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General-Anzeiger

Arntlilhes Orga» für Stadt- «ad Landkreis Sana».

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Amtliches.

Eandkreis Ran au. Bekamitmshiiißkii des Königlichen LnndratsnmtS.

Infolge einer Verfügung deS Herrn Regierungs-Präsidenten mache ich die Ortspolizeibehörden auf die in Nr. 43 auf Seite 321 unter laufender Nr. 849 veröffentlichte ministe­rielle Anweisung vom 17. Juli d. I., welche zur Ausfüh­rung deS Gesetzes vom 22. Juni d. Js. betreffend Abände­rung deS Gesetzes über den Erlaß polizeilicher Gtrafver- ' sügungen wegen Ueberlretungen vom 23. April 1883 erlassen worden ist, besonders aufmerksam.

Hanau den 26. Oktober 1907.

Der Königliche Landrat.

V 10178 I. A.: Conrad, KreissekretSr.

Dienstnachrichten ans dem Kreise.

Lorenz Aul in Ravolzhausen ist zum Wald- und Feldschütz der Gemeinde Ravolzhausen auf Widerruf bestellt und verpflichtet.

Hanau den 28. Oktober 1907. V10857

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Verloren: 1 braunes Damentäschchen mit einigen Visitenkarten von Johanna Stein, 1 mattgoldeneS Ketten­armband mit grünem Stein, 1 kleines Kontobuch, 1 kleines schwarzes Portemonnaie mit 90 Pfg., 1 grünes Damen­ledertäschchen mit Visitenkarte von Franzi Braun, 1 brauner Damenpelz.

Zugeflogen: 1 gesprenkelte Taube.

Hanau den 29. Oktober 1907.

LiMrWMcher Kreisverei« Ham.

Nächste Versammlung Samstag den 2. November, nachmittags 2^3 Uhr, im Gasthaus 8 u m goldnen Löwen" hier.

Tagesordnung t

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Besprechung über die im nächsten Jahr hier staltsindende Bezirkstierschau.

8. Festsetzung der aus Mitteln des KreisvereinS für die Bezirkstierschau zu bewilligenden Summe für Prämiierungszwecke.

4. Besprechung über den Ausfall der diesjährigen Ernte. Gleichzeitig findet eine Ausstellung von Ernteerträg­nissen statt.

8. Berichterstattung der Delegierten über die General­versammlung der Landwirtschaftskammer in Melsungen.

6. Besprechung über den Bezug des Amtsblattes der Land­wirtschaftskammer seitens der Vereinsmitglieder.

7. Bekämpfung der Schnakenplage im Landkreise Hanau. 8. Sonstiges.

Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekannt­machung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in den Ge­meinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen. Hanau, den 26. Oktober 1907.

Der Königliche Landrat.

v. Beckerath.

Politische Rundschau.

Kaiserliche Kabinettsorder. Wie derHann. Kur." zu melden weiß, bat der Kaiser alsbald eine in scharfer Form gehaltene Kabinettsorder ergehen lassen, die sich mit den im Prozeß Moltke-Harden hervorgetretenen Mißständen im Heere befaßt und eine Reihe strenger Verhaltungsvor­schriften für die verantwortlichen Regimentskommandeure ent­hält. Die Kabinettsorder sei den Generalkommandos bereits Samstag abend zugestellt worden.

Zur GrhShunft der Beamteugehälier. Bei den derzeitigen Beratungen der Staatsregierung über die Auf­besserung der Beamtengehälter ist bekanntlich gleichzeitig mit der Neuregelung der Gehälter eine anderweite Bemessung des Wohnungsgeldzuschusses geplant, die für die mittleren Beamten eine Erhöhung, für alle Beamten einschließlich der Unterbeamten aber eine gerechtere, den tatsächlichen Verhält­nissen mehr Rechnung tragende Einreihung der einzelnen Orte in die einzelnen Servisklassen bringen soll. Zu diesem Zwecke sind, wie das Organ der Eisenbahnbeamten und -Ar­beiter,Die Eisenbahn", hört, umfangreiche Ermittelungen über die von den Beamten an den einzelnen Orten tatsäch­

