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General-Anzeiger

Amtlicher Organ für Stall- und Landkreis Santi

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sanu- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Srrautmorü. Nedakteur: «. Schrecker ta Ham»

Nr. 52

Mvnfprechanfchlutz Nr. 605.

Freitag den 2. März

Ferxsprechanschlutz Nr. 605*

1906

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Hus I)Lnau Stadt und Eand.

Hana«, 2. März.

* Einladung. Zu der am Dienstag im Königlichen Schlosse stattgefundenen Vermählung des Prinzen Eitel Friedrich mit der Herzogin Sophie Charlotte und zu der Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares war auch unserem Landtagsabgeordneten Emil Junghenn eine Ein­ladung zugegangen der entsprochen worden ist.

* Reifeprüfung. Die gestrige Reifeprüfung in der Oberrealschule haben sämtliche vier Oberprimaner (Willy Berger, Rudolf Bernges, Friedrich Bender, Jean W e i d e r t) bestanden, einer wurde von der mündlichen Prüfung befreit.

* Klaffenlotterie. Die Erneuerungslose sowie die Freilose zur 8. Klasse der 214. Königlich preußischen Klassen­lotterie sind nach den W 5, 6 und 13 des Lotterieplans unter Vorlegung der bezüglichen Lose aus der 2. Klasse bis zum 5. März d. I., abends 8 Uhr, bei Verlust deS An­rechts einzulösen. Die Ziehung der 3. Klasse dieser Lotterie wird am 9. März d. Js., morgens 8 Uhr, ihren Anfang nehmen.

* Kleinbahn Hanau-Büdingen. ReichStagsabge- ordneter Graf Oriola hat der Bürgermeisterei Langen­bergheim von Berlin aus mitgeteilt, daß von feiten der preußischen Regierung der Aktien-Gesellschaft für Bahnbau und Betrieb in Frankfurt a. M. die geplante Eisenbahnstrecke Hanau-Büdingen als Kleinbahn freigegeben worden ist. So­mit ist das Eisenbahnkomitee in dieser Sache um einen großen Schritt weiter gekommen. Es ist zu wünschen, daß nun auch endlich die direkt und indirekt interessierten Gemeinden dein Projekte näher treten und sich über ihre Beitragspflicht einigen, damit nicht das, was heute zum Nutzen der ganzen Gegend erreicht werden kann, für immer verloren geht.

* Ovatovienverei«. Wir verweisen auch an dieser Stelle auf die heute abend im Stadtschloß stattfindende Probe. (S. Inserat.!

* Nisthöhle«. Der Hanauer Tierschutzver- e i n hat auch in diesem Jahre wieder eine Anzahl Nist­höhlen kommen lassen, die er durch Herrn Zimmermeister Franz zum Selbstkostenpreise abgibt (die kleinen, für Meise und Rotschwanz, zu 75 Pfg., die großen, für Stare, zu 1 Mark). Beim Aufhängen fülle man in die großen Höhlen eine Handvoll Sägemehl, in die kleineil halb so viel. Die Fluglöcher müssen nach Südosten gerichtet sein. Auf der Rückseite jeder Nisthöhle ist angegeben, in welcher Höhe die Höhlen für jede Vogelart anzubringen sind. Auf Verlangen läßt Herr Franz das Aufhängen der Nisthöhlen durch einen feiner Arbeiter kostenlos besorgen.

* Stadttheater. Auf das heutige Benefiz des Herrn Felix Hauser sei nochmals besonders aufmerksam gemacht. Für die zur Aufführung gelangenden Opern-Szenen ist das Orchester verstärkt worden. Am Sonntag nachmittag geht, wie schon berichtet, das reizende Kindermärchen:Aschen­brödel" letztmalig in Szene. Sonntag abend wirdAlt- Heidelberg", das erfolgreichste Schauspiel der letzten Jahre, neu rinstudiert, zur Aufführung gelangen. DenKarl Heinz" wird Herr Paul Heidemann von Köln spielen, wel­cher für das Fach der jugendlichen Liebhaber für nächste Spielzeit in Aussicht genommen ist. Der Vorverkauf für die beiden Sonntags-Vorstellungen findet morgen Samstag nachmittag von 45 Uhr an der Theaterkasse statt.

