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General-Anzeiger
AAttichks Organ für Stadt- «ad Landkreis Kam«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurücknugsgebüyrr
Die fünfgespalterle Petitzeif« oder deren Staunt 2D Pfg. im Reklameateil die Zeile 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur r «.Schrecker io HauLH.
Nr. 242 FernspräiNchlutz Nr. 605.
Amtliches.
{Der Schriftsetzer Simon Schneider zu Fechenheim hat am 24. August d. Js. den Knaben Wilhelm Frisch, der in den Main gefallen war, durch entschlossenes @'n greifen vom Tode des Ertrinkens gerettet.
Hierfür spreche ich dem Schneider öffentlich meine Anerkennung aus. (A. I. Nr. 8591)
Cassel am 28. September 1907.
Der Regierungs-Präsident.
______I. B.: Schenk zu Schweinsberg.
Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.
Am 23. Oktober d. I. wird zwecks Veranlagung der Einkommensteuer für das Steuerjahr 1908 eine allgemeine Aufnahme des Personenstandes in hiesiger Stadt vorgenommen werden. Zu diesem Zwecke werden jedem Hausbesitzer oder dessen Stellvertreter in jedem Hause die erforderlichen Hauslisten eingehândigt, um deren genaue und gewissenhafte Ausfüllung hinsichtlich aller in dem betreffenden Hause nebst Zubehör wohnenden Personen nach dem Stande vom 28. Oktober d. JS. ich bitte. Zu den Bewohnern gehören auch dir vorübergehend abwesenden Zimmerabmieter und Familienangehörigen, sofern sie nicht an einem anderen Orte erwerbstätig sind und Wohnsitz haben. Schlafstelleninhaber sind als solche kenntlich zu machen, auch sind ihre Wohnsitzgemeinden anzugeben.
Personen, die am 23. Oktober er. ihren Umzug beendet haben, gehören zu den Bewohnern des neuen Hauses.
Auf richtige und deutliche Schrift der Namen sowie auf Schonung der Listen bitte ich besonders zu achten. Zur Ausfüllung aller Spalten der Hauslisten besteht die ge' setzliche Verpflichtung. Zur Vermeidung von Nachfragen und Feststellungen durch Polizeibeamte ersuche ich überall den Arbeitgeber, die Art des Berufs — Namentlich auch, ob selbständig, Gehilfe, Lehrling usw. — unter Angabe der Branche, ersichtlich zu machen. Auch bei der Ehefrau, den Kindern über 14 Jahre und den sonstigen Angehörigen ist der Stand oder die Erwerbstätigkeit in der obigen Weise anzugeben. Die Eintragungen „Ehefrau, Sohn, Tochter usw." sind nur in der Spalte — Familienverhältnis — zu machen. Wenn die obigen Familienangehörigen ohne eigenes Einkommen und auch nicht im eigenen Gewerbe tätig find, so ersuche ich dies wegen der Abzüge für solche Angehörige ersichtlich zu machen. Bei steuerpflichtigen bevormundeten Personen ist die Angabe des gesetzlichen. Vertreters erwünscht.
Feuilleton.
Alfred Maul f.
Wie in diesem Blatte bereits berichtet, verschied Samstag den 12. d. Mts. nach kurzer Krankheit infolge Herzlähmung der Direktor der Turnlehrerbildungsanstalt zu Karlsruhe, Hofrat Alfred Maul, Ehrenvorsitzender der Deutschen Turnerschaft, ein bedeutender Turnpädagoge, der sich um das deutsche Turnwesen sehr verdient gemacht hat.
Alfred Maul war am 13. April 1828 zu Michelstadt im Odenwald als ältester Sohn des gräflich Erbachischen Kammerrats Maul geboren und kam 1837 nach dem Tode seines Vaters nach Darmstadt, wo er die Realschule besuchte und dann an der technischen Hochschule Mathematik und Naturwissenschaften studierte. 1846 trat er in die von Heinrich Felsing, Ferd. Marx, Emil Reuter u. a. neugegründete Darmstädter Turngemeinde ein, zeichnete sich alS eifriger Turner aus und wurde später deren Turnwart. Von 1850 bis 1851 bildete sich Maul unter Leitung von Adolf Spieß, dem Begründer des heutigen Schulturnens, zum Turnlehrer aus, wirkte von 1852 bis 1855 als Lehrer an einer Privatschule in Langen und 1855 bis 1856 als Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften am Gymnasium zu Gießen. 1856 auf Empfehlung von Spieß als Lehrer für Turnen und andere Fächer an das Realgymnasium zu Basel berufen, gründete Maul in Gemeinschaft mit Fritz Jselin und Wilhelm Jenny den Basler Turnlehrerverein. Neben seinem Amte betätigte er sich auch im Vereinsturnen und führte 1860 auf dem eidgenössischen Turnfest zu Basel durch die Basler Turnvereine Gemeinübungen an Geräten vor, welche Neuheit Anklang fand und die Grundlage des heutigen schweizerischen SektionSwett- turnens wurde. Der Basler Bürgerturnverein und der eidgenössische Turnerbund ernannten Maul damals zu ihrem Ehrenmitglieds.
