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Hanauer D Anzeiger
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General-Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 32
Zyernsprechanschlnh Nr. CO5.
Mittwoch den 7. FcLruor
?5ernsprechanschlutz Nr. 605
1906
9
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Schulnachricht.
Städtische Volksschulen.
Die Anmeldunfl der am 1. April d. Js. schulpflichtig werbenben Kinder findet in der Zeit vom 12. bis 17. Febritar, vormittasts von 11—12 Uhr, statt. Die Geburtsurkunde (das Familien-Stammbuch) und der Impfschein sind dabei vorzulegen.
Die Anmeldungen erfolgen:
1. Für alle Knaben, deren Eltern in der Altstadt und nördlich der Linie „Kanaltor; Kanalplatz, Neustädter Markt, Nürnbergerstraße, Gartenstraße" ihre Wohnung haben, in der Bezirksschule I bei Herrn Rektor Dieterich, Johanneskirchplatz 1 b.
2. Für alle Mädchen, deren Eltern in der Altstadt und nördlich der Linie „Kanaltor, Kanalplatz, Neustädter Markt, Nürnbergerstraße, Gartenstraße" ihre Wohnung haben, in der Bezirksschule II bei Herrn Rektor Umbach, Johanneskirchplatz 1 a.
3. Für alle Knaben und Mädchen, deren Eltern südlich der Linie „Kanaltor, Kanalplatz, Neustädter Markt, Nürnbergerstraße, Gartenstraße" ihre Wohnung haben, in der Bezirksschule III bei Herrn Rektor Dienemann, Bebraer Bahnhofstraße 9.
Schulpflichtig werden alle Kinder, die bis zum 31. März b. Zs. das 6. Lebensjahr zurücklegen. Es werden jedoch auch diejenigen Kinder ausgenommen, die bis zum 30. Sep- irmber ü. ff^^J^^^^^ daß sie zum Schulbesuch in körperlicher und geistiger Beziehung reif befunden werden. Die Schulpflicht dauert acht Jahre.
Wenn schulpflichtig geworbene Kinder geistig oder körperlich zurückgeblieben sind, so haben die Eltern oder Pfleger dieselben unter Vorlegung der ärztlichen Bescheinigung dennoch anzumelden, damit zum Nachweis der erfüllten Schulpflicht das Erforderliche gewahrt wird.
Kleinkinderschulen bürfen Kinder nicht über das bezeichnete Lebensalter hinaus in Pflege behalten.
Die Unterlassung der rechtzeitigen Einschulung schulpflichtiger Kinder unterliegt den Strafbestimmungen über un- cntschuldigte Schulversäumnisse.
Hanau den 5. Februar 1906.
Der Stadtschulinspektor.
Lorenz. 2835
Feuilleton.
Kammcrmusik-Abcnd.
= Hirnart, 6. Februar.
Die heurige Konzertsaison neigt sich ihrem Ende zu. In der Musik-Hochflut der letzten Tage hat eine Konzertvcran- stalterin für diesen Winter bereits schon abgeschlossen — die „Frankfurter Quartettvereinigung." Am vorigen Montag fand das letzte ihrer drei subskribierten Konzerte statt. Bei dem Gedanken an diesen Beschluß drängt sich das bekannte Sprichwort vom „guten Ende" in die Feder, aber niedergeschrieben soll es denn doch nicht werden. Es müßte als abgeschmackt empfunden werden, wenn solch' alltägliche Redeweise in Zusammenhang gebracht würde mit den nichts weniger als alltäglichen, sondern ausgesuchten musikalischen Genüssen, die das prächtige Ensemble Hock, Dippel, A â e k o t t e und A p p u n n in ihren Quartett- Abenden seinen Gästen zubereitet. Auch das Konzert des letztvergangenen Montags prangte in dem Festgewande einer exquisiten Veranstaltung. Das große Es-dur Quartett von Ludwig van Beethoven (op. 74) wurde gespielt, Hugo Wolf und Franz Schubert hatten Perlen aus ihrem reichen Liederschatz für das Programm geliefert, und das Abschiedswort sprach Papa Haydn in seiner einnehmenden, lieblich-freundlichen Weise.
Das Beethoven 's che Quartett ist schön, herrlich schön — aber in demselben Maße, w i e es schön ist, ist seine Ausführung schwer. Einer Streichquartett - Genossenschaft, welche nicht vollständig eingespielt wäre, dürfte das fragliche Quartett kaum glücken.
Für die hohe Kunstfertigkeit der „Frankfurter Quartettvereinigung" ist eS ein beredtes Zeugnis, daß es ihr mit sicherem Wurf gelang, das Werk in allen seinen Teilen ab
Gefundene und verlorene Gesitnslimde re.
Gefunden: 1 goldner Ning mit rotem Stein, 1 Schlüssel mit der Bezeichnung 37, 3 Pakete mit Stahlketten, 1 silberne Herrenuhr ohne Kette.
Verloren: 1 schwarzes Handtäschchen, 1 silberne Herrenuhr, 1 silberne Damenuhr ohne Kette.
Zugelaufen: 1 junger brauner Jagdhund.