* Preisreiten und Preisspringen im Hippo­drom z« Frankfurt a. M. Die Teilnehmer zu den am 4. und 5. März stattfindenden Konkurrenzen beginnen mit ihren Pferden einzutreffen. In der großen Reitbahn des Hippodroms schulen die Offiziere aller Waffengattungen ihre Pferde und es ist ein eigenartig buntes Bild, was sich da dem Beschauer bietet. Nach den Pferden, die bereits Quartier bezogen haben, zu urteilen, wird die Beteiligung stärker denn je werden und besonders der Kaiserpreis am Montag hat Bewerber aus allen Garnisonen angezogen.

* Jahresbericht der Handelskammer. Dem jetzt noch im Druck befindlichen Jahresberichte der Hanauer Handelskammer können wir infolge freundlichen Entgegen­kommens des Syndikus Herrn Dr. Grambow weitere Einzelheiten entnehmen. In einem interessanten Abschnitt über die Kartelle äußert sich die Handelskammer wie folgt: Die Abhängigkeit der Abnehmer von den Kartellen führt in manchen Fällen zu großen Un- zutrâglichkeiten, ohne daß bisher der Wissenschaft oder Gesetzgebung eine befriedigende Beantwortung gelungen wäre, in welcher Weise hier Abhilfe geschaffen wer- den könnte. Um zunächst in die tatsächlichsten Ver­

hältnisse des deutschen Kartellwesens einen Einblick zu gewinnen, werden seit einigen Jahren bekanntlich in dem Reichsamt des Innern kontradiktorische Verhandlungen ver­anstaltet; inwieweit diese dazu beitragen werden, die vor­liegenden praktischen Aufgaben zu klären und etwaigen gesetz­geberischen Maßnahmen eine bestimmte Richtung zu weisen, bleibt vorläufig abzuwarten. Gegenwärtig wird in den Be­reich dieser Kartellverhandlungen die Zentrale für Spiritus­verwertung und ihre Tätigkeit gezogen, und die beteiligten Handelskammern sind im voraus zur Erstattung von Gut­achten über etwaige durch die Zentrale verschuldete Mißstände aufgefordert worden, auch hat das Reichsamt des Innern zu den mündlichen Verhandlungen eine größere Anzahl von Sachverständigen hinzugezogen, insbesondere aus den Kreisen der Abnehmer der Zentrale. Die Ergebnisse gerade dieser Kartellverhandlungen dürften ein allgemeineres Interesse auch darum für sich beanspruchen, weil die Wirksamkeit der Zentrale weit übe^ die Verhältnisse der unmittelbar beteiligten Industrien und Handelszweige hinaus greift, auch politische und soziale Probleme in sich birgt, und weil die Frage nach der Möglichkeit und Nütz­lichkeit der zentralistischen Verwaltung eines so gewaltigen Gewerbes zugleich von hervorragender prinzipieller Bedeutung ist. Wir erwähnen in dieser Hinsicht nur folgendes: Eine Ware, die einen großen allgemeinen Konsumartikel bildet und überdies nicht (wie Kohle oder Stahl) beliebig vermehrbar ist, sondern in ihrer Produktion vom jährlichen Wechsel des Ernteausfalles nach Menge und Güte oder von anderen, menschlichem Einfluß unzugänglichen Faktoren abhängt, ent­zieht sich naturgemäß hinsichtlich ihrer Produktton und ihrer Verteilung jedem Versuch einer willkürlichen Regulierung und monopolistischen Beherrschung. Beispiele hierfür bildet das Schicksal des deutschen Zuckeriynotkats und das Fiasko, welches in zahlreichen Fällen das System der großen Korn­häuser bei uns erlitten hat. Wenn ein derartiger von vornherein unsachgemäßer Versuch trotzdem unternommen wird, so zeittgen Fehler der Verwaltung oder Abnormitäten der maßgebenden Ernte- oder sonstigen natürlichen Verhält­nisse ihre nachteiligen Folgen mit erhöhter Schärfe, weil eben die Natur der Ware und die ihr wesensfremde Organi- satton einen rechtzeitigen Ausgleich unmöglich machen. Die künstliche Fesselung verhindert in solchen Fällen die natürliche Korrektur, welche sich bei freier Beweglichkeit von selbst einstellen würde.

