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28. September
Der Mord im Zirkus.
(llnbe No Hd ruck Verb.)
8. u. H. München, 26. Septbr.
Vierter Tag.
Zu Beginn der heutigen Sitzung lag eine Kundgebung Reß bekannten Zirkusdirektors Sarrasani vor, der zurzeit mit seinem fliegenden Unternehmen in Nürnberg gastiert, und in her cs heißt: „In der gesamten Tagespreise wird David Niederhofer als „Zirkusdirektor" bezeichnet, was nicht den Tatsachen entspricht. Der Vater Niederhoiers war Zimmermeister in München und baute in dieser Eigenschaft in München auf der Theresienmiese den festen Zirkus „Bavaria", welcher wegen seiner Baufälligkeit im vorigen Jahre niedergelegt wurde. Diesen Zirkus vermietete er an Zirkusdirektoren, während er selbst natürlich niemals eine eigene Gesellschaft besaß. Nach seinem Tode übernahm David Nieder- Hofer das Gebäude, das er genau wie sein Vater an in- und ausländische Zirkusdirektoren zur Abhaltung kürzerer Gastspiele verpachtete. Niederhofer hat daher niemals Anspruch auf die Bezeichnung „Zirkusdirektor", sondern ist lediglich ^ehemaliger Besitzer" des nicht mehr vorhandenen Zirkus- gebäudeS. Es berührt mich und — wie ich fest überzeugt bin — auch sämtliche anderen Zirkusdirektoren stets auf das schmerzlichste, wenn in der Tagespresse immer wieder von dem als Raubmörder gebrauntuwrkten „Zirkusdirektor" Niederhofer geschrieben wird. Das mühsam errungene Ansehen eines durch seine Eigenart schon an und für sich sehr exponierten Standes wird aber auch durch derartige unrichtige Meldungen ungemein geschädigt. Eine Richtigstellung war daher notwendig."
Nach Eintritt in die Verhandlungen teilte der Verteidiger R.-A. Diemberger mit, daß nach der Notiz einer hiesigen Zeitung in Gera ein wegen Mordes zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilter Kellner namens Geiz noch einen weiteren Mord eingestanden haben soll, den er in Bayern verübt habe. Im Laufe der Verhandlungen sei nun viel von einem Ingenieur Geiz die Rede gewesen, mit dem der ermordete Bernhard Hendschel wegen Patente in näheren Beziehungen stand, und der seit etwa einem Jahre spurlos verschwunden sei. Er könne nun nicht sagen, ob dieser Kellner Geiz dieselbe Persönlichkeit ist, die mit Hendschel bekannt war. Es bestehe aber die Verpflichtung und sei Sache des Staatsanwalts, festzustellen, ob eine Identität zwischen dem Ingenieur Geiz und dem Kellner Geiz vorliegt. — Staatsanwalt Held II: Mir ist mitgeteilt worden, daß der Ingenieur Geiz sich wieder in München befindet; trotzdem werde ich mich telegraphisch an die Staatsanwaltschast in Gera wenden, um über die Person des Kellners Geiz Auskunft zu erhalten.
— Es wurde dann in der Zeugenvernehmung fortgefahren. Als erster Zeuge wurde der Uhrmacher Andreas Huber vernommen. Er bekundet, daß die bei Niederhofer vorgefundene Stahluhr am 20. Mai 1904 für 40 Mark gekauft worden ist. lieber die Person des Käufers weiß der Zeuge nichts anzugeben. — Staatsanwalt: Geben Sie denn nicht Garantiescheine aus, in denen der Name verzeichnet wird. — Zeuge: Garantiescheine stelle ich wohl aus, aber der Name wird nicht immer eingetragen.
Der Zeuge Hugo Hubert aus Magdeburg war im Jahre .1904 in München und verkehrte dort in den Kreisen Niederhofers und Hendschel's. Es wurde damals erzählt, daß Hendschel nach London gereist sei. Auch Niederhofer sprach davon, aber nicht er allein. — Es soll dann die Zeugin Zimmervermieteriu Marta Bielmeyer aus Berlin vernommen werden. Sie soll Auskunft geben über die Beziehungen NiederhoferS zu der Schulreiterin Eberling. Der Verteidiger R.-A. Kleinberger erhebt Widerspruch dagegen, daß die Zeugin vor der Eberling vernommen werde. Tie Aussage dieser Zeugin sei eine Probe für die Eberling, denn diese könne ihre Aussage, wenn sie die Bekundungen der Zeugin in der Zeitung liest, dann danach einrichten. Der Vorsitzende sieht keinen Grund ein, die Zeugin nicht schon jetzt zu vernehmen. Die Zeugin wird also vernommen. Sie gibt an, Zimmervermretcrin in Berlin zu sein. Am 19. April 1904 zurück auf die zwei Jahre stillen, stiedereichen, ruhmvollen Schaffens des blutjungen kaiserlich-königlichen Hoftheaterdichters in Wien, auf sein Liebesglück an der Seite seiner Braut Toni, und erlesen es aus so manchem Briefe, der zwischen Wien und dem Elternhause als liebreiches Grüßen hin- und herflog, wie herzlich der Sohn mit den Elternherzen verbunden blieb. Darum ging es ihm wohl.
