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!»Nr. 260 des

Mittwoch den 6. November 1907

AUW".

Hus aller Mett.

Ein verhängnisvoller Grubennnfoll, bei dem vier Bergleute getötet und mehrere teils schwer. teils leichter ver­letzt' wurden, hat sich vorgestern in der Nähe Brussels zuge- trâgen. In den Cockerillgruben stürzte ein Fvrderkorb mit 13 auSsahrenden Bergleuten 635 Meter tief hinab. Die auf der Schachtsohle ihre Auffahrt erwartenden übrigen Berg­leute befreiten die Kameraden aus den Trümmern. Bier von ihnen waren bereits tot, zwei schwer verwundet und die übrigen leichter verletzt. Das Unglück entstand durch Herab­aleiten des Förderseiles von der Wellenscheibe.

Eine Lievestragövie hat sich in Düsseldorf abge­spielt. Dort hat die 22jährige Christine Müller ihren Lieb­haber durch drei Revolversckiisse getötet und sich eine leichtere Schußwunde beigebracht. Der Getötete war erst kürzlich nach Ableistung seiner Dienstpflicht bei der Marine in seine Heimat zurückgekehrt.

Millionen Menschen trinken gewohnheilS- und regel­mäßig alle Tage Kaffee. Es ist viel darüber verhandelt worden, ob Kaffee als Gift zu betrachten sei, aber man darf diese Anklage ruhig abweisen, weil durch den großen, sich immer steigenden Genuß des Kaffees sich wohl schon viele Menschen, ja ganze Völker vergiftet hätten. Immerhin ist anhaltender Genuß von starkem Kaffee für Kinder und Per­sonen mit geschwächter Gesundheit wegen seiner aufregenden Wirkungen nicht zu empfehlen. Um aber auch diesen daS beliebte Getränk nicht vorzuenthalten, hat man schon seit länger als hundert Jahren zn Doppel -Ritter-Kaffee gegriffen. Von allen Kaffeezusätzen haben sich in Deutsch­land die Scheuer's Doppel-Ritter-Fabrikate am besten ein­geführt unb sich durch ihre Beliebtheit den NamenDeut­scher Kaffee" erworben. Eines der besten Kaffeezusatz- und Färbemittel ist der echte Scheuer's Doppel-Ritter-Kaffee auS den Fabriken der Firma Georg Josef Scheuer, Fürth i. B. und Schönebeck a. Elbe. Ein Zusatz von Scheuer's Doppel-Ritter-Kaffee mildert die schädlichen Eigenschaften des Bohnenkaffees, ohne den reinen Geschmack und das angenehme Aroma desselben zu beeinträchtigen. Von acht Scheuer's Doppel-Ritter-Kaffee ist das halbe Pfund- Paket â 10 Pfg. in den meisten Kolonialwaren- und Dro- guengeschäften zu haben. Man hüte sich jedoch vor ge= sälschter minderwertiger Ware.

Seine schlafende Frau mit Petroleum begossen und angezündet hat in Gaarden bei Kiel der Arbeiter Lewandowsky. Er kam betrunken nach Hause, sah seine Frau, von der er schon eine Gardinenpredigt erwarten durfte, in friedlichem Schlummer liegen und da kam ihm der teuf­lische Gedanke. Als die Flammen an Bett und Frau empor- loderten, erbrachte das unglückliche Weib. Sie konnte indes noch daS Feuer mit der halbverbrannten Bettdecke ersticken. Immerhin erlitt sie schwere Brandwunden. Der unmensch­liche Gatte wurde verhaftet. In Gelsenkirchen wurde die Ehefrau Schumacher von ihrem von ihr getrennt lebenden Manne durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt; der Täter wurde verkästet.

Allerl i aus Bayern. In N e u st a d t a. d. Haardt erschoß sich der Weinhändler Johannes Erlewein. Er sollte eine gegen ihn in einer Weinfälschungsaffäre rechtskräftig ge­wordene lärgere Freiheitsstrafe antrèten. In Schmid­hausen ei Schweitenkirchen wurde der verheiratete Oret- bauer, Vatr von fünf Kindern, beim Dreschen von einer Lokomobileerdrückt. In Sieg ritz bei Erbendorf erschoß der in den20er Jahren stehende Bauernsohn Hoffmann aus Unvorsichtigkeit seinen eigenen Bruder. In Garmisch ist das GarhausZum Husaren" dieser Tage für 360 000 Mark in dn Besitz des früheren Direktors des HotelsKaiser­hof" in Nrnberg, v. Braumühl, übergegangeu. Dem

Modell Nr. 4419.

Feuilleton.

