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Wr. 233 N-vnsprechanschttch Nr. 605
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Samstag den 5. Oktober
F-v«spr-chanschlutz Nr. 605. 1907
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Sie Mttamtr «mW Mr K.MuhMMit 16 Seiten.
Aus Ran au Stadt und Hand.
Hana«, v. Oktober.
* Kirchliches. Der Abendgottesdienst in den beiden Altstädter Kirchen beginnt von morgen Sonntag ab wieder um 5*/8 Uhr.
* Wallonisch- Kirche. Der Vorbereitungs-Gottesdienst zum heil. Abendmahl findet heute nachmittag um 4 Uhr in der Kapelle statt.
* GisenhahndrenftlicheS. Am 1. Oktober d. IS. sind sämtliche preußisch-hessischen Gütertarife, mit Ausnahme der Tarifheste G und H, deren Ausgabe am 1. April nächsten JahreS erfolgt, neu herauSgegeben worden. Gleichzeitig sind die Staatsbahn - Gütertarife durch Herausgabe eines neuen Teiles II „Gemeinsames Heft A" insofern vereinfacht worden, als in dieses Heft die sämtlichen in den einzelnen Tarifheften zerstreuten besonderen Bestimmungen, einschließlich deS Ueber- gangstarifs für den Verkehr mit Kleinbahnen sowie der Bedingungen für die regelmäßig« Beförderung von Milch und Arzneimitteln ausgenommen wurden. Die einzelnen Tarifhefte enthalten deshalb nur noch Entfernungen und Frachtsätze.
* Versetzt. Spezialkommisstons ° Büreaudiätar Jacob von Hanau wurde an die Spezialkommisston in Rinteln und Spezialkommissions-Büreaudiätar BialaS von Limburg an die Spezialkommission in Hanau versetzt.
* Gautnrntag. Sonntag den 3. November ds. J8., vormittags 9 Uhr findet im Vereinsbause der Turngemeinde zu Hanau ein außerordentlicher Gauturntag des Maingau-Turnverbandes statt. Auf der Tagesordnung steht u. A.: Bericht über den Deutschen Turntag in Worms, Beratung der abgeänderten Gausatzungen, Beschlußfassung über das Gauturnfest 1908 und das Deutsche Turnfest in Frankfurt 1908. Gleichzeitig werden die für das letztere vorgesehenen Keulenübungen durch den Turn- und Fechtklub Hanau vorgeführt.
• Reichsbanknebenst-tte. Am 19. Oktober d. J. wird in Marggrabowa eine von der Reichsbankstelle in Insterburg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
* Phstogravhisch- Aufnahme« über die vom Kgl. Gymnasium am Philipp Ludwig-Denkmal veranstaltete Gedenkfeier hat das photographische Atelier Waldmann gemacht, die als recht gelungen zu bezeichnen sind.
Beumers».
Hanimcr Stadtthcater.
= Ha«a«, 5. Oktober.
„Staatsanwalt Alexander", ein Schauspiel in 4 Akten von Karl Schüler, ging gestern abend als weitere Novität über die Bretter unserer Bühne.
