Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blâ

vezagSpreiS»

viertttjâhrlich 1,80 Mk* monaüich 60 Pfg., für «* »ârtige Abonnenten mit dem bettessenden Postaufjchl«-, DU «Hjelm Nummer kostet 10 Ps»

Uetati»Abdruck und Verlag be VuchdruSerâ de» MHhL

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Mt- und FanRreis Hana».

EinrücknngSgetüyr i

L.t sünfzespâle Petitzeile oder deren Raum 28 Psz. w «eNamenteil di» Zeile 35 Ps^

* Waisenhaus»» in H<ma^

Erschetmt tätlich mit AuSaahu« -er Sann- Md Keiertsge, mit belletristischer Beila-r»

v«L»tu»orti. R»dallr«r -. Schreck«» tu Hane«,

Nr. 297 Fernsprechanschlitst Nr. 605.

Freitag den 20. Dezember

Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1907

Amtliches.

Konkursverfahren.

An dem Konkursverfahren über das Vermögen des Spenglers Franz DiebeliuS in Hanau wird Termin zur Abilahme der Schlußrechnung, zur Erhebung von Einwen­dungen gegen daS Schlußverzeichnis, zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren VermögenSstücke und Anhörung der Gläubiger über die dem Verwalter und den Mitgliedern des GlâubigerauSschuffeS zu bewilligenden Ver­gütungen und zu erstattenden Auslagen anberaumt auf

den 10. Januar 1908, vormittag- 11 Nhr.

Hanau den 6. Dezember 1907.

Königliche- Amtsgericht Abt. 5. 27041

Stadtkreis Ban au.

Bekanntmachung.

Die WeihnachtSbefcherung der städtischen Klein­kinderschule findet am Sonntag den 22. d. Mts., nachm. */»5 Uhr, im Gebäude der Kleinkinderschule, Nußallee, statt.

Einlaßkarten können bei der Kleinkinderschule bis zum Sonntag morgen in Empfang genommen werden.

Etwaige Gaben werden ebenfalls dort eutgegengenommen.

Hanau den 18. Dezember 1907.

Der Magistrat.

______ Dr. Gebèschu«. 27075

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Herren-Schirm mit gradem Naturgriff, 1 Portemonnaie mit 1,73 Mk., 1 Kontobuch.

D erl orenr 1 silberne Brosche in Form eines DlumenkörbchenS mit weißen, grünen und blauen Steinchen, 1 grüner Damengürteh*4 Damen-Handtäschchen mit 21 Mk., 1 grünes Handläschchen mit weißen Perlen mit Portemonnaie mit etwas Inhalt, 1 grünes Damenpottemonnaie mit unge­fähr 18-19 Mk. Inhalt.

Zugelaufen: 1 gelber Dachshund (Bastard) m. Geschl.

Hanau den 20. Dezember 1907.

Politische Rundschau.

Zum Zwist im Deutschen Flottenverein. Die Berliner Abendblätter veröffentlichen ein Rundschreiben des Präsidenten deS Deutschen FlottenvereinS, Fürsten Otto zu Salm, an die Landesverbände, HauplauSschüffe usw. deS FlottenvereinS. Es heißt darin: Während da» Präsidium die Gesamtleitung hat, umfassen die Funktionen des geschäftsfüh­renden Vorsitzenden zwei Tätigkeitsgebiete, die Durchführung der werbenden Tätigkeit in Rede und Schrift und sodann die mannigfachen laufenden Geschäfte. Der ersteren Aufgabe hat General Keim seit Jahren freiwillig und ohne jedes Entgelt mit stets steigendem Erfolge gedient. Zur zweiten Aufgabe hat er fich erst widerstrebend bereit finden lassen, als Geheimrat Busley im Sommer erklärte, diese Arbeit ferner nicht mehr leisten zu können. Irgend eine Aenderung der seitherigen satzungsmäßigen Haltung des Präsidiums ist hierin nicht enthalten, am wenigsten die Enthüllung eines taktischen Programms. Der jetzt erfolgte, als eine bedeutende politische Aktion überall verkündigte Schritt des bayerischen Aus­schusses, der im Auslande als Beginn der Zersplitterung unseres großen nationalen Vereins begrüßt wird, bildet den Versuch, das im Mai in Köln verfehlte Vorhaben, das dem Sinn nach die Entfernung Keims herbeiführen sollte, ohne jede tatsächliche Begründung auf anderem Wege zu erreichen. Die Nieder­legung deS Protektorats durch den Prinzen Rupprecht von Bayern haben wir mit größtem Bedauern entgegengenommen. Um dem Präsidium die Gewißheit zu geben, daß seine Auf­fassung von der Mehrzahl der Mitglieder geteilt wird, wird eine außerordentliche Hauptversammlung auf den 19. Januar 1908, dem nach den Satzungen frühesten Termin, nach Cassel einberufen.

