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Erster Blatt.

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Stetige BSontienira mit dem betreibenden Poßau^chiaK, Die euyelae Stumm« tollet 10 Wz,

R»«»br»ck mb Beria« der Buchdruck«« M Mita, a, Wagenhaut« in Hanau.

General-Anzeiger

Umtlidjcs Organ für SUN- und Landkreis Sinai

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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BerotthoertL Siedaktrurr. 6$re8ct ix H««

Nr. 47

Zyernsprcchanfchlntz Nr. 605.

Snm?tnn dcn 24. Februar

Jernsprechanschlusz Nr. G05<

1906

Amtliches.

Candkreis Hanan. BtlMiMchmW des Kömglichm Lklndraismts.

Der Obermeister Theodor Brand zu Pulverfabrik ist zum stellvertretenden Gutsvorsteher und der Hausdiener Jean Röller daselbst zum P o l izeidiener des Gutsbezirks Pulverfabrik bestellt und verpflichtet worden. Hanau den 21. Februar 1906.

Der Königliche Landrat.

A-Iir. A 962 v. Beckerath.

Festgesteklt: Der Schweiiterotlauf in Michelbach, Bezirksamt Alzenau.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 17. bis 23. Februar 1906;

1 Fabrikarbeiter, 1 ^afirbnrsche,

1 Gärtner,

1 Schreiner,

3 Tagelöhner.

Hanau ben 24. Februar 1906.

Städtische ArbeitsvermittelnngöfteUe

4191

Hus Hanau Stadt und fand.

Kana«, 24. Februar.

* Kirchliches. Nach einem Erlaß des Kultusministers haben Seine Majestät der Kaiser und König zu genehmigen geruht, daß aus Anlaß der am 27. Februar d. Js. statt­findenden silbernen Hochzeit des Kaiserpaares mit der gleichzeitigen Vermählung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Eitel Friedrich in allen evangelischen Ge­meinden am nächsten Sonntage in der Predigt dieser Familienfeier angemessen gedacht und eine besondere Fürbitte für den Kaiser und das Königliche Haus in da» allgemeine Kirchen-Gebet ausgenommen werde und daß am 26. Februar Einlâuten des festlichen Tages stattfinde.

* Festgottesdienste. Die morgen in der Marien- und in der Johanniskirche stattsindenden Gottes­dienste werden einen festlichen Charakter tragen. Gilt es doch für die beiden Gemeinden, dem Dank und der Freude Ausdruck zu geben, die in diesen Tagen in den Herzen aller kaisertreuen Deutschen auflodert! Was unser deutsches Volk und waS insbesondere auch die evangelische Kirche dem segens­reichen Wirken des Kaiserpaares verdankt, das soll aus An­laß der bevorstehenden Silberhochzeit bei erlauchten Paare» morgen an heiliger Stätte bezeugt werden. Möchten sich viele Glieder unserer evangelischen Gemeinden zu den morgigen Gottesdiensten einfinden zu gemeinsamem Dank und zu gemeinsamer Fürbitte für unserm Kaiser und sein ganze» £mu6!

* Niederländische Kirche. Auch im gemeinschaft­lichen Gottesdienste der Wallonischen und der Niederländischen Gemeinde wird morgen der silbernen Hockzeitsfeier unseres Kaiserpaares gebührend gedacht werden. Zugleich wird den Mitgliedern der beiden Gemeinden die Stiftung der Wallo­nischen und das Glückwunsch - Telegramm beider mitgeteilt werden.

Volkskirchenkonzert des Kirchenchores der Johanniskirche. Das Programm zu dem am 11. März (Sonntag), abends 8 Uhr, in der Johannis- kirche stattfindenden Volkskirchenkonzert ist jetzt soweit fertiggestellt. Da die Veranstaltung in die Passionszeit hine-nfällt, werden nur solche Nummern zum Bortrag gelangen, die das Leiden und Sterben des Herrn zum Gegenstand haben. Es werden einige der bedeutendsten Meister der Kirchenmusik zum Worte kommen, barunter auch der unerreichte, geniale Tondichter Johann Seb. Bach. Von den ergreifenden Passionsgesängen sei eine Komposition von Albert Decker für Altsolo, Chor und Orgel hervor-