IMS wurde Maul als Direktor an die neugegründete
Mittwoch den 16. Oktober
Unter Hinweis auf die auf den Hauslisteu abgedruckten, gegen früher geänderten gesetzlichen Bestimmungen, bitte ich alle Beteiligte und ganz besonders die Hausbesitzer und deren Stellvertreter im Hause, sowohl im eigenen Interesse, als auch zur Förderung der Sache, dahin zu wirken, daß am Morgen des 24. Oktober die vollständigen HauSlisten vollzogen in derjenigen Wohnung znr Abholung bereit liegen, in der sie bei der Ausgabe abgegeben wurden. Vorherige Einsendung von Listen ist nicht erwünscht.
Hanau den 14. Oktober 1907.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus. 21818
Städtisches Wannen- und Brausebad.
Bangertstratze 2 (Eingang: Große Dechaneistraße).
Geöffnet für Männer r
Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 8—12 Uhr vormittags und 2—8 Uhr nachmittags.
Sonntag von 8—12 Uhr vormittags.
Geöffnet für Frauen: Dienstag und Freitag von 8—12 Uhr vormittags und 2—8 Uhr nachmittags.
Preise der Bäder:
Brausebad mit Wäsche 10 Pfg., Wannenbad mit Wäsche 25 Pfg., Wannenbad ohne Wäsche 20 Pfg.
Hanau dm 26. September 1907.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 20661
Politische Rundschau.
Bergarbeiterbewegung. Die Vertrauensmänner der westfälischen Bergleute werden am kommenden Sonntag zu einer neuen Konferenz zusammentreten. Es gewinnt die Annahme Wahrscheinlichkeit, daß für den Fall einer zwangsweisen Einführung der neuen Knappschafts-Reform durch die Regierung die Aufnahme eines allgemeinen Widerstandes der Ruhrbergleute beschlossen werden wird.
Bayrische Kammer der Abgeordneten. In der Generaldebatte zum Budget besprach Speck (Ztr.) das finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche und betont, die Matrikulaturbeiträge hätten bereits das Maß des Erträglichen überschritten. Die Hoffnung des Finanzministers, die gestundeten Matrikularbriträge nicht zahlen zu müssen, sei trügerisch. Das Reichsbudget für 1907 sei erheblich vorausbelastet. Dazu kämen neue Forderungen für Flotte und
Turnlehrerbildungsanstalt und badischer Landesturninspektor nach Karlsruhe berufen, in welcher Stellung er bis zu seinem Tode mit segensreichem Erfolge wirkte, das badische Schulturnen in neue Bahnen lenkte und zu hoher Blüte brachte. Seine Lehrkurse wurden von zahlreichen Turnlehrern aus allen Teilen Deutschlands und auch aus dem Auslande besucht. Als Vorstand der Karlsruher Tnrnqemeinde veranlaßte Maul die Gründung des Karlsruher Turngaues. 1875 wurde er in den Ausschuß der Deutschen Turnerschaft gewählt, in welchem er als Vorsitzender des technischen Unterausschusses, dann als Stellvertreter des 1. Vorsitzenden eine eifrige Tätigkeit entfaltete. Nach dem Rücktritt Th. Georgiis — 1887 — zum Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft gewählt, mußte Maul Dieses Amt 1894 aus Gesundheitsrücksichten auf ärztliche Anordnung niederlegen. Die Deutsche Turnerschaft ernannte ihn zu ihrem Ehrenvorsitzenden.
Auch als Turnschriftsteller hat sich Maul hervorgetan, seine zahlreichen Turnlehrbücher zeichnen sich durch Anschaulichkeit und Klarheit aus. Sein wichtigstes und weit über die Grenzen Badens hinaus einflußreiches Werk ist „Anleitung für den Turnunterricht in Knabenschulen" (1876—79 3 Teile).
Maul, als Schüler von Adolf Spieß hat dessen Richtung im Schulturnen verbreitet und weilergebildet. Durch seine frühere Stellung ist er Vermittler zwischen deutschem und schweizerischem Turnbetrieb gewesen und hat das Gute des einen Landes in das andere verpflanzt. Seine Verdienste um das Volksbildungswesen sichern ihm ein dauerndes Ehren- gedächtnis.
H. H e u s o h n.
Albumblätter.
Ein böses Gewissen ist ein Ofen, der immer raucht, ein Gewitter ohne Regen. Es ist Kläger, Richter, Henker in Einer Person. Die Nachtigall sagt dir: du bist ein Dteb, die Lerche: du hast gestohlen. v. Hippel.
Fernsprechanschlutz Nr. 605* 1907
Kolonien. Das Zentrum sei im Reiche bereit zu bewillige t was die Erhaltung der Wehrkraft fordere, aber manch Forderung könnte zurückgestellt werden. Das Fallen der Reichs- und Staatsanleihen müßte die Reichsfinanzverwaltung vorsichtig machen. Der Geldmarkt werde durch die fortwährende Inanspruchnahme durch das Reich und die Einzelstaaten beunruhigt. Redner verlangt weiter Berücksichtigung SüddeutschlandS bei der Vergebung von Lieferungen für die Flotte. Nach weiterer Debatte wurde die Verhandlung vertagt.