Giroüber Weisung der Veanttengehälter. Nach einer Anordnung des Finanzministers soll die bei den staat­lichen Behörden in Berlin bestehende Einrichtung, daß den Beamten, welche ein Konto bei einem an den Reichsbankgiro- verkehr angeschlossenen Bankhause haben, ihre vierteljährlichen Gehaltsbezüge ganz oder zum Teil dem Bankkonto im Giro- wege zugeführt werden, vom 1. Januar 1908 ab auf die staatlichen Behörden in den Provinzen ausgedehnt werden, bereit Beamte ihr Gehalt von einer in den ReichSbankgiro- nerkebr einberouenen Kalle aerablt erhalten. Die Giroüber

Weisung ist ferner vom nächsten Vierteljahr ab versuchsweise für die vierteljährlich zahlbaren Zivilpensionen, Wartegelder und Unterstützungen der Pensionsempfänger, sowie für die im voraus zahlbaren Hinterbliebenenbezüge (Witwenpensionen, Witwen-, Waisengelder bzw. -renten, Erziehungsbeihilfen usw.) zugelassen worden. Die Ueberweisung würde an dem , dem Fälligkeitstage vorhergehenden Werktag und, wenn der Fällig­keitstag auf einen Sonntag oder Festtag fällt, an dem zweit­vorhergehenden Werktag erfolgen und zur Sicherung der rechtzeitigen Uebertragung auf das Konto des Empfängers zwei Tage vorher dem Bankhaus angemeldet werden. Ueber die erfolgte Giroüberweisung ist von den Empfängern nach Gutschrift der Beträge auf ihren Konteü der staatlichen Kaffe Quittung einzusenden. Auf Beibringung einer Bescheinigung über Leben deS Empfängers und eigenhändige Unterschrift unter den Einzelquittungen wird verzichtet, wenn das Bank­haus sich verpflichtet, überwiesene Beträge, deren Fälligwerden der Empfangsberechtigte nicht mehr erlebt hat, der Staats­kasse wieder zuzuführen. Unter den JahreSquittungen sind die vorgeschriebenen Bescheinigungen in jedem Falle beizubringen. Endlich ist die Zahlung von Pensionen und Hinterbliebenen- bezögen im Postanweisungsverkehr ohne Einzelquittungen, welche bisher auf einen Höchstbetrag von 800 Mk. beschränkt war, in jeder Höhe gestattet worden.

