Einzelbild herunterladen
 

SL Dezember

10

Nisse, sondern vor allem auch gute praktische Leistungen not­wendig sind, soll eine solche Dorpa'entierung erst nach einer gewissen praktischen Bewährung als Offizier einèreten und deshalb bei der Beförderung zum Oberleutnant zur See stattfinden. Für eine Vorpatentierung sollen diejenigen als Abiturienten eingetretenen Offiziere in Frage kommen, die die Offizierprüfunggut" bestanden haben und auch in bezug auf Charakter und praktische Leistungen zu einer Vorpaten­tierung sich eignen. Bei der Einaabe zur Beförderung zum L-utnant zur See werden diese Offiziere von der Inspektion des BiidungswesrnZ bezeichnet; drei Monate vor der voraus­sichtlichen Beförderung zum Oberleutnant zur See wird dem Kaiser berichtet, ob sie zur Vorpatentierung vorgeschlagen werden können, Tür diesen Vorschlag ist ausschlaggebend, wie sich die betreffenden Offiziere während ihrer praktischen Dienstzeit bewährt haben. Außerdem können aber auch solche Abiturienten, die das Examen nicht mitgut" bestanden haben, zur Vorpatentierung eingegeben werden, wenn sie sich während ihrer praktischen Dienstzeit besonders bewährt haben. Auch werden diejenigen Fähnriche, die als Nrchtabiturienten daS Offizierexamen mitvorzüglich" bestanden haben und deswegen zu einer Belobigung vorgeschlagen worden sind, hinsichtlich einer Dorpateutierung ebenso behandelt werden, wie die Abiturienten mitgut" bestandener Offizierprüfung.

Die Wirkung dieser Ordre findet zuerst auf die im Jahre 1909 emireienben Seekadetten Anwendung. Es soll jedoch hier nicht vergessen werben darauf hinzuweisen, daß es sich auch für Abiturienten empfiehlt, so frühzeitig wie möglich einzuireten, da auf ein nicht zu hohes Lebensalter großer Wert gelegt wird.

Die Anmeldungen zum Eintritt in die Marine als See- kadett sind bis zum 1. Februar an die Inspektion des Bil- hungswesens der Marine in Kiel zu richten.

Bsn der Erziehung unserer Kinder

Eine hohe Stellung weist Jesus den Kindern im Reiche Gottes am Co lesen wir Matthäus sage euch: Es sei denn, daß ihr euch

wie die Kinder, so werdet ihr nicht kommen." Gott hat eben jedem Kinde bares Gut und Kleinod mit auf den

18:Wahrlich, ich umkehret und werdet in das Himmelreich ein großes, unschätz- Lebensweg gegeben.

DaS ist die Unschuld deS Herzens, sein reiner, unbefangener Sinn. Wehe dem, der es darum bringt. Er zerstört mit

rauher Hand den innersten Keim des kindlichen Lebenßglückes und tritt das ewige Heil der kindlichen Seele mit Füßen. Dreimal Wehe, wenn es die tun, denen Gott die Kinder zur nächsten Obhut anvertrant hat. Gott hat den Kindern eine unbedingte Ehrfurcht vor den Eltern ins Herz gepflanzt. Was die Kinder die Eltern tun sehen, ist recht in ihren Augen. ES gibt nun aber Kinder die Menge, wir sagen es mit Schmerzen, die haben Eltern und haben doch keinen Vater und keine Mutter ; sie haben Eltern, die sich begnügen, für ihr irdisches Fortkommen zu sorgen, und darüber ihre sittliche und religiöse Pflege vernachlässigen; Eltern, die sich um daS ewige Heil ihrer Kinder gar nicht kümmern, sondern sie auf­wachsen lassen, alS hätten sie nur einen Leib, aber keine un­sterbliche Seele.

Wenn aber zu irqeiib etwas die genaueste Sorgfalt und peinlichste Treue gehört, dann sur Erziehung. JedeS Kind will nach seiner besonderen Art erzogen sein. Was bei dem einen die größte Strenge nicht erreicht, richtet bei dem andern ein einziges Wort aus. Wenn irgendwo ferner ein ein- .awi^aww uhiiwiiwwi iniam M mutiw a*'- . .O ssian

Feuilleton«

Jlinggtsellcn-Silvrsterfeier.

Neujahrs-Erzählung von M. KneschkeTchönau.

