Sette 4
Montaa
HZ. November
Oeffentlieber Wetterdienst.
({Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt.) G-rauSsickrtlicke Witterung für die Zeit vom Abend des 25. November bis zum nächsten Abend.
Morgen zunächst Regen, später zeitweise aufklärenb; Mäßige siidivestliche Winde. Temperatur nicht erheblich geändert.
SvreckisaaL.
Der Zustand der Frankfurter Landstraße, eine der verkehrsreichsten Straßen in und um Hanau, hat schon öfter- ^u berechtigten Klagen an dieser Stelle Anlaß gegeben, leider jedoch ohne den gewünschten Erfolg. E- ist bedauerlich, daß diese Straß«, besonders der Teil von der „Rosenau" ab westwärt« in einem so unwürdigen Zustand gelassen wird. Die Straße soll nun nach dem Kesselstädter Eingemeindungsvertrag von der Stadt Hanau aut dem Besitz bei Kommunal« verband« übernommen werden, jedoch kann dem Vernehmen nach deren Ueberweisung erst erfolgen, wenn die Entschädigungsfrage vom Kommunallandtag geregelt ist. ES darf die hierdurch hervorgerufene Verzögerung aber nicht dazu führen, daß der Zustand der Straße noch schlechter wird. Neuerdings sind nun zwar die hauptsächlichsten Löcher der Fahrbahn mit Kleinschlag zugeworfen, die übliche Einbettung mit Sand und Walze ist aber unterblieben; eS wird den armen Zugtieren überlasten, die Steine mit ihren Fuhrwerken festzustampfen. Die Einbettung-art bewirkt aber auch ein derart lautes Geräusch, daß man Nachts, wenn der Verkehr der schweren Bier- und Fouragewagen nach Frankfurt beginnt, oft au8 dem süßen Schlase erschreckt wird.
Der Zustand des Banketts ist in Nr. 274 des „Han. Anz." treffend geschildert. Da- Bankett ist vor der Ver- einigung Keffelstadts mit Hanau auf Kosten der hierzu nicht verpflichtet gewesenen vorherigen Gemeinde Keffelstadt — seeligen Angedenken- — so hergestellt worden, daß man dasselbe, selbst bei andauerndem starken Regenwetter, gut passieren konnte. Nach der Eingemeindung ist die städtische Wafferleitung in daS Bankett gelegt worden, welche Bodensenkungen im Gefolge hatte; diese Vertiefungen nehmen jetzt daS ganze von der Fahrbahn fließende Regenwaffer auf, sodaß man genötigt ist, auf dem ganzen Fußwege durch Wafferpsützen gehen zu müssen. DaS Bankett ist stellenweise auf der Grabenseite durch die von der Wasserleitung her liegen gebliebene Erde erhöht, sodaß hierdurch daS Wasser gehindert wird, dem Graben zuzufließen, während auf der anderen Seite dieses sog. Bankett- zu allem Ueberfluß noch Reste deS ErdauShubS lagern, welche bei Regenwetter auf da» Bankett gespült werden.
Zu diesen Mißständen kommt noch dir sehr spärliche Straßenbeleuchtung mit der diese verkehrsreichste Straße bedacht ist, die zum Teil auch dadurch hervorgerufen wird, daß einzelne Laternen einen recht ungünstigen Standort inne haben (eine, Ecke bet Lindenstraße, steht direkt hinter einem Baum, letzterer dürfte beseitigt werden, damit der Verkehr nach der Lindenstraße frei wird).
ES dürfte sich empfehlen, fall« ausreichende Mittel für ein Hochbankett mit Rinnenpflaster z. Zt. nicht verfügbar sind, den Graben unmittelbar an die Baumreihe zu verlegen, damit dieser daS von der Fahrbahn kommende Regenwaffer direkt aufnehmen kann. Bei dieser Gelegenheit könnte bamt mit Rücksicht auf den starken Fußgängerverkehr der Graben, welcher von der Rosenstraße ab sich besser als Sicherheitshafen eignete, hier aber in seinen Dimensionen durchaus nicht am Platze ist, auf das allernotivendigste Maß beschränkt werden.
Hoffentlich ist aus der 5000 Mark Rente, welche für die jährliche Unterhaltung der Ort-straßen in Hanau-Kesselsiadt verfügbar ist, soviel übrig, daß hiervon die Uebelstände in der Frankfurter Landstraße beseitigt werden können.
Die Anwohner, wie auch all« Passanten, würden hierfür gewiß sehr dankbar sein.
Dringende Abhilfe tut not!