Wer Bill- uMtfclfMWtL

Bearbeitet i» mit Abbildungen verleben von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-^.

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Frau Dde ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht! Verwunder daß es inzwischen Herbst geworden und Ball- und Festsä ihre Pforten öffnen, muß sie zugleich die Vor­würfe der fodekünstler über sich ergehen lassen, die über ihr Festhalten m Gegebenen empört, hungrig n Wölfe auf Neues warten. 8 ob sie die Neuheiten, das noch t Dagewesene, nur so aus dem Anel schütteln könnte! Im Geisteßt sie das Bestehende Revue pasren, besieht sich ihr letztes Stiind, den Kleiderrock. Ja, hier mßte eigentlich mal etwas gest werden ! Wie wäre es, wenn ian ihn verdoppelte? Den obereRock in eine Tunika umwände!? Gesagt, getan 1 Und so selben denn die Mode­künstler d Tunikarock für die Wintersaij 1907/08 auf ihr Neu- heitsprogrm. Vorläufig aber nur dieMkünster und -Künster- lerinnen, in ehe er seinen Weg ins große blikum findet, wirds wohl nochin Weilchen dauern. Im Balls» taucht die Tunika vereinzelt Zipfelform auf, die mit ihren,«rch schwere Seiden- nber Gästen niedergezoqenen

Bergmann Johann Moser von Unterpeißenberg, der im Lucker­bräu zu Weilheim zu Mittag, blieb ein Stiickchen Fleisch in der Kehle stecken. Er erlitt den Erstickungstod. In Landshut ist ein Milchkrieg ausgebrochen. Die Produzenten erhöhten ab 1. November den Preis der Milch von 16 auf 18 Pfennige. Dagegen nahmen am Sonntag die beiden Eisenbahnbediensteten-Vereine, die Ortsgruppe des süddeutschen Eisenbahner-Verbandes und des Bayer. Eisen- bahner-Verbandes Stellung und beschlossen, eine Milchein­kaufsgenossenschaft zu gründen. Ebenso nehmen am nächsten Sonntag die freien Gewerkschaften gegen die Erhöhung Stellung. Die 23jährige Köchin Anna Ringelein in A u g 8 b u r g, die ihr neugeborenes Kind durch Ersticken tötete, wurde verhaftet. Der Maschinenhausgehilfe Heinrich Weber in Landshut, dem im dortigen Bahnhof kürzlich ein Fuß abgefahren wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. Dem Verein für Blindenerziehung in Schwaben hat die verlebte Oberamtsrichterswitwe Anna Geiger in EberS- berg 10000 Mark zngewiesen.

Ein Attentat auf Fräulein Bazaine. DerMatin" meldest aus Brest: Die Tochter des früheren Marschalls Bazaine ist an Bord des DampfersKronprinzessin Cecilie" während der Ueberfahrt von New-Pork nach Brest das Opfer eines Attentats geworden. Ein Mann drang in ihre Kabine und auf die Dame mit einem Schlagring ein und brachte ihr am Kopfe Verletzungen bei. Auf ihre Hilferufe eilten Mitglieder der Mannschaft und verschiedene Passagiere hinzu, doch war es dem Attentäter inzwischen gelungen, zu ent­fliehen. Durch eine sofort an Bord vorgenommene Unter­suchung konnte der Täter nicht ermittelt werden, und man nimmt deshalb an, daß er ins Meer gesprungen ist. Auch über die Beweggründe dieser Tat ist nichts bekannt.

Die Hungersnot in Indien Der Telewnph meldet auS Allahabad : Der Beweis, daß in den vereinigten Pro­vinzen durch Mißernten eine ernste Lage zu erwarten ist, wird durch einen Erlaß des Leutenant-Gouverneurs erbracht, der die Notwendigkeit erkennt, Vorbeugungsmaßregeln gegen eine Hungersnot im ganzen Lande zu treffen. Die vor­geschlagenen Maßnahmen erstrecken sich auf die Verteilung von über 10 Millionen Rupien als Vorschuß für die Anlage von Brunnen und zum Ankauf von Saatkorn, sowie auf Aufschub der Steuerzahlungen seitens der Bevölkerung. Auch ist ein besonderer Kommissar zur Bekämpfung der Hungers­not ernannt worden. Wahrscheinlich wird die Mißernte eine ebenso allgemeine sein wie im Jahre 1896.

Das Automobil der Prinzessin Luise von Belgien wurde in Genf beschlagnahmt. Sie hatte die monatlichen Abzahlungen des 40000 Francs kostenden WagenS bis auf 8000 Francs geleistet. Das Automnbil kam ohne Rückver­gütung an den Verkäufer zurück. Die Prinzessin reiste in Begleitung deS Hauptmanns Matachich mit der Eisenbahn nach Paris.

