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Erstes Blâ

Hanauer H Anzeiger

SezugSprettr

BierÄjährlich 1,80 M., monatlich 60 M.. für m* wättige Abonnenten mit dem bekesimdeir Postaujjchia», Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker« deâ v«ei». «. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Astlilhes (Organ für Stabt- nnb finbkrtis fianan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

KiurLckungsgebithet

®« fldlfgespaüene Petitzeile oder der« Rama 15 PG im Râmeuteil bit Zeile 31 $&

Uerantroorü. Redakteur: 6. Schrecker « Hau«.

Nk. 26 F-ernsprechanschlttst Nr. 605,

Mittwoch den 31. Januar

Fernsprechanschlust Nr. 605. 1906

Amtliches

Landkreis Hanau, BekMuckchWell des Mißliche Mwtatë.

Erloschen: die Schweiueseuche in Eckenheim, Landkreis Frankfurt a. M.

Hanau den 30. Januar 1906. V 632

Stadtkreis Hanau,

Diejenigen Personen, welche wünschen, daß ihre militär­pflichtigen Söhne zurückgestellt oder vom Militärdienst befreit iverden sollen, können Reklamationen bei dem hiesigen stâdt. Einwohner-Meldeamte, Stadtschloß, Marienstraße 2, eine Treppe hoch in den Sprechstunden (vormittags von 1012 Uhr und nachmittags von 35 Uhr) bis 10, Februar b. As, anbringen. Drei Familienväter, welchen die Familien- verhâltnisse bekannt, fitib biernt mitzubringen.

Hanau den 30. Janstar 1906.

Der Magistrat.

J. A.: Dr. Koppen. 2311

Hus Hanau Stadt und Eand.

.^rtWfftt, 31. Januar.

* Die UMMtime KS«ios Cbri^a« von Däne­mark, Jur Beisetzung des verstorbenen Königs Christian IX. von Dänemark begibt sich eine Abordnung des hiesigen Thüring. Ulanen-Reginients Nr. 6 nach Kopenhagen. Diese Abordnung besteht aus dem Major v. Borcke an Stelle des erkrankten DteQirnentätoniuian^ Herzog v. Urach, dem Rittmeister Haenel v. Cronentbal und dem Regiments- abhrtanten Oberlt. v. Brochwitz-Donimirski. Der Kaiser bestimmte, daß die Offiziere des Ulanen-Regiments, dessen Chef der König Christian war, drei Wochen Trauer (imitierten haben.

* Der Obervrä^Ne-t in KMaâ Nächsten Frei­tag wird der Sberr Oberpräsideut v. Windh ei m hier ein- treffen, verschiedene Fabriketablissements ansehen, städtische Einrichtungen, staatliche und städtische Schulen besichtigen. Beim Herrn Oberbürgermeister Dr. Gebeschus wird dann das Frühstück eingenommen, zu dem der Gastgeber geladen hat Herrn Landrat v. Beckerath, die Beigeordneten und das Bureau der Stadtverordnetenversammlung. Nachmittags wird der Herr Oberpräsideut die Besichtigung der erwähnten Einrichtungen und Anstalten sortieren und abends beim Herrn Landrat v. Deckerath dinieren.

* Städtische Spende. Der Magistrat hat beschlossen, aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares die Heraeus'sche Stiftung zur Bekämpfung der Säuglingssterb­lichkeit, die bekanntlich 20 000 Mk. beträgt, um 30 000 Mk. zu verstärken. Ein hochherziger Beschluß, dem sich jeden­falls die Stadtverordnetenversammlung anschließen wird.

* (Ernannt. Herr Gerichtsassessor Dr. Mosler hier, Hilfsarbeiter der Kgl. Staatsanwaltschaft am hiesigen Landgericht, wurde zum Staatsanwalt ernannt und an das Landgericht zu Prenzlau verletzt.

* Die Reickstaoswahl im Wahlkreise K»ana«- Gelnhansen ist ailtip. Die Wahlprüfungskommission des Reichstages beschäftigte sich in ihrer gestrigen Abendsitzung mit der Wahl des Abgeordneten Dr. Lucas (nat.-lib.) im 8. Casseler Wahlkreis Hanau - Gelnhausen - Orb und erklärte dieselbe für g i l t i g.

