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Erstes Blatt

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Änlicher Orga« für Stabt- und Landkreis Kasan.

«1. Waijenhanje» in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Sie jKüjgejxalten« Petitzeil« oder d«en Rama 15 M- i» Rektamemest di« Seite 35 Pfg,

Nerantworil. Redakteur: 6. Schricker m Haaa»

Nr. 16

Wernsprechanschlich Nr. GO5.

greift den 19. Januar

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1906

Hus Hanan Stadt und fand.

Sana«, 19. Januar.

EntMlung her Kashßilht -Verfilljem^-AHlllt sür LkllhWÜte Kr Provinz Hessen-NnW.

Es wird für die beteiligten Kreist von Interesse sein, zu erfahren, welche Entwickelung die am 1. Juli 1905 auf An­trag der Landwirtschaftskammern im Interesse der landwirt­schaftlichen Bevölkerung unserer Provinz errichtete Haftpflicht- Persicherungs-Anstalt genommen hat.

Die Beteiligung an dem jungen Unternehmen ist seither eine sehr erfreuliche gewesen. Nach den Satzungen konnte die Anstalt den Betrieb erst dann aufnehmen, wenn 1500 Mitglieder mit 1 Million Arbeitstagen ihren Beitritt erklärt hatten. Es war von vornherein durchaus nicht zweifellos, daß diese Zahlen bald erreicht werden würden, denn es war bekannt, daß eine große Zahl von Landwirten noch anderweit versichert und zum Teil auf Jahre hinaus gebunden wär. Die deshalb gehegten Befürchtungen haben sich aber völlig als grundlos erwiesen. Am 1. Juli 1905 konnte die Anstalt mit einer Mitgliederzahl von 8570 Be­triebsunternehmern mit rund 4 Millionen Arbeitstagen er­öffnet werden, und am Schliisse des Jahres 1905 ist die Mitgliederzahl auf rund 10 700, die Zahl der Arbeitstage auf annähernd 5 Millionen gestiegen. Das sind über Erwarten günstige Zahlen, welche schlagend beweisen, daß man mit der Errichtung der Anstalt einem wirklichen Be­dürfnis entgegengekommen ist.

Auch die sonstige Entwickelung der Anstalt in dem ab­gelaufenen Halbjahr kann als eine recht günstige bezeichnet werden. Die Zahl der angemeldeten Schadensfälle betrug 26. Davon wurden, da zwar entschädigungspflichtige Betriebsunfälle, aber keine Haftpflichtfälle vorlagen, 4den zuständigen Berufsgenossenschaften überwiesen. In 2 Fällen wurden, wie sich im Laufe der Verhandlungen herausstellte, von den Verletzten Ansprüche nicht erhoben. Von den ver­bleibenden 20 Fällen wurden seither 5 ohne weiteres aner­kannt und durch Zahlung erledigt. In 10 weiteren Fällen schweben die Verhandlungen noch, und die Anstalt wird auch in diesen Fällen Zahlung leisten, sofern ein Anspruch der Verletzten gegen die Versicherungsnehmer besteht. In 5 Fällen lagen entschädigungspflichtige Haftpflichtsälle nicht vor.

Die Verwaltungskosten haben sich, wie dies vor­ausgesehen wurde, in sehr mäßigen Grenzen gehalten und werden den Betrag von 1000 Mark kaum wesentlich über­steigen. Besonders hervorzuheben ist, daß sich der Erwerb von 10 700 Mitgliedern fast ohne Kosten vollzogen hat. Es darf wohl mit Recht die Frage aufgeworfen wreden, mit welchem erheblichen Aufwand an Provisionen und ähn­lichen Vergütungen bei einer privaten Versicherungs­gesellschaft diese Tätigkeit verbunden gewesen wäre. An der Gewinnung der Mitglieder haben sich Behörden, landwirt­schaftliche Vereine, Beamte und Privatpersonen im Interesse der guten Sache in daukenswertester Weise beteiligt.