Ein neues Schmelzverfahren für Platin. Aus Genf geht uns die Nachricht zu, daß Herr R. Berton, 38 rue du Stand, einen Apparat ersonnen und konstruiert hat, mit Hilfe dessen man Platin in kürzester Frist schmelzen kann. Dieser Apparat besteht aus einer Pistole, in welcher sich zwei Schläuche vereinigen, von denen der eine gewöhn­liches Leuchtgas, der andere aber unter hohem Druck befind­liche flüssige Lust zuführt, die sich in einer jener bekannten Eisenflaschen eingeschlossen befindet. Die flüssige Luft ent­strömt der Flasche und vereinigt sich unter großer Gewalt in der Pistole mit dem Gas, und erzeugt angèzündet eine Hitze bis zu 3000 Grad. Auf einer feuerfesten Platte, die sich auf jeden Tisch plazieren läßt, befinden sich die wenigen zum Schmelzen nötigen Hilfsmittel, ein Pistolenträger und ein Tiegel, vereinigt. Als Tiegel dient eine besonders feste Masse, die Geheimnis des Erfinders ist und sehr widerstandsfähig sein soll. Wie eS scheint, war gerade die Herstellung des

Modell Nr. 4424.

Ecken bei geschicktem Arrangement dann oft an klassische Vorbilder erinnert. Selbstverständlich gehört dazu eine Taille, auf der sich das zipfelige Arrangement etwa in Form einer Berthe wiederholt. Der­artige Toiletten sind natürlich auch der modernen Silhouette angepaßt, die mit ihren aus­geprägten Konturen auch für das Ball- und Gesellschaftskleid die abfallende lange Schulter- linie, die im Rücken leicht ver­kürzte Taille und den weich- fallenden, schlank die Hüften umschließenden Rock verlangt und biegsame, bewegliche Figuren fordert. Denn nur auf einer solchen kann die heutige graziöse Balltoilette, an der alles nicht weiche Ma­terial verbannt ist, zur mode­gerechten Wirkung gelangen. Die Gatten und Väter ele­ganter Frauen und Töchter aber können angesichts der reizenden Modeschöpsungen das Gruseln lernen, denn selten hat die Ball- und Gesellschastsmode so luxuriöse Stoffe gefordert, bei benen gerade das Weiche so teuer bezahlt werden muß, wie eben jetzt. Seidenpopelines

und Seidenmnsseline, allerweichste Liberty-, Merveilleux- und Messalineseiden werden sich mit reichgestickten Tüll- und Pailettenkleidern in die Gunst der Damen zu teilen haben, das Kostbarste und eleganteste aber sind die wie aus einem Gusse erscheinenden Prinzeßkleider aus weißer irischer oder Spachtelspitze, die glatt wie ein Handschuh über seidenem Prinzeßunterkleide die Figur umspannen. Diese vornehmen weißen Roben erhalten dann nur am Taillenausschnitt eine farbige Garnitur auS Panne oder Seide, mit der der breite

Tiegels das schwierigste Problem dabei, einer so großen HiA zu widerstehen, wie sie mit dem Apparat erzeugt wird. Dei Erfinder hat auch erst nach vieler Mühe das hierzu geeignete Produkt in Holland finden können. 200300 Gramm Platin« Schrotten oder -Feilung werden darin und mit Hilfe deS Gebläses in 810 Minuten ohne alle Mühe und auch ohne Gefahr vollständig blank geschmolzen; dieser Schmelzprozeß soll fast schneller von statten gehen als derjenige des GoldeS mit dem gewöhnlichen Gasgebläse, und ist, nebenbei bemerkt, ein Verlust von Metall nahezu ausgeschlossen. Das Metall bewahrt dabei vollständig seine guten Eigenschaften; es bleibt zähe und dehnbar. Die Schmelzkosten sollen sich nur auf 56.50 Mark das Kilo belaufen, gewiß ein großer Vor­teil für diejenigen Werkstätten, die Platin zu schmelzen haben. Der Apparat ist bereits in den Handel unter dem NamenPlatinea Genevoise" gebracht worden und beträgt sein Preis ungefähr 300 Mark.

Prozeß Nast.