Prinz Ludwig von Bayern über Wasser- sttatzen. Bei dem zu Ebren deS Pripzen Ludwig von Bayern abgehaltenen Festmahle des ZentralvereinS für Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt brachte der Vor­sitzende, Geheimrat Krause, einen Trinkspruch auf den Prinzen auS. Danach erhob sich Prinz Ludwig von Bayern zn einem Trinkspruch, in welchem er zunächst seiner Freude Ausdruck gab, endlich einmal Gelegenheit zu haben, unter den Mit­gliedern des Zentralvereins weilen zu können. Man habe vorhin so viel Schönes und Gute« von ihm gesagt. In diesem Bestreben werde er selbstverständlich nicht Nachlassen; aber ein einzelner erreiche nur etwas, wenn er die Unter­stützung durch Gleichgesinnte finde. Redner ging dann über auf die Wasserstraßen und führte auS: Während der große Rheinververkehr, der Elbverkehr und die märkischen Wasser­straßen sehr zugenommen hätten, habe der Wasserverkehr im Süden deS mitteldeutschen GebirgeS abgenommen. Auch die Donau höre bei Regensburg auf. Er hoffe, daß der Ver­kehr dank der dort jetzt im Bau befindlichen Häfen wieder aufblühen werde (lebh. Beifall); aber im Norden Bayern» sei man leider immer noch nicht innerhalb Bayern«. Bei Offenbach höre eS auf. Wenn Aschaffenburg erst ange­schlossen sei, werde die Fortsetzung ganz von selbst kommen. Vorläufig rühre sich aber keiner. Bei den Eisenbahnen sei dieselbe Erscheinung gewesen. Der Prinz führte dann auS, waS er anstrebe, sei einerseits die große Linie durch ganz Bayern von Aschaffenburg bis Passau und andererseits die Verbindung der größten Städte, nämlich München und Augs­burg mit Wasserstraßen. Ferner wünsche er eine Linie vom Main an die Saale, wodurch man direkten Anschluß an das Elbgebiet bekommen werde, sodann einen Anschluß nach der Weser und zum Bodensee. In diesen Bestrebungen möchte der Verein ihn unterstützen. WaS der Anschluß an eine große Wasserstraße, wie sie der Rhein sei, bedeute, sehe man an dem aufblühenden Ludwigshafen. Die von Württemberg angestrebte Linie von Ulm nach Heilbronn werde jedenfalls eine der besten Wasserstraßen von der Donau nach dem Rhein werden und auch Bayern schade es nichts, wenn die Donau wieder als Schiffahrtsstraße an Bedeutung gewinnt. Im Norden des Reichs stehe es mit den Wasserstraßen viel besser, aber, so fuhr der Prinz fort, wir sind im Reiche, wir tuen alles fürs Reich, aber wir wollen auch alles Gute vom Reich in demselben Maße genießen wie Sie. Ich glaube, daS ist nicht unbillig, und wenn ich Sie bitte, mich in meinem Be­strebungen zu unterstützen, so hoffe ich, daß ich zu keinen tauben Ohren spreche. Der Prinz schloß unter anhaltendem Beifall mit einem Hoch auf seine Freunde und Mitarbeiter.

Die Vorgänge in Ruhland.

Petersburg, 19. Dezbr. Heute abend verschied plötz­lich während einer Galavorstellung im Marientheater der Handelsminister Philossoffow. Der Handelsminister war heute in Zarikoje Sselo und kehrte in bester Stimmung zurück. Am Abend besuchte er mit seinem Sohne eine Gala­vorstellung im Marientheater. Gleich bei Beginn der Vor­stellung wurde der Minister unwohl und fiel in Ohnmacht. Er wurde aus der Loge hinausgetragen und vom Theater­arzt untersucht, wobei sein plötzlicher Tod infolge Schlag­anfalles festgestellt wurde. Der Verstorbene litt an Brust­bräune.

Petersburg, 19. Dezbr. Nach einer Blättermeldung steht die Entsendung eines ganzen Armeekorvv aus dem

Militärbezirk Petersburg nach Finland, angeblich zur Ab- Haltung von Wintermanövern bevor. Dies wird vielfach als ein weiteres Zeichen eines bevorstehenden Umschwunges in der russisch-finischen Politik betrachtet und mit der kürz­lichen, vielbesprochenen Ernennung deS Generalgouverneurs Seyn, des früheren Vertrauensmannes von Bobrikow, zum Gehilfen des Generalgouverneurs von Finland in Ver­bindung gebracht.

Der Prozeß gegen Freißem von Lindem.

(Unber. Nachdruck derbst«.)

8. n. H. Karlsruhe, 19. Dezember.

Unter gewaltigem Andrange deS Publikums, daS sich auS allen Bevölkerungsschichten der badischen Residenzstadt zusammensetzte, begannen heute früh vor der vierten Straf­kammer deS hiesigen Landgerichts die Verhandlungen in dem mit Spannung erwarteten Prozeß gegen den Freiherrn Karl Heinrich von Lindenau aus Mannheim, der sich unter der Anschuldigung der Erpressung, der Beleidigung — verübt gegen die Hauptzeugin im Hauprozeß Fräulein Olga Molitor — und der Begünstigung zu verantworten hat. — Schon in den frühen Morgenstunden war daS in allernächster Nähe deS Großherzoglichen Residenzschlosses belegene Gerichts« gebäude von einer großen Menschenmenge umlagert, di« veN geblich Zutritt zu dem Sitzungssaal« zu erlangen versuchte, da die Eintrittskarten zu der Verhandlung fett langem in festen Händen waren. Nicht nur auS KarlSruh« sondern auch auS der benachbarten Bäberstadt Baden-Baden, dem Schau­platz deS mysteriösen Mordes an der Frau Molitor sowie aus Mannheim, Freiburg, Pforzheim und andere'c oadisch«« Städten waren Neugierige erschienen, die von? k« heutigen Verhandlung neue Momente für die Hauaffäre erwarten. Ein starkes Polizei- und Gendarmetteaufgebot hielt die Ord­nung vor und im GettchtSgebäude aufrecht. Auch daS Hotel „RoteS Hau»-, vor dem eS in der Nacht der Utteilsfällung im Hauprozeß zu wüsten Tumulten kam, weil b« von Polizei und Militär zurückgedrängte Volksmenge hier da» Fräulein Molitor vermutete, war das Ziel vieler Neugierig«, die auch heute wieder die vielgenannte Zeugin sehen wollte«. Die junge Dame war jedoch mit ihren Verwandten in einem anderen hiesigen Hotel abgestiegen und fuhr in einer g«- aenen Droschke mit ihrem Bruder, dem Oberleutnant