Entlaufen: 1 gelber langhaariger Dachshund.
Hanau den 7. Febniar 1906.
Hus Ranau Stadt und Eand*
Hanau, 7. Februar.
* Landratsamt Schlüchtern. An Stelle des aus dem Amt geschiedenen Landrats Grafen zu Solms in Schlüchtern wurde der der Kgl. Negierung zu Düsseldorf ungeteilte Regierungs-Assessor Valentiner zum kommissarischen Landrat des Kreises Schlüchiern ernannt. Die-e Nachricht wird auch im Kresse Hanau mit großem Interesse ausgenommen werden, da Herr Valentiner vor einigen Jahren dem hiesigen Landratsamte ungeteilt war und sich infolge seines leutseligen entgegenkommenden Wesens in allen Kreisen großer Beliebtheit erfreute.
* Evanffelifcher Bund zur Wahrung der deutsch -protestantischen Interessen. Der Zweig- verein für Hanau und Umgebung wird am nächsten Montag den 12. b. M. im Saale „zum deutschen Haus" einen Fa- milien-Bundesabend abhalten. Hierbei wird u. a. auch ein Redner aus Böhmen über die dortige evangelische Bewegung sprechen, an deren Spitze der bekannte Reichsratsabgeordnete, Rechtsanwalt Dr. Eisenkolb in Aussig alE. steht. Herr böhmen wirkt, wird auS dem Vorpostendienst des evangelischen Bundes daselbst und über eigene persönliche Erlebnisse in der dortigen Bewegung interessante Bilder vorführen. Näheres wird noch an dieser Stelle, sowie auch durch Inserat bekannt gemacht werden.
6 Amtsjttbilüum. Die hiesige israelitische Gemeinde feiert am Sonntag den 18. Februar den Ehrentag eines ihrer Beamten. An diesem Tage sind nämlich 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Lehrer A. N e u als Lehrer und Kantor innerhalb der Gemeinde fungiert. Wie uns mitgeteilt wird, sind dein verdienten Manne an seinem Jubeltage allseitige reiche Ehrungen zugedacht.
* Stadtthcater. Auf die heutige, letzte Aufführung der Lustipiel-Novität „Der Schwur der Treue" von Oscar Blumenthal möchten wir nochmals ganz besonders Hinweisen.
gerundet und vollendet zu Gehör zu bringen. Wollen wir einen Satz hervorheben wegen seines besonders tiefen Ein- druckS, den er hinterlassen hat, so sei dies mit der Erwähnung des wunderbaren Adagios getan.
Auch das O-äur-Qartett von Josef Haydn erwies sich als dankbar und zugkräftig. Seine leichtgeschürzten Melodien wirkten verständlicher für die Allgemeinheit, als Beethovens schwerere Kost. Die Ausführung war klar und sehr ansprechend. Sogar bei dem überaus stark angetriebenen Tempo des letzten Satzes ging merkwürdiger Weise nichts verloren.
Eine interessante Neu-Erscheinung in dem Kammermusik- Abend war der Cellist der Quartettvereinigung, Herr Heinrich Appunn, als Liedersänger. Begabt mit einer weichen, einschmeichelnden und biegsamen Baritonstimme sang Herr Appunn „Verborgenheit" und „Fuß- reise" von Hugo Wolf und „An die Leyer" und „Sehnsucht" von Schubert. Die stimmungsvolle und geschmackvolle Behandlung des musikalischen Elementes der genannten Liedkompostlionen und eine sehr schöne Deklamation innerhalb der musikalischen Phrasierungen übten auf die Zuhörer eine nachhaltige Wirkung aus, die sich in starken Beifallskundgebungen äußerten und den Solisten zu der Zugabe von Schuberts „An die Musik" veranlaßie.
Das Konzert wird wohl allen Anwesenden in bester Erinnerung bleiben und der „Frankfurter Quarrettvereinigung" ihren Stamm von treuen Anhängern vergrößern helfen. Dieser Erfolg wäre sehr zu wünschen; denn nach unserer Meinung wird den KammerinusistAbenden bei weitem nicht der Zuspruch zu teil, den sie ihrer anerkannten Güte ent= sprechend verdienten, zumal in einer so musikliebenden Stadt wie unser Hanau ist.
• Gastspiel GickelSl erm. „Hedda Gabler". Henrik Ibsen, der bedeutendste unter den nordischen Dichtern wird am Freitag mit seinem Werke: „Hedda Gabler" wieder einmal zu Worte kommen. Die überaus starken Erfolge, welche die Bühnenstücke des genialen Dramatikers gegenwärtig überall zu verzeichnen haben, rechtfertigen auch das große Interesse, das sich an jede Aufführung eines Jbsen'schen Stückes knüpft. Mit zwingender Kraft und überzeugender Rede führt Ibsen seine Stücke in so interessanter Weise aus, indem er immer neue Themen findet, neue Gestalten schafft und Wahrheit verkündet, daß die Wirkung derselben seine Hörer tief bewegt. — Auch dem am Freitag in Szene gehenden Schauspiel: „Hedda Gabler", wird man mit größter Spannung entgegensetzen. Frl. Frieda Eichels heim vom Großh. Hoftheater in Darmstadt verkörpert die Titelrolle und erhält in dieser Partie eine hervorragende Aufgabe, welche eS ihr ermöglicht, die Vorzüge ihres geistvollen Spiels in glänzender Weise zu entfalten. Von Herrn Oberregisseur Steger ist das Werk auf's sorgfältigste vorbereitet und in den weiteren Hauptrollen so vortrefflich besetzt, daß man einem «Theater-Abend von ganz besonderem künstlerischen Interesse entgegen sehen darf.
