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Notation-druck und Verlag der Buchdruckerei de- vereiti.
General-Aazeiger
A'Itlilèits Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.
A WatjenhaufeS in Hanau»
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die fünf gespaltene Petitzeil« »der der« Rmm N W. tm Sterlamenleil die Zeit« 85 Hf-,
Berrutwortl. sresattem: «. Schrecke, te Hao«G
Mr. 259 Fernsprechauschlns; Nr. 605.
Dienstag den 5. November
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1907
Amtliches.
Vom 1. Oktober d. J. ab ist in den Großherzogtümern Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz für bauscht lediglich zum Hausgebrauch ausgeschlachtete Schweinefleisch die Trichinenschau allgemein vorgeschrieben.
Von dem gleichen Zeitpunkte ab sind die Regierungen der genannten Bundesstaaten der in dem Erlasse vom 8. November v. I. (I Ge 8917 M. f. 8., M. 8324 M. d. g. A., Tia 8847 M. d. I., IIb 9953 M. f. H.) bezeich- nelen Vereinbarung beigetreten.
Für den Nachweis der Untersuchung von Schweinefleisch auf Trichinen genügt daher fortan auch bei der Einfuhr aus Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz die Feststellung, daß das Fleisch aus diesen Staaten stammt.
(Geschästs-Nr. 1 G e 9538 M. f. 8.
„ , IIb 9004 M. f. H.
„ „ Ila 7946 M. d. J.
„ „ M. 8269 M. d. g. A.)
Berlin W 9 am 30. September 1907.
Der Minister Der Minister
für Handel und Gewerbe, für Landwirtschaft, Domänen
J. A.: v. d. Hagen. und Forsten.
J. A.: Küster.
Der Minister Der Minister
des Innern. der geistlichen, Unterrichts- und J. V.: Lindig. Medizinal-Angelegenheiten.
~_____________________I. A.: Förster.
Bekanntmachung.
Seit dem Monat Juli d. I. sind in den verschiedensten Städten Deutschlands falsche NeichskaNenscheine von 1882 über 20 Mk. verbreitet worden, deren Verfertiger und Verbreiter bisher nicht ermittelt werden Tonnten. . Die Scheine sind auf lithographischem Wege hergestellt und leicht an dem dunkleren Druck — namentlich auf der Rückseite — als Falschstücke zu erkennen.
Wir sichern demjenigen, welcher einen Verfertiger oder wissentlichen Verbreiter dieser Falschstücke zuerst ermittelt und der Polizei- oder Gerichtsbehörde dergestalt nachweist, daß der Verbrecher zur Untersuchung und Strafe gezogen werden kann, eine Belohnung von 1000 Mk zu.
Berlin den 13. September 1907.
Reichsschuldenverwaltung.
(gez.) v. Bitter. V 11034
Eandkrets fianau.
MmtlnchlMn des Köchlichen Landratsimts.
Der Landweg von Rohdorf nach Ostheim wird wegen Ausführung von Dampfwalzarbeiten von Station 1,4—2,3 von Mittwoch den 6. bis einschl. Montag den 11. d. M. für Lastfuhrwerke mit über 20 Ztr. Ladegewicht gesperrt.
Die in Betracht kommenden Ortspolizeibehörden ersuche ich, dies ortsüblich bekannt zu machen mit dem Hinweis, daß Zuwiderhandlungen gemäß der Reg.-Pol.-Ver. vom 6. April 1877 (Reg.-Amtsbl. S. 137) mit 10 bis 30 Mark oder entsprechender Haft bestraft werden.
Hanau den 4. November 1907.
Der Königliche Landrat.
V 11060 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
PolitiTcbe Rundschau.
