Sette 4
DormeEttg
TU November
fiattfirrdet, ist zweifelhaft. Diese Mannschaft, die schon seit Jahren Mit der Hauptkonkurrent um die deutsche Meisterhaft ist, ist sicher den 93ern ebenbürtig und man wird ein Sviel zweier erstklassigen Mannschaften, die beide in Deursch- ionb mit an der Spitze stehen, zu sehen bekommen. Dasselbe wirb wohl der Fall sein am 29. Dezember, an dem der bekannte K. F.-V. in Hanau weilen wird. Der K. F.-V., der nach seinen Siegen über einige der besten süddeutschen Mannschaften die Meisterschaft in seinem Gau gewonnen hat, gilt in diesem Jahre für den Favoriten für die deutsche Meisterschaft und in allen Sportskreisen sieht man seinem Zusammentreffen mit dem L H. F.-Kl. 1893 mit großer Spannung entgegen. Für die Weihnachtsseiertage werden wir wohl sicher eine oder zwei erstklassige ausländische Mannschaften als Gäste hier haben.
* Frankfurter Bau. Die täglich hier konzertierende Italienische Kapelle erfreut sich eines sehr regen Besuche«. Gs wird in feder Hinsicht großartiges geleistet, sodaß ein Besuch sehr zu empfehlen ist, da die Kapelle nur biß zum 30. November hier in Hanau bleibt.
* Die Fleischbeschau iu Hesseu-Nassau. Im dritten Vierteljahr 1907 stellt sich die Zahl der Schlachttiere, die in Hessen-Nassau der Fleischbeschau unterworfen wurden, wie wlat: Pferde und andere Einhufer 498 (gegen 521 im zweiten Vierteljahre) Ochsen 9372 (8885), Bullen 1902 (1408), Kühe 15 296 (18 998), Rinder 18 701 (10118), Kälber 50 264 ,50268), Schweine 129 710 (127 046), Schafe 14 628 (12 207), Ziegen 1272 (4522). Während in den verschiedenen anderen Provinzen auch Hunde geschlachtet wurden, z. B. in der Provinz Schlesien allein 237, ist in unserer Provinz nicht ein einziger derartiger Fall in der Statistik verzeichnet.
O Erbsiadt, 20. Novbr. (Selbstmor b.) Der hiesige Einwohner B. erhängte sich auf dem Speicher in dem Augenblicke, alt der VollziehungSbeamte erschien. B. ersuchte um ein kurzes Verweilen, da er sich umzukleiden beabsichtige, stieg auf den Boden und verübte Selbstmord.
Gvvecksaal.
Durch den Ausbau der Gustav Adolfstraße und die Errichtung eines geschmackvollen und schmucken Eckhauses am Eingänge derselben hat dieser Stadtteil eine sehr wesentliche Verschönerung erfahren. Um so auffälliger treten aber jetzt auch die Mängel und Mißstände zu Tage, die bislang noch der Frankfurter Landstraße besonders auf der Strecke bis zum EaliSbache anhaften. Vor allem ist eS der häßliche Graben längs der nördlichen Seite, der heute keineswegs seinen urspüngllchen Zweck mehr erfüllt, aber in höchst unangenehmer Weise als Sammelstelle für Straßenschmutz und lästige Abfälle dient. Die Grabenböschung und der anschließende schmale Streifen sind üppig wuchernden Unkräutern vollständig preißgegeben und stehen im stärksten Kontrast zu den wohlgöpflegten Vorgärten. Ebenso wenig kann die plumpe hölzerne Schutzvorrichtung, die noch an einer Stelle den Graben begleitet, als eine Zierde einer so verkehrsreichen Straße und bevorzugten Spazierweges erachtet werden. Auf der Kesfelstädter Seite, jenseits des Baches ist der Straßengraben schon längst beseitigt und gewiß nur zum größten Vorteile des gesamten Straßenbildeâ. Gerade dieser Umstand sollte als anregendes Vorbild wirken, um auch diesseiS der Beseitigung einer so höchst unmodernen Straßenbegrenzung näher zu treten.
