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Amtlithes Grga» für Stabt« und Landkreis Sana».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
Brrantwartl. Redättener G. Tchrsäsr in Hana^
Nr. 231 Ken>spr«chansch<»tz Nr. 605.
Donnerstag den 3. Oktober ??er»fprecha„schl»tz Nr. «VS. 1907
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Hus Ban au Stadt und Tand.
Hanau, dm S. Oktober.
Boamton-Personalnachrichten.
Ernannt: der selbständige Hilfspfarrer P l a n n e t in Großalmerode vom 1. Oktober 1907 ab zum Stadtschulinspizienten und Mitglied deS Stadlschulvorstandes daselbst sowie zum Ortsschulinspektor über die Schulen in Großalmerode und Epterode an Stelle des von diesen Geschäften entbundenen Pfarrers Holzapfel in Großalmerode, der GerichtSafseffor Pfeffer zum Amtsrichter in Goldap, bit Aktuare: Heinrich Müller zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Weyhers, Wagler zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Naumburg (Bez. Cassel) und Quester zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht in Eiterfeld, die Stellenanwärter: Jünger zum Gerichtsdiener bei dem Amtsgericht in Langenselbold und W i n d e l zum Gerichtsdiener bei dem Amtsgericht in Orb, der Forstaufseher Kirsch in Steinbergen, Oberförsterei Oldendorf, zum Förster unter Belassung in seiner jetzigen Beschäftigung.
Uebertragenr dem Forstkassenrendanten Glaser aus Bäthen bit am 1. Oktober 1907 ins Leben tretende selbständige Forstkafle Cassel für die Oberförstereien Kirchditmold, Oberkaufungen und Wellerode, dem Förster o. R. Döring zu Morles, Oberförsterei Thiergarten, vom 1. Oktober b. J. ab die Försterstelle Sieberz, Oberförsterei Giesel.
Beauftragt: der Pfarrer extr. Haßenpflug mit Versetzung der durch Beurlaubung des Pfarrers Löber erledigten Pfarrstclle zu Rengshausen.
Versetzt: der Amtsrichter Z e d d i e s von Großalmerode nach Gelnhausen.
In den Ruhestand versetzt: der Landrat, Geheime Regierungsrat Freiherr v. Dörnberg in Castel unter Verleihung des Roten Adlerordens 8. Klasse mit der Schleife.
* Schul-Personalien. Bestätigt: dir Wahl des Kaufmanns PH. Müller zu Hanau als Mitglied der Stadtschuldeputation an Stelle des ausgeschiedenen Regierungs- rats Dr. Wenke, die Anstellung des MittelschullehrerS Stein an den städt. Mittelschulen zu Hanau. — Endgültig angestellt: der bisher einstweilig angestellte Zeichenlehrer F e h l h a b e r an den städt. Mittelschulen zu Hanau. — Einstweilig angestellt: die Schulamts- bewerberinnen Köhler an der kath. Schule zu Großauheim und Varnhagen an den städt. Volksschulen zu Hanau. — Versetzt: der Lehrer Gärtner zu Dörnigheim an die stâdt. Volksschulen, zu Hanau. — Entlassen: der jg™—™™—iiiMiiiniM ■wMi.a.iaiin. ■■!■„ ............................................
Feuilleton»
Hanauer Stadttheatcr.
— Hana«, 8. Oktober.