Die sächsische Zweite Kammer verbandelte gestern über die freisinnige Interpellation: Welche Maßnahmen gedenkt die königliche Staatsregierung im Interesse einer ausreichenden Volksernährung gegenüber den enorm gesteigerten Getreidepreisen in die Wege zu leiten? Abg. Günther- Plauen begründet die Interpellation und weist auf die gegen dâs Vorjahr außerordentlich geringe Ernte in Deutschland und den wichtigsten europäischen und außereuropäischen Ländern hin; er fordert zur genügenden Versorgung Deutschlands mit Brotgetreide, die vorübergehende Aufhebung der Getreidezölle und die Beseitigung der Ausfuhrprämie. Staats- minister Graf v. Hohenthal und Bergen gibt die verminderte Ernte infolge der ungünstigen Witterungsverhältnisse in Deutschland und den übrigen Ländern zu; et könne jedoch nicht für eine Ermäßigung der Getreidezölle eintreten, da die schwache Ernte nur eine vorübergehende sei und der deutschen Landwirtschaft unter allen Umständen ein ausreichender Schutz gewährt werden müsse. — Im weiteren Verlauf der Sitzung erklärte Andrae (Tons.), er sei von der Antwort des Mi
nisters v. Hohenthal befriedigt, wendet sich aber gegen die Ausführungen der Interpellanten. Die Höhe der Getreide- zölle habe keinen Einfluß auf die Höhe der Getreidepreise. Die jetzige Getreidehausse sei in der schlechten Weltgetreideernte begründet. Der Bund der Landwirte werde bei einer noch größeren Steigerung der Getreidepreise der Reichsregierung Maßnahmen vorschlagen, die eine Besserung herbeizuführen geeignet sind; aber diese Maßnahmen müßten wirklich den Konsumenten, nicht aber der Spekulation zugute kommen. Langhammer (nat.-lib.) erkennt die gegenwärtige Notlage an, glaubt aber nicht, daß man den Schutzzoll für die Landwirtschaft ohne weiteres aufgeben könne.
Die Vorgänge in Rittzlarrd.
Odessa, 4. Novbr. Der Marineminister Dikow bestellte beim Besuch in Nikolajew dort zehn Torpedoboote zum Preis von drei Millionen Rubel für jedes Schiff.
Die zur Reichsduma gewählten Abgeordneten des Bessarabischen und Podolischen Gouvernements, die zu den Parteien der Rechten gehören, arbeiteten ihre T a k t i k in der Duma aus. Sie fordern Repressivmaßregeln gegen die Juden und Einführung des Kri egszustan- dès in ganz Rußland.
Petersburg, 4. Novbr. (Petersb. Tel.-Ag.) Nach den bis 7 Uhr abends vorliegenden Meldungen sind 417 Du ma- abgeordnete gewählt. Unter ihnen befinden sich 195 Rechte und Monarchisten, 124 Oktrobisten und Gemäßigte, 4 Mitglieder der Partei der friedlichen Erneuerung, 35 Kadetten, 14 polnische Nationalisten. 5 Mohammedaner, 11 Sozialdemokraten, 26 Linke und 2 Wilde.
HelsingsorS, 4. Novbr. (W. B.) Heute erschien die Probenummer deS Organs der finnländischen Ar« b e i t e r l i g a. Sie enthält das Programm der Liga, deren Zweck es ist, die Lage der Arbeiter zu heben, ohne den anderen Klassen nahezutreten und ohne die Produktion des Landes zu beeinträchtigen. Die Liga verwirft die sozialdemokratische Theorie betr. das Eigentum und verwirft daS politische und wirtschaftliche Programm der Sozialisten. Sie verurteilt die Beziehungen der finnländischen Sozialisten zu den russischen Revolutionären und die feindliche Haltung des Sozialismus gegenüber der Religion.
Die Wre des Zimeleildiehs Lütte vor Bericht.
8. & H. Nürnberg, 2. November.
(Unber. Nachdr. verboten.)
