen mächtige Ruinen im Bild« vorgeführt und genau erläutert wurden. Eine Million Einwohner faßte die Stadt zur Zeit ihrer Blüte im Altertum, heute hat sie noch 31000 Bewohner, für die einer der fünf ausgedehnten antiken Stadtteile genügt. Sodann wendet sich der Vortragende zur Schilderung des durch seine herrliche Lage berühmte» Taormina und beschreibt schließlich die viele landschaftliche Schönheiten bietende Fahrt durch die Meerenge von Messina. — Den Schluß des Vortrags bildete die Vorführung zahlreicher Lichtbilder, die die an den beiden Abenden erwähnten Landschaften und Gebäude in scharfen Konturen zeigten und zur Vertiefung der Ausführungen des Redners wesentlich beitrugen. — Herr Professor Suchier sprach ihm den Dank der zahlreich erschienenen Mitglieder des GeschichtL- vereins aus.
* Stadttheater. Auf das heute letztmalig in Szene gehende wirkungsvolle Trauerspiel Hermann Sudermanns „Sodoms Ende" möchten wir nochmals besonders Hinweisen.
* Benefiz Gehrmann. Unser beliebter Charakterkomiker und Regisseur, Herr Paul Gehrmann, wird am Freitag seinen Benefiz- und Ehrenabend haben. Zur Darstellung gelangt, wie schon gemeldet wurde, das prächtige Volksstück mit Gesang „Die Lieder des Musikanten", welches hier stets eine außergewöhnliche Zugkraft ausgeübt hat. Unser „Papa Gehrmann", das langjährige Mitglied unserer Bühne, hat sich durch seine prächtigen Leistungen und durch seinen Fleiß eine überaus geachtete Stellung geschafft» und ist ihm stets die größte Sympathie aller beschert gewesen. Durch seine köstliche Komik hat er uns manche freubige Stunde beschert und freuen würde es uns, wenn an seinem
Die Vögel als Retter des Waldes.
Er ist sicher, daß Stare, Spechte, Baumläufer, Haubenmeisen und derartige Vögel in den Wäldern selten geworden sind. Den Staren hat man vielfach eine Heimat in den Dörfern eröffnet. Viele Landwirte errichten auf hohen Stangen Starenhäuschen. Anvere schmücken den Giebel ihres Hauses mit einem schön gefärbten, oft mit Sägearbeit verzierten Starkobel. Die Stare statten in den Gärten und nahen Feldern reichen Dank ab. Sie vertilgen namentlich zur Brutzeit eine Masse von Raupen, Asterraupen, Maikäfer, ja ) el bft Maulwurfsgrillen. Sie spazieren hinter den Pflügen her und lesen die Engerlinge auf. Sie setzen sich auf die Schafe und befreien sie von den ihnen lästigen Läusen. Selbst der Sperling erweist sich dankbar für unsere Duldsamkeit. Ich habe zwei Weidenpflanzungen, eine beim HauS, die andere im Felde. Beim Hause sah ich nie den roten Weidenkäfer mit dem grünen Brustschild, aber im Felde nahm er samt feiner entsetzlich stinkenden schwarzen und weiß punktierten Afterraitp« dermaßen überhand, daß meine Weiden blätterlos wie Besenreiser dastanden. Ich rechnete ersteres meinen Staren zu, deren ich eine Menge dulde oder gar einlogiere. Ich ließ also an die Bäume bei den Feldern den Starkobel aufhängen. Der Zimmermann machte diesen zu Bein, so daß sich da eine Kolonie Dorfspatzen einquartierte. Und diese haben meine Weiden dermaßen beschützt, daß ich nicht einen der roten Fresser und deren häßliche Afterraupen sind« und die Weiden blättereich dastehen und wachsen. AIS einigt Jahre lang der Nachtstostschmetterling so reichlich flog, daß es auSsah, als flögen Schneeflocken umher, und dessen Raupen im Felde ganze Baumreihen arg beschädigten, haben die Spatzen die Knospen der Säume abgehackt, und als ich nachsah, waren diese Knospen durchhöhlt und zwar von de« Raupen der Nachtfrostschmetterlinge. Die Bäume in den Gärten, wo Spatzen waren, trugen in diesen Jahren reichlich Obst. Wenn selbst der Sperling, der doch ein lästiger Körners reffer ist, die Insektennahrung so reichlich sucht und hierdurch Nutzen stiftet, wer will leugnen, daß die Höhlennister, die lediglich von Insekten lebens noch reicheren Nutzen itiüw? 3k»nw euch» mim ämw W»Im Maat M m