* Kreisittrniest» Heute abend halb 9 Uhr findet in der Turnhalle zwecks Bildung der Einzelaustchüsse für das im Juli stattfindende Kreisturnfest eine öffentliche Versamm­lung statt, zu welcher über 400 Einladungen ergangen sind.

* Genofienschakioiest.Im Reiche der Musen." Der Vorverkauf der Eintrittskarten zu dem am 6. Februar stllttfindcnden Genossenschaftsfest bat in den hiesigen Hof- buchhandlungen begonnen. Da die Nachfrage eine überaus lebhafte ist, so empfiehlt es sich für die Interessenten, sich zu rechter Zeit noch Plätze zu sichern. Der Flügel, welchen sich Frau Hensel-Schweizer und Herr Forchbammer zu ihren Gesangsvorträgen ausgebeten haben, ist ein Bechstein-Begleit­flügel und stammt aus dem Lager der Firma Lichtenstein & Co., Frankfurt a. M., Zeil 50, welche denselben in entgegen­kommendster Weise kostenlos zur Verfügung stellte.

* Stadttheater. Auf das heute als 8. (statt 7.) Vorstellung der IV. Serie zur Aufführung gelangende präch­tige Werk Shakespeares :Der Kaufmann von Ve­nedig", welches in ganz vortrefflicher Inszenierung gegeben wird, sei nochmals besonders hingewiesen. Die Rolle der

Porzia" wird heute Frâul. BehrenS spielen. Beginn 7 Uhr.

* Benefiz Helliot. Das am Freitag zum Ehren- abend für. unsere beliebte Sentimentale Frl. Claire Helliot neu einstudiert in Szene gehende bewährte Lustsviel:Die Verschwörung der Frauen" oderDer Page des Königs", bietet der geschätzten Künstlerin in hervor­ragender Weise Gelegenheit ihr schönes Können glänzend zu entfalten. Anläßlich einer Aufführung des Lustspiels am Fürstlichen Schauspielhaus zu Sondershausen schreibt die dortige Jeitung:Gratulieren konnten wir uns, daß die vortreffliche überaus dankbare Rolle des PagenKurt" in Fräul. Helliot eine so frische, liebenswürdige Verkörperung fand. Wie unübertrefflich wußte die geschickte Künstlerin mit holder weiblicher Anmut und Natürlichkeit dem verkleideten Pagen den notwendigen Anflug von übermütiger Jünglings- natur zu geben. Gebende und Sprache waren geradezu un­übertrefflich, die ganze Rolle in so meisterhafter Weise bis ins Kleinste durchgearbeitet, daß sie wie aus. einem Gusse erschien. Es war eine treffliche Leistung, die stürmischen Beifall fand." Das Lustspiel wird nuf's sorgfältigste von Herrn Gehrmann vorbereitet. Am Sonntag wird ein außergewöhnlich genußreicher Abend durch das Gastspiel der Königs. Schauspielerin Marie Doppelbauer vom Hof- tbeater in Wiesbaden bevorstchen, die in dem Moliöre'schen Lustspiele:Der eingebildete Kranke", welches zum ersten Male in der Fuld w scheu Neubearbeitung zur Dar­stellung kommt, die Rolle derToinette" geben wird.

* Wröblichkeiis - Maskenball. Den dringenden Wünschen seiner Mitglieder uachgebeud veranstaltet der Ge­sangvereinFröhlichkeit" am Samstag den 24. Febr. in den Räumen desDeutschen Hauses" einen Maskenball. Es ist dies die erste derartige Veranstaltung des Vereins, aber nichtsdestoweniger wird sie mit Glanz bestehen können, denn das Komitee ist eifrig bemüht, für Ueberraschungen und allerhand Kurzweil im weitestem Umfange zu sorgen und werden wir in einem späteren Artikel hierauf noch besonders zu sprechen kommen. Die im Umlauf befindliche Liste weist auch schon eine ganz reichliche Anzahl von Unterschriften auf, sodaß auch in dieser Beziehung die Veranstaltung gesichert ist. Karten sind außerdem noch in den Cigarrengeschäften von Joseph Söhnlein, Rosenstraße und Fritz Weigelt, Kirchstraße zu haben.

* Dr. Schapire's Erperimental-Noriraa findet, wie bekannt, heute abend 1/s8 Uhr imRiesensaale" statt. Für den Vortrag gibt sich lebhaftes Interesse kund und wir wollen nicht versäumen, nochmals darauf hinzuweisen, daß diese Experimente und deren leichifaßliche Erklärung kennen zu lernen, für Jedermann belehrend und von Nutzen ist. Es ist somit zu hoffen, daß Herr Dr. Schapire einen vollbesetzten Saal und die verdiente Anerkennung finden wird.

