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19. Januar _______—

Drahtttnchrickten. .

DK Exzesse in Ham-mg.

Hamburg, 18. Januar. Ueber die Ausschreitungen am Mittwoch abend wird dem „Hann. Cour." noch ge­schrieben : Namentlich in der Niedernstraße, am Fischmarkt und dessen Umgebung, wo sich viele Schlupfwinkel für aller­lei Gesindel befinden, war der Lärm sehr arg. In der Schmiedestraße rottete sich eine große Menschenmenge zu­sammen ; aus Neubauten wurden Steine, Latten usw. geholt und dann wandte sich alles mit Gejohle und Geschrei gegen oie Schutzmannschaft, die, als eine mehrmalige Aufforderung zum Auseinandergehen keinen Erfolg hatte, mit blanker Waffe auf die Menge losgehen mußte. Zu einem förmlichen Auf­ruhr kam es am Fischmarkt. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge hatte sich mit Steinen, Flaschen, Töpfen, Baumpfählcu re. bewaffnet; an mehreren Stellen hatte man Barrikaden errichtet. Ueberall wurden die Gaslaternen zer­trümmert und ausgelöscht. In den angreinenden Straßen, besonders am Schopenstehl, drang der Pöbel in mehrere Geschäftsläden und plünderte sie vollständig aus. Die Rotte stahl alles, was sie erhaschen konnte, Juwelen, Uhren, Porzellan, Lampen rc. Mele Geschäftsleute haben große Verluste erlitten. Die sinnlos erregte Menge vergriff sich auch au den Geschäftseinrichtungen und schleppte Möbel­stücke auf die Straße, um daraus Barrikaden zu errichten. Die inzwischen von allen Seiten herbeigeeilte Schutzmann^ schaft wurde mit Steinen und anderen Gegenständen über­schüttet. Einer der Beamten, der Schutzmann Gätjens, wurde von einem Stein am Hinterkopf so schwer getroffen, daß er bald darauf gestorben ist. Sicht andere Schutzleute erlitten zum Tei! schwere Verletzungen. Erst nach Mitternacht ge­lang es, die Straßen zu säubern.

Behördliche Warnung.

Berlin, 19. Januar. Die Morgenblätter melden auS Breslau: Der Polizeipräsident veröffentlicht eine Warnung vor Zuwiderhandlungen gegen den Paragraphen des Straf­gesetzbuches betreffend den Widerstand gegen die Staatsgewalt und droht eventuell strengstens einzuschreiten.

Beschlagnahmte Flugblätter.

Elberfeld, 18. Jan. Die Beschwerde der Sozial­demokraten gegen die Beschlagnahme des Flugblattes gegen das Landtagswahlrecht wurde von der Strafkammer ver­worfen.

Die Vorgänge in Ruhland.

Berlin, 19. Jan. Die „Voss. Ztg." meldet aus Petersburg: Zum Parteitage der konstitutionellen Demokraten erschienen 179 Abgeordnete.

Petersburg, 19. Jan. Ein Bahnwärter der Nicolai- Bahn fand zwischen den Schienen der Hoszweigbahn nach Zarskoje-Sselo eine in ein weißes Tuch gehüllte Kiste, deren Inhalt er mit einer Kerze in der Hand untersuchte. Die Explosion tötete den Wächter und seine drei Söhne, verletzte einen Arbeiter schwer und setzte das Wächterhaus in Brand.