* Silberpreis. Der Konventionspreis des 0,800 feinen Silbers beträgt für Aufträge vom 1. d. Mts. an bis auf weiteres 79 Mark per Kilo.

* Schlägerei mit tödlichem Ausgang. In der Nacht vom 12. auf den 13. März v. I. spielte sich in dem Dorfe Unterreichenbach bei Gelnhausen wieder einmal eine jener Schlägereien mit tödlichem Ausgange ab, wie sie die hiesigen Gerichte in letzter Zeit mehrfach beschäftigten. Wie gewöhnlich bei solchen Anlässen, war auch hier der Schnaps die treibende Kraft. Eine Anzahl junger Burschen vergnügten sich nämlich in jener Nacht mit Trinken in der Runde, und zwar war es ausschließlich Branntwein, der hinter die Binde gegossen wurde. Als der 16 jährige Joh. Hofmann sich weigerte, auch einen auszugeben, begann die Stoßerei. Der 20jährige Konrad Michel verfolgte den Hof­mann in den Hausflur, der Bruder des Verfolgten ergriff für diesen Partei und bald standen sich die soeben noch brüder- lich Zechenden in zwei feindlichen Heerlagern gegenüber. Als Waffen dienten Latten, Holzstücke und leider auch das unver­meidliche Messer, dessen sich allerdings nur ein einziger be­diente. Nur der Anfänger, der erwähnte Konrad Michel, erhielt einen Messerstich in die Seite, sonst war der Verlauf der Schlägerei ein verhältnismäßig harmloser. Dieser eine Messerstich aber verlieh der ganzen Affäre noch nachträglich ein dramatisches Gepräge. Der Gestochene, der übrigens irotz des Stiches unentwegt weiterraufte, starb nämlich einige Zeit danach an Blutüberfüllung des Gehirnes, die nach Ansicht der Aerzte entweder auf Infektion der an sich ganz ungefähr­lichen Wunde oder auf das durch die Verwundung bedingte ungewohnte Bettliegen zurückzuführen ist. In beiden Fällen ist also der kausale Zusammenhang zwischen dem Tode und der Schlägerei gegeben und die Beteiligten sind, da der eigent­liche Täter nicht'zu ermitteln ist, sämtlich für diese Tat straf­rechtlich verantwortlich. Ermittelt wurden als Teilnehmer der Maurer Heinrich Hofmann, der obengenannte 16jährige Bruder Johannes, der Schuhmacher Konrad Schlegel und der Dienstknecht Johannes Schlegel, die sich gestern unter der Anklage der Beteiligung an einer Schlägerei, die den Tod eines Menschen zur Folge hatte, vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten hatten. Das Urteil lautete gegen Heinrich Hofmann auf 6 Monate, gegen Johannes Hofmann auf 14

Tage, gegen Konrad Schlegel auf 4 Monate und gegen Joh. Schlegel auf 3 Monate Gefängnis.

Hk. Gewerbesteuer für Haudlunasreisende. In der Uebersetzung des Schlußprotokolls zu Sirtitel 4 deS Handels-, Zoll- und Schiffahrtsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und Bulgarien vom 1. August 1905 (Reichs- Gesetzblatt 1906 S. 1 ff.) ist die von ausländischen Hand­lungsreisenden in Bulgarien als Gewerbesteuer für ein halber Jahr zu entrichtende Gebühr mit 75 Franken angegeben. Laut Mitteilung im Reichs-Gesetzblatt 1906 S. 142 muß es anstatt75 Franken"100 Franken" heißen.

* Unfälle. In der König!. Pulverfabrik ereigneten sich 3 Unglücksfâlle, von denen jedoch nur einer erheblicher Natur ist. Zwei Arbeiter wurden durch Säure verbrannt, der eine von ihnen so erheblich, daß er im Landkrankenhause Auf­nahme finden mußte; der zweite Arbeiter konnte sich nach seinem Wohnorte begeben. Einem dritten Arbeiter wurde durch einen unglücklichen Zufall die Fingerspitze abgeschnitten.