Das Stück behandelt in dem Titelhelden, dem „Staatsanwalt Alexander", einen Mitwirkenden an der Rechtspflege, der einzig und allein nach dem Buchstaben des Gesetzes urteilt, nicht den Ursachen und Beweggründen nachforscht, aus denen heraus das Vergehen oder Verbrechen entstanden ist. Demgegenüber wird in dem „Landgerichtsdirektor Wehner" ein Richter vor Augen geführt, der sich nach den LebenS- verhältnissen der Angeklagten erkundigt, die Seelenstimmungen und Motive zu ergründen sucht, die die Tat geboren, der die Gebote des Evangeliums über die des Strafgesetzbuches stellt, der Nachsicht und Milde da walten läßt, wo das begangene Unrecht vom Standpunkt der christlichen Liebe aus entschuldbar ist, der jedoch unerbittliche Strenge walten läßt da, wo die Triebfeder der Tat eine milde Beurteilung verbieten. Die Handlung ist eine verhältnismäßig einfache. Ein junger Mann, „Kaspar Wild", hat sich wegen Tötung " eines Menschen vor den Geschworenen zu verantworten. Um ihm ein Geständnis zu entlocken und dadurch die auf Grund der Indizienbeweise noch zweifelhafte Verurteilung sicher herbeizuführen, läßt der Staatsanwalt die Mutter des Angeklagten zu sich kommen und sucht sie zu bewegen, ihrem Sohne zu- Meden, dieser möge alles offen gestehen. Nach längeren Bemühungen des Staatsanwalts, die eine Seelenqual der geängstigten Frau bedeuten und diese in einen schweren Zwiespalt bringen zwischen der Liebe zu ihrem Sohne und der ihr eindringlich vorgehaltenen angebliche« Pflicht, erklärt sie sich
* Der katholisch- Arb-ii-rv-r-i« Hanau hält morgen Sonntag abend präzis V>9 Uhr eine sehr wichtige Generalversammlung im „Braustübl" ab. Einige dringende Angelegenheiten werden zunächst behandelt werden, wozu doch alle Mitglieder ohne Ausnahme erscheinen mögen. Alsdann wird Herr Dechant Braun einen Vortrag halten über „Unsere Ziele im Arbeiterverein. Alle Freunde deS Vereins, besonders alle katholischen Arbeiter, die sich einer Standesorganisation auf christlicher Grundlage anschließen wollen, sind herzlich willkommen. Mit diesem Abend wird das Winterprogramm des Vereins seinen Anfang nehmen, auf das wir noch zurückkommen werden.
* Blitzschläge. Nach dem Bericht der hessischen Brand- Versicherungsanstalt waren im Jahre 1906 in der Stadt Hanau 3 Blitzschläge zu verzeichnen, doch zündete keiner davon. Im Landkreis Hanau schlug der Blitz im verflossenen Jahre zwölfmal ein und zündele einmal.
* StadttheoLev. Der morgige Sonntag bringt die Erstaufführung eines Schwankes von Curt Kraatz „Eine lustige Doppelehe", mit den ersten Kräften besetzt. Der Verfasser, welcher der Vorstellung übrigens persönlich beiwohnen wird, erzielte mit seinem Stück überall stürmische Heiterkeitserfolge und auch hier werden die überwältigend komischen Situationen, sowie die einschmeichelnde Musik ihre Wirkung nicht verfehlen. — Am Dienstag den 8. d. Mts. findet der erste „Literarische Abend" statt. Zur Aufführung gelangt Oskar Wilde'S „Salome". Wohl selten hat eine dramatische Novität das öffentliche Interesse der gebildeten Kreise in einem solchen Maße beschäftigt, wie Oskar Wilde's Tragödie „Salome". In kurzer Zeit hat sich das Werk alle Bühnen Deutschlands erobert und ein heftiger Streit ist für und wider dasselbe entbrannt. Wer unvoreingenommen dir Tragödie aufnimmt, nicht unempfänglich abweisend der leidenschaftlich durchtränkten Handlung gegenübersteht, wird auch die Wahrheiten und Schönheiten des Stückes voll empfinden und die Macht des dramatischen Affektes wird ihn in seinen Bann zwingen und mit sich fortreißen. Es sind zwei Weltanschauungen, die uns Oskar Wilde gegenüberstellt, zwei Anschauungen, für die es einen Ausgleich niemals geben kann. Der Handlung liegt die biblische Erzählung zu Grunde. Die Personen sind von Oskar Wilde auch nicht aus ureigenstem geschaffen, sondern unter dem Einflüsse des Romanes „Aphrodite" von Pierre Lony entstanden. Sie tragen die Züge moderner Menschen in antikem Gewände, aber sie sind Meisterschöpfungen von vortrefflich gezeichneter Charakteristik. Der Vierfürst, der üppige, feige und doch anziehende Herrscher, die entschlossene Herodias und die dämonische Salome, dann ihnen gegenüber der unbeugsame asketische Prophet Jochanaan, sie alle leben — atmen die heiße Luft des Orients, welche