Gerrchtsfaak.
Sitzung des Schöffengerichts vom 11). November.
Weil er sich von ihr verklatscht glaubte, versetzte bet Schreiner Georg K. hier einer Bekannten auf offener Straße einige tüchtige Ohrfeigen, daß ihr die Nase blutete, stieß sie bann gegen die Hausmauer und traktierte die in die Knie Gesunkene mit Fußtritten in recht roher Weise. Er erhält zwar mit Rücksicht daraus, daß er einschlägig noch nicht vorbestraft ist und daß er erheblich gereizt wurde, mildernde Umstände zugebilligt, muß die Sache aber doch mit 14 Tagen Gefängnis büßen. — Der Hausbursche Wilhelm G. hier iah am 3. November beim Verlassen der „Schwedischen Krone" ein Rad am Torbogen stehen, fetzte sich kurz ent» schlossen darauf und fuhr nach Hause. Das Rad, einem Metzgergefellen gehörend, wurde ihm jedoch bald wieder ab« genommen, Er kommt, weil noch unbestraft und offen ge» ständig, mit 3 Wochen Gefängnis davon. — Der Monteur Robert W. hier hatte am Abend des 27. August mit einem Lehrer, mit dem er längere Jahre zusammen im selben Hause wohnte, in dessen Wohnung einen unfriedlichen Zusanunenstoß, der sich nach der polizeilichen Anzeige des Lehrers recht schlimm ausnahm, heute aber, nachdem sich der damals Insultierte beruhigt, in einem viel harmloseren Lichte erscheint und vom Gericht mit 15 Mk. Geldstrafe für genügend gesühnt erachtet wird. — Der Milchhândler F. in Großkrotzenburg muß 60 Mk. Geldstrafe zahlen, weil er die Milch gewässert und einschlägig, allerdings schon vor mehreren Jahren, bereits einmal vorbestraft ist. — Der Pächter des Äilheimsbader Hofes erhielt ein Strafmandat über 30 Mk., weil er Arbeiter nicht angemeldet hat. Er erhebt Einspruch und leitet aus dem Umstand, daß sich der Gutsvorstcher Zither mit einem Verzeichnis der an- und forizirhenden Personen begnügte, das beständig auf dem Hofe geführt ivurde und in das der Gutsvorsteher ab und zu Einsicht nahm, seine Nichtveryflichmng zur An- und Abmeldung her, liluß aber, da gesetzlichen Vorschriften gegenüber Sonder- abmachlmgrn natürlich maßt zulässig sind und zumal auch der Gutsvorsteher nunmehr auf besonderer Anmeldung besieht, kostenpflichtig abgewiesen werden.
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für Donnerstag den 21. November,
Kirchenchsr der Johanni-kirche: Abend; 8 Uhr: Probe im UebunaS- lallen der Kirche.
E^ug. Männer- und Iünqiingsverein: Vibelstunbe (Ev. BereinShanS.) rurngemâ: 8'/.-10: IuAendâèug, 7«/*-8°/.: Frauen ab teilung X «^ «r^^^mään», 6-7: Knabtnabteilmig.
KathoUicher Mannrrvereln : Vrreinsabend in der Restauration Mohr.
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besaugverein „Fröhlichkeit": Singstunde im SerehtgloMe.
Nationaistenogravken-Verein: Lehr- w. Uebungsstunde (Lokal „Zur großen Störte", Steinheimerstraße 26).
Dramatisch-literarischer Verein ..Meipamene" muv Sonne": Lesung. Allgemeiner Dildungkverein: Abends 9 Uhr: Lese-, Diskusstons- und Vor- tragSabend im Restaurant „zur Sonne".
Oesterc. -Ung. sUub: Vereinsabend in der Brauerei Orschler.