Der Silvestertag neigte seinem Ende zu. Vom grau- verhangenem Himmel rieselte eS unablässig feucht hernieder, ein Gemisch von Schnee und Regen. Trübselig starrte ich auf die menschenleere Straße, die schon mehr einem See glich, hinab und horchte auf das Heulen de» Sturme», der dem scheidenden Jahre ein wilde» Abschiedslied sang. So ein Silvesterabend, fern von der Heimat, in noch ganz fremder Umgebung und bei solchem Unwetter, war doch etwa» zu Trostloses. WaS sollte ich beginnen? Vor der Kneipe hatte ich eine Abneigung, Famtlienverkehr besaß ich noch nicht, da ich erst einige Wochen am Orte weilte; so blieb mir nur die Bude übrig, in der mir vielleicht meine Wirtin mit ihrem Mopse Gesellschaft leisten und einen Punsch brauen würde.

Mir graute zwar etwas vor dieser Aussicht, denn die Unterhaltung der guten Frau drehte sich stets um denselben Punkt, um den verblichenen Ehegemahl, und die Weit- ichweifigkeit, mit der sie die verschiedenen Zeitabschnitte auS seinem Leben zum Besten gab, sowie der ganz ungeheure Aufwand, den sie mitsagte er- undsagte sie" trieb,'hatten ttwaS Ermüdende».

ber N°t frißt der Teufel Fliegen, und so machte denn mit dem Gedanken vertraut, den Silvester. S tn dies« Weise zu verleben. Um ihn wenigstens gestalten, rüstete ich mich zum Aukgang, -?»k Absicht, einig. Delikatessen für daS Abendbrot und K"ten Arrak einzukaufen. Auf der Treppe traf 12 ^ ^-mEiferten Herrn" meiner Wirtin ^iA^;^ au» Wurzen, zusammen, der hier in aller KS die 'ihm der Staat m^ltrf^am ?^*" gewahrte. Er war ein kleines be» iKxfi^ . annchen mit hellen, klugen Augen und einem batternX ^" schrumpfte» BorSdorfer Aepfelchen. Ich gelemt^un^ au di ab^h ^* ^ »Goldenen Löwen" kennen itbetmaT JL - - unb »u einmal im Hause getroffen und Nun südliche Worte mit ihm gewechselt ©ett« L?" Hirsemenzei, wo wollen Sie denn bei diesem wj "kündigte ich mich, ihn begrüßend.

[jette aben^^atien h ^ ^ Markt, $ paar Einkäufe zu Sächsisch. ^ n' erwiderte er in seinem gemütlichen taM&tt ^en ^* Stute auch zu Hause?" fragte ich

Dkensmfl

wütiges Zusammengehen zwischen den neiden El ern not­wendig ist, so ist's bei der Erziehung. Es wn aber mân nur jedes Klub nach einer bewärvn Art behandelt, ändern auch zum Charakter erzoqerl werden. Das ist jedoch piu>t möglich ohne die Religion. Ohne daß wir unsere Kinder zu frommen Menschen, zu Christen erstehen, die Gott furchten und den Heiland lieb haben, wird bei aller Schulung und Bildung vielleicht ein kluges, geschicktes, weltgewandtes, zu­gleich aber ein selbstsüchtiges Geschlecht beranwachsen, das nicht imstande ist, seinen bösen Begierden Einhalt zu hm und sich in Zucht zu halten. , . _