Die Beitragserhebung hat sich ohne Schwierig­keit glatt bewerkstelligen lassen. An Grundtaxen einschließ­lich der Prämien für Versicherung gegen Schußwaffen sind für das Rechnungsjahr 1905, welches nach den Bestimmungen der Satzungen mit dem Kalenderjahr schließt, insgesamt rund 13000 Mk. erhoben worden. Wenn auch die Rechnung noch nicht abgeschlossen ist, so kann doch bereits in sichere Aussicht gestellt werden, daß diese Summe nicht nur zur Deckung der auf das Jahr 1905 zu verrechnenden Ent­schädigungen, der Verwaltungskosten und der satzungsge­mäßen Dotierung des Betriebs- und Reservefonds ausreichen, sondern daß aller Voraussicht nach auch ein erheblicher Ueber schuß dem Reservefonds überwiesen werden kann. Jedenfalls kommt die Erhebung einer Umlage bei der nächsten Beitragsleistung nicht in Frage; vielmehr wird im Jahre 1906 bei der Hebung, welche aus Zweckmäßigkeits­gründen zugleich mit der Hebung der Beiträge für die land­wirtschaftliche Beruisgenossenschaft stattfindet, wiederum nur die Grundtaxe erhoben werden.

Die seitherigen günstigen Ergebniffe können als eine gute Vorbedeutung für die weitere Entwickelung der Anstalt be­trachtet werden. Natürlich kann bei den niedrigen Prämien- sätzen nicht darauf gerechnet werden, daß die Anstalt immer ishne Umlage auskommen wird. Aller Voranssicht nach aber ynrb diese Umlage, wenn sie nötig werden sollte, sich immer in mäßigen Grenzen halten. Schon der Hinweis auf die fiiedrigen Verwaltungskosten beweist, daß die Anstalt stets Rilliger arbeiten wird, als es private Versicherungsgesell­schaften können, wie sie überhaupt nach der ihr gestellten Aufgabe, ohne eigenen Vorteil lediglich den Interessen der -landwirtschaftlichen Bevölkerung zu dienen, zweifellos für 'diese die empfehlenswerteste Versicherungs-Einrichtung auf diesem Gebiete ist. Besonders mag noch hervorgehoben werden, daß die Anstalt ihre Mitglieder'nicht auf Jahre hinaus fest­hält, sondern daß nach den Satzungen alljährlich zum Schluffe der Rechnungsjahres die Kündiouna mit sechswöchentlicher Frist Augelassen ist

Beim Beginn deS neuen Jahres wird eS sich für manchen noch unversicherten Landwirt empfehlen, sich gegen die Haftpflichte 'ahr zu versichern. Beitrittserklärungen können durch Postkarte erfolgen und sind zu richten an den Herrn Landeshauptmann dèr Provinz Hessen-Nassau zu Cassel.

Gevickt^saal

Sihimg der Strafkammer vom 18. Januar.

Der Metzger M. von Kesselstadt erhielt einen Strafbefehl, weil er auf einem Hundefuhrwerk Fleisch transportierte. Sein Einspruch wird sowohl vom Schöffengericht wie von der Strafkammer verworfen.

Die Ehefrau Marie V. von Ostheim wurde wegen Feld­diebstahls mit einem Strafbefehl von 1.50 M. bedacht, weil sie am 3. Juni v. I. auf fremdem Grundstücke sich eine Schürze voll Salat geholt. Gegen den Strafbefehl erhob die V. Einspruch, der jedoch verworfen wurde. Diesem Er­kenntnis schließt sich heute auch die Strafkammer an, sodaß der Salatliebhaberin das bischen Gemüse durch die be­deutenden Kosten recht teuer zu stehen kommt.

Der Droschkenkutscher Bernhardt Sch. von Hanau wurde vom Schöffengericht zu 30 Mark verurteilt, weil er am 18. September v. I. auf dem Ostbahnhof den Anordnungen eines Beamten der Bahnpolizei nicht nachgekommen war. Die Strafkammer setzt die Strafe auf 15 Mk. herunter.

Weil sie im Order Stadtwalde Heidelbeeren gesammelt, wozu es eines Erlaubnisscheines bedarf, und dabei ein» gefriedigte Schonungen betrat, erhielt die 15 jährige Anna G. von Höchst einen Strafbefehl. Vom Schöffengericht wurde sie auf erhobenen Einspruch freigesprochen, da ihr die zur Erkenntnis der Strafbarkeit nötige Einsicht gefehlt habe. Auf eingelegte Berufung durch den Staatsanwalt hebt die Strafkammer dieses Urteil auf und erkennt auf einen Verweis.

Vom Schöffengericht Gelnhausen mürbe die Sally B. von dorr zu 3 UJiL Geldstrafe verurteilt, weil sie vom Fenster ihrer Wohnung aus Bettvorlagen ausgeschüttelt und dadurch dem unten herausschauenden Hauswirt, Schmutz auf den Kopf geworfen hat. Die Strafkammer spricht sie frei, da die Absichtlichkeit nicht nachzuweisen sei.

Der Fuhrmann Karl S. in Gelnhausen soll sich gegen eine forstliche Verordnung vergangen haben, weil er das Tor einer Wildeinhegung offen gelassen hatte, nachdem er eine Jagdgesellschaft hindurchgefahren hatte. Das Schöffengericht sprach den Angeschuldigten frei, welchem Erkenntnis sich die Strafkammer anschloß, da die Behauptung des Beschuldigten, das Tor sei bereits vorher offen gewesen, nicht widerlegt wurde und in diesem Falle eine Verpflichtung desselben zum Schließen nicht bestände.

* Postpersonalien. Bestanden haben die Prü­fung zum Postassistenten: die Postgehilfen Klein in Spangenberg, Rüdiger in Cassel, Wilcke in Neu­kirchen (Kr. Ziegenhain), Wilke in Gudensberg. A n g e- stellt sind als Postsekretär: der char. Postsekretär Es­kuche in Hanau, als Posta ssistent: der Postanwärter Sinning in Cassel. Versetzt sind die Postassistenten: Heckmann von Hünfeld nach Cassel, Spangenberg von Marburg nach Bebra, Knoop von Döhren (Bez. Hannover) nach Cassel, Bruns von Cassel nach Hannover, Wilcke von Neukirchen (Kr. Ziegenhain) nach Cassel, Klein von Spangenberg nach Cassel, Ullrich von Allendorf (Werra) nach Cassel und Reitz von Hanau nach Allendorf (Werra). Gestorben ist der Ober-Telegraphen- sekretär Enist B o ck in Fulda.

8 Meisterwerke der antiken Kunst. Der Aus­schuß für Volrsvorleuingen oeramtahete gestern abend einen Vortrag in der König!. Zeichenakademie, wobei Herr Dr. Quilling den zahlreich Erschienenen die schönsten Werke d-r antiken Kunst in Wort und Bild vor Annen führte. Der erste Teil beschäftigte sich mit den Monumentalschöpsungen d°r a!"n Aegypter, den gewaltigen Pyramiden, den schlank aufstrebenden riesigen Obelisken, den massigen Sphinren und anüeren imposanten Steingebilden, mit den herrlichen Tempeln und ihrer innerer und äußeren Ausschmückung, der zweite Teil behandele die griechischen Kunfterzengnisse, die im Gegen­satz zu der hauptsächlich auf das Monumentale gerichteten, auf die Wirkung durch die Massen berechneten ägyptischen Kunst sich durch die feinere Ausarbeitung der Einzelheiten, durch die Freiheit der individuellen künstlerischen Betätigung auszeichnet. Hier machte uns Redner mit all den klassischen Kunstgebilden bekannt, die schon zu allen Zeiten die Künstler der ganzen Welt entzückt und begeistert, die Beschauer ans Laienkreisen gefesselt und erfreut, Knustgebilde, die noch heute vielfach unerreicht dastehen und das Vorbild zahlreicher Künstler sind. Die gut gelungenen Lichtbilder in Verbindung mit den klaren, sachkundigen Ausführungen des Herrn Vor­tragenden ließen den Besucher das Wesen jedes einzelnen Kunstwerkes verstehen und einen interessanten Einblick tun in die Schaffenskraft und Leistungsfähigkeit alter längstver­

schwundener Völker mit hochentwickelter Kultur. Lebhafter Beifall zeugte von der Befriedigung der Anwesenden.

* Steindel-Duartett. Ueber das nächsten Montag in Hanau austretende Steindel-Quartett schreibt dasLeipziger Musikalische Wochenblatt" gelegentlich eines in Stuttgart stattgefundenen Konzerts: Wie sehr das Interesse des größern Publikums für musikalische Wunderkinder noch in Blüte steht, bewies das stark besuchte Konzert des Steindel-Quartetts in der Liederhalle. Eine Spezialität von Wunderkindern sind die drei Knaben Steindel, mit welchen deren Vater das in diesen Blättern öfter gerühmte Steindel-Quartett gegründet hat. Hier sind es nicht nur die Einzelleistungen der drei jugendlichen Künstler, welche Erstaunen erwecken, sondern deren frei aus dem Gedächtnis bewerkstelligter Vortrag von umfangreichen und schwierigen Kammermusikwerken, deren Ausführung über alles Lob erhaben ist, wobei noch hinzu- gesügt sei, daß Bruno Steindel, der Pianist, alle Begleitungen der Solostücke ebenfalls mit voller Sicherheit auswendig zu Gehör bringt. Dies sind Eigenschaften, welche die drei Knaben in rein musikalischer Hinsicht weit über die andern Konzertisten dieser Altersklasse stellen.