Erster Hanauer Fnßball-Kknü 1893: Klubabend in der Brauerei Kaiser. Verein „Canaria" : Vn'einSabend im Vereinslokal „g, deutschen Schlitzen". Klub „Bavaria": Klubabend in der Restauration „Alleinania Erste Hanauer Poulegesellschast: PreiLspiel im „Deutschen Hauk". Klub „Concordia": Ttammüsch in der „Concordia" (Paradeplatz). Fußballklub „Viktoria": VereinSabend im „goldnen Rad". Radfahrerverein Hanau 1885* Klubabend in der „Centcalhallr". Radfahrerverein „Vorwärts": Zusammenkunft im Ballhaus „z. Sonne'. Spefsart-Tonristenvertin: VeceinSabend im „Elephanten".
Konsulat Hanau der Allgemeinen Radfahrer-Union, D. I, 6«: Versammlung im Restaurant „Carlsberg".
Oeffciitliliitr Wetterdienst.
(Beobachtungen des Physikalischen Verein?, Frankfurt.) Voraussichtliche Witteruust für die Zeit vom Abend des 21. November bis zum nächsten Abend.
Morgen veränderlich, mehrfach Schneefälle; kälter.
Hus Hab und ^em.
Cassel, 20. Novbr. Sechs solare Gobelin - Stühle mit den Wappen der Familien Bismarck - Münchhausen auß dem Jahre 1600, angefertigt für das Ehepaar Ludolf von Münchhausen und Anna von Bismarck-Schönhausen, die im Mai jenes Jahres heirateten, sind von einem Ungenannten heute dem künftigen Hessischen Lanbesmuseum als Geschenk überwiesen worden. Der Stifter hat sich erinnert, daß Bismarck Ehrenbürger der Stadt Cassel war und insofern auch Hess- ist.
Gschwege, 18. Novbr. Der wegen Unterschlagung jetzt in Untersuchungshaft in Cassel sich befindende Bürsten- sabrikant L., über dessen Vermögen das Konkursverfahren eröffnet wurde, war mit einem Viertel an einem Lose der preußischen Staatsiotterie beteiligt. Das Los wurde von der Konkursverwaltung weitergespielt und ist jetzt mit 3000 Mark gezogen worden.
Wiesbaden, 18. Novbr. Der Fabrikant Otto Weiß von Barmen hat sich am 10. Juni von Höchst, wo er damals beschäftigt war, aus dem Staube gemacht unter Zurücklassung seiner Restlohnfordelung, sowie seiner Jnvaliden- papiere. Als sich aber unmittelbar nachher ergab, daß vier Kollegen im Schlafsaal mittels Nachschlüssels - die Spinde geöffnet und die Wertsachen, Uhren und Geld daraus entwendet waren, lenkte sich gleich der Verdacht auf ihn. Auf Grund eines Steckbriefes erfolgte vor einem Monat in Barmen seine Verhaftung und gestern wurde er von bet Strafkammer zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt.
Mainz, 18. Novbr. Die Eingemeindungskomnussion hat heute mittag die Eingemeindung von Kastel mit Stimmenmehrheit beschlossen. Nun hat die Stadtverordnetenversammlung noch zu entscheiden.
A Seligenstadt, 20. Novbr. Auf dem hiesigen Braunkohlenbergwerke, Zeche „Amalia" würbe fast sämtlichen Arbeitskräften gekündigt. Von der ganzen Belegschaft bleiben nur 10 Arbeiter in vorläufiger Beschäftigung. Die Gründe dieser überraschenden Maßnahme der Grubeuverwaltung entziehen sich unserer Kenntnis. Da der Winter vor der Türe steht und für die entlassenen Arbeitskräfte anderweitige geeignete Beschäftigungen nicht leicht zu bewerkstelligen sind, ist das Los der Arbeitslosen doppelt empfindlich.
X Lauterbach, 20. Novbr. Unsere Kreisstadt benötigt dringend der Kanalisation, da fortgesetzt Typhusfälle vorkommen. Der Stadtgraben, in dem alle Abfälle, Mistgruben, sogar Aborte ausmünden, ist eine Gefahr für die Gesundheit unserer Einwohner. Auch gegenwärtig ist wieder ein Kind am Typhus schwer erkrankt und zwar in dem Stadtteil am Graben.