Darum ist die Erziehung die P r o b r d e s Glaubens. Bei ihr zeigt es sich, ob der Glaube uns wirklich Herzenssache, oder ob er uns nur von außen ange­tüncht ist, oder ob wir ihn verloren haben. Nur das Leben wirkt Leben. Nur der persönliche Glaube ist es, an dem der Glaube sich in andern entzündet. Hier tut s kern bloßes Lippenbekenntnis, keine bloße Wortfrömmigkeit. Wer aber den Glauben selbständig in sich ausgenommen bat, m wem er Fleisch und Blut, ein Bestandteil seiner selbst geworden ist, der braucht nichts Außerordentliches zu tun, um rhn auch andern mitzuteilen. DaS sprechendste Zeugnis tu stme Person, sein Wandel. So sollen auch die Eltern durch das Zeugnis ihres Lebens vor allem erzieherisch ein rauhen und sich nach ihrer Art dabei ergänzen. Ohne den Nerv einer strengen Zucht ist für daS Heranwachsende Geschlecht nichts zu hoffen. Mehr Eisen aus das Blut! d. h. stuf bie Er­ziehung angewendet: Mehr Ernst und Nachdruck ins Ä,- wissen Denn über dem Wissen steht das Gewissen, und das Leben geht aus vom Herzen, nicht vom Kopf. Darauf zuarbeilen, den Kindern eine Autorität an GotteS Natt vor die Augen zu stellen, das ist vor allem die Aufgabe des Vater». Die Mutter aber hat das Amt, auf dem Altar deS häuslichen Lebens die Flamme der Gottesfurcht zu unterhalten, auch das Gewöhnlichste und Alltäglichste mit dem Hauch eines höheren Leben» zu durchdringen, über dem Traumleben deS KindeS daS Zelt aufzurichten, unter welchem der Jüngling und die Jungfrau blühen, der Mann und die Frau wirken und schaffen, Greis und Greisin einst sterben sollen. Sie hat das erste Wort an das Kind. WaS eine Mutter ihrem Kinde in der Zeit seines ersten geistigen Er­wachens ins weiche Herz pflanzt, das kann nicht verloren gehen, und wenn das Kind später auch noch so weit von der Bahn des Guten abirrt, die liebreich ermahnende und warnende Stimme der Mutter, ihre Gebete und Fürbitten werden in seinem Innern forttönen und ihm nicht Ruhe lassen, bis eS umkehrt.

Darum, ihr Eltern, faßt das Amt der Erziehung mit heiligem Ernste auf und sorget dafür, daß die euch anver- traute köstliche Saat nicht minder köstliche Fruchte reift,

Etwas Chirurgie.

Jener Teil der ärztlichen Kunst, welcher »ist dem Messer arbeitet, die Chirurgie, hat in den letzten Jahrzehnten ganz besondere Fortschritte zu verzeichnen gehabt. Es waren ins­besondere zwei Erfindungen, welche die heutigen Erfolge mög­lich machten. Erstens die Einfühnrng der narkotisierenden Mittel, des Nethers und des Chloroforms, und weiter die Anwendung eines keimfreien Verfahrens, d. h. die Antisepsis und die Asepsis. Wenn wir ein Mester eine Stunde lang in überhitztem Dampf kochen, wenn wir ferner einen Ver­bandsstoff, z. B. Mullgaze, in gleicher Weise mit überhitztem

Et ja, nadierlich I Wo sollt' ich denn ooch sonst bleiben? Ich bin nu mal so 'ne Hausunke, und grabe an Silvester, da möcht ich nich um die Welt in die Gesellschaft gehen und den verrückten Deebs mitmachen, mit dem die meisten Men­schen das alte Jahr beschließen. . Sähn Se, grade Weih­nachten und Silvester, des sind so Tage, an denen eenen so allerhand alte Erinnerungen auS der Jugendzeit besuchen, und je älter man wird, desto lieber läßt man fe ein und möcht' se um keenen Preis nich verscheichen".

Da haben Sie recht, Herr Hirsemenzel,- meinte ich nach­denklich.Aber wenn eS zum Beispiel trübe Erinnerungen sind, dann ist esn Alleinsein an diesen Abenden doch recht traurig, und man sehnt sich nach einem mitfühlenden Men­schenherzen".

Kriegst de Motten!" rief Herr Hirsemenzel, plötzlich stehenbleibend und mir schars in die Augen sehend, auS. Also so steht'S ! Wohl am Ende gar so ä bißchen Herzens­kummer, waS? Na, Sie brauchen nich rot zu werden vor mir nich, ich war ooch ämal so dumm, mich zu verlieben. 'S iS schon lange her, aber am Silvestertage lebt's immer wieder uff. Wissen Sie wa», kommen Sie heite abend rüber zu mir. Wir wollen zusammen Silvester feiern, und wenn'S Ihnen Spaß macht, so will ich Ihnen eine kleene Geschichte erzählen, bis Sie schon zum Lachen bringen wird.-

Jch sah erstaunt zu Herrn Hirsemenzel hinunter ich überragte ihn nämlich um Kopfeslänge die letzten Worte hatten so merkwürdig gepreßt geklungen und stimmten so gereizt zu der verheißenen lustigen Geschichte. Aber er ver­barg sein Gesicht in seinem großen bunten Taschentuche mit dem er sich mehrmal» hintereinander heftig schneuzte.