Gesellenprüfung Mr Gold und Silberschmieve. Alle Prüflinge deS vorgenannten Handwerks, welche dem­nächst ihre Prüfung ablegen wollen, haben sich in der Zeit vom 1. bis 15. März 1906 unter Beifügung eines selbst­geschriebenen Lebenslaufes, des Lehrvertrags sowie des Lehr­zeugnisses bei dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses Herrn Louis B e s ch o r, Hanau, Leipzigerstr. 57, zu melden. Zugelassen werden nur solche, ivelche zur Lehrlingsrolle an­gemeldet sind.

* Die Lehrlinge im Barbier- und Kriseurhand« werk, welche Ostern 1906 auSgelernt haben und sich der Gesellenprüfung unterziehen wollen, haben sich vor dem 15. März d. I. bei dem Vorsitzenden des Prüfungsaus­schusses, Friseur K. Ganter, Nürnbergerstraße 32, zu melden. Die Anmeldung kann schriftlich oder mündlich erfolgen und ist derselben beizufügen: ein eigenhändig geschriebener Lebens­lauf, das LehrzeugniS und das Zeugnis der Fortbildungs­schule.

Gerichtsfaal.

Sitzung der Strafkammer vom L März.

Billigen Hafer bezog der Landwirt I. von Bergen dadurch, daß er durch Vermittlung des Buchhalters eines dortigen Händlers sich diesen ins Haus fahren ließ, ohne daß der Händler davon etwas wußte. In den Betrag teilten sich die beiden. Dom Schöffengericht Bergen wurden sie dieserhalb zu mehrwöchige« Gefängnisstrafen verurteilt, ebenso auch der Knecht, der den Transport aussiihtte. Dieser legte Berufung ein, da er nicht gewußt habe, daß es sich um ein unredliches Geschäft han­delte und erzielte heute auch seine Freisprechung, weil seine Behauptung nicht widerlegt ist

Diebstahl.

Seine arme Mutter bestohlen um ihre sauer verdienten Sparpfennige hat der Taglöhner B. von Hanau, indem er ihr am 28. Dezember nach Erbrechen der Kommode morgen» 25 Mark entwendete und, nachdem er das Geld in Frank­furt verjubelt, abends den Rest von 100 Mk. holte und dieses Geld am nächsten Tage gleichfalls in zweiselhafter Frank- futter Gesellschaft durchbrachte. Die Mutter ist eine arme, von ihrem Manne getrennt lebende Frau, die ihren Lebens­unterhalt durch ihrer Hände Arbeit mühsam erwerben muß und größtenteils auch noch für den edlen Sprößling, der ehrliche Arbeit wenig liebt, die Lebensbedürfnisse bestreitet. Das Gericht billigt dem Angeklagten zwar mildernde Um­stände zu, erkennt aber mit Rücksicht auf die gewissenlose Handlungsweise doch auf ein Jahr Gefängnis.

Vmins-Cbronik.

* Wirte-Verein. Der Witte-Verein befand sich dies« Tage in Festesstimmung, sein 25jähriges Stiftungsjubiläum war herangekommen und so hatte man die gewohnte März- festlichkeit in breiterem Rahmen angelegt, wie es sonst der Fall ist. Ueber die vorangegangenen Veranstaltungen hab«» wir schon bettchtet, gestern abend fand im Saalezum Deutschen Haus" noch eine Abendunterhaltung mit Ball statt, die sich eines außerordentlich zahlreichen Zuspruch» er­freute. Ihr wohnten auch noch die von auswärts erschienenen Gäste, Mitglieder des Verbandsvorstandes rc. bei, die sich bei verschiedenen Gelegenheiten mit dankbarer Anerkennung über die ihnen in Hanau gewordene gute Aufnahme au»- sprachen und seine Gastfreundschaft lobten. Zum Fest« selbst waren Vorbereitungen getroffen worden, die einen genuß­reichen Abend brachten. Der Vorsitzende Herr Schüßler hielt eine Ansprache und banste besonder? allen denen, die sich um das Blühen und Gedeihen bei Vereins verdient gemacht und im besonderen auch denen die am Zustandekommen des heutigen Abends mitgewirkt. Den musikalischen Teil hatte die Jmanteriekapellè unter Leitung des Kgl. Musikdirigenten Herrn Schmidt inne, ihre Mitwirkung allem brachte den Anwesenden schon die schönen