* Die AattÄelsknmmer 51t Hanarr hat an den Deutschen Reichstag eine Eingabe eingereicht, die wir nach­folgend im Auszuge wiedergeben:An den Hohen Deutschen Reichstag gestatten wir uns die dringende Bitte zu richten, daß er den in dem Gesetzentwurf wegen Aenderung des Reichsstempelgesetzes vorgesehenen Steuern a u f Quit­tungen u n d F r a ch t u r k u n d e n die verfassungsmäßige Zustimmung versagen möge. Diese Steuern müssen prin­zipiell schon aus dein Grunde verwerflich erscheinen, weil sie nicht etwa (wie die Gewerbesteuer) ein als leistungsfähig erkanntes Erträgnis wirtschaftlicher Tätigkeit erfassen wollen, sondern bereits einzelne Funktionen dieser Tätigkeit belasten, welche die Erzielung eines Ertrages erst herbeiführen bezw. vorbereiten sollen und hierzu unerläßlich sind. Gilt dieses Bedenken in besondern! Maße von der Besteuerung der Frachturkundcu, so spricht gegen die QuittungSsteuer noch der Umstand, daß sie geeignet erscheint, den Geschäftsverkehr von der Befolgung ordnungsniäßiger kaufmännischer Ge­pflogenheiten abzuschrecken, indem sie den Einzelnen mit desto höherer Belastung bedroht, je gewissenhafter er über Zahlungen Rechnung legt bczw. sich Rechenschaft geben läßt. Damit wird die Gefahr geringerer Rechtssicherheit nahegebracht, welche gewiß nicht daS Ziel einer ranonellcn Steuerpolitik sein kann. Als weiteres prinzipielles und prakrisches Bedenken heben wir hervor, daß die beabsichtigten Steuern auf Post- und Frachsiendungen und Postanweisungen eine unverhält­nismäßige Verteuerung der Porto- und Frachtsätze bringen und damit allen jahrelangen Bemühungen um deren Er­mäßigung entgegenwirken und ihre Erfolge zum Nachteil der Verkehrsentwicklung wieder rückgängig machen würden. Vor allem aber ist eS die Höhe und die ungleichmäßige Ver­teilung der neuen Steuerlasten, welche zu energischem Wider­spruch herausfordert. Schon eine oberflächliche Ucberlegung darüber, wie die gedachten Steuern wirken würden, läßt