or auS Stettin und ihrem Schwager, dem Oberst­leutnant Bacherlin aus Freiburg vor dem GettchtSgebäude vor. Mit ihr hatte sich auch ihr Rechtsbeistand in den von ihr angestrengten Beleidigungsprozessen gegen Paul Lindau, die Badische Presse und eine große Reihe anderer deutscher Zeitungen* RechtSanwalt Dr. v. Pannwitz-München und bei Anwalt tfer Familie Molitor in Baden-Baden, Dr. Schäfer, eingefunben. Fräulein Molitor trägt Trauerkleidung, ein dichter, schwarzer Schleier verhüllt ihr blasses, nervöses Ge­sicht. Die Ermattung der Menge, Karl Hau, die Haupt­person der ganzen Affäre, zu sehen, wurde getäuscht, da da» Gericht von seiner Ladung Abstand genommen hatte. — Den Vottitz führte LandgerichtSdirettor Frhr. v. Woldeck, die Anklaq« vertritt wieder der auS dem Hauprozeß her bekannte Staats­anwalt Dr. Bleicher, während die Rechtsanwälte Dr. Gönner und Dr. Oppenheimer-KarlSruhe sich in die Vetteidiguttg de» Angeklagten teilen. Dieser wurde kurz nach 9 Uhr unter scharfer Bewachung aus dem hiesigen Untersuchungsgefängnis vorgeführt, in dem er sich seit Anfang August dS. JS. be- findet, v. Lindenau ist ein alter, ziemlich würdig auSsehen- der Mann, mit grauem Kotelettenbatt und müdem abge­lebten Gesicht. Er begrüßt die Richter mit einer Verbeugung. Zur Personalfeststellung gibt er an, daß er 1843 in Mainz alS Sohn deS Oberleutnants a. D. Heinttch v. Lindenau geboren, verheiratet und vorbestraft sei, einmal in seinem MilitärverhältniS wegen Unterschlagung und daS andere Mal wegen Beleidigung, begangen durch Absendung eines anonymen Briefes.' Es wird dann der Eröffnungsbeschluß verlesen, nach welchem v. Lindenau der Vergehen gegen §§ 253, 257, 187 (Erpressung, Begünstigung und

Beleidigung) beschuldigt wird. Die Erpressung wird in einem âm 18. Juli 1907 an Fräulein Olga Molitor ge­richteten Briefe erblickt, durch welchen sich der Angeklagte einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen suchte. Die ^Begünstigung wird darin erblickt, daß er in diesem Briefe sowie in einem weiteren Briefe an den Verteidiger Dr. Dietz Andeutungen nach der Richtung hin machte, daß Hau nicht der Mörder der Frau Molitor sei, daß nach seiner Ansicht vielmehr Fräulein Olga Molitor den tötlichen Schuß abgegeben haben müsse. Die Beleidigung wird in diesen die Ehre des Fräulein Molitor verletzenden Andeutungen erblickt und ferner in der Tatsache, daß v. Lindenau die Dame neben der Ermordung ihrer Mutter auch des Meineids, begangen im Hauprozeß, beschuldigte. Es wurden dann zunächst die inkriminierten Briefe verlesen. In dem Schreiben an Fräul. Molitor heißt es: „Hochverehrtes Fräulein! Ich habe den gestrigen Verhandlungstag abgewartet, um zu hören, welche Aussagen Sie in der Angelegenheit Ihres Schwagers Hau zu inanen für angemessen finden werden. — Demgegenüber sehe ich mich heute veranlaßt, Ihnen eine klein« Geschichts