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Amtliches Orzil« für SlaM- nni Landkreis Kanan.
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’tototienâbrud und Verlag der Buchdrucker« M8 verein.
e». WaiienhauieS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feierlage, mit belletristischer Beilage.
Beranirvortl. Rebaktem: S. Schrecker in (cmm.
Nr. 13 Jernsprcchanschlitff Nr. 605. Dienstlltl den 16. Januar M-rnsprrchanschlust Nr. 605. 1906
A r iliche v
Eandkreis Hanau. dekanntlnachuW! Hes Mnißlicht« Lgnkatsaâ
Festgestellt: Die Schweineseuche auf dem Römerhof, öandkieis Frankfurt a. M.
Hanau den 15. Januar 1906. V 300
Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung?
Der Entwurf zu einem Nachtragsstatnt der städtischen Sparkasse liegt in Gemäßheit be§ § 13 Absatz 2 der Städteordnung für die Provinz Hessen-Nassau im hiesigen Rathause auf dem Stadtsekretariat zur öffentlichen Kenntnis aus.
Einwendungen gegen das Nachtraasstatut sind innerhalb der nächsten zwei Wochen vom Tage dieser Bekanntmachung an zu erheben.
Hanau den 11. Januar 1906.
Der Magistrat.
J. A.: ist. Koppe n. 1230
Gemäß § 20 der Statuten ist eine
Generalversammlung
auf Samstag den 20. Januar S. Js., nachmittags 4 Uhr, in dâs Gastbaus „zum goldnen Löwen" in Hanau anberaumt, wozu die Mitglieder hiermit eingeladen und um zahlreiches Erscheinen gebeten werden.
Tagesordnung:
1. Entgegennahme von Mitteilungen des Vorsitzenden über
2.
3.
4.
die Tätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre. Abhörung der Jahresrechnung pro 1905. Wahl für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder. Verschiedenes.
Ravolzhausen am 15. Januar 1906.
Der Borsitzende des Merdeversichernngsvereins für den Landkreis Hanan.
Clauß
1273
Zur Konferenz in Alstesiras.
In ausländischen Blättern, namentlich dem Teil der italienischen Presse, der unter französischem Einflüsse steht, wird mit einer gewissen Gefliffentlichkeit behauptet, Deutschland werde auf der Konferenz in Algesiras isoliert fein. Man verweist dabei hauptsächlich aus die günstige Stellung, die Frankreich durch seine Abkommen mit England, Spanien und Italien erlangt habe.
England ist durch den Vertrag vom 8. April 1904 verpflichtet, Frankreich in Marokko freie Hand zu lassen und
Feuilleton.
Neue Snhmrèmonbe.
Saturn ist der reichste von allen Planeten. Bereits Galilei nahm mit seinem unvollkommenen Fernrohre £ie eigentümliche Gestalt des Planeten wahr, die dadurch Herpor- gerufen wird, daß eine Schar von Ringen ihn umgibt. Diese Ringe dürfen wir rms aber nicht etwa als feste Körper denken: sie bestehen vielmehr aus lauter kleinen Teilchen, vielen Millionen, die gemeinsam um Saturn herumlawen. Außerdem umkreisen den Planeten aber auch noch mehr größere, alleinstehende Monde, als irgend einer der übrigen Wandelsterne auszuweisen hat. Fünf Trabanten, der Reihenfolge nach der dritte, vierte, fünfte, sechste und achte, können schon in kleineren Fernrohren gesehen werden und wurden bereits im 17. Jahrhundert entdeckt. Der erste und zweite Mond, die schon ein stärkeres Teleskop erfordern, wurden von William Herschel im Jahre 1789 wenige Wochen hintereinander aufgefunden. Der siebente Mond war bisher der schwächste, nur so hell wie ein Sternlein 14. Größe — er wurde in der Mitte des vorigen Jahrhunderts entdeckt.
Dann vergingen mehr als 50 Jahre, in denen Saturn und alles was zu ihm gehört auf das Sorgfältigste beobachtet wurde, ohne daß etwas Neues dabei entdeckt wurde. Da fand vor mehreren Jahren Professor Pickering auf vier Photographien, die er von der Umgebung des Saturn ausgenommen hatte, Spuren, kleine, feine Striche, die darauf hin beuteten, daß in der Nähe des Planeten noch ein Körper existieren müsse, von dessen Dasein man bis dahin keine Ahnung hatte. Die Nachricht wurde zuerst etwas skeptisch ausgenommen — im Laufe der Zeit mehrten sich aber die vhoto- graphischen Anzeichen des neuen Körpers, der nur so hell wie ein Stern 16. Größe war und der schließlich auch in den Riesenrefraktoren auf der Lick-Sternwarte sowie auf dem Derkes-Observatorium direkt beobachtet werden konnte. Es war kein Zweifel mehr möglich, Satum besaß noch einen
es bei seinen marokkanischen Bestrebungen diplomatisch zu unterstützen, aber doch nur so weit, Fs die Selbständigkeit des marokkanischen Reiches dadlirch nicht berührt wird. In England mehren sich die Stimmen, dst betonen, daß der englische Handel gerade ko wie der deutsche gegen eine Monopolwirtschast in Marokko interessiert sei. In Spanien steht die öffentliche Meinung mehr und mehr unter dem Eindruck, daß der Geheimvertrag mit Frankreich für Spanien nicht vorteilhaft sei, und daß ein Generalmandant an Frankreich zur Reform von Polizei und Heer in Marokko den legitimen Einfluß Spaniens auf das marokkanische Nachbarland vollends reduzieren würde. Was endlich Itasien betrifft, so ist es durch feine Stellung im Dreibünde mit seinen großen Vorteilen für das Königreich mindestens ebenso gebunden, wie durch geheime Zusicherungen früherer Ministerien an Frankreich. Das natürliche Interesse der einen wie der anderen Mittelmeennacht spricht entschieden gegen jede Art von französischer Tunisierung Marokkos und natürliche Interessen sind immer stärker als papierne Verpflichtungen.
Dagegen besteht die Stärke Deutschlands gerade darin, daß es aus der Konferenz keine Sondervorteile verlangt und vielmehr die Rechte aller handeltreibenden Länder vertritt. Es erscheint von vornherein ausgeschlossen, daß nicht die Vereinigten Staaten von Amerika, mögen sie auch für die politische Bedeutung der Marokkofrage wenig Interesse haben, ganz ebenso wie Deutschland den Grundsatz der offenen Tür vertreten werden. Aehnliches gilt für andere kleinere Signatarmächte der Madrider Konvention. In Paris kennt man diese Stärke deutscher Stellung sehr wohl und wird sich deshalb hüten, durch übertriebene Forderungen eine Verständigung zu vereiteln. Was wir verengen, ist volle Freiheit der Beteiligung an der wirtschaftlichen Entwickelung Marokkos. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Sattan, 16. Januar.
* BibelsittNde. Heute abend 8'/, Uhr findet Bibel- stunde im evangel. Vereinshause statt, gehalten von Herrn Pfarrer Fuchs.
* Geh. Ober-Rea.-Nat Dr. Holtermann t. Der „Reubsanzeiger" widmet dem verstorbenen Geh. Ober- Reg.-Rat Dr. Holtermann folgenden Naurus: Am 12. d. M. ist der G Heime Oberregie-ungsrat Dr. Holtermann, Vortragender Rat im Ministerium für Landw rlscbaft, Domänen und Forsten, zu Berlin nach kurzer Krankheit verschieden. Dr. Heinrich Joachim August Holtermann, am 3. August 1859 zu Harburg geboren, studierte in Göttingen, Tübingen und Leipzig die Rechte, mürbe. am 17. Oktober 1881 als Referendar vereidigt und am 21. Juli 1886 zum Gerichtsassessor ernannt. Zur landwirtschaftlichen Verwaltung übergetreien, wurde er nach Ernennung zum Regierungs-
neunten Mond, der den Namen „Phoebe" erhielt. Daß er so lange unentdeckt blieb, ist durch seine geringe Größe 'owie auch dadurch zu erklären, daß er sich in einer Entfernung vom Planeten befindet, die fast viermal so groß ist wie des bekannten äußersten Saturnstrabanten. Die Umlau-szeit von Phoebe ist daher auch verhältnismäßig groß, 546v Tage braucht der Trabant, um Saturn zu umkreisen. Das Merkwürdige dabei ist, daß er sich in entgegengesetzter 'Richtung beweg:" wie die übrigen Monde — seine Bewegung ist rückläufig.
Dor wenigen Monaten wurde dann, wieder durch Pickering, noch ein zehnter Mond des Saturn entdeckt. Terkelbe bewegt sich direkt in derselben Richtung, wie dst ersten acht Monde, und braucht etwa 21 Tage zu einem Um'awe, d. i. ungefähr ebenso viel wie Hyperion, der schwächste der bisherigen Monde, in der Reihenfolge der siebente. Es war bereits früher die Ansicht ausgesprochen worden, daß Hvperion nur ein Glied einer kleinen Mondfamilie, die, ähnlich wie die kleinen Planeten um die Sonne, in nahezu gleichen Abständen um Satnrn laufen. Die Entdeckung des zehnten Mondes scheint diese Ansicht zu bestätigen. Er ist überaus lichtschwach, nur etwa 16. bis 17. Größe. Ibn zu sehen, ist bisher noch nicht gelungen, doch haben seine Spuren auf den photographischen Platten sein Dasein hinreichend bewiesen. Es erscheint angesichts der letzten Entdeckungen nicht unwahrscheinlich, daß die Beobachtungen der Saturnswelt uns in den nächsten Jahren noch mit weiteren Gliedern dieser Planetenfamilie bekannt machen werden.
Die ^ndicrfprfl^c.
Zu den vielen „stummen Sprachen", Die „durch die Lirbe enunden", von unseren Frauen und Mädchen gesprochen werden, gehört auch die Fächersprache.
Keine Sprache hat vielleicht so viel feine Nuancen wie diese.
Die feinste Stimmung der Seele kann dadurch wiedergegeben worden. rühmt ein spanischer Dichter dem Fächer-
affeffor am 1. Oktober 1889 mit der Leitung der Spez-al- Kommission in Hanau beauftragt. Am 1. April 1892 enolgte feine Ernennung zum Reqi°runqsra1 und zum 1. April 1894 seine Einberufung in das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, in dem er am 6. Juni 1896 zum Geheimen Regierungsrat und vortragenden Ra! und am 25. März 1900 zum Geheimen Oberregierungsrai befördert wurde. Im Jabre 1905 wurde ihm der Kronenorden zwtsier Klasse Allerhöchst verliehen. Aasgezeichnet ir s iner Berufstätigkeit, hat der Verstorbene Hervorragendes für den Staat wie im besonderen für die landwirtschaftliche Verwaltung geleistet. Sein Andenken wird von allen, die ihm nähergetreten sind, in hohen Ehren gehalten werden.
* Kommnnaltandtag. Es sind einberu-en worden, der Kommunallandtag für den Regierungsbezirk Cassel zum 19. März d. Js. nach der Stadt Castel; der Kommunallandtag des RegierunasbezirksWiesbaden zum 24 April d. Js. nach der Stadt Wiesbaden, unter dem Hinzu'ügen, daß der Regierungspräsident Dr. v. Meister daselbst zum Stellvertreter des Oberpräsidenlen der Provinz Hessen-Nassau in seiner Eigenschaft als Königlicher Kommissar für diesen Landtag ernannt worden ist.
* Stadttheater. Heute Dienstag bei ermäßigten Preisen: „Stein unter Steinen". Anfang 8 Uhr.