gehoben, betitelt:Geistlicher Dialog aus dem 16. Jahr­hundert.- In diesem wundervollen Werke stellt die Solistin die Mutter des Heilandes dar, die ihren Sohn fragt, wäh­rend die Antwort Christi, die der Chor übernimmt, auf sein göttliches Amt, die Hoheit und Herrlichkeit, aber auch auf seine Niedrigkeit, seine Gefangennahme und sein Leiden hin- weist. Der Chor ist großartig bearbeitet und von zündender Wirkung. Der innere Zusammenhang des Programms wird

neben den Chören durch Orgelvorträge, Gemeindegesang, einen Knabenchor und durch solistische Vorträge hergestellt. Letztere geben dem Konzert einen besonderen Anzichungs- punkt, da zwei stimmbegabte und vortrefflich geschulte Sänge­rinnen Frl. Elisabeth Fritsch (Sopran) und Frl. Helene Kellermann (Alt- ihre freundliche Mitwirkung zugesagt haben. Nach den getroffenen Vorbereitungen verspricht auch diesesVolkskirchenkonzert- sich dem am Totensonntag mit so großem Erfolge veranstalteten würdig anzufügen. Gewiß werden auch diesmal die Darbietungen den Zuhörer aufs tiefste erbauen und zur Stärkung des sittlichen Gefühls, zur Hebung und Veredelung bei Gemüts- und Geisteslebens bei­tragen.

Die Schülerinnenabteilnng der kaufmän­nischen ^-oribildnngsschnle. Die Mädchenabieilung der kaufmännischen Fortbildungsschule blickt in diesem Früh­sahre auf ein 10jährige» Bestehen zurück. Auf Anregung der Handelskammer als wahlfreier Fortbildungskurius im Jahre 1896 gegründet, erfreute sie sich in ihrem ersten Lebensjahre eines außerordenilich starken Zuspruchs. 83 Mädchen, zumeist der höheren Mädchenschule entstammend, besuchten die Anstalt. Doch gewaltig schnell schmolz diese statiliche Schar rusammen. Schon 3 Jahre später meldeten sich nur 13 Schülerinnen zum Schulbesuche. Um den Be­stand der Schule zu sichern, wurde sie Ostern 19.00 ander­weitig organisiert, von der Handelsschule losgelöst und der Mädchenschule angegliedert. Gleichzeitig wurde der zweijährige Kursus auf 1 Jahr beschränkt. So blieb es 4 Jahre. In­zwischen hatten sich die Verhältnisse an der Schülerabteilung wesentlich geändert. Die Einführung des Tagesunt-rrichts und die dadurch nötig gewordene Anstellung von Haupt­amtlern ließ die Wiedervereinigung beider Abteilungen rat« 'am erscheinen. Hst ersolgle deW auch Ostern IM. Die Besorgnis, daß dieser Scbritt die Existenz der Schule von neuem gefährden würde, hat sich bisher als unbegründet er­wiesen. Die Besuchsziffer stieg auf 24 im vorigen, und auf 41 Mädch-n im laufenden Jahre. Ihre Vorbildung haben von den diesjährigen Schülerinnen