Dienstag den 29. Oktober

lich gezahlten Mieten angestellt worden, deren Ergebnis vor­aussichtlich dazu führen wird, daß eine ganze Reihe von Orten, insbesondere die in der Nähe größerer Städte ge­legenen, die durch deren Teuerungsverhältnisse beeinflußt sind, in eine höhere Servisklasse eingereiht werden. Freilich werden die Inhaber von Dienstwohnungen, so lange sie in deren Besitz sind, hiervon keinen Vorteil haben; soweit aber etwa bei den mittleren Beamten der Wohnungsgeldzuschuß überhaupt erhöht wird, kommt diese Maßregel auch den In­habern von Dienstwohnungen insofern zugute, als sich der pensionsfähige Betrag des Wohnungsgeldzuschusses auf diese Weise erhöht. UeberdieS muß hierbei berücksichtigt werden, daß die Inhaber von Dienstwohnungen gegenüber den übrigen Beamten fast durchweg im Vorteile sind, da eS an den meisten Orten nicht möglich ist, für den Betrag des Woh­nungsgeldzuschusses eine gleichwertige Mietswohnung zu er­halten. Wenn die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses nicht auch für die Unterbeamten geplant ist, so hängt dies damit zusammen, daß diese die Erhöhung schon im vorigen Jahre vorweg erhalten haben, indem ihr Wohnungsgeld­zuschuß durchweg um 50 v. H- h'naufgesetzt worden ist. Wie das genannte Blatt weiter hört, soll bei dieser Gelegen­heit auch die Frage erörtert werden, ob es nicht richtig ist, die beabsichtigte Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses bei den höheren und mittleren Beamten nur den verheirateten und den mit Familienangehörigen einen eigenen Hausstand bildenden Beamten zuteil werden zu lassen, den übrigen Be­amten aber das sind im wesentlichen die unverheirateten lediglich die bisherigen Sätze zu belassen.

Zum Branntwein-Monopol-Projekt erfährt das Berliner Tageblatt" daß der Staat die Raffinerien an­kaufen wird. Die Wenbemessung soll nach Maßgabe der Kontingentierung erfolgen. Dagegen sollen die meisten Brennereien Eigentum der Grundbesitzer bleiben. Die Mit­teilungen bestätigen im wesentlichen die über das geplante Monopol bereits gemachten Angaben.

Oesterreichische Heeresausgabe«. Der Sonntag abgehaltene gemeinsame österreichisch - ungarische Ministerrat hat eine mäßige Erhöhung des Kriegs- und Marine-Budgets mit Rücksicht auf die Verteuerung der Verpflegungsartikel, die Umgestaltung der Artillerie und den Bau neuer Kriegs­schiffe beschlossen.

~ Der Papst hat dem Bischof der Diözese Tarentase (Savoyen), Lacroix, die von demselben aus Gesundheitsrück­sichten nachgesuchte Entlassung bewilligt. Bischof Lacroix er­klärte in seinem Gesuch, er verlange keine Pension, sondern er wolle sich seinen Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen. In einem Abschiedsbrief an die Geistlichkeit seiner Diözese legt der Bischof dar, daß der französische Klerus, weil er in dem Rufe stehe, sich allen zeitgenössischen Bestrebungen zu verschließen, seit langem unpopulär geworden sei und mit allen Kräften daran arbeiten müsse, seine verlorene Popu­larität wieder zu gewinnen.

Der Pariser Stadtrat nahm den Antrag an, den Soldaten, die in Marokko die Sache der Zivilisation und der Menschlichkeit hochhielten und die schmählichen antimili- taristischen Theorien energisch zurückwiesen, ihre Sympathie causzudrücken.

Aus Norwegen. In dem gestern abend abgehaltenen Staatsrat nahm der König die Demissionsgesuche des Mi­nisterpräsidenten Michelsen, des Verteidigungsministers Olssoen, des Kultusministers Dr. Jensen und des Justizministers Bothner an und nahm folgende Ernennungen vor: Der bis­herige Minister des Aeußeren Loevland wurde unter Beibe­haltung des Portefeuilles als Minister des Aeußern zum Ministerpräsidenten, Rechtsanwalt Bredal zum Justizminister, Kapitän z. See Dawes zum Verteidigungsminister, das Mit­glied des Storthings, Bankdirektor Halvorsen, zum Finanz- minister, und der bisherige Finanzminister Berge zum Kul­tusminister ernannt.

Die bulgarische Sobrauje wurde gestern eröffnet. Die Thronrede rourbe vom Ministerpräsidenten verlesen. In der­selben wird konstatiert, daß Ruhe und Ordnung im Lande herrsche; ferner verweist dieselbe auf die wirtschaftliche Ent­wickelung des Fürstentums. Die Regierung richte ihr ganzes Bestreben darauf, der jetzigen Lage der Stammesbrüder tn der Türkei, welche fortgesetzt die Gemüter in Bulgarien be­unruhige, ein Ende zu machen. Die Beziehungen Bulgariens zu allen Großmächten und Nachbarstaaten seien gute. Anläßlich der Eröffnung der Sobranje hatten die Sozialisten in Sofia regierungsfeindliche Kundgebungen geplant. Trotz des Polizeiverbots versuchten sie sich zu Kundgebungen zu versammeln. Infolge dessen kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei. Mehrere Polizisten wurden verwundet. Ein starkes Polizeiaufgebot und Militär halten jetzt alle Straßen

ffernsprechanschluü Nr. 605. 1907

der inneren Stadt abgesperrt. Zahlreiche Verhaftungen wur den vorgenommen.