Sie sind sehr freundlich, Herr Hirsemenzel, aber ich weiß nicht, ob ich Ihre Einladung annehmen kann, weil Sie doch vorhin bemerkten, daß Sie am Silvesterabend nicht

Ausgehen mögen", unterbrach er mich.Tu ich ja ooch nich. Sie kommen ja zu mir, und wenn ich Ihnen waS aus meiner Jugend erzähle, da sitze ich ja mitten drin in den Erinnerungen. Also abgemacht. Um achte, wenn ich bitten darf.-

Damit schüttelte er mir die Hand und trat, seinen Hut lüftend, in daS Delikatessengeschäft am Markte ein, in wel­chem auch ich meine Einkäufe besorgen wollte. Natürlich unterließ ich dieselben jetzt und schlenderte weiter, die Laden- tüc im Auge behaltend. Erst als ich Herrn Hirsemenzel mit mehreren Paketen beladen heraustreten und heimwärts trippeln sah, lenkte ich meine Schritte nach dem Geschäft zurück und erstand eine Büchse Kaviar und eine Flasche alten Medoc, bk ich zur gemeinsamen SUvesterseier stiften wollte.

Um acht Uhr fand ich mich dann pünktlich in dem Jung-

Dampf behandeln, so töten wir sicher alle Keime, alle Bal terien, die auf diesen Stoffen wohnen können. Neben n-ele,. harmlosen Lebewesen aehen auch so unb so viele Erreger dee! fauligen Eilers, des Starrkrampfes und anderer Leiden ein. Wenn wir dann weiter die Haut eines Menschen scharr säubern, wenn wir sie erst mit Wasser, Seile, dann mir Benzin und endlich mit Aeiher waschen, so geht auch dort da Bakterienleben zu Grullde. Machen wir jetzt mit dem Messer einen schweren Schnitt, legen wir mit gleichfalls scharf ge­waschenen Händen die gekochte Mallgare darauf, so ist mit einer an Äckerbeit grenzenden Wahrscheinlichkeit die Wund^ keimfrei geblieben. Es tritt das ein, was die Aerzte Heilun-i per primam intentionein, d. b. Heilung auf den ersten Versuch, nennen. Die Wunde schließt sich sofort, sie verklebt burdj den Zucker- und Eiweißgehalt des Blutes und heilt ohne Eiterbildung, ohne Fieber und schmerzhafte Schwellung in acht Tagen.

Im praktischen Leben saun der Einzelne daraus viel 5 lernen. Alltäglich werden ja ohne Hinzuziehung des Arztes ; Tausende von chirurgischen Eingriffen vollzogen. Wir meinen i insbesondere das Aufstecben von Geschwüren und das Schneiden von Hühneraugen. Alljährlich fordert der Mangel an Asepsis, auf deutsch Unfauberfeit, hier manches Opfer.

Beim Aufstechen einer Gejchwulst sollte man grundsätzlich 5 die betreffeiibe Stelle erst waschen und dann die Nadel ober das Messerchen eine kurze Zeit in eine Spiritusflamme ober in die blaue Flamme eines Gasbrenners halten. Dadurch wird sicher Keimsreiheit erzielt und die Sache heilt glatt. Noch viel nötiger ist die Reinlichkeit^ beim Hühnrraugen-- schneiden. Der Fuß sollte erst auf das allerschärfste ge­waschen werden, erst mit Wasser und Seife und bann wo­möglich noch mit Benzin und Aether. Dann sollte da» Messer ober die Schere gründlich durch das reinigende Feuer gezogen werden, und endlich sollte man die Stelle nach dem Schneiden mit Verbandwatte aus einem frischgekauften Paket belegen und einen saubern Strumpf darüber ziehen. Die Vernachlässigung dieser Regeln kostet alljährlich mehrerer Menschen das Bein und sogar da» Leben.