5 in einer höheren Mädchenschule, 21 in der Mittelschule und

15 in der Volksschule

genossen. 34 Mädchen stammen aus Hanau, 6 aus Vor­orten, 1 ist Ausländerin. Zu Beginn des Schuljahres waren nur 3, zur Zeit sind 7 Schülerinnen in Geschäften tätig. Hier liegt der Unterschied zwischen Schüler- und Schülerinnen- Abteilung. Bei ersterer tritt die Schu'erziehung an tue Seite der praktischen Lehre; sie arbeitet in Ergänzung der Praxis; letztere ist lediglich eine Vorbereitungsanstalt für den E ntritt in den kaufmännischen Beruf. Daß diese Vorbereitung sich in bescheidenen Grenzen halten muß, ist bei der Kürze der Dauer selbstverständlich. Immerhin genügt die Zeit, um den Schülerinnen diejenigen Elemente des kaufmännischen Wissens zu übermitteln, ohne die niemand mit Anstand auch nur eine untergeordnete kaufmännische Stellung annebmen kann. Von gewisser Seite wird in letzter Zeit mit Fleiß die Behaup­tung ausgestellt, daß die Verwendung weiblicher Hilfskräfte im Handel im Abnehmen begriffen sei. Die Angaben des statistischen Jahrbuches für das Deutsche Reich von 1905 beweisen indes das Gegenteil. Auch in der Anzahl der Be­werber, die auf je eine offene Stelle bei beiden Geschlechtern kommen, kann nicht von einer verhältnismäßig größeren Stellenlosigkeit der Gehilfinnen die Rede sein. Sie ist viel­mehr geringer, als bei den Männern. Denn wenn auch die Zahl der Gehilfinnen größer ist als die Zahl der zu be­setzenden Stellen, so kann das doch niemanden, der den Bildungsgang der meisten Gehilfinnen kennt, verwundern. Man denke nur an die Schnellpressen und ihre unheilvolle Tätigkeit! Daß die von ihnen auf den Arbeitsmarki in Mengen h nausgeschickien Mädchen auf diesen drücken müssen, ist klar. Ihre Arbeit ist untergeordneter Art und schlecht bezahlt. Sie sind eine schwere Konkurr nz für diejenigen männlichen Mitbewerber, die wegen ähnlicher schlechter Vo.- bildung guf ähnliche Arbeit angewiesen sind. Gegen diese Verhältnisse kann nur durch Fachschulen angekämpst werden, in denen solide pädagogische Arbeit geliefert wird. Daß diese Arbeit nur dann von dem w "ins Henowerten Erfolge be­gleitet ist, wenn die Schülerinnen gute Vorkenmsse mit zur Schule bringen, bedarf keines Beweises. Mädchen, d e in der Vorschule nur genügende Zeugnisse erhielten, oder die sich mit Mühe und Not bis zur zweiten Klasse der Mittel­schule oder der dritten Klasse einer höheren Mädchenschule emporgerungen haben, bleiben der Handelsschule besser fern. Sie lernen nicht» Rechtes, denn sie sönnen nicht mit Schritt halten; sie hemmen nur den Fortschritt ihrer Mitschüler­innen. Die Frau hat sich ihre Stelle außer im Laden auch

Die Mutige Mummet umfahr auher dem tluterhaltuuasdlatt 14 Leiten

im Kontor erobert; das ist eine feststehende Tatsache. Sie aus dieser ehrlich erworbenen Stellung verdrängen zu wollen, wäre ein törichtes Unterfangen. Auch in Hanau und seiner Nachbarschaft steigt die Nachfrage nach Handlungsgrhilfinnen. Tatsache ist jed-nfalls, daß die bisherigen Schülerinnen der kaufmännischen Fortbildungsschule, soweit sie Stellung suchten, verhältnismäßig leicht gut bezahlte Stellungen gefunden haben. Schon im Sommer porigen Jahres war die Schule nicht mehr in der Lage, au die an sie ergangenen Nach­fragen nach Handlungsgrhilfinnen mit Angeboten zu ant­worten. Möge sich die Schülerinnenabtrilung auch im 2. Iahn kräftig weiter entwickeln! Möge sie immer unter Hanaus Bürgern wohlwollende Freunde finden! Denn Wohlwollen braucht eine Schule genau so nötig, wie die Saat draußen auf dem Felde die Sonne braucht.

