3
a
Dienstaq den 12. November 1907
iö
Bandel, Gewerbe und Verkehr.
Biehmarkt in Frankfurt a. M. am 11.9ioo. Amtliche Notierung der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkauf standen: 456 Ochsen, 40 Bullen, 984 Kühe und Rinder, 314 Kälber, 435 Schafe und Hämmel, 1743 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen a. vollfleischige, gemästete, höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren 80—83 Mk., b. junge fleischige, nicht gemästete u. ältere gemästete 72—75, c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 63—67, d. gering genährte jeden Alters' 00—00. Bullen : a. vollfleischige bhöchsten Schlachtwertes 70-72, b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66—68, c. gering genährte 00.00. Kühe und Rinder: a. vollfleischige junge Kühe und Rinder höchsten Schlachtwertes 73—75, b. vollfleischige Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 66—68, c. ältere Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder 58—60, <1. mäßig genährte Kühe und Rinder 48—50, e. gering genährte Kühe und Rinder 00—00. Bezahlt wurde für 1 Pfd.
Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (Vollm. Mast) u. beste Saugkälber (Hannov.) 92—95 Pfg. b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 80—92 Pfg. c. geringe Saugkälber 65 b. 70 Pfg., d. altere gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 80—00, b. ältere Masthämmel 70—72, c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merz)-Schafe 62—64. Schweine: a. vollfleischige der feineren Rasse und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1'/« Jahren 65—00, b. fleischige 63—64, c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 54—57. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Lebendgewicht: Kälber a. 54—57 Pfg., b. 48—54, Schweine a. 51 Pfg., b. fleischige 50 Pfennig. Geschäftsgang in Großvieh mittelmäßig, lieb er staub unbedeutend, in Kleinvieh gut, Markt geräumt. Aus Oesterreich standen 88 Ochsen zum Verkauf.
Frankfurter Fruchtmarkt vom 11. Novbr. Es notierten: Weizen, hiesiger und Weiterauer 22.00—22.25 Mk., kurhessischer, je nach Qualität 22.00—22.25, norddeutscher 00.00, russischer 26.00—27.00, Redwinter 26.00—27.00, KansaS 26.00—27.00, La Plata 26.00—27.00, Rumän. 26.00—27.00. Roggen, hiesiger 20.75—00.00, russischer 00.00—00.00, Rumän. 00.00—00.00. Gerste hiesige und Wetterauer 20.50—21.25,
Pfälzer 21.00-22.00, Ried 21 -22.00. Hafer, hiesiger 18.50 bis 19.00, bayerischer 18.50—19.00, würlt. 00.00—00.00, russischer 19.00—20.00, Rumän. 19.00-20.00, La Plata 19.00—20.00, Mais, mixed 00.00-00.00, Russischer 16.75—17.00, Donau 16.75-17.00, La Plata 16.75—17.00. Mehl stetig. Weizenmehl Nr. 0 32.50—33.00, Nr., 1 31.50—32.00, Nr. 2 31.00 bis 31.50, Nr. 3 30.50—31.00 feinere Marken 0.50—1.00 höher, Roggenmehl, Nr. 0 31.00—31.50, Nr. 1 29.00—29.50, Nr. 2 25.00-25.50. Alles per 100 Kilo inkl. Sack loko hier. — Futtermittel: fest. — Weizenschalen 12.25—12.50, Weizenkleie 12.25—12.50, Roggenkleie 13.00—13.50, Futtermehl 15.00—16.00, Biertreber, getrocknet, 13.50 bis 14.00. Alles per 100 Kilo ab hier.
Vereins- tu Vergn ü pr nqsn^chrichte lt für Dien Stag ben 12. November.
Oralorkenverein: Probe im Stadtschlobsaale.
Stadttheater in Hanau: „Staatsanwalt Alexander"; Anfang 8 Uhr. Ev. Männer- unb Ilinalingsverein: Unterhaltung (Ev. Vereinshans). Turngemeinde: 8'/«—10; Qu^enbahteilung, 78/<—8*/4: Frauenabtei- lung A, 6' s — 71/»: Franenabteilnnq B, 4*/*—5’/i: Mädchenabteilung A, 5*/i—67i: Mädchenabteilitnq B.
Turngesellschaft: Abends von 8—10 Uhr: Turnen der Ingendabteilung. Turnverein: Abends von 8—1K Uhr: Turnen der Jugendabteiluug. Dram.-Liter. Verein Hanau: DereinSabend im „K arlsberg". Humoristischer Mnstkve, ein „Germania": Von 9—11 Uhr: Uebungsstunde 'Restauration „zum Sandhof').