Rom, 5. Nov. Unter zahlreicher Beteiligung der Publ!" kums begann der Prozeß gegen den ehemaligen Minister Nasi vor dem Senat. Nasi betrat den Saal in Begleitung eines Carabiners und eines Polizisten. Der Präsident stellte die Anwesenheit von 141 Senatoren fest. Dann wurde die Anklageschrift verlesen. Nasi wird einem Verhör unterzogen und erklärt, er werde nachweisen, daß er die ihm zugeschrie­benen Verbrechen nicht begangen habe. Er habe niemals sich zu verteidigen gesucht, indem er andere anklagte. Es fei nicht seine Absicht, Staatsgeheimnisse zu enthüllen. Es gebe aber Tatsachen, von denen jeder Staatsmann wünsche, daß sie nicht bekannt werden. Er habe eine umfangreiche Reform der Mittelschulen geplant. Er brauchte Geld, um bie öffentliche Meinung zu beeinflussen. Ein Teil der Gelder sei auch für Reisen verausgabt worden. Er habe sich auch viel mit den Fragen betreffend Nordafrika beschäftigt, geleitet von dem Wunsche, daß Italien nach Tunis nicht eine zweite Schlappe in Tripolis erleide. Er habe eine archäologische Expedition vorbereitet, welche Tripolis bereisen sollte; die Expedition fand nicht statt, aber die Vorbereitung war mit Ausgaben verbunden. Die Sitzung wurde dann geschlossen.

Die Vorgänge in Rußland.

Petersburg, 5. Novbr. Am Vormittag begann vor dem höchsten Gerichtshof der Prozeß gegen den Ge­hilfen des Ministers des Innern G u r k o. Der als Zeuge geladene frühere Gouverneur von Nishnij-Nowgorod, Baron Fredericks, ist unentschuldigt ausgeblieben. Als Zeugen sollen vernommen werden Ministerpräsident Stolypin und Finanz­minister Kokowzow. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sich der Angeklagte der Ueberschreitung der Amtsbe - f u g n i s s e und der Vernachlässigung der Dienstpflichten zum Nachteil der Staatsinteressen schuldig bekenne, gibt dieser eine verneinende Antwort, er gibt aber zu, daß er mit seiner im amtlichen Nachrichtenblatt gegebenen Erklärung, in welcher bestätigt wird, daß der mit den Getreidelieferungen für die Armee betraute Kaufmann Lidval seinen Vertrag in loyaler Weise erfüllt habe, was sich als ganz unrichtig herausstellte, vollständig im Irrtum gewesen sei.

Elnweihungsfelerltchkerten.

Weißenfels, 5. Novbr. In Roßbach wurde heute ant Herrenhause des Rittergutes eine Gedenktafel für Friedrich den Großen durch den Regierungspräsidenten Frhrn. von der Recke enthüllt zur Erinnerung an den Aufenthalt deS Königs vor der Schlacht von Roßbach am 5. November 1757. Im Anschluß hieran fand beim Denkmal auf dem Schlacht- felde Roßbach auf dem Janushügel anläßlich des 150- jährigen Jahrestages der Schlacht von Roßbach eint Feier statt.

Randstreifen übereinstimmt, über den unten das Spitzenkleib fällt. Besonders charakteristisch für diese Ballsaison ist die Vorliebe für reiche Soutachestickereien auf Tüll, die die alte Wahrheit, daß die Verbindung vom Strengen mit dem Zarten einen guten Klang gibt, von neuem dokumentiert. Man sollte nun zwar meinen, daß derartige kompakte Besätze dem Kleide das Duftige nehmen, das ist jedoch keineswegs der Fall, weil immer nur einzelne Teile diese Garnitur auf­weisen, die dann zu dem luftigen Stoff der Toilette einet? aparten Kontrast ergibt. Als weiteres Charakteristillrrn dieser Saison wird sich das japanische Taillenarrangement auch auf Bällen und zu Gesell­schaften überall breit machen, da es durch seine Vielgestaltigkett alle anderen Leibchenformen in den Hintergrund zu drängen wußte. Man begegnet ihm so­wohl an den als Ballkleid wieder beliebten Empiretoiletten, wie hier und da am Prinzeßkleide, während die blusige Taille ohne irgend einen Anklang ans Japanische oder an die verbreiterte Schulter zur Zeit für die Modedame ein­fach undenkbar ist. Unser kleid­sames Modell Nr. 4424 stellt eine im japanischen Genre ge­haltene Balltoilette dar. Aus hell wasserblauem Seidenmusselin gefertigt, ist das blusige Leibchen , rund ausgeschnitten und durch einen vollen Puffärmel vervoll- ' ständigt. Die Bretellengarnitur aus weißer, rosa durchschossener Chin^seide zeigt einen unten lose hängenden japanischen Aermel

und wird durch hellblaue Panne- Modell Nr. 4428. blenden umrandet, zwischen denen lose aufgelegte rosa Rosenkränzchen in er­habener Seidenstickerei sichtbar werden. Die gleiche Gar«