Wenn nicht alle Anzeichen trügen, kommt unser Theaterpublikum in dieser Saison reichlich auf seine Kosten, denn das Repertoir verzeichnet ausschließlich Novitäten. Wir freuen uns und nehmen es dankbar hin, daß Herr Direktor Steffi er mit frischem Mute eingreift, in der sicheren Hoffnung, unseren Musentempel zu verheißungsvollem Leben wieder zu erwecken, weder Mühen noch Kosten scheut, um uns mit der neuesten dramatischen Kost in der denkbar kürzesten Zeit vertraut zu machen. Der „Rabensteinerin", mit der die Saison ihren vielversprechenden Anfang nahm, folgte gestern abend, in Szene gesetzt von Herrn Direktor Adalbert Steftter, das entzückende Lustspiel Kabelburgs: „D e r F a m i l i e n t a g" , eine Novität für uns, die noch dazu den Vorzug hatte, uns Gelegenheit zu bieten, das gesamte Lustspielpersonal kennen zu lernen. Die Hauptrolle des Stückes, den Freiherrn Ludolf v. Wollten, spielte Herr Direktor Steffter, der damit wie an anderen Bühnen auch hier einen durchschlagenden Erfolg erzielte. Kranz- und Blumenspenden, die ihm aus Kreisen der Theaterfreunde zu Teil wurden, waren mit bas äußere Zeichen der Anerkennung für die gebotene künstlerisch durchgeführte Leistung. Das Zusammenspiel war ein vorzügliches, alle Mitwirkenden waren bestens bemüht, den Erfolg des Stückes zu sichern. Ein Eingehen auf Einzelheiten behalten wir uns für spätere Vorstellungen noch vor, da sich nach mehrmaligem Auftreten oes Personals wohl erst ein sorgfältig abwägendes Urteil ermöglichen läßt. Hinsichtlich der Ausstattung liegt offenbar oas Bestreben vor, selbst verwöhnten Ansprüchen Genüge zu tun. Das RokokarimmeL-. bad MH H ÄftMutfmn foiiocs 1
Lehrer Seitz zu Langendiebach behufs Uebertritts in den Schuldienst des Reg.-Bez. Wiesbaden, die Lehrerin Müller an der kath. Schule zu Großauheim auf Antrag.
* Einen vielversprechenden, glückverheißenden Anfang haben die praktischen Arbeiten für das nächstjährige Deutsche Turnfest in Frankfurt a. M. gemacht. Am letzten Mittwoch nachmittag versammelten sich auf dem Altaracker an der EscherSheimer Landstraße gegen 12 000 Schüler aus allen Schulen Frankfurts und seiner tingemeinbeten Orte, höheren und niedrigen, Knaben- und Mädchenschulen — es waren zirka 5500 Mädchen und 6300 Knaben aus 93 Schulen — zur ersten Hauptprobe für btt nächstjährigen Vorführungen. Die Hauptleitung lag in den Händen des Turninspektors Weidenbusch, der von einer großen Zahl Lehrerinnen und Lehrern unterstützt wurde. In 30 Säulen zu Viererreihen geordnet, auf beiden Flügeln je 8 Säulen Knaben, in der Mitte 14 Säulen Mädchen, erfolgte ein einfacher Aufmarsch mit nachfolgendem Oeffnen der Reihen bei meist tadelloser Richtung. Die einfachen, wirkungsvollen Freiübungen klappten vorzüglich, prächtige Bilder mit überraschenden Beleuchtungseffekten im Scheine der Sonne beim abwechselden Vor-, Hoch- oder Seitschwingen der Arme ergebend. Dazu die kräftigen Beinbewegungen, die besonders beim Kniebeugen den Eindruck erweckten, als ob sich eine einzig starre Masse bewege. Von reichem Beifall der vieltausendköpfigen Zuschauermenge belohnt, marschierten die Säulen ab. Doch bald bot der Platz ein neues buntbewegteS Bild. Die einzelnen Schulen zeigten ihre Sondervorführungen. Die verschiedenartigsten Geräteübungen wechselten mit Keulen-, Stab- und Hantelübungen und den mannigfachsten Spielen ab. Hier eine äußerst geschickt und gewandt spielende Mannschaft in dem schönsten Spiel, dem deutschen Schlagball, dort Fußball, Schleuderball, Faustball. Tamburinball, Stoßball, Neckspiele u. a. m. Ueberall herrschte Lust und Freude der deutschen Jugend am deutschen Turnen. Der erste Wurf ist überraschend schön gelungen. Wenn die an der Spitze stehenden Männer so weiter arbeiten, dann wird das nächstjährige Deutsche Turnfest ein Fest treudeutscher Arbeit sein, wie Deutschland noch keins gesehen hat.