Die Chirurgie selbst erzielt mit Narkose und Asepsis täg­lich schöne Erfolge. Ein interessanter Fall ereignete sich kürz­lich in Berlin. Einem Handwerker war das oberste Glied des rechten Daumens, welches er in seiner Profession not­wendig brauchte, abgequetscht worden. Man entschloß sich, das oberste Glied der großen Zehe an den Daumen zu setzen. Zunächst wurde also der Daumenstumpf aufgefrischt, dann wurde das Zehenglied zur Hälfte gelöst und, während der Patient in einer freilich recht unbequemen Lage hockte, wurde Daumen und Zehe mit den halben Stumpsflächen ver­näht, so daß die Ernährung des Zehengliedes zunächst noch vom Fuß aus erfolgte. Der Patient wurde in seiner unge* mütlichen Lage eingeimpft. Vierzehn Tage hindurch mußte h so verharren, wobei natürlich Morphium gegeben wurde. Dann folgte der zweite Teil der Operation, wobei nun das Glied von der Zehe gänzlich getrennt und auch auf der Beugeseite mit den Sehnen bet Daumenstumpfe» vernäht wurde. Während der Heilung schrumpft nun das überpflanzte Glied soweit, daß eS den Größenverhäliniffen deS Daumen» ziemlich genau entspricht. Streite* nach vierzehn Tagen ist Beweglichkeit deS künstlichen Daumen» vorhandm und Laufe von drei Monaten regenerieren sich auch die »«fr schnittenen Nerven, so daß der Daumen Gefühl bekommt. So kann der Patient unter Umständen also schließlich «it der großen Zehe Klavier spielen.

aesellenheim deS alten Lehrer» ein. Der Tisch vor dem Ledersofa war festlich gedeckt, und Herr Hirsemenzel macht» in liebenswürdiger Weise den Wirt. AI» wir bann beim dampfenden Glase Punsch saßen, stand er plötzlich auf und holte von einem Eckwandbrett eine altertümliche Taffe he» bei, eine sogenannte Barttasse, welche durch ein bie Deffnung der Tasse halbverdeckendes Mundstück den Bart de» Trin­kenden vor der Berührung mit der Flüssigkeit schützen foC« Von einem gemalten Rosen- und Vergißmeinnichtzweige um* rahmt, prangte auf der Vorderseite in gleißenden Goldbuch­staben da» schöne DerSlein:

Zu schonen deinen schönen Bart, Nimm diese Tasse eigner Art 1

Er stellte die Tasse vor mich hin und sagte:Gähn Ga­met Bester, die Tasse iS bie eegentltche Ursache, daß ich mich nich verheiratet hawe und so al» eelltz'ger Junggeselle durchß Läben pinschere. Sähn Se, da» war so. Ich war bamall 'S sind heite grabe 30 Jahre ä Kärlchen von LS Jahr« und Hilfslehrer an der Bürgerschule in Glauche. Ich war nich gerade ä AdoniS, et behiete nee, awer ich konnt mich schon sähn lassen, und die jungen Mädel» ließen sich auch ganz gerne von mir den Hof machen. In allen Ehren nadierlich, denn so ä Schworeneeder, wie die Heir gen jungen Leite, war ich nie. Er dauerte ooch gar nich lange, da hatte eene von dw Glauchauer Scheenen einen tiefen Eindruck uff mich gemacht, un ich verliebde mich über beede Ohren in da» Mädel. Eva hieß sie und war die Dochter eener Apotheker-witwe. Kenn» Sie vielleicht denItalienischen Knabenkopf- von Richter? Sähn Se, akkerat so sah die Eva auS. Bächschwarze Coden und ä paar Oogen wie Kohlen so schwarz. G' war 'ne kleene Scheenheet, barieber war ganz Glauche eenig. In bet Figur war fe allerdings ä bissel kurz geradhen, und so ganz jung war se ooch nich mehr. Awer da» war mir oben recht, denn eene Bohnenstange konnt' ich nich gebrauchen, weil ich fälber kee Riese Goliath war, und gar so ä junges Günsel wär 'ooch nich nach meinem Gusto gewäsen. Kurz und gut, wer paßten zueenander, und daß sie mir ooch gut war, baS hädde ä Blinder mit dem Stocke stehlen können. Zu 'ner Erklärung war'» bis dato noch nich gekommen. Die De« legenheet war niemals günstig dafür. Die Mudder über­wachte sie wie ä Drache und ließ uns niemals o lleene. Die hadde nämlich große Rosinen im Sacke und hoffde, daß bei eene Oogenarzt von Glauche ihr Schwiegersohn werden würd. Der wär ihr nadterlich lieber gewäsen, als so ä simpler Elementarlährer. Der Doktor beileif'ch bemärkt: ü färchderlich uffgeblasener Dingerich scherwenzelte ooch ganz verdächtig um die Eva herum, un ich sah ein, daß eS, weeß Kncbbchen, die heechste Zeit war, sich dem Mädel zu erklären. 'S war kurz nach Weihnachten, un für Silvester hatte uns« Lehrergesangverein ü Kränzchen arrangiert. Hurt'ch 1»