Hus Hab und fern.
r Marburg, 24. Novbr. Der vorjährige Rektor der Universität, Prof. Dr. v. S y b e l, hat den ihm von der
Studentenschaft angebotenen Fackelzug ab gelehnt.
Ver«
gangcne nacht hat es hier und in ganz Oberhessen tüchtig geschneit.
r Biedenkopf, 24. Novbr. Die Errichtung einer Reichsbanknebenstelle ist nunmehr sicher gestellt. — Ober- wachtmeister Funk stürzte bei Eisa tm Walde so unglücklich
vom Pferde, daß er schwere innere Verletzungen davontrug. — In der Grube „Concordia" bei Verbots wurde gestern der 19jährige Bergmann H o m b a ch durch herabiallendeS Gestein getötet.
sch. Ans des Rhön, 94. Novbr. Heute nacht hat es in der Rhön und im ganzen Vorland stark gescheit. Von den deutschen Mittelgebirgen steht die Rhön erst an dritter Stelle, wo Heuer der Winter eingekehrt ist.
G Offenbach a. M., 24. Nov. Die Bürgermeisterei hat die kürzlich verhängte Amtsenthebung des Gaswerks- direktorS wieder rückgängig gemacht. — Der sozialdemokratische Konsumverein kann in diesem Jahre seinen Mitgliedern keine Dividende gewähren, was von den zahlreichen Arbeiterfamilien im Hinblick auf die Weihnachtsfesttage bitter empfunden wird. In verschiedenen Warenabteilungen des Konsumvereins wurde mit Unterbilanz gearbeitet, da den betreffenden Abteilungsvorstehern die Branchekenntnis fehlte.
W. Bayreuth, 24. Novbr. Der zur Zeit hier weilende Kammersänger Bertram hat heute früh, vermutlich in einem Anfall von Geistesstörung, Selbstmord begangen.
Hus aller Gleit.
Verurteilung eine» österreichischen OsstzierS wegen Spionage. Unter allen Formalitäten des militärischen Gerichtsverfahrens bei offenen Türen und Fenstern und unter Trommelwirbel wurde in Wien dem Oberleutnant Waldemar Fierbas vom Ins.-Regt. Nr. 3, zuletzt dem General stabe zugeteilt, daS Urteil deS Kriegsgerichts bekanntgegeben, durch das er wegen Spionage, Betrugs und Mißbraitchs der Amtsgewalt zu acht Jahren schweren Kerkers und Degradation verurteilt wurde. Fierbas hatte, um sich die Mittel zur Flucht mit einer von ihm geliebten Frau zu verschaffen, für Italien eine umfangreiche Arbeit aus geheimen Akten zusammengestellt, für die ihm eine große Summe versprochen worden war. Er ließ seine Arbeit bei einer Maschinenschreiberin in Wien abschreiben, wo ein Fragment von einem Polizeibeamten gesehen wurde. Dadurch wurde die Sache bekannt.
Einen abentenerlichen F-lnchtversuch von Helgoland unternahmen die Matrosen-Artilleristen Bilke und Winkelmann der zweiten Matrosen-Artillerie-Abteilung. Sie hatten in der Nacht zum Bußtag in einem kleinen Boote die Station verlassen, und obgleich die Flüchtigen sofort durch das Motorboot der Biologischen Station, einen Marinckutter und mehrere Torpedoboote verfolgt wurden, gelang eS nicht, ihrer habhaft zu werden, da infolge bewölkten Himmels eine Fernsicht unmöglich war. Erst gestern sind die Ausreißer von dem Finkenwärder Kutter „Edelweiß" 20 Meilen nordwest ausgenommen und wohlbehalten wieder in Helgoland gelandet mürben. Sie werden sich demnächst wegen Fahnenflucht vor dem Kriegsgericht zu verantworten haben.
am
Drahtnachrichten
W. Darmstadt, 24. Novbr. (Amtlich.) Gestern wurde Haltepunkt Glasberg der Nebenbahn Darmstadt-Groß*
Zimmern ein zweispaunigrs B i e r f u h r w e r k von dem um 5 Uhr 16 Min. nachmittags von Roßdorf abgefahrenen Güterzug Nr. 8474 überfahren. Der Wagen wurde zertrümmert; die Maschine des Güterzugs entgleiste. Der Fuhrmann erlitt eine Verletzung am Kopfe, die Pferde blieben unversehrt. Infolge der Entgleisung mußten zwei Personenzüge über Reinheim nach Groß-Zimmern geleitet werden, im übrigen wurde der Verkehr durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrechtcrhalten. Untersuchung ist eingeleitet.