Strafien-Namen. Ein Anzahl von Straßen, deren Anlegung nach dem Bebauungsplan in Aussicht genommen ist, hat jetzt von dem Magistrat Namen erhalten. Bei der Auswahl dieser Namen ist zunächst der Gesichtspunkt maß­gebend gewesen, ba3 Andenken an solche Männer und Frauen, die in der Vergangenheit unserer Vaterstadt eine ehrenvolle Rolle gespielt haben, in der Bevölkerung wach zu erhalten und auf diese Weise die Liebe zur Heimat sowie die Kenntnis der vaterländischen und städtischen Geschichte zu pflegen und zu fördern. In der Anhänglichkeit an dir Vaterstadt, an die engere Heimat, wurzelt die Liebe zum ge­meinsamen großen Vaterlande, aus ihr schöpft sie immer von frischem ihre Kraft. Vielleicht geben auch die Namen der neuen Straßen diesem ober jenem unserer Hanauer Mit­bürger Anregung, sich mit der Geschichte unserer Stadt näher vertraut zu machen. Im nordöstlichen und nördlichen Teilt unserer Gemarkung wurde die Strane Nr. 33 (im Gewann Wriber-Aecker liegend, zwischen Frankfurtrrlandstraße und der Straße Nr. 30), die von der Bruchköbeler Landstraße auS- geht und bis zum Teiche reicht, wie bisherTeichweg- benannt. Straße Nr. 35 von Fran kfurterlandstraße bis zum alten Rückingerweg:Gustav-Adolf-Slraße.- Diese Straße beginnt an der Franksurterlandstraße, kreuzt Straße Nr. 30 ^meliastraße, den Fa'anericweg, die Bruch- kâbeler 8anbftraue, b»e nördliche Fortsetzung der Fallbachstraße und endet im westlichen Teile des alten Rückingerwegs. Gustav Adolfs Verdienste um unsere vaterländische Geschichte sind genügend bekannt, und es bedarf hier keiner weiteren Begründung. Straße Nr. 37, das westliche Ende der Ge­markung Hanau's, das irrtümlicher Weise bisher ebenfalls den Namen Teichweg geführt hat, erhält den Namen Land- grafenstraße-. Sie beginnt an der Brücke über den Salisbach und endet an Straße Nr. 30 (Ameliastraße). Die nördliche Fortsetzung der Landgrafenstraße der Straße Nr. 30 bis zum Fasaner'twtg wird mit der I o s e f st r a ß e vereint. Straß« Nr. 37 setzt Ht vom Fasanerieweg über die Bruchköbeler Landstraße nordöstlich fort und endet am alten Rückingerweg. Dieser Teil der Straße Nr. 37 erhält den Namen S ch w e d e n st ra ß e*. Die Straße Nr. 30, die an der Bruchköbeler Landstraße beginnt, und bis zu den Teichen führt, sollAmelia st raße" genannt werden. Die Namen Landgrafen-, Gustav-Adolf», Schweden» und Amel ia st raße-, beziehen sich auf die große Tat des Landgrafen Wilhelm von Heffen, seiner Gemahlin Amelia geb. Gräsin von Hanau und den Beistand der Schweden bei der Entsetzung Hanau's im Jahre 1636. Aus den Land­grafen wurden Kurfürsten von Hessen; der Straße Nr. 32 wurde daher der Name K u r f ü r st e n st r a ß e - beigelegt. Sie beginnt an der Straße Nr. 33, (Teichweg) kreuzt die Straße Nr. 35, (Gustav-Ndolf-Straße), und verläuft nach dem Salisbach zu über Straße Nr. 37, (Landgrafenstraße). Die Straße Nr. 53, die an der Nußallee (westlich vom deutschen Friedhof» ihren Anfang nimmt, auf die Kinzig zu fübrt und längs dieser bis zum südlichen Ende der Kiuzig- brücke läuft, bekommt den NamenKatharinaBrlgiea- Straße-. (Der Name Belgica ist eigentlich unrichtig, denn Katharina schrieb sich stets Belgia; der erstere Beiname wurde gewählt, weil er durch langjährige Gepflogenheit der gebräuchlichere geworden ist.) Katharina war dir Ge­mahlin des großen Grafen Philipp Ludwig II. von Hanau. Abgesehen von ihren Taten für die Entwickelung unserer Vaterstadt überhaupt, rechtfertigt wohl allein schon ihre Eigku'chafi als Gemahlin des Gründers und als Mitbe­gründerin von Neuhanau, daß eine Straße ihren Namen empfängt. Die bereits benannteRückert st raßr* (früherverlängerte Namsaystraße-), die über die Hain­straße nach Nordei, führt, endet jetzt nach Herstellung bei Kinzigsteges in der StraßeVor der Kinzigbrücke- ; sie soll die Erinnerung an den Dichter Rückert, der an der hohen Landesschult als Lehrer angestellt war, dauernd wacherhaUtu.