Bggüü^g -----------■"■'■'■i|Mi 1 ——
Dramatischer Dilettantenkliib „Thalia": Abends 9 Uhr: Pefeprobe und Reütations-Abend im Restaurant „zum Römischen Kaiser".
Erster Athleten -- Verein: Abends von 9—11 Uhr: Uebungsstunde auf Beck's ^elfeufeKer.
Ges. Veib. „Normanni«": Klubabend im „Löwengärtchen". Kath. Kastno „Eintracht" (Vereins!. „zum Braust ib’l"): Vereiusabend. Gesangverein „Eintracht" : Singstunde.
Keiangverein „Melomania" : Singstunde in der „Karthaune".
Familien - Marken - Konsumverein „Einigkeit": Abends von 8—10 Uhr : Markeuausgabe für Kontrahenten (Vereinshaus „Eoncordia^st.
6'es angverein „Sumser": Singstunde in der „Stadt Bremen".
Verein für Handlungs - Kommis von 1858: Vereinsabend im Restaurant „Earlsberg".
Babelsberger Stenographen-Verein (Lokal: „Frankfurter Bau", Eingang Lindenstraße): Abends von 8—9 Uhr: Anfängerkursu», 9—10: UebungSstunbe, Verkebrsschrift.
Gewerbe- und Handwerker-Verein: Vereiusabend in der „Centralhalle". Kegelklub der Svesiart-Touristen: Gasthaus „zur guten Quelle".
Verein der Bauern: Vereinsabend im Gasthaus „zur Sonne".
Verein für Gestügel- und Singvögelzucht: MonatSversammlung im Vereinslokale „zum deutschen HanS".
Turngemeinde: Abends 9'/, Uhr: Monatsversammlung.
Versteigerungs- re. Kalender für Mittwoch den 13. November.
VormiitaqS 10 Uhr sollen die Nodungsarbeiten im Iaqen 16 „Grohe Horst" des Schichbezirks Bruchköbel an Ort und Stelle öffentlich vergeben weiden (s. Nr. 263 ..Han. Anz.").
Nachmittags 3 Uhr soll die der Gemeinde Mittelbuchen zustehende Fela- und Waldja^d auf dein Rathanse daselbst össentlich nochmals ver- pachtet werden (s. Nr. 252 ,,Han. Anz.").
Für Errichtung eines Ausstchtsturmes auf Buchberge bei Langenselbold
dem
gingen ein
B.-T. Gasthof zur Stadt Hanau, Niederrodenbach .....
Gastwirt Haupt, Niederrodenbach Gastwirt Schaaf jr., Niederrodenbach .
B.-T. Gasthaus „Zur goldnen Krone"
1.00
1.00
1.00
Mk.
ff
in Niederrodenbach
B.-T. Gasthaus „Drei Rinder Voriger Betrag .
. 0.70
0.60
. 2005.70
W
Zusammen bis jetzt 2010.00 Mk.
Weitere Spenden nimmt gerne entgegen die
Redaktion des „Hanauer Anzeigers"
Barometerstand
Traum.
Mein Freund erzählt ein seltsam Traumgesicht: „Ich sah im Walde einen Eichbauur fällen, Wie nun der Riese krachend stürzt und bricht, Der Wehmut Wogen mir das Herze schwellen.
Da trat voll Ernst ein Schläger auf mich zu, Wies mit der Axt den Stamm: „In diesem Holze Bestatten wir dich bald zur letzten Ruh, Die Eiche wird dein Sarg, die kühne, stolze"
Ich schwieg und ging in tiefem Sinnen fort, Den Berg hinab, durch blumenhelle Wiesen; Ein altes Weiblein bleichte Linnen dort Und schöpft am Bache Wasser, es zu gießen.
Ei, rief's mir nach — willst sehn dein Leichentuch?
Nie habe ich ein feinres wohl gesponnen! Macht dem gebeugten Rücken Not genug, Doch schau, schon glänzt's wie Schnee vom Kuß der Sonnen.
Ich eilte weiter. Mir zu Füßen lag Der Kirchhof, friedlich still im Abendscheine, Am Eingang saß, nach mühevollem Tag, Der alte Totengräber ganz alleine.
Er hieß mich rasten, plötzlich blieb gebannt Mein Blick an einem neuen Spaten hangen. Für mich? so rief ich atemlos gespannt, Da hob der Greis ihn auf und sprach mit Bangen:
„Dies Werkzeug dienet mir zum erstenmal, Dein Grab zu graben, wo die Eltern schlafen. Sprich, graut dir vor dem dunklen Todestal? Warum muß Gott so früh hinweg dich raffen!"