Bad-Nauheim, 19. Novbr. Ueberraschende Erfolge hat die Mäusevergiftung in unserer Gemarkung gebracht. Tausend und abertausende der für die Landwirtschaft so schädlichen Tiere liegen auf den Feldern und Wiesen, abgesehen von den Millionen, welche in ihren Nestern eingegangen sind. Wir sahen dieser Tage, wie ein Flurschütze in ganz kurzer Zeit Haufen von Cadavern sammelte, um sie zu vernichten," zum Schutze des Wildes und der Vögel. Trotzdem findet man jetzt schon überall verendete Hasen und Vögel, besonders Raben, in großer Menge in Feld und Wald tot auf, welche die vergifteten Mäuse gefressen hatten. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln wird dies nicht zu vermeiden sein.
§§ Butzbach, 20. Novbr. Ein überaus tragisches Geschick traf die Familie des Lehrers D a l l i n g e r in Oberkleen. Ihr einziger, 24 Jahre alter Sohn studierte in Marburg Philologie und befand sich im Examen. Anscheinend aus Sorge, er möge dieses nicht bestehen, erschoß sich der hoffnungsvolle Mann. Heute sand unter allgemeiner Beteiligung die Beerdigung statt. Die Teilnahme mit der schwer geprüften Familie ist allgemein.
Koblenz, 18. Novbr. Der Lokomotivführer DebuS, der vor kurzem verhaftet worden ist, weil er im Verdacht stand, ein Verschulden an dem Eisenbahnunglück bei Niederzissen auf der Drohltalbahn zu tragen, wurde nunmehr wieder, da man ihm nichts zur Last legen kann, aus der Haft entlassen.
Sieffen, 16. Novbr. Der Forstassessor Wachs aus Olpe hatte gelegentlich einer Unterhaltung den Wirt und Jagdpächter Mund aus Olpe, der öfter Rehe von hinten beschossen hatte, die dann jämmerlich umkamen und „ver» aasten", als „Aasjäger" bezeichnet. Diese Aeußerung war Mund hinterbracht worden, der daraufhin den Forstassesfor wegen Beleidigung verklagte. DaS Schöffengericht hatte Wachs zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt, die Strafkammer aber, als Berufungsinstanz sprach den Angeklagten frei, indem s sie hervorhob, daß der von ihm gebrauchte Ausdruck unter den obwaltenden Verhältnissen als Beleidigung nicht anzusehen sei.
Hbkstein, 19. Novbr. Gestern vormittag um 8 Uhr brach im Anwesen des Bauern Valentin Noll ein Brand aus, dem die Scheuer, der Viehstall, sowie die Holzremise zum Opfer fiel. Nur dem energischen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr war eß zu verdanken, daß das Feuer nicht größere Dimensionen annahm. Die Entstehungsursache ist bis jetzt noch unbekannt.
Albstadt, 18. Novbr. Gestern abend um 10 Uhr entstand in der Roßmannschen Gastwirtschaft zwischen einigen jungen Burschen von Somborn und Michelbach ein Wortwechsel, der schließlich in Tätlichkeiten ausariete. Ein junger Mann namens H e i l m a n n von Michelbach wurde, als er sich auf den Abort begab, von einigen halbwüchsigen Som» borner Burschen überfallen und mit einem Schlagringe am Kopfe übel zugerichtet. Der Barbier des hiesigen Ortes legte dem Schwerverletzten einen Notverband an. Die Affäre wird ein gerichtliches Nachspiel haben.
Schimborn, 19. Novbr. Gelegentlich des Kirchweihfestes kam es zwischen mehreren Mömbriser und Krombacher Burschen zu einer schweren Schlägerei^ wobei verschiedene Personen verletzt wurden. Die Fenster im neuerbauten Saale des Herrn Nöll wurden total demoliert. In einer anderen Wirtschaft mürbe dem Gemeindediener von einem halbwüchsigen Burschen mit einem Bierglase eine klaffende Wunde am Kopfe beigebracht, so daß derselbe ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
W. Darmstadt, 20. Novbr. Bei den gestrigen Stabt» verordnotenwahlen, bei welchen 21 Stadtverordnete neu zu wählen waren, siegte nach der amtlichen Feststellung die Liste der vereinigten Nâtionalliberalen und Freisinnigen über die der Vereinigten Bezirksvereine und der Sozialdemokraten. Letztere verlieren von ihren bisherigen zwei Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung einen.