schließlich bereit, dem Verlangen des Staatsanwalts zu entsprechen. Der Angeklagte wird hereingeführt und legt auf Bitten der Mutter ein offenes Geständnis ab, das er bis jetzt verweigert, um sich nicht der Möglichkeit zu berauben, seine Mutter auch fernerhin zu ernähren. Er war von dem Getöteten gereizt und geschlagen worden, hatte dem Angreifer den Stock abgenommen und ihn mit diesem zu Boden geschlagen, eine Tötungabficht aber nicht gehabt. Während der Schwurgerichtsverhandlung erhält der gestrenge Staatsanwalt Kenntnis davon, daß sein eigener Sohn zum Mörder geworden ist. Er hatte. ein Weib erdrosselt (Angehörige der Halbwelt), das ihn durch gewisse Mittel zur Verzweiflung getrieben hatte. Unter dem Eindrücke dieses furchtbaren Ereignisses und einer Unterredung mit dem Landgerichtsdirektor Wehner, der ihm die traurigen Folgen einer allzustrengen Verurteilung mitteilte, verursacht durch falsche Charakteristik deS Angeklagten durch Staatsanwalt Alexander, wendet sich der harte Sinn des letzteren. Er hebt selbst alle dem Angeklagten „Kaspar Wild" entlastenden Milderungsgründe hervor und beantragt nur eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten, auf die auch erkannt wird. Der Sohn des Staatsanwalts kann sich zu dem Selbstmord, der ihm von seinem Vater anbefohlen wurde, nicht entschließen und stellt sich schließlich auf Zureden des Landgerichtsdirektorß Wehner selbst der Polizei, um seine Tat, wie das Gesetz es will, zu sühnen.
Es ist ein sogen. Tendenzroman, der uns da geboten wird, mit dramatisch wirksamen Momenten. Da8 Publikum wird bis zum Schluffe in Atem gehalten, da die ganze Handlung fesseln muß, obgleich hier und da dem guten Glauben starke Zumutungen gestellt werden.
Von Herrn Direktor Steffter selbst sorgfältig inszeniert, fand die Novität hier eine beifällige Aufnahme. Dw Vorstellung konnte fast durchgängig befriedigen, da die _ Hauptrollen gut besetzt waren, das Zusammenspiel ebenfalls in jeder Weise klappte. Die Titelrolle, den „Staatsanwalt", spielte Herr Walther Krack, der eine recht schwierige Aus-
die Menschen genußsüchtig, herbe und grausam gemacht hat. Aus diesen Menschen heraus entwickelt sich die Handlung und man kann dieselbe verstehen, weil sie durch die Gestaltet» menschlich näher gebracht wird. ES ist ein Werk von gewaltiger dramatischer Kraft, welches das Interesse jedes GebildetenherauS- fordert. Inszeniert vonHcrrnDirektor Ad alb.Steffter, wird die Aufführung auch einen entsprechenden schönen Rahmen haben, indem aus dem At«Iter Mühldorfer in Bremen die prächtige Dekoration dazu von Dir. Steffter erworben wurde. Gleichfalls sind auch vollständig neue Kostüme von der Firma Kayser in Basel dazu angeschafft worden. Nach der Tragödie „Salome" wird das reizende Mondscheinszenchen „Herbstzauber" von Rudolf Presber den Schluß des ersten literarischen Abends bilden. Pirrot und Colombine — die reizende Musik — werden die durch das erste Werk hervorgerufene Spannung auflösen und in einem harmonischen Akkord wird der Abend aushallen, der einen wirklich großen künstlerischen Genuß verspricht.
* Kunstnotiz. Im Kunstsalon Hermes in Frankfurt blieb die Ausstellung alter Gemälde, wie die Landschaften von M. Zaeper und die Werke von Edgar Farasyn noch für Oktober. Außerdem ist neu ausgestellt eine Kollektion Lino V e 8 e o, fünf Schneelandschaften von Schneider- Franken und eine Kollektion C. W. Bartlett.