Marokko. General Drude telegraphiert aus Casa­blanca, daß Muley Raschid mit seiner 3000 Mann starken Mahalla, welcher sich etwa 500 Aufständige angeschlossen haben, noch immer bei Sidi Assa lagere. Auf den nach Casablanca führenden Straßen werden von den Aufständischen täglich Räubereien verübt. Die von Ben Bagdadi befehligte Mahalla Abdul Asis ist noch immer in Fedara. General Drude forderte Ben Bagdadi auf, ihm mitzuteilen, nulch« Absichten er habe.

Zum Besuch des Kaiserpaares in England.

Der englische Hof und die städtischen Behörden von Lon­don rüsten zum Besuch deS deutschen KaiserpaareS, der für Mitte des nächsten MonatS bevorsteht und sechs bis sieben Tage dauern wird. Der Kaiser und die Kaiserin werden in Schloß Windsor wohnen, wo zweimal große Tafel und an mehreren Tagen Jagden veranstaltet werden. Ein Tag ist für den Besuch Londons bestimmt, wo der Kaiser von den städtischen Behörden empfangen und im feierlichen Zuge nach der Guildhall, dem Rathaus von London, geleitet werden wird. Hier wird der Kaiser einer Sitzung beiwohnen und die Huldigung mit einer Ansprache erwidern. König Eduard, auf dessen Einladung die Reise erfolgt, ist bemüht, seinen hohen Gästen den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen.

In der Begleitung des Kaiserpaares befindet sich btt Kriegsminister v. Einem, den der König in Erwiderung btt freundschaftlichen Aufnahme deS englischen Kriegsminister? Haldane bei dessen vorjähriger Anwesenheit in Deutschland eingeladen hat, ferner ein Vertreter des Auswärtigen Amt-, Die Annahme, daß auch der Reichskanzler Fürst Bülow mit nach England gehen werde, trifft nicht zu. Der Besuch fällt zeitlich mit dem Beginn der parlamentarischen Arbeiten zu­sammen, bei denen die Anwesenheit des leitenden Staats­mannes schwer entbehrt werden könnte. Auch kommt in Be­tracht, daß seit der Zeit des Berliner Kongresses, also seit bald 30 Jahren, kein englischer Premierminister in Deutsch­land war und sich König Eduard bei seinen Besuchen unsere! Kaisers nur von einem Vertreter des Ministeriums deß Aus­wärtigen begleiten ließ.

Etwas anderes wäre es, wenn in Windsor und London hochwichtige politische Verhandlungen zu führen wären. Solche stehen aber nicht in Aussicht. Konkrete Streitfragen gibt eS zwischen England und uns gegenwärtig nicht. Was die Tem­peratur der offiziellen Beziehungen beeinträchtigte, waren Volksstimmungen, harte Urteile über den Burenkrieg und den englischen Charakter hüben, Besorgnisse gegen die Entwicke- luug der deutschen wirtschaftlichen und maritimen Kräfte drüben. Man ist ruhiger geworden, die Einsicht, daß die Erde Raum hat für beide stammverwandten Völker, hat Fortschritte gemacht, Hoffnungen, die deutsche Militärmacht als Feind der Humanität und des Friedens hinzustellen, sind gescheitert. Gegenseitige Besuche von Vertretern städtischer und Arbeiterinteressen und von Journalisten haben ein bes­seres gegenseitiges Verständnis angebahnt. So bringt denn ein Teil der englischen Presse jetzt schon sehr freundliche und verständige Begrüßungsartikel für das deutsche Kaiserpaar, und die Erwartung ist berechtigt, daß der Besuch nicht nur äußerlich eindrucksvoll verlaufen, sondern die freundlichen höfischen Beziehungen beleben und zu dem Verhältnis von Reich zu Reich und Volk zu Volk einen nachhaltigen Zusatz von gegenseitigem Verständnis und Vertrauen liefern wird.

AalltssekretSr d. Bkthnmn-Mwtg im Zeitri!- wrtaii Deutscher Kidostrieler.

Aus Berlin, 28. Oktober, wird berichtet: Die heutige Sitzung der Delegierten des Zentralverbandes Deutscher Industrieller wurde vom Staatssekretär des Innern, StaatS- minister Dr. v. Bethmann-Hollweg, mit folgender Ansprach« begrüßt: Meine Herren! Für di« freundliche Einladung, die Sie mir zu dem heutigen Tage haben zugehen lassen, bin ich Ihnen zu aufrichtigem Dank verpflichtet. Der Zen- tralverband Deutscher Industrieller hat während seine« 80« jährigen Bestehens an der Gestaltung unserer sozialen und wirtschaftlichen Zustände den lebendigsten Anteil genommen. Ich bitte Sie, Ihre Erfahrung auch weiter in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und auch mir gegenüber damit nicht zurückhalten zu wollen. Ich meinerseits werde bestrebt sein, dem Unternehmertum und der Arbeiterschaft mit der aleichen Offenheit und Unbefangenheit gegenüberzutreten und