High Cliffe, 24. Nov. Der Kaiser unternahm gestern nachmittag eine Ausfahrt im Automobil und arbeitete später allein. Nach dem Diner wurde ans dem Buche des Generals Frhrn. v. d. Goltz, „Von Jena bis Pr.-Eylau" vorgelesen. — Heute war prächtiges kaltes Wetter. Der Kaiser besuchte mit sämtlichen Herren deß Gefolges den Gottesdienst in der Kirche von High Cliffe. Das Publikum, das sich am Eingänge des Schlosses versammelt hatte, begrüßte den Kaiser ehrerbietigst. Nach der Kirche sprach der Kaiser im Schloßparke die Familien des Obersten Stuard Wortley und von Sir Alfred Kropers. Zum Frühstück waren geladen der Kommandant der „Hohenzollern, Kontreadmiral Jngenohl, der Kommandant des Kreuzers „Königsberg", Fregattenkapitän Philipp und der Kommandant des „Sleipner", Kapitänleutnant Frhr. v. Paleske. Nachmittags machte der Kaiser eine Ausfahrt.
Kiel, 25. Novbr. Petersburger Meldungen zufolge ist dort die Schiffahrt Eises halber geschlossen worden.
Harburg, 25. Novbr. Der Einsturz einer Straßenüberführung verursachte in der Nacht von Samstag zu Sonntag eine größere Betriebsstörung.
Berlin, 25. Novbr. Das „Berl. Tagebl." meldet auâ Madrid: Madrider Preßberichte schildern die Lage in Portugal als s e h r e r n st. Alle Reservisten seien ein- berufen.
Enxhaven, 24. Novbr. Der vorgestern bei Spiekeroog gestrandete englische Dampfer „Saba" ist in der letzten Nacht von 11 Schleppern losgebracht worden, nachdem die Ladung gelöscht worden war. Der Dampfer ankert jetzt auf der Elbe beim vierten Feuerschiff und will nach Hamburg gehen.
Bremen, 24. Novbr. Einem Telegramm aus Carta» gena zufolge ging der Frachtdampfer „Schwaben" deS Norddeutschen Lloyd nach vollständiger Löschung bei Feuer- auch in den Kohlenbunkern gestern nach B remer» Haven weiter.
Brünn, 24. Novbr. Etwa 4—5000 Personen hielten heute wegen der Höhe der Lebensmittelpreise eine Protest« Versammlung ab, in der sozialdemokratische Führer Ansprachen hielten. Hieran schloß sich ein Umzug durch bit Straßen der Stadt.
London, 24. Nov. AI« Handelsminister Lloyd George sich heute im Automobil von Manchester nach London be« gab, wurde er in der Nähe von Lichfield infolge Stoßende« Wagen- an einer unebenen Stelle der Landstraße gegen einen gläsernen Windschirm geworfen. Dem Minister wurde durch GlaSspIitter das linke Augenlid ausgeschnitten, sodaß es genäht werden mußte. Hierauf setzte der Minister seine Reise nach London fort.
Robot, 24. Novbr. Nach einer hier eingetroffenen Meldung fand ein Kampf zwischen den Truppen B u ch k a ben Bagdadis und Mul ey Ra sch r d s statt. Letzterer hatte einen Verlust von 2 Toten, behauptete jedoch das Feld und setzte feinen Vormarsch fort.
Tanger, 24. Novbr. Ein Funken-Telegramm meldet aus Maza g an, daß die dort gelandeten schert fischen Truppen die Stadt ohne Zwischenfall besetzten und von der Bevölkerung lebhaft begrüßt wruden. Aach die von Mulay Hafid eingesetzten Beamten nahmen an der Begrüßung teil.
Shanghai, 24. Novbr. (Reuter.) In der Provinz T s ch e - K i a n g ist eine antidynastische Bewegung ausgebrochen, die auf eine sorgsam vorbereitete Agitation zurückzuführen ist. Bisher hat sich eine feindselige Haltung gegen die Fremden nicht bemerkbar gemacht. Welche Bedeutung man jedoch diesem Aufstande in Peking bei« mißt, zeigt der Umstand, daß die Regierung sofort Truppe« nach Hangtschou entsandt hat.
Schiffsnachrichten.
Mttzeteilt vom Vertreter bei Norddeutschen Lloyd in Bremen M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1).
Der Dampfer „Oldenburg" ist am 21. November wohlbehalten in New-Aork angekommen.
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