Die Aufsehen erregenden Juwelenschwindeleien des internationalen Hochstaplers und ehemaligen Schauspielers Felix Lütte kamen vor der hiesigen Strafkammer in aller Ausführlichkeit zur Erörterung. Der frühere Schauspieler Herschel und die Haushälterin des Opernsängers Hansen Auguste Abrendt aus Berlin hatten sich unter der Anklage der Beihilfe zu den Juwelenschwindeleien Lüttes zu verantworten. Herschel war dem Lütte bei seinem schwindelhaften Treiben behilflich und hatte besonders dazu beigetragen, daß die Juwelenfirmen Silberthau in Nürnberg und Herzl in Wien um Hunderttausende von Mark betrogen wurden. Die Haushälterin Ahrendt wurde beschuldigt, durch Absendung eines fingierten Telegramms an Lütie nach Wien dessen Schwindeleien begünstigt zu haben. Die Betrügereien Lüttes wurden vor der Strafkammer ausführlich behandelt. Es wurde festgestellt, daß Lütte stets in der pomphaftesten Weise auftrat. Er gab vor, aus steinreicher Familie zu sein und einen Familienschmuck zu besitzen, der von außerordentlichem Werte sei. Durch sein elegantes Auftreten wußte er die Geschäftsleute zu täuschen, sodaß sie ihm für seine Weisel ohne Bedenken Juwelen von hohem Werte überließen. Auch bei dem Juwelier Silberman in Nürnberg erbeutete Lütte im Juni d. Js. Juwelen im Werte von 650 000 Mk. Als die Wechsel am 16. Juni er. fällig wurden, verschwand Lütte nach Wien, während Herschel, sem Faktolum in Nürnberg zurückblieb. In Wien machte sich Lütte inzwischen an die Juwelenhändlerswitwe Herzl heran, um ihr Juwelen im Werte von 420 000 Kronen abzujagen. Er redete ihr vor, er habe eine Schwester „Grete", die über ungeheure Reichtümer verfüge und die die Juwelen bezahlen werde. IIm die Juwelierhändlerin zu überzeugen, veranlaßte er den Herschel, ein Telegramm mit der Unterschrift „Grete" nach Wien zu senden, durch das auch die Frau wirklich getäu'cht wurde. Sie sandte ihre Tochter, Frau Wagner, mit Lütte nach Nürnberg und gab ihr in einer Handtasche Juwelen im Werte von 426 000 Kronen mit. In Nürnberg wurde Frau Wagner von Lütte und Herschel durch allerhand falsche Vorspiegelungen hingehalten, bis Lütte am 28. Juni nach Berlin durchbrannte, nachdem er die Juwelen der Frau Herzl in seinen Besitz gebracht hatte. Vorher hatte er den Juwelenhändler Silberthau mit den Herzlichen Juwelen zum Teil
befriedigt, sodaß nur noch Juwelen im Werte von 131 000 Mark in seinem Besitz waren, die er in Berlin für 28 000 Mark versetzte, worauf er den Pfandschein an Frau Herzl sandte. Herschel will von diesen Betrügereien absolut .nichts wissen. Er behauptete, bei Lütte seit 1901 als Sekretär angestellt zu sein, obgleich der Vorsitzende feststellte, ba^ er nicht einmal richtig zu schreiben vermag. Er mußte bei Lütte allerlei Dienstleistungen verrichten, ihn ankleiden, waschen u. s. re. Als der Vorsitzende ihn fragte, ob er nicht in sehr intimen Beziehungen zu Lütte gestanden habe, verweigerte er die Antwort. Alle Kunstreisen Lüttes nach München, Berlin u. s. w. machte er mit. Er versetzte für ihn die erbeuteten Schmucksachen und war ihm in jeder Weise behilflich. Auch auf einer Reise nach Monte Carlo, wo Lütte etwa 60 000 Mark beim Spiel verlor, begleitete er ihn. Lütte war über diesen Spielverlust so verzweifelt, daß er schon Selbstmordgedanken hatte. Ob Lütte eine reiche Schwester habe, habe er nicht gewußt. Lütte habe allerdings immer von einer reichen Dame gesprochen, von der er Geld bekomme. Tatsächlich seien ihm auch von Berlin große Summen zugegangen. Mit der Einlösung von Wechseln wurde Lütte stets bestürzt, oftmals löste er sie mit Juwelen ein, die unverschlossen in seinem Zimmer herumlagen. Herschel gab weiter an, daß er von dem Juwelier Silberthau hart bedrängt wurde, als Lütte nach Wien gegangen war. Er richtete darum an Lütte zahlreiche Telegramme, in denen er Lütte bat, seine Verpflichtungen gegen Silberthau zu erfüllen. Das Telegramm mit der Unterschrift „Grete" habe er von Berlin erhalten, mit der Aufforderung, es Lütte nachzusenden. Er hat es Frau Ahrendt zum Abschreiber: gegeben, da Telegramme, die von ihm geschrieben wurden, wegen der schlechten Handschrift von der Post zurückgewiesen wurden. Er wisse nicht, daß damit ein Betrug beabsichtigt wurde. Er habe auch keine Ahnung davon gehabt, daß Lütte Betrügereien beging. — Die Haushälterin Ahrendt hatte auch mehrfach gehört, daß Lütte von seiner Schwester „Grete" sprach. Sie habe diese aber nie kennen gelernt. Sie habe daS Telegramm mit der Unterschrift „Grete" nur aus Gefälligkeit für Herschel abgeschrieben, weil dieser eine ganz unleserliche Handschrift habe. Sie will nicht gewußt haben, daß _ damit ein Betrug beabsichtigt wurde. Sie habe auch nie erfahren, daß Lütte Juwelenschwindeleien betrieb.