„Mir graut nicht. Nein, ich bin der Sehnsucht voll Und meiner Seele wachsen rasche Flügel!
Ob ich nun leben, ob ich sterben soll, Die Himmelsleiter steht auf meinem Hügel.
DeS Todes Schauer ficht mich nicht mehr an, Wenn deine Hand, o Freund, dies Grabscheit führet, Steigt meine Seele auf nach Kanaan, Und wenn dein Fuß der Eltern Sarg berühret,
Schau droben ich ihr liebes Angesicht; Sie sinken mit mir zu des Mittlers Füßen.
Ich flehe: Gnade, Herr, verwirf mich nicht! Und er wird mit dem Friedensgruß mich grüßen.
Es ist die Erde nur ein Uebergang Zu unserm ew'gen, wahren Vaterlande. Das Leben ist ein Meer voll Sturm und Drang, Nur durch den Tod gelangen wir zum Strande.
Drum schreckt mich nimmer Spaten, Tuch noch Schrei«.*
Der Alte drückt mir stumm bewegt die Hände, Da wacht ich auf, der Morgen brach herein — O, daß mein Sterbenstraum so rasch zu Ende!
Also mein Freund. Schon manches Jahr verstrich,
Seit jene ernste Mahnung er vernommen.
In treuer Pflichterfüllung müht er sich, Und ich sah Leid und Freude auf ihn kommen.
Sein Ange aber leuchtet wunderbar Im Glanz des Lichts, daS einst sein Geist erspähet, Er wandert frohen Mutes immerdar: Ein Himmelsbürger, der nach Hause gehet.
Elisabeth Ehrhardt.
Gebrauchs-Muster.
Nr. 315 359. Kabelschuh, bestehend aus einem Blech- stück und daran befestigter geschlossener Hülse. Hartmann L Braun Akt.-Ges. in Frankfurt a. M. - Bockenheim. vom 2. August 1907 ab. — H. 34 223. Kl. 21c.
Feuilleton.
Nur ein Zufall.
Novelle von Ilse Dore Tanner.
. (Schluß.)
O, diese qualvoll ermüdende Pein des Wartens, die bag Mark aus den Knochen zu saugen schien und mir alle Energie, alle Lebensfreude benahm!
Trostlos öde erschien mir das Leben, und ich wußte kaum, wie ich die Tage hinbringen sollte, ruhelos lief ich umher und hatte keinen Blick für meine geliebte See, kein Interesse für meine Umgebung.
Mein Vater berührte mit keinem Wort das Vorgefallene, aber gerade darum war ich auch ihm gegenüber unfrei und verschloß meine Gefühle in meinem Herzen, es war eine furchtbare Zeit. Endlich, nach fast einem Monat, kam ein kurzer Brief von Mark an meinen Vater: „Ich habe die erbetene Erlaubnis, Ihnen die volle Wahrheit zu sagen, noch nicht erhalten, Sie haben deshalb ein Recht, mir zu mißtrauen. Die Zeit wird und muß kommen, die mich vollständig gerechtfertigt vor Ihnen stehen läßt; ob Dores Vertrauen und Liebe so lange aushalten wird, ich weißes nicht; in Ihren Händen liegt die Entscheidung über mein weiteres Schicksal. Bis ich Ihnen die Beweise meiner Unschuld nicht vorlegen kann, will ich Ihnen meine Gegenwart nicht aufzwingen."
Mit einer verächtlichen Bewegung hatte mein Vater mir den Brief hingeworfen. Mir erschien sein Inhalt wie das Totengeläut unserer Liebe, warten sollte ich, immer weiter warten und vertrauen? Und warum vertraute er mir nicht? Es konnte, es durfte keinen Grund für ihn geben, mich so auf die Folter zu spannen, und ich fühlte, wie ich nicht imstande war, meine Zweifel in den Wind zu schlagen und ihm trotz des bösen Scheins zu vertrauen.
Vater schwieg nun auch nicht länger, und was bei mir nur Zweifel, nur eine qualvolle, ungewisse Angst gewesen, das war bei ihm Gewißheit: Mark war schuldig, und seine
Liebe zu mir war nicht so aufrichtig, treu und vor allem nicht so uneigennützig gewesen, wie ich geglaubt.
Mark wußte, daß wir am 15. September nach Königsberg zurückkehren würden, es waren noch zwei Tage dis dahin: würde er keinen Versuch machen, mich vorher zu sehen?