Petersburg, 18. Januar. (Petersb. Telegr.-Ag.) Aus mehreren Städten sind Nachrichten eingetroffen, daß die Entnahme von Ersparnissen aus den Staatskassen nicht nur aufgehört hat, sondern daß ihnen wieder neue Gelddepots zufließen. — Einem Telegramm aus Milau zufolge ist die Stadt Goldingen, der Herd dcs Aufstandes in den Ostsee­provinzen, heute von einer Truppenabteilung besetzt und die Ordnung wieder hergestellt worden. — Aus Taschkent wird gemeldet, daß der südliche Teil der Eisenbahnlinie Orenburg- Taschkent für den Verkehr wieder frei ist. — Nach Tele­grammen auS Ufa ist die Eisenbahn Ssamara-Slatoust dem Verkehr wieder übergeben. Es herrschen wieder normale Verhältnisse. Die Telegraphenleitungen sind im Betrieb. — Im Gouvernement Woronesch hat die Bauernbewegung nach­gelassen. Im Gebiete der Provinz und der Stadt Woro­nesch herrscht Ruhe. — In den Werkstätten der Moskau- Kursker Eisenbahn in Moskau wurden 6 Personen mit zwei Bomben verhaftet. Eine große Anzahl Revolver und an­derer Waffen nebst Munition wurde beschlagnahmt. - Einem Telegramm aus Riga zufolge telegraphierte General Sckiff aus Wenden, daß gestern Abordnungen von 46 Ge­meinden die völlige Unterwerfung einreichten. Die Be­ruhigung der Provinzen Esthland und Livland schreite schnell vorwärts, langsamer die der Provinz Kurland, wo jedoch in der letzten Woche gute Resultate erzielt wurden. 20 Führer der Aufständischen wurden verhaftet, 8 von ihnen getötet. Die Flüchtlinge wandten sich nach Riga, wo Sicherheitsmaß­nahmen ergriffen sind.

Der neue Präsident.

Paris, 18. Jan. Falliäres sagte beim Empfang der republikanischen Gruppen des Senats, welche zur Beglück­wünschung erschienen: „Solange ich im Elysce sein werde, wird das Elpsee eine Hochburg der Demokratie bleiben.

Marokko-Konferenz.

Algeeiras, 18. Jan. Bei der heutigen Besprechung der Konferenzdelegierten wurde von spanischer Seite die An­regung gebracht, daß Spanien bezüglich der Ueberwachnng des Waffenschmuggels gleiche Berechtigungen zugestanden werden, wie sie Frankreich durch das deutsch-französische Ab­kommen vom Septeinber 1905 für seine Grenzen zugestanden sind, da Spanien bezüglich der Grenze von Prcsido und der südlich von Marokko gelegenen Gebiete gleichfalls eine be­sondere Stellung eines Grenzstaates einnehme. Der Anregung wurde zugestimmt.

Dibetfrage.

London, 19. Jan. Das „Reutersche Bureau" meldet aus Peking vom 18. Jan.: Der englische Gesandte Satow hatte kürzlich eine Besprechung mit einem chinesischen Be­amten über die Tibetfrage. Die Chinesen weigern sich be Harrlich, den englisch-tibetanischen Vertrag zu unterzeichnen. Sie betonen nachdrücklich Chinas Oberhoheit über Tibet und

Freitag

gehen mit der Absicht um, einen Tatarengeneral dorthin zu entsenden, dieser soll das Land mit nach europäischem Muster ausgebildeten Truppen regieren, welche in Laffa und Tschumbi stationiert werden sollen. Der chinesische Resident soll ab- berufen und das Land auf derselben Grundlage regiert werden wie die Mandschurei vor dem Kriege.

Stiftung.

Leipzig, 18. Jan. Die hier verstorbene Mutter des Professors der Archäologie Arthur Schneider vermachte zum Andenken ihres verstorbenen Sohnes der hiesigen Universität eine Viertelmillion, deren Zinsertrag ztir Dotierung von Dozenten, insbesondere der Archäologie, der Germanisten und klassischen Philologen dienen sollen.

Verurteilt.

Berlin, 19. Januar. Die „Voss. Ztg." meldet aus Sarajewo: Der Erzbischof Stadler wurde wegen eigen­mächtig an Mohamedanern vollzogenen Taufen zu 500 Kronen verurteilt.

Die Wahlen in England.

London, 18. Jan. Nach den bis heute vormittag 11 Uhr Angegangenen Wahlergebnissen sind gewählt worden: 168 Liberale, 31 Vertreter der Arbeiterpartei, 51 Nationalisten und 74 Unionisten. — Der frühere Minister Chapiin, ein ausgesprochener Schutzzöllner, wurde bei der Wahl in Lincolnshire, das er seit 1868 im Unterhause vertrat, nicht wiedergewählt. Auch Fellowes, der frühereAcker- hau minister im Kabinett Balfour, ist nicht wiedergcwählt worden. Ebenso sind der frühere Minister Bro d r i ck und der frühere Sekretär der Admiralität P re tym an n bei den Wahlen zum Unterhause unterlegen.