— Morgen Mittwoch gelangt das hütebie Birch-Pfeifersiche Schauspiel: „Die Grille", welches seit längerer Zeit N'chi me^r gegeben wurde, n-u «»studiert zur Darstellung. Stets mit stärkstem Erlöste ausgenommen, bürste es morgen noch größeres Interesse erwecken, da in der Hauptrolle Frl. Elie Conrad von Leivzig sich dem Hauauer Publikum vorsstlstn wird. Der Künstlerin ist darin Gelegenheit gegeben, ihr Können in hervorragmdcr Weise zu entfalten und einen Beweis ihrer Fähigkeiten zu geben. Von Herrn Oberregisseur Steger wurde das Stück auf's Sorgfältigst« inszeniert und find in größeren Rollen beschäftigt die Herren: Kempf, Nackbaur, Nygrin, Oscarsen und O. H. Müller, sowie die Damen: Jaida, Helliot, Müller, Holm und Behrens. Anfang 7 Uhr. — Benefiz Br aune. Unsere treffliche 1. Liebhaberin und Salondame Frl. Charlotte Braune, hat zu ihrem am flreitag ftatifinbenben Ehrenabend Dumas interessantes Schauspiel: „Die C a m e lien= dame" gewählt. Das beliebte französische Drama wurde hier immer mit so großem Beifall ausgenommen, daß wir die Wahl beleihen als eine äußerst günstige bezeichnen können. Möge die geschätzte Künstlerin bei ihrem Benefiz durch ein ausverkauftes Haus et freut werden.
* Crbolnnasheim. Der Verband mittlerer Justizbeamten Deutschlands errichtet in Köppern (Taunus) für seine Mitglieder ein Erholungsheim.
spiele nach. Und Dichter verstehen sich auf Seelenstimmung und Spanier auf das Fächerspiel wie niemand anders.
In Spanien findet jede Bewegung des Fächers ihre besondere, durch die Tradition bestimmte Auslegung.
Jede Spanierin versteht die Fächerlprache zu sprechen, jeder Spanier die Fächenprache zu le'en.
Hängt der geschlossene Fächer am rechten Arme lost herab, so heißt das: „Meine Seele hat den, nach dem sie sich sehnt, noch nicht gefunden". Tas heißt, mein He^ ist noch frei. Ich bin noch zu haben.
Hängt der geschloffene Fächer am rechten Arm, dann ist das anders. Dann heißt das: „Keiner von euch hat etwas zu hoffen. Ich habe den schon gefuuden, nach dem meine Seele verlangte."
Der geöffnete Fächer leicht an die rechte Wange gelegt, sagt: „Komm, ich möchte gern mit dir plaudern."
' Wird der Fächer von den Lippen berührt, so heißt das: „Was treibst du für ein Spiel mit mir? Liebst du mich wir!sich, oder treibst du deinen spott mit mir?"
Fährt der Fächer hinauf in die Löckchen des Haares, so heißt da?: „Ich denke immer an dich. Ich liebe dich. Ich verzehre mich nach dir."
Preßt man ihn gegen das Herz, so bedeutet das: „Ich leide um dich. Mein Herz ist mir schwer. Ich sehne mich nach dir."
Rückt der Fächer höher hinauf gegen da? Schlüsselbein, dann heißt es: „Ich erwarte dich!" Und die Stäbe, die man öffnet, bedeuten die Stunde.
Legt man den Fächer geöffnet in den Schoß, so sagt er: „Wann werden wir ims ungestört sprechen?"
Schließt sich der Facher ganz schnell, und wird er dann verkehrt gefaßt, so daß der" Griff des Fächers „dolchartig" vorsteht, so heißt das in nicht mißzuverstehender Sprache: „Ich hasse dich!"
Der halb auSeinanbergefaftete, in beiden Händen ruhend« Fächer bekundet: „Ich liebe dich;" 1
Der schnell fallengelassene Fächer aber sagt: „Ich geb« jeden Widerstand auf. Nimm mich hin. Ich bin dein!"