Nach kürzerem Studium in Leipzig und noch kürzerem Aufenthalt in Berlin siedelte Theodor nach Ueberwindung einer Krankheit in Karlsbad im Herbst 1811 nach Wien über. Hier erblühte sein wunderbar fruchtbares dramatisches Schaffen. Erschütternde Trauerspiele : „Die Sühne", „Zriny" „Rosamunde", fröhliche Possen wie „Der Nachtwächter," „Der Vetter aus Bremen", „Die Gouvernante" sind hier in schneller Folge entstanden: „Die Bergknappen" hat er hier vollendet. Begeisterte Anerkennung von berufenster Seite ward dem Zwanzigjährigen zuteil; seine Stellung war auch äußerlich durchaus gesichert. Eine sorgenlose und ehrenreiche Zukunft schien ihm gewiß; und doch wäre er uns nie rmd nimmer das geworden, was er uns ist, wenn er in Wien auf seinen Lorbeeren geruht hätte. Seine Theaterstücke sind zum guten Teile vergessen, aber seine Heldengesauge leben fort und haben 1813, wie 1870/71 geholfen, den Sieg zu erringen und zu erringen.
Am 10. März schreibt Theodor an seinen Vater: „Ja, liebster Vater, ich will Soldat werden. — Zum Opfertode für die Freiheit und für die Ehre seiner Nation ist keiner zu gut; wohl aber sind viele zu schlecht dazu. — Soll ich in feiger Begeisterung meinen siegenden Brüdern meinen Jubel nachleiern? Wir sehen hier Körner in das Herz und erkennen was sein Bergmannsberuf uns gelehrt: er will nicht nur singen, sondern auch schaffen und wirken; so ideal er veranlagt ist, ™ er ist ein Mann der Tat. Nur dann, wenn er «elbst das Schrvert ergreift in dem heiligen Kampfe, hält er sich anch für sittlich berechtigt, die Leier zu rühren, wie er, der Lützowsche Jäger, es dann so herrlich und mit seinem Schwertliede bis in den Tod hinein getan hat. Aber im Gotteshause begann seine Freiheitsharfe zu tönen. Er selbst hat seinen Eltern die ergreifende Einsegung der Lützowschen Freischaar in der Kirche zu Rochau bei Zobten geschildert: Zum Eingang erklang sein Lied:
„Wir treten hier im Gotteshaus Mit frohem Mut zusammen.
Uns ruft die Pflicht zum Kampf hinaus, Und alle Herzen flammen.
Dem» was uns mahnt zu Sieg und Schlacht,
sei die Eberling aus München zu ihr gekommen und habe bei ihr Wohnung genommen. Sie war furchtbar erregt und sagte, sie sei verlobt gewesen und ihr frühere- Bräutigam verfolge sie fetzt. Sie bat die Zeugin, diesen He r« nicht in die Wohnung zu lassen, falls er etwa einmal Ein'aß begehren würde. Die Zeugin ließ sich den Herrn beschreiben und die Beschreibung paßte, wie sich später herausstellte, auf Niederhofer. Im Mai tarnen dann öfter Briefe aus München und schließlich schienen sich die beiden wieder ausgesöhnt zu haben. Am 21. Mai hatte die Eberling Geburtstag. Da erzählte sie ihrer Wirtin, daß Herr Niederhofer sich angemeldet habe und nach Berlin kommen werde. Als eines Tages die Post kam, sagte sie, ihr früher Verlobter komme, sie solle ihn in die Wohnung hereinlassen. Am nächsten Vormittag klingelte es auch dann und die Zeugin ließ Nieder- hoser eintreten. Er sei etwa 3/< Stunden bei der Eberling geblieben. Später kam diese aus ihrem Zimmer und erzählte, daß Niederhofer ihr ein Votemonnaie mit 20 Mark und einen Brillantring mit Sahiren geschenkt habe. Das Portemonnaie hat die @berTiu nicht einen einzigen Tag behalten und es gleich der Ze- m geschenkt. Die Eberling ging dann mit Niederhofer weg. Es wurde gesagt, es sei noch ein Herr aus München da, die beiden Herren wollten nach Hamburg fahren um einen Elefanten zu kaufen und vielleicht noch sonst etwas. Die Zeugin gibt noch weiter an, daß die Eberling in jedem Monat anscheinend von einem anderen Herrn aus München Geld geschickt erhielt. — Es entspinnt sich dann ein längerer Streit zwischen der Zeugin und dem Angeklagten darüber, welchen Aufwand Niederhofer in Berlin gemacht hat und wann er in der Wohnung der Zeugin gewesen ist. Die Zeugin behauptet, Niederhofer sei nur einmal dagewesen und später habe sie ihn nicht mehr gesehen. Der Anklagte behauptet dagegen, die Eberling hatte ihn von der Bahn abgeholt, nachdem er ihr aus München telegraphiert hatte, daß er mit seinem Freunde Leopold Groß von München abgefahren sei. — Zeugin: Es ist nicht richtig, daß die Eberling ihn von der Bahn abgeholt hat. Der Angeklagte fei direkt in die Wohnung gekommen und habe sich dann nicht mehr sehen lassen. Der Ängeklagte gibt dann nähere Auskunft über seinen Aufenthalt in Berlin, und behauptet, dort in keiner Weise verschwenderