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GâMStüK

14. Dezember

Commission, von dem die Aeußerung fam :Man muß ja Zentrnms-Abgeordneter fein, um vom Staatssekretär Tirpitz freundlich behandelt und einer Antwort gewürdigt w werben" sei gerade her Abgeordnete Vaalche gewesen. Dr. Paasche erklärte dies als unwahr. Der bäurische Zentrnm^abgrord- nete Speck wendete sich gegen das Alftreten des Abaeard- rieten Stresemann in der Berlin-Charlottenburger Versamm­lung. Dies fei geeignet, das gute Einvernehmen zwilchen Nord unb Süd in Frage zu stellen. Er müsse als Süd­deutscher gegen ein derartiges Vorgehen Verwahrung ein« fegen.

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Der Kaiservesuch in Amsterdam.

Amstervâ- 13. Dezbr. Um halb 1 Uhr land im Pa­lais Familienfrühstückstasel statt. Nachher begaben sich der Kaiser und die Fürstlichkeiten nach der Gemäldesammlung Six und dem Reichsmuseum. In der Eintrittshalle wurden die Majestäten von dem Hanptdireftor und dem Direktor der Kupferstichgallerie empfangen. Die Halle trug Chrisan- lhemum und Palmenschmuck. Die Fürstlichkeiten begaben sich sodann in die Haupthalle, wo 15k> Schüler der hiesigen Kaiser Wilhelm-Schule sie mit einem Gesang begrüßten. Zwei Schülerinnen boten den Majestäten Blumensträuße. Der Schulrektor brachte ein Hoch auf den Kaiser aus; Hier­auf begleitete die Königin den Kaiser auf dem Gange durch daS Museum, wobei die Königin persönlich Auskunft gab. Sodann wurde das städtische Waisenhaus besucht, wo die Majestäten vom Präsidium der öffentlichen Armenpflege und den Vertretern der Gemeindebehörden empfangen wurden. Die Waisen stimmtenHeil dir im Siegerkranz" an. Die Königin lobte ihren Gesang. Ein VerwaltungSmitglied deS Waisenhauses brachte ein Hoch auf den Kaiser auS. Sodann kehrten die Majestäten im offenen Wagen ins Palais zurück. Die Menge brachte ihnen überall herzliche Ovationen dar.

Amsterdam, 13. Dezbr. Der Kaiser legte nach Besuch deS Museums einen Kranz am Grabe deS Admirals de Ruyter in Nieuwekerk nieder. Um 5 Uhr empfing der Kaiser folgende deutsch« Deputationen im PalaiS: deutscher evangelischer Kirchen und Schulen im Haag, Flottenverein im Haag, kaiserliche Konsuln, deutsche Reserveoffiziere, deutsche Kolonie, deutscher Verein, deutscher Echulverein, deutscher evangelischer Verein und Flottenverein, alle in Amsterdam.

Amsterdam, 13. Dezbr. Im Verlaufe der heutigen Galatafel brachte die Königin folgenden Trinkspnich auf den Kaiser in französischer Sprache auS:Ich bin sehr glücklich. Eure Majestät heute in meiner Hauptstadt willkommen heißen zu bürfen. Ich betrachte diesen Besuch als einen neuen großen Beweis Ihrer kostbaren Freundschaft für mich und mein Volk und eS liegt mir am Herzen, Ihnen die Ver­sicherung zu geben, daß diese Gefühle hoch geschätzt werden. Wir begrüßen in Eurer Majestät einen Monarchen von treuem Festhalten an der Tradition und von einer ruhm­reichen Geschichte, die unseren Käufern dauerhafte Bande ge­knüpft hat, Bande, bie von unserem gemeinsamen Vorfahren Friedrich Heinrich auSgehen, dessen Tochter die Gemahlin deS Großen Kurfürsten auS dem erlauchten Hause der Hohen- zollern wurde und dessen schönes Standbild dank der Groß­mut Eurer Majestät, daS zu seiner Erinnenrng erbaute PalaiS zieren wird. Wir bewundern den hohen poli­tischen Ginn Eurer Majestät, Ihre Weisheit alS Souverän und die großherzigen friedlichen Anschauungen, mit denen Sie hinstreben zu dem edlen Ziele, das Sie sich gesteckt haben, das Wohl und Glück der Völker zu sichern. Indem ich mich beglückwünsche, zu so glücklichen Beziehungen, die zwischen unseren beiden Häusern unb unseren Ländern be­stehen, gebe ich der Ueberzeugung Ausdruck, daß, wenn mög-

lieft. bettle biete ' -nb? noch ennet gefniinft werben. Ich frinTe mtf bn« Wons Churer Mvicstät nnh Ihror Majestät her Kaiserin, he? kaiserssck>"n nnh fönnTi^cn Hauke? itnh br§ bentr^en tro^c?. ^er .Kaiser rrmiherte in hcutfcher ^nrndie m:t fo'ncnbrm :^enchmincn (Vitre minicftät meinen alferfter^ili rüsten Dank zu Silben ?n fegen für bie nnübinen Worte. die Sie soeben gesprochen haben unb für den warmen Cèmpfona, den bie arobe .fSanbeißcmpore, da? schöne alte Amsterdam und feine Bevölkerung mir daraebracht haben. Ich habe aus den Augen der Bevölkerung nicht nur einen Willkommen für meine Person gelesen, sondern auch die Freude und die Treue für ihre geliebte Königin. Eure Majestät haben die Gnade gehabt, eine Saite anzusch^agen, die in meinem Herzen wieberklingen muß und in dem Herzen meines Hauses und meines Volkes: die Be­ziehungen zwischen den Häusern Oranien und Hohenzollern. Eure Majestät können versichert sein, daß jedesmal, wenn ich meinen Fuß auf niederländischen Boden sehe, ich mit besonder? dankbarem Herzen das Land betrachte, in dem einst meine Vorfahren gelernt haben, ihre Pflicht für das Vaterland zu tun. Von hier aus führte der Grohe Kur­fürst seine Gemahlin heim, hier hatte er gelernt, für sein Volk zu arbeiten. Die edle Kurfürstin hat uns ein Bild hinterlassen, welches heute noch in meinem Volke lebt, auch in den geistlichen Liedern, welche wir Sonntags in den Kirchen singen. Die Soarsamkeit und die ArbeitZfreudigkeit Friedrich Wilhelms T. stammen auch von hier, und so ist mein Land den Niederlanden und dem Hause Oranien innigsten Dank schuldig. Dieser Dankesschuld kann ich nur dadurch Ausdruck geben, indem ich mein Leben dastir einsehe, daß unsere Länder in Frieden sich entwickeln können. Ich hege die feste Ueberzeugung, daß auch der heutige Tag die Bande, welche unsere Häuser und Länder verbinden, fester knüpfen werde. Ich weiß mich eins mit meinem Lande, wenn ich zu Gott bitte, dah er Eure Majestät schützen möge, und Eurer Majestät gesegnete Regierung und daß unter dieser die schönen Niederlande zu weiterer Blüte gedeihen mögen. Eurer Majestät und den Niederlanden weihe ich mein GlaS." Nach dem Trinkspruch der Königin spielte die Musik die deutsche, nach dem deS Kaisers die niederländische Nationalhymne.

Amsterdam, 13. Dezbr. Die Königin verlieh folgende Ordensauszeichnungen: DaS Grohkreuz des Ordens von Oranien-Nassau dem Vizeadmiral v. Müller, Chef deS Marinekabinetts; das Grohosfizierskreuz desselben Ordens dem Ilügeladjutanten Oberst Freiherr von Marschall, Kapitän zur See v. Rebeur-Paschwitz; daS Kommandeurkreuz des­selben Ordens dem Geheimen RegierungSrate v. Eisenhardt- Rothe und dem Leibarzt General-Oberarzt Dr. Jlberg.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 13. Dezember.

Am BimdesralStikch Minister Dr. Delbrück. Der Präst» beut eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten. Nach Erledigung von Petitionen und mehreren Rechnung-sachen wird die Beratung des Börsengesetzes fortgesetzt.

Abg. Singer lSoz.) führt anS: Dre Vorlage bedeute eine vollständige Preisgabe des Gesetzes von 1896. Die Regierung habe auch jetzt wieder halbe Arbeit gemacht. Sie könne sich immer noch nicht von den Agrariern losmachen. Die Ausführungen deS Abgeordneten Semler bewiesen, welcher Entsagung der Liberalismus fähig sei. Es unter« liege keinem Zweifel, dah der Terminhandel in Getreide von großer Bedeutung für die Bevölkerung fei. Seine Partei betrachte daS Gesetz selbstverständlich nicht vom Gesichtspunkte

der Börse, sondern von den Interessen der Gesamtheit aus. Alle Beßauvumgen, als ob die Sozialdemokraten Freunde der Börse seien und sie begünstigte, st'kn als Legende zu berechnen. Seine Partei vertiefe hen Standpunkt, daß zwar innerhalb der heutigen Verhältnisse die Börse notwendig sei. Wenn hie Regierung nist der Beseitigung der Uebel» ftânhe, die sich unter dem Börsenge^tk heransstestten, es wirklich ernst me nte, so müßte das Verbot des Termin- Handel? in Getreide- und Mühlenfabrikaten aufgeboben werden. Aus der Fassung deS Gesetzes gehe nicht hervor, wo sich die erlaubten und unerlaubten Geickäfte trennen. Seine Partei stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß daS Verbot des Getreideterminhandels volkswirtschaftlich nachteilig und, weil nur im Interesse der Agrarier liegend, ungerecht sei. Der Entwurf enthalte einige Bestimmungen, die auch die Sozialdemokraten als Verbesserung bezeichnen könnten. Die definitive Entscheidung über das Gesetz im ganzen aber mühten sie stch bis nach Beratung der Vorlage in der Kommission Vorbehalten.

Abg. Böhme (wirtsch. Vgg ) wird für die Kommission-» beratung stimmen, ohne allzu große Hoffnung zu tragen, dah ans diesem Gesetz etwas wird, und war aus entgegen­gesetzten Gründen, wie Singer sie angeführt hat. Der Ab­geordnete Singer habe die Moralität an der Börse auf die gegenwärtige bürgerliche Gesellschaft zurückgesührt . . . werde es etwa in der sozialistischen Gesellschaft mit bet Moralität an der Börse besser sein? (Sehr wahr, rechts.) WaS der Abgeordnete Semler gestern vorbrachte, wider­spreche erheblich dem, waS früher die meisten der $ai icl* genossen Semler? über diese Frage gesagt haben. Sein- Partei sei mit der Rechtsprechung des Reichsgerichtes in den Termingeschäften zufrieden und wolle, daß an den von ihm aufgestellten Grundsätzen festgehalten werde. Sie werde alles tun, um diesen auch bei der Formulierung der Vorlage ge­recht zu werden. Die Fassung des § 50 betreffend bis Börsentermingeschâste habe daher für sie erhebliche Bedenken. Seine Partei wolle keine Spekulation fördern und feint Spekulation züchten. Sie sei daher auch entschieden gegen den Terminhandel in Montanwerten und Fabrikantrile«. Wenn so viel über den Differenzeinwand geredet werde, soll« man doch eine Enquete darüber veranstalten. Die Miß­stimmung gegen die Börse gehe größtenteils darauf zurück, daß in so erheblichem Maße an der Börse daS jüdi'ch« Element beteiligt sei. Redner schließt, seine Partei werd« das Gesetz prüfen, aber nicht die Volk-interessen den Börsea- intereffen opfern, (Beifall recht-.)

Abg. v. Saß-JaworSki (Pole) erklärt sich mit btt Tendenz der Vorlage einverstanden und erkennt gern an, daß die Börse ein wichtiges Glied der Volkswirtschaft sei. Im ganzen könnte er nur wünschen, daß die Regierung auch fernerhin so gut begründete Vorlagen brächte, wie diese.

Abg. Hahn (Bund der Landwirte) spricht zunächst seilt Bedauern darüber auS, daß Graf Kanitz seine gestrige Red« infolge Unwohlsein- nicht beendigen konnte. Die freund­lichen Worte deS Abgeordneten Kämpf hätten einen vorzüg­lichen Eindruck gemacht. Redner könne mitteilen, daß das Befinden deS Graien Kanitz sich wesentlich gebessert habe. Hahn stellt alsdann Vergleiche zwischen früher und jetzt an und legt dar, daß, als das Gesetz im Jahre 1896 erlassen wurde, Deutschland im wirtschaftlichen Aufschwung gewesen sei. Diesem Aufschwung habe das Gesetz keinen Abbruch getan. Erst 1900 sei es zu einer Krisis gekommen, die auf

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