* Jagdreit-«. Wenn der große Maler Herbst Feld und Wald in tausendfacher Farbenpracht leuchten läßt, dir Lüfte rauher werden und morgens und abends dichte Nebrl wallen, dann zieht eS den Nimrod wie den frohen Reitersmann hinaus zum frischen fröhlichen Jagen. DaS lebendige, lebensfrohe Bild eines Jagdreitens haben wir am Montag wieder in bequemer Nähe, da die Offiziere des Ulanenregiments ein solches auf dem Großauheimer Gelände veranstalten. Das Jagdreiten nimmt um ^4 Uhr nachmittags etwa 200 Meter nördlich deS Bahnhofs Großauheims seinen Anfang. Für Zuschauer ist der beste Platz anf der Straße von NeuwirtS- hauS nach Großauheim da, wo diese aus dem Walde heraus auf das Großauheimer Feld tritt. Die Zuschauer werden von Angehörigen deS Regiments zurechtgewiesen.
O Kangen-rebach, 3. Oktbr. (Vortrag.) Der Ausschuß für Volksvorlesungen veranstaltet morgen Sonntag abend 8 Uhr im Gasthaus „zur Sonne" seinen ersten diesjährigen Vortrag. Herr Dr. med. R. Spohr aus Frankfurt wird über das Thema: „Die Nervosität, ihre Ursachen und Heilung" sprechen. Der Eintritt ist frei.
)( Bruchköbel, 4. Oktbr. (Ausstellung.) Der Kaninchen- und Geflügel-Zuchtverein veranstaltet am Sonntag den 6. Oktober seine erste Lokal-Ausstellung verbunden mit Prämiierung, Preisschießen, Verlosung rc. im Löwen.
gäbe zu bewältigen hatte. In einzelnen Momenten schien uns jedoch die Darbietung etwas farblos, vermißten wir die erforderliche Steigerung, wozu jedenfalls die stimmliche Indisposition beitrug. Herr Anton P r ö l 8 als „Landgerichtsdirektor Wehner" konnte voll und ganz befriedigen, er bot eine gut durchdachte, höchst sympathische Figur. In der nicht leichten Aufgabe des „Staatsanwaltssohnes" behauptete sich mit Erfolg Herr Werner Bernhard y, den strebsamen „Assessor Dr. Behling" gab Herr Heinz Perino mit unleugbarem Geschick. Mit der Wiedergabe der Rolle der „Mirzel Schmidt" war Frâul. Hedwig Laris betraut, die eine wahre Prachtleistung in Spiel und Auffassung bot. In kleineren Rollen waren beschäftigt die Damen Mathilde Albes (Frau Wild), Eva K 8 ch y (Lisbeth Hesse), die Herren Rud. Korff (Kaspar Wild), Martin W i e b e r g (Rechtsanwalt Schneller), Nikolaus Steven (Kriminal- Kommissar), Joseph Commer (Gerichtsdiener), die ebenfalls sämtlich wacker spielten und mit zum Gelingen des ganzen beitrugen.
Die bisherigen Vorstellungen haben gezeigt, daß Herr Direktor Steffter ein Künstlerpersonal gewonnen hat, das zu den besten Hoffnungen für die diesjährige Spielzeit berechtigt.
KunTt und Heben.
):( Fratttfurt, 4. Oktbr. Der kleine Miecio HorSgowsst hat bei seinem vorgestrigen Konzerte nicht nur einen auB» verkauften Saal, sondern auch solchen Beifall gefunden, daß er sich nächsten Montag den 7. Oktober nochmals hören läßt. Am 8. Oktober ist das erste diesjährige Sinfoniekonzert in» Palmengarten. Unter anderem gelangen die 5 Sinfonien in B-dur von Brückner und die Haydn-Variationen aus BrahmS zur Aufführung. — Die Trio-Vereinigung (Lili Mayerhofer, August Böhm und Ernst Peters) wird auch diesen Winter wieder drei Kammermusik-Konzerte und zwar jeweils Mittwoch den 30. Oftâ, lö.IamMMd U. März o-rynstaUem