* Die Wissenschaft in ihrer Beziehnng zur Volksgesundheit. Auf der stark besuchten Jahresversammlung der Britischen Medizinischen Gesellschaft, welche am 80. Juli in Exeter eröffnet wurde, hielt der neuerwählte Präsident Dr. Henry Davy eine Ansprache, deren Gegenstand die Wissenschaft in ihrer Beziehung zur Volksgesundheit bildete. Im Gegensatz zu den streng wissenschaftlichen Erörterungen, mit denen sich die Mitglieder der Gesellschaft während der künftigen Sitzungen zu befassen haben werden, wandte sich Dr. Davy an die gesamte Nation und manche
bot und das, wenn wir recht unterrichtet sind, von der Direktion selbst angeschafft worden ist, bestätigt die vorerwähnte Auffassung. — Das Haus war nahezu ausverkauft, fast bis auf den letzten Platz besetzt, ein Ereignis, das ebenfalls als der Erwähnung wert zu bezeichnen ist, umsomehr, als auch nach dieser Hinsicht eiye Wandlung einzutreten schein*, die im Interesse der künstlerischen Bestrebungen unserer Theaterleitung nur zu begrüßen ist.
* Siadtiheater. Morgen Freitag wird zum 1. Male „Staatsanwalt Alexander", Schauspiel in 4 Akten von Carl Schüler, gegeben. Ein noch wenig bekannter Autor — aber ein Werk von gewaltiger dramatischer Kraft. In Berlin wird es gegenwärtig unter stärksten Erfolgen täglich gegeben, und fast alle größeren Theater haben die sensationelle Novität erworben. Eine wahre Geschichte, in welcher die Personen sich nicht damit begnügen, zu reden, sondern zu handeln. Von der ersten bis zur letzten Szene wird die Spannung erhalten. Vorzüglich gezeichnete Charaktere, der geschickt gewählte Schauplatz — im Amtszimmer des Staatsanwaltes — und die Wucht ergreifender dramatischer Szenen fesseln den Hörer und zwingen ihn in ihren Bann. Es ist das packendste und wirkungsvollste Stück, das seit längerer Zeit über die deutschen Bühnen gegangen ist. Die Titelrolle spielt Herr Krack, während die übrigen Hauptrollen durch die Damen Albes, K ö ch y und Laris, sowie durch die Herren Bernhardy, Korff, Perino und P r ö l s dargestellt werden. Die Regie führt Direktor S t e f f t e r persönlich.
Albttmblätter.
Der großstädtische Luxus macht^manche fleißige Hand reich und ernährt mehr Arme, als die almosenspendende Menschenliebe. Mommsen.
von seinen Bemerkungen dürften auch anderswo Beachtung finden. Er schenkte dem physischen Rückgänge Beachtung, de« sich im britischen Volke offenbare und über den die Aushebungsbehörden des Heeres und der Flotte seit langem Klage führen. Dr. Davy erklärt weiter, daß auch in der Medizin der Grundsatz seine Geltung habe, nach welchem das einzige Mittel, irgend ein Organ deS Körpers in dem richtigen Zustande von Gesundheit und Entwickelung zu erhalten, in der angemessenen und zweckentsprechenden Be^ Nutzung läge. In genauem Gegensatze zu diesem wichtigen Gesetze hat nun die Neuzeit alles nur Denkbare getan und erfunden, um die Ausführung zu erschweren. In jedem Zweige der Industrie werden Jahr um Jahr neue Arbeit ersparende Maschinen angewandt, die mehr und mehr dazu angetan sind, Muskelkraft zu sparen. Dörfer und Landstädtchen überdies, die Gelegenheit zu gesunder, muskulöser Arbeit geben, sehen ihre Einwohnerschaft verringert, während die großen Städte und Fabrikzentren immer dichter bevölkert werden. Eisenbahnen spinnen ihr Netz immer weiter aus, und die Stadtbewohner haben noch dazu Straßenbahnen und