Darauf wurde in die Zeugenvernehmung eingetreten. Frau Wagner, die Tochter der Juwelenhändlerswitwe Herzl, in Wien, schilderte das prahlerische Auftreten Lüttes in Wien, durch das die Frau Herzl veranlaßt wurde, ihm Brillanten im Werte von 420 000 Mk. mit ihrer Tochter nach Nürnberg zu senden, wo sie seine Schwester „Grete" sehen sollte. Lütte wußte sich das Vertrauen der Zeugin in einem solchen Maße zu erringen, daß sie trotz des strengsten Verbots ihrer Mutter die Juwelen in Nürnberg dem Lütte sogar zur Verwahrung überließ. Mit ihnen verschwand dann Lütte nach Berlin. Herschel müsse auch von den Betrügereien gewußt haben, denn er erzählte ihr einmal, daß „Grete" eine sehr schone Dame sei. Am Morgen des 28, Juni, als Lütte nach Berlin abgedampft war, erzählte Herschel, um die Zeugin zu beruhigen, daß Lütte auf einen Tag verreist sei und daß er am nächsten Morgen mit seiner Schwester „Grete" wieder zurückkehren werde. — Auch der Juwelenhändler Silberthau in Nürnberg bekundete, daß Lütte ein sehr elegantes und zuversichtliches Auftreten hatte, durch das der Zeuge getäuscht wurde. Auch die Referenzen, die er über ihn eingezogen hatte, lauteten durchaus günstig. Silberthau hatte an Lütt« Juwelen im Werte von 1 800 000 Mk. abgegeben, wofür er von Lütte etwa 400 000 Mk. erhielt. Der Vorsitzende stellte aus den Akten fest, daß Silberthau dem Lütte die Juwelen zu ungeheuren Preisen anrechnete, oft war der Verkaufspreis um 100 bis 200 Prozent höher als der Einkaufspreis. Unter der Heiterkeit des Publikums gratulierte der Vorsitzende dem Juwelier noch nachträglich zu manchem der einträglichen Geschäfte. Silberthau entschuldigte sich damit, daß die Juwelenpreise sehr schwankend seien und daß daher ein höherer Gewinn zeitweilig notwendig sei. Er gab weiter an, daß Lütte von ihm Kredit bekommen habe, weil er behauptet habe, er stamme aus dem fürstlichen Koburger Hause und daß seine Schwester „Grete" ein Vermögen von 8 Millionen Mark habe. Lütte hat mit Silberthau riesige Geschäfte gemacht, an einem Tage waren nmal für V/* Millionen Mark Wechsel fällig. — Der Opernsänger Hansen kennt Lütte seit dem Jahre 1899. Er hielt ihn für einen schwerreichen Menn, ibm habe Lütte erzählt, daß seine Schwester „Grete" verstorben s-i, und daß sie vier große Hotels besessen habe. Lütte war in Schauspielerkreisen sehr angesehen und eine Zeit lang sogar Kassierer der Bühnengenoffenschaft. Seiner Haushälterin Frau Ahrendt stellt«