* Das Genosserrschaftsfest, veranstaltet vom dar- stellenden Personal unseres Sladttheaters am gestrigen Abend in der „Centralhalle" hatte einen vollen Erfolg nach jeder Richtung hin. Wir werden auf die Veranstaltung, die ein hochkünstlerisches, eigenartiges Gepräge trug, morgen noch eingehend zurückkommen.
* Karl Herber verhaftet. Aus Karlstadt (Bayern) rourbe hierher berichtet, daß man dort den gesuchten Metzgergesellen Karl Huber aus Trippstadt in Haft genommen habe. Huv.er war der Begleiter des anderen noch nicht ergriffenen Metzgergesellen, der in der Herberge zur Heimat den Kriminalschutzmann Trott schwer verletzte. Huber trug den bei dem Einbruch in Aschaffenburg gestohlenen Ueberzieher und gestand auch bereits ein, den dortigen Einbruchsdiebstahl mit verübt zu haben. Bekanntlich stehen Huber und sein Begleiter auch im Verdacht, den Einbruchsdiebstahl in der hiesigen katholischen Kirche auf dem Gewissen zu haben.
* Fustballsporl. Am vergangenen Sonntag standen die erste Mannschaft der Hanauer F.-G. 1899 und die gleiche Mannschaft des Dackenheimer Sportvereins 1904 einander im Retourspiel auf dem Platze des Dackenheimer Sportvereins gegenüber. Es gelang Hanau 99 nach äußerst scharfem Spiel daS Spielfeld mit dem Siege von 1:0 Goal zu behaupten. Das Vorspiel auf hiesigem Platze endete mit dem Resultat von 2:1 Goal zu Gunsten der Hanauer. Zu erwähnen wäre noch, daß Hanau 99 am Sonntag nur mit 9 Mann spielte.
* Karneval in Mainz. Die Befürchtungen, daß der Mainzer Karneval an den mannigfachen Schwierigkeiten, die sich ihm vor Beginn der Saison in den Weg stellten, scheitern müßte, haben sich nicht erfüllt. Je stärker die Schwierigkeiten, desto fröhlicher war der Mut, mit dem man sie aus dem Weg geräumt hat und der Sieg blieb nicht auS. Mehrere glänzend verlaufene karnevalistische Konzerte, ein flotter Maskenball und die von Tausenden und aber Tausenden besuchte närrische landwirtschaftliche Ausstellung zeugten davon, daß Prinz Karneval in Mainz immer noch sein Szepter schwingt und auch nicht daran denkt, sich seiner Würde zu entkleiden. Am Freitag abend wird nun auch in der ebenso reich, wie originell geschmückten Stadthalle die große Herren-Sitzung stattfinden, zu der, da sie nur die einzige Herren-Sitzung ist, die besten Redner vorgemerkt und köstliche Chorlieder ausgesucht worden sind. Da das Jahr auch nicht gerade arm an Ereignissen war, die unter die karnevalistische Lupe genommen werden müssen, so darf man sich auf eine vielversprechende Sitzung gefaßt machen.
* Kaufmännische Ausbildung. Wie aus demJnse- ratenteile der heutigen Nummer ersichtlich, eröffnet der hierorts wohlbekannte kaufm. Handelslehrer und beeidigte Bücherrevisor Herr M. Brückner in seiner Privat-HandelSlehr. Anstalt (Brückenstr. 1 a) jede Woche neue Unterrichtskurse in Schönschnellschreiben, Rechtschreiben, Korrespondenz, Buchführung für alle Branchen incl. Inventur- und Bilanzlehre, kaufm. Rechnen, Wechsel- und Checklehre, Kontorarbeiten und Maschinenschreiben. Wie viele jungen Leute mußten zurücktreten vor Stellungen, wo eine schöne Handschrift, oder flottes Rechnen, korrekte Buchführung rc. gefordert wurden in den Zeitungsannoncen und muß es deshalb mit Freuden begrüßt werden, daß durch dieses Institut Gelegenheit da ist, seine Kenntnisse zu erweitern und zu vervollständigen. An jedermann, besonders Eltern und Geschäftsleute ergeht deshalb hiermit ein ernstes Wort, ihre Kinder oder sich selbst an den Lehrkursen zu beteiligen, um sich durch dies geringe Opfer dauernd eine Stütze und Fortkommen im späteren Leben zu fiebern. Geld und Gut kann verloren gehen durch Schicksalsund Unglückssälle, aber was der Mensch erlernt, daS bleibt ihm erhalten. Da die Unterrichtsstunden so festgesetzt sind, daß keine Berufèstöruns erforderlich ist kann sich somit auch