Heimlich stahl ich mich eines Vormittags auS dem Hause. Nicht, daß mich irgend jemand gehindert hätte, zu gehen, aber ich schämte mich. Erst rannte, dann ging ich den Weg entlang, den Mark gewöhnlich zu kommen pflegte; eS war, als ob eine innere Stimme mir sagte, daß ich ihn treffen werde. Meine Ahnung täuschte mich nicht; kaum war ich aus dem Wäldchen herausgetreten und näherte mich den Klippen, als ich Mark sah, der langsam den Weg zum Strande herunterstieg.
Einen Augenblick war es mir, als stocke mein Herzschlag, als ich seine mir so liebe Gestalt erblickte und den ernsten, kummervollen Ausdruck wahrnahm, der auf seinem Gesichte lag.
Ich glaube, ich lief ihm mit auSgebreiteten Armen entgegen, und er riß mich förmlich an sich und bedeckte mein Gesicht mit heißen, leidenschaftlichen Küssen.
„Mein Lieb, mein geliebtes Glück," stammelte er mit zitternder Stimme, „kann es denn wahr, kann es denn möglich sein, daß wir uns trennen müssen?"
„Ach, Mark, warum sprichst Du nicht? Warum gestehst Du nicht meinem Vater alles offen ein? Verheimlichen ist immer unrecht," schluchzte ich.
„In diesem Falle nicht," sagte er ernst. „Dore, steh mir in die Augen, kannst Du mir denn nicht bedingungslos vertrauen? Kannst Du nicht Deinen Zweifel verscheuchen trotz alles Einflusses der andern? Ich will ja nicht von Dir fordern, daß Du Deinem Vater ungehorsam wirst, aber beweise Deinen Glauben an mich dadurch, daß Du unser Verlöbnis erneuerst, sag mir, daß Du warten willst, bis ich mich gerechtfertigt habe. Kannst Du mir denn nicht glauben, kleine Dore?"
„Ach, Mark, wenn Du bei mir bist, wenn ich Deine Stimme höre, wenn ich Deine Augen sehe, glaube ich Dir, aber klügere Frauen als ich sind getäuscht worden, und wenn
Du fort bist" — ich fühlte, wie ich wieder schwankend und schwach wurde, und ich schämte mich.
„Ich habe kein Recht, Dir böse zu sein," sagte Mark traurig. „Lebe wohl, Geliebte, Du bist frei. Ich werde keinen Versuch machen, Dich zu sehen oder Dir zu schreiben, Du sollst, und ich hoffe, Du wirst mich rufen, Dore."
Er küßte mich sanft und zärtlich auf die Stirne ohne jede Leidenschaftlichkeit. Dann schritt er schnell und, ohne sich einmal umzusehen, seinem Heim zu, und ich — ich warf mich in den weichen Seesand und weinte und schluchzte, nicht nur von Trennungsweh, auch vor Scham und Reue über mich selbst, über meine Schwäche, Feigheit, meinen Kleinmut.
In Königsberg kam ich gleich mitten hinein in einen Trubel von Besuchen, Gesellschaften und Zerstreuungen aller Art. Wir hatten an der See so zurückgezogen gelebt, daß keinerlei Nachricht von meiner Verlobung nach der Stadt gedrungen war, so leidenschaftlich, wie ich früher getanzt hatte, so zuwider war mir alles jetzt. Und doch, daS Alleinsein war mir noch schrecklicher, denn dann waren Sehnsucht und Reue bei mir zu Gast, und so stürzte ich mich mitten hinein in die Welt der Oberflächlichkeit und des Scheins, die mir Heimat gewesen war, bis ich Mark kennen gelernt. Nur zu etwas konnte ich mich nicht zwingen, meine frühere Lebhaftigkeit, meine von Herzen kommende Fröhlichkeit waren mir abhanden gekommen, ich war eine ganz andere geworden. Aber merkwürdig, mein jetziges, von dem früheren so gan- verschiedenes Wesen schien noch einen ganz besonderen Reiz auf die Männerwelt auszuüben, noch nie hatte ich so viele Anträge erhalten, so viele Körbe ausgeteilt wie M diesem Winter.
Mein Vater versuchte nicht, mich zu einem neuen Verlöbnis zu überreden, hoffte er doch sicher, daß doch noch einmal aus Ernst und mir ein Paar werden würde.
Von Ernst waren selten und in so großen Zwischenräumen Nachrichten zu uns gelangt, daß er für uns während dieser Zeit so gut wie verschollen war. Unsere Briefe schienen ihn nicht erreicht zu haben, denn er erwähnte ihrer niemals in seinen kurzen, trockenen Episteln. ;
Und nun wurde eS wieder Frühling, neues Leben be.