Omnibusse, um von ihren Häusern zu den Fabriken oder Bureaus zu fahren, so daß ihnen selbst die Notwendigkeit eines langen Spazierganges genommen wird. Die Bequemlichkeit zeigt sich sogar im Sport. Die reichen Leute sitzen gemütlich still und lassen sich Rebhühner und Fasanen schußgerecht treiben, anstatt, wie einst stundenlang über Moore und Felder zu marschieren, bis sie das Wild fanden. Die Armen zahlen Eintrittsgeld, um einen berühmten Champion^ Cricket oder Fußball spielen zu sehen, während sie ehedem ihre Muskel angestrengt und selbst gespielt hatten. Dieser Hang zur Lässigkeit, dessen wir alle uns wohl schuldig fühlen, ist in England noch verhängnisvoller, da das Volk nicht bas erzieherische und kräftige Heilmittel des Militärdienstes hat. Die Spiele, wie Tennis, Cricket und Fußball, wie sie von allen Gesellschaftsklassen geübt werden, werden von Dr. Davy für nicht genügend gehalten, und er hält regelmäßiges Turnen nicht nur für die Jugend, sondern auch für Erwachsene für das best« Mittel, sich den Körper gesund zu erhalten. Er meint: statt sich von den Aerzten mit Pillen und Medizinen kurieren zu lassen, sollten die Leute lieber vernünftig so leben, daß sie keinen Arzt gebrauchen. Ein Ausspruch, der doppelt anerkennenswürdig ist, wenn man bedenkt, daß ihn ein Arzt vor einer Versammlung von Aerzten ausgesprochen.
* Bad Nattheimer Staatsguellen-Verfendnng. Unter den auf der „Deutschen Armee-, Marine- und Kolonial-Nusstellung" prämiierten Firmen befindet sich auch die Bad Nauheimer Staatsquellen-Versendung, deren Tafelwasser viel begehrt ward.
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Sprachest des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
Zweigverein Hanau.
Beförderin oder Befördererin?
Ein alter Kupferstich trägt die Widmung: „Der durchlauchtigsten Fürstin . . . . , der B e f ö r d e r i n der Künste und Wissenschaften ehrfurchtsvoll gewidmet." Müßte das nicht „Befördererin" heißen? wird in solchem und in ähnlichen Fällen häufig gefragt. Eigentlich gewiß; aber die deutsche Sprache hat sich da die Möglichkeit geschaffen, die Aussprache zu erleichtern: von den männlichen Personenbezeichnungen auf ,,-(e)rer" können weibliche Formen auf ,,-erin" statt solcher auf „-(e)rerin" gebildet werden. So heißt es zwar stets Lehrerin und Verehrerin wie Erklärerin, Zerstörerin und Verführerin, aber neben Befördererin auch Beförderin; und so haben wir neben den volleren Formen auch die kürzeren und mundgerechteren: Bewunde r i n, Erinnerin, Erleichterin, Eroberin, Förderin, Gotteslästerin, Käm merin, Märterin, Meckerin (von einer Ziege), P l aud e - rin, W a n d e r i n und Zauberin. Dieses letzte z. B. gebraucht Schiller mehrmals in der Jungfrau von Orleans. Und von dem männlichen Abenteurer, in dem ja schon vordem ersten r ein e ausgefallen ist, heißt es neben Abenteurerin oft Abenteuerin. Für alle diese Formen bringt Sanders Belege bei in seinem „Wörterbuch der Haupt» schwierigkeiten in der deutschen Sprache", und er erwähnt dann noch andere Formen wie Pfarrin, Polierin, W u ch e r i n, Zauberin. So darf man sich denn auch nicht daran stoßen, daß kürzlich die Frau eines Gerichtsvollziehers in Potsdam amtlich als „beeidigte V e r st e i g e - r i n" angestellt worden ist. Diese Form mag manchem zum nächst befremdlich erschienen sein; aber ßt hat — wie maui Mt —. Vorbilder Eâ