Die französisch-venezolanischen Bez Hungen abgebrochen.

Paris, 18. Jan. Eine dem Ministerium des Aus­wärtigen zugegangene Meldung bestätigt, daß der französische Geschäftsträger Taigny in Venezuela, als er den franzö­sischen Transportdampfer, auf bent er sich befand, verlassen wollte, wegen der Haltung der venezolanischen Behörden nicht an Land gehen konnte.

Paris, 18. Jan. Ministerpräsident Rouvier ließ infolge der Meldung, daß dem franGsischen Geschäftsträger in Vene­zuela, Taigny, vom Prä »enten Castro die Landung in dem Hafen von La Guayra untersagt wurde, bent hiesigen Vertreter von Venezuela, Maubouguet, heute unverzüg­lich seine Pässe überreichen und ihn dabei auffordern, noch I heute das französische Gebiet zu verlassen. Maubouguet er­klärte, er werde heute abend 10 Uhr vom Nordbahnhofe nach Lüttich abreisen. Dem Gebrauche gemäß wird er durch einen Polizeikommissar bis an die Grenze begleitet werden, der über seine Sicherheit zu wachen hat.

Paris, 19. Jan. Der venezolanische Geschäftsträger Maubourget verließ gestern abend Paris. Bis zur belgischen Grenze begleitete ihn ein Polizeibeamter.

Erd stürz.

Altenbecken, 18. Jan. (Amtlich.) Durch nachstürzendes Gebuge sind heute drei beim Hinterpacken des Gewölbes be­schäftigte Arbeiter im Altenbekener Tunnel verschüttet wor­den. Es besteht keine Aussicht, sie zu retten.

Altenbeken, 19. Januar. Bei dem Erbsturz, welcher sich gestern im Altenbekener Tunnel ereignete, sind, wie ge­meldet, drei Arbeiter verschüttet worden. Die Rettungsarbeiten waren erfolglos. Einem vierten an derselben Stelle beschäf­tigten Arbeiter war cs möglich, sich mit Hilfe anderer Arbeiter 31t retten. Trotz des plötzlichen heftigen Sturzes der Erb- maffen hielt an der Einbruchstelle das bereits fertig gestellte Gewölbe vollständig Stand.

Der Aufstand in Süvwestafrika.

Hamburg, 18. Jan. Mit dem Postdampfer „Erna Woermann" ging heute abend 8 Uhr ein Truppen­transport in Starke von 30 Offizieren sowie 6M Unter­offizieren und Mannschaften nach Swakvpmund' ab. Die offizielle Verabschiedung des Transportes fand nachmittags 4 Uhr durch den Brigade-Kommandeur, General-Major v. d. Groeben, statt.

Der Aufstand in Deutsch-Ostafrika.

Berlin, 19. Jan. Der „Berl. Lok.-Anz," meldet aus D a r - e s - S a l a a m : Zwischen K i d u g a l a und P a n - g i r e am Rufidji-Flusse ist am 6 Januar Stabsarzt Wiehe gefallen.

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Zittau, 19. Januar. Der Rekrut Fieve vom 102. Jnfanterie-Regimenle erhängte sich im Kompanierevier.

Berlin, 19. Januar. Die „Voss. Ztg." meldet aus Berlin: Die von dem Borstande der freisinnigen Volkspartei einberufene Volksversammlung erklärte sich einstimmig gegen die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer, sowie gegen die Verkehrssteuern und die Quittungssteuer.

Paris, 19. Januar. Aus Rom wird gemeldet, daß man in vatikanischen Kreisen mit großer Spannung der heutigen Interpellation in der französischen Kammer über die Juventuraufnahms in den Kirchen entgegensehe. Der Papst sei trotz deS Trennungsgesetzes von versöhnlicher Ge­sinnung erfüllt; aber man befürchtet, daß die in 30 000 Kirchen vorzunehmende Inventur ernste Zwischenfälle ver­ursachen würde, und daß der Papst beim besten Willen nicht in der Lage sein werde, die Erregung zu beschwichtigen, die aus solchen Vorkommnissen unter den französischen Katholiken hervorgerufen werden könnten.

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Hanauer Fremdculiste.

Hanau den 18. Januar 1906.

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