Kiautschou. Der „Reichsanzeiger" enthält eine kaiser- Verordnung, wonach im Schutzgebiete von Kiautschou ein Gericht errichtet wird, das aus dem zur Ausübung der Gerichtsbarkeit zweiter Instanz ermächtigten Beamten als Vorsitzenden und vier Beisitzern besteht. Diesem Gericht wird die nach dem Gesetz über die Konsulargerichtsbarkeit vom 7. April 1900 begründete Zuständigkeit des Reichsgerichts für das genannte Schutzgebiet übertragen. Auf die Beisitzer und den Gerichtsschreiber sowie auf das Verfahren finden di« Vorschriften des § 8 Absatz 2 bis 5 der Verordnung über die Rechtsverhältnisse in den deutschen Schutzgebieten, vom 9. November 1900, Anwendung. Diese neue Verordnung tritt am 1. Januar 1908 in Kraft. Die zu diesem Zeitpunkt bei dem Konsulargericht in Schanghai als dem bisherigen Gerichte zweiter Instanz für das Schutzgebiet von Kiautschou anhängigen Sachen gehen in der prozessualen Lage, in der sie sich befinden, auf das neu errichtete Gericht über.
Zur Erkrankung des Kaisers Franz Josef. Die „Korrespondenz Wilhelm" meldet aus Wien 15. Okt. r Der Kaiser war den gestrigen nachmittag und die heutig« Nacht vollkommen fieberfrei. Die heute vormittag ein getreten« leichte Temperaturerhöhung schwand im Laufe des TageS. Der Generalstabsarzt Kerzl und Professor Neusser stellten bei der Abendvisite fest, daß die Temperatur ganz normal bis zu 36,6 ist; auch den Kräftezustand deS Monarchist finden die Aerzte sehr befriedigend. Um 3 Uhr nachmittags hatte der Monarch mit Appetit das Diner genommen. Aus allen diesen Symptomen wird die Hoffnung hergeleitet, daß die Besserung von nachhaltiger Dauer sein wird. Wie di« Korrespondenz von einer Persönlichkeit aus der Umgebung des Kaisers erfährt, kann die Erhöhung der Körpertempera» tur, die gestern und heute in den Vormittagsstunden bei dem Kaiser beobachtet wurde, nicht als ein beunruhigendes Zeichen gelten; so lange die Influenza nicht ganz beboben ist, werden derartige leichte Fiebererscheinungen vermutlich öfter auftreten, ohne als beunruhigendes Symptom gelten zu können. Als erfreuliches Anzeichen im Krankheitsverlaufe wird der gute Kräftezustand und die normale Herztätigkeit betrachtet. Auch der Katarrh hat sich nicht weiter ausgebreitet seit
Konzert des Gesangvereins „Eintracht".
= Harrau, 16. Oktober.
Gestern abend fand das Konzert des Gesangvereins „Eintracht" im Saale der Centralhalle statt, das in jeder Beziehung einen großartigen Verlauf nahm.
Eine besondere Anziehungskraft übten neben den Chorleistungen die beiden Solisten aus. Wenn zwei so hervorragende Künstler wie Frau Susanne Dessoir und Frl. Carlotta Stubenrauch um die Palme ringen, dann darf man von vornherein hochgespannte Erwartungen hegen, unb' man hatte sich wahrlich nicht getäuscht.
Frau Dessoir ist ja bei uns keine neue Erscheinung. Durch ihren bestrickenden Gesang hat sie schon in früheren Konzerten die Hörer entzückt. Gestern abend tat sie ein gleiches; ja, wir glauben ihre Leistungen gegen früher noch viel höher einschätzen zu müssen. Der geistig vertiefte und musikalisch in höchster Vollendung sich zeigende Vortrag, mit der die Künstlerin eine bewundernswerte Einfachheit uyd Natürlichkeit verband, sowie die ganz vorzügliche Behandlung des Textes machten ihre Gesänge zu seltenen Kunst- leistungen, die für jeden empfindenden Menschen eine Quell« ungetrübten Genusses sind.
Frau Dessoir zeigte ihre vollendete Vortraaskunst M einer Auslese prachtvoller Lieder, wodurch sie die Hörer zur Begeisterung hinriß. Noch stundenlang hätte man bei1 duftigen, abgeklärten und poesievollen Vorträgen, ohne yj ermüden, lauschen mögen. Stürmischer Beifall lohnte die gottbegnadete Sängerin, die noch eine Zugabe spenden mußtet
Einen weiteren Hauptanteil an dem Erfolg des interessantest Abends fällt der Pariser Geigenvirtuosin Frl. C. Stuben-^ rauch zu. Das feurige Temperament, die Reinheit urtti Biegsamkeit des schönen, vollen Tones, die glänzende Technik rissen zur Bewunderung hin. Die Bewältigung der grüßtest Schwierigkeiten, die tadellose Ausführung der Triller, bfi Reinheit der Oktaven und Flageolettstellen wirktm gerades