* Stadttheater. Auf das heute zum Benefiz für unsere 1. Heldin und Salondame Frl. Charlotte Braune neu einstudiert in Szene gehende Schauspiel:Die C a m eliend a m e" von A. Dumas weisen wir nochmals besonders hin. Anfang (/,8 Uhr. Am Sonntag nach­mittag wird bei bedeutend ermäßigten Preisen Suder- mann's Schauspiel:Die Ehre" letztmalig zur Darstellung gelangen. Abends 7 Uhr geht der erfolgreiche Schwank Schönthan's:Der Raub her Sabinerinne n" als 4. Vorstellung der IV. Serie in Szene. Das stets gern gesehene Stück dürfte auch diesmal wieder einer freundlichen Aufnahme gewiß sein. Der Vorverkauf für die beiden Sonntagsvorstellungen findet morgen Samstag nachmittag von 45 Uhr an der Theaterkasse statt.

* Mozart-Feier. Wie schon bekannt gegeben, veran­staltet das Lehrpcrsonal der Musikakademie am 29. Januar in derZentralhalle" zum Gedächtnis der 150. Wiederkehr von Mozarts Geburtstag eine Mozart-Feier. Das Programm besteht aus einem Vortrag über Mozart und Aufführungen Mozarticher Musterwerke. Die Liste zirkuliert soeben, auch sind Eintrittskarten in den beiden hiesigen Hofbuchhandlungen aufgelegt.

* Schwurgericht. Die nächste Session des Schwur­gerichts beginnt am 12. Februar. Vorsitzender ist Herr Landgerichtsdirektor Hellbach.

* Schwindler. Der angebliche Kontrolleur einer Ver- sicherungsreiellickaft, welcher sich Weber nennt und kürzlich im Landkreise Hanau in einigen Fällen Leute beschwindelte durch Aufnahme von Nachversicherungen, ist jetzt im Kreise Offenbach aufgetaucht, woselbst er die gleichen Manöver ver­übt wie im Kreist Hanau.

* Die Glühstrumpfe dürften billiger werden. Der Preis für Thorium, für dasjenige Material, das dem Glüh­strumpf die Leuchtkraft verleiht, ist vom Thoriumsyndikat von 53 auf 27 Mk. für das Kilogramm herabgesetzt worden.

n. Durchgänger. Im Angesichte des Todes beschlich gestern mittag einen Ochsen ein unwiderstehlicher Freiheits­drang, er wandte sich von seinem Gebieter und ging, von einer großen Kinderzahl und einigen handfesien Metzgern be­gleitet, durch einige Straßen der westlichen Stadt, wehrhaft alle Hindernisse beseitigend, bis ihn die übergroße Zahl seiner Verfolger zur Kapitulation zwang.

* Karnevalistisches. Tie am kommenden Samstag stattfindende Herrensitzung wird wieder ein Glanzpunkt der karnevalistischen Saison sein. Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen, und ein großartiges Programm ist zu- fammcngefteUt. Die Sitzung wird einen besonderen Reiz ausüben, da ein Besuch der großen Darmstädter Karneval­gesellschaft sowie ein solcher von Mitgliedern des Karneval­vereinsNarrhalla" aus Wiesbaden bei den Hanauer Kappenbrüdern fest angesagt ist. Außer von den bewährten hiesigen Schoten wird dem Publiftim Gelegenheit geboten, auch die obengenannten Karnevalisten kennen zu lernen. Einen ganz besonderen Genuß wird auch ein Mainzer bieten, welcher in die Bütt steigt. Es wird am Samstag abend in der Narrhalla zum Deutschen Haus närrisches Leben herrschen, aber es sind auch künstlerische Sologesänge im Programm verzeichnet und die hiesige Ulanen-Kapelle wird ebenfalls ihr» schönsten Nummern im Programm verwerten. Die Dekoration wird eine dem anerkannten vornehmen Geschmack der Ersten Hanauer Karnevalisten entsprechende sein und es steht somit allen Besuchen:, Freunden und Gönnern des Karnevals sicher ein genußreicher Abend bevor. Der Vorstand hat in dankendswerter Weise den Anfang auf halb 9 Uhr festgesetzt, so daß es jedermann möglich ist. auch der Siöünuna der Sitzung beizuwohnen.