Spmchctle dcs Allgemeinen Deutschen SprachvereiuS.
Zweigverein Hanau.
Selten rein.
In alten und neuen Sprachen gibt es Ausdrucksarten, welche zweierlei und zwar Entgegengesetztes bedeuten. Dry griechischen Orakel,t wurde schon im Altertume nachgesagt, daß sie solche mit Vorliebe anwandten, So z. B. gab nach einer Ueberlieferung deS römischen Dichters Ennius, dir übrigens von Cicero mit Recht in das Gebiet der Dichtung verwiesen wird, die Pythia dem Epirotcukönige Pyrrhus vor seinem Feldzuge gegen die Römer folgende doppelsinnig« Antwort:
Aio te, Aeacida, Romanos vincere posse.
Der Doppelsinn läßt sich im Deutschen nur durch freie Ueber» setzung erreichen, etwa so: „Ich versichere dir, Nachkomme des Äeakus : die Epiroten können die Römer besiegen." Gemeinhin wird man diese Versicherung so verstehen: Die Epiroten können die Römer obsiegen. Es ist aber auch die entgegengesetzte Auffassung möglich: den Epirotey können die Römer obsiegen. Mochte Pyrrhus siegen oder besiegt werden: in beiden Fällen hatte das Orakel recht.
In dem vorstehenden Beispiele handelt cs sich um eine Satzfügung. Es gibt aber auch einzelne Wörter, welche gleichsam zwei Gesichter haben. Hierher gehören im Lateinischen manche mit in zusammengesetzte Wörter (z. B. intectus = 1) bedeckt, 2) unbedeckt; ininutabilis = 1) veränderlich, 2) unveränderlich; insomnium — 1) Traüm- gesicht, 2) Schlaflosigkeit, im heutigen Deutsch das Ümftanbß* wort „feite n". Dieses wird seine ursprüngliche Bedeutung „nicht oft" gewiß immer behaupten, droht aber daneben in die Bedeutung „überaus" mehr und mehr hineinzuwachsen. Der Satz „die Dingskircher Liedertafel fingt selten rein" wäre vormals nur in dem abfälligen Sinne aufgefaßt worden : sie fingt nur ausnahmsweise rein, in der Regel fingt sie falsch; heute kann er aber den ichmeichelhaften Sinn haben: sie fingt f o rein, wie man es von Liedertafeln nur selten zu hören bekommt, sie fingt außerordentlich rein. Der Sinn wird wohl in der Regel durch den Zusammenhang klar. Folgende zwei Sätze widersprechen einander nur scheinbar : „Ein so selten rein singender Verein hat w eni gAus» sicht, einen Preis davonzutragen" — und: „Ein so selten rein singender Verein hat viel Aussicht, einen Preis ba» vonzulragen" ; denn hier ist von einem vorzüglichen, dort von einem minderwertigen Vereine die Rede. Uebrigens gehört „selten" = „überaus" nur der Sprache des gewöhnlichen Lebens an, nicht der edleren Schriftsprache, geschweige der ernsten Dichtnng. Ich erinnere mich nur eines einzigen Falles, wo ich es in einem ernst gemeinten Gedichte gelesen habe. Dieses ist ein kürzlich erschienenes Lied für Männerchor, „Männertrânen", worin die Mânnerträne in derselben Strophe erst als „selten rinnend" und dann als „selten rein und klar" bezeichnet wird; Das „selten" — „überaus" ist unmittelbar nach dem „selten" =- „nicht oft" erst recht geschmacklos.
Friedrich van Hoffs (Wiesbaden).