erkennen, daß sie die einzelnen Erwerszweige sehr verschieden treffen müssen, da die Vorlage unberücksichtigt läßt, ob der Umsatz eines Geschäfts mittelst zahlreicher kleiner oder weniger großer Warensendungen erzielt wird, und ob das Grschâfts- ertrâgnis sich aus vielen kleinen oder wenigen hohen Zahlungen zusammensetzt. Unberücksichsigt ist auch geblieben, daß die geringere Summe und die Sendung von niedrigem Werke weit stärker durch den gleichen Stempel belastet würde, als hochwersige Waren und große Zahlungen. So ergibt sich schon auf den ersten Blick die höchst unerwünschte Folge, daß gerade die kleinen und mittleren Geschäfte, die zur Er­zielung des erforderlichen Umsatzes ihre Waren in vielen um bedeutenden Posten umschlagen müssen und ihren Ertrag aus zahlreichen Einzellieferungen mit zum größten Teil beschei­denstem Nutzen zusammensetzen, eine verhältnismäßig viel höhere Steuer aufzubringen haben würden, als die Groß­betriebe, welche mit wenigen großen Abschlüssen einen weit höheren Umsatz und Geichâftsnutzen zu erzielen in der Lage sind. Um aber für diese Härten der geplanten Besteuerung im einzelnen den ziffernmäßigen Nachweis zu erbringen, haben wir bei einer Reihe 'verschiedener Geschäftsbetriebe unsers Bezirks eine Umfrage veranstaltet und auf Grund der eingegangenen Antworten berechnet, wie hoch sich die Steuer­belastung der einzelnen an sich und im Verhältnis zu ihrer Gewerbesteuer stellen würde. (Das Resultat dieser Auf­stellung findet sich in zwei beigeftigten Tabellen niedergelegt.) Es folgt hier ausführliches statissisches Material, das das rechnerische Ergebnis dieser Tabellen barstellt und zeigt, wie ungleichmäßig die Gewerbebetriebe durch die geplanten Steuern getroffen würden und daß die kleineren Betriebe eine ungleich höhere Belastung zu tragen hätten als die größeren. Dann fährt die Petision fort: Nicht ohne Grund haben wir auch in einzelnen Geroerbe- steuerstufen eine Mehrzahl von Firmen aufgesührt. Denn gerade hierbei zeigt sich die außerordentlich verschiedene Wir­kung, mit welcher die neuen Steuern Betriebe treffen würden, welche von der Gewerbesteuer in gleicher Höhe erfaßt werden. Wir verweisen z. B. darauf, daß die sechs Firmen, welche 300 Mk. Gewerbesteuer zahlen, zur Quilkungssteuer mit Be­trägen von 32°/o bis zu 4Ol°/o, die 8 Firmen, welche 228 Mk. Geiverbesteuer zahlen, zur Steuer auf Frachtsendungen mit Beträgen von 1 °/o bis zu 660 °/o herangezogen werden würden. Werken wir sodann noch einen Blick auf die Ge­samtbelastung, deren Durchschnitt das an sich schon höchst be- denklscht Verhältnis von 175°/o der Gewerbesteuer aufweist, so schwankt sie zwischen 19°/o (bei 264 Mk. Gewerbesteuer) und lO94°/o (bei 80 Mk.). Die weiteren sehr hohen Anteile von 1075%, 1O26°/o, 744°/o, 741°/o, 616°/o, 615°/o, 567°/o und 5480/o treffen Firmen mit 20, 228, 80,180, 300, 300, 166 und 228 Mk. Gewerbesteuer: dagegen fallen die relativ sehr nied­rigen Anteile von 29°/o, 36°/°, 38°/o, 4O°/o, 44°/°, 47°/o, 53°/«, 54°/°, 58°/o, 62°/°, 65°/o, 66°/°/ 69°/° und 7O°/o der Reihe nach auf Gewerbesteuersätze von 764, 228, 56, 5056, 372, 300, 156, 1892, 108, 264, 300, 1724, 56 und 716 Mk. Dabei haben wir, um nicht die Summen- und Durchschnitts­ziffern un'achlich beeinflussen zu lassen, eine Firma mit etwa 40.000 Mk. Gewerbesteuer aus der Tlufftellung ausscheiden müssen; aber wir wollen hier den Hinweis nicht unterlassen, daß diese Firma in allen drei Steuerarten mit nur je 7°/» Lerangezogen wird, also mit 21°/° Gesamtbelastung an die Spitze der zuletzt aufgeführten Reihe sehr niedriger Anteile gehört haben würde. Ueberhaupt verschärft der erste Eindruck starker llngleichmäßigkeit der Verteilung der Steuerlast und ihrer Schwere sich bei näherer Betrachtung der ziffernmäßigen Darstellung zweifellos immer mehr, und man kann sich nichi der Ueberzeugung verschließen, daß sie sogar als Ungerechtig­keit und Willkür empfunden werden muß: ungerechtfertigt als eine ungemein hohe und einseitige Belastung des Gewerbe­standes, und unwillkürlich in der Verteilung derselben auf die verschiedenen Branchen und Betnebsgrößen. In dieser Be­urteilung kann die Erscheinung nur noch bestärken, daß gerade die I. Gewerbesteuerklasse ganz unverhältnismäßig geringe Lasten zu tragen, das Schwergewickr vielmehr auf die weniger leistungsfähigen Betriebe fallen würde, worin ein strifter Gegensatz zu den Grundsätzen gesunder Steuerpolitik gefunden werben muß. Den hohen Reichstag bitten wir, daS bei­folgende Zahlenmaterial einer geneigten eingehenden Berück­sichtigung würdigen und in Anbetracht der bargelegten schwer­wiegenden Bedenken die Stempelsteuern auf Quittungen, Post- und Frachtiendungen ablehneu zu wollen.

* Grober Unfug. Am Kanalplatz verübte gestern nachmittag eine männliche Person groben Unfug. Es blieb nichts anderes übrig, als den Mmm in das Polizeigefängnis zu bringen, ans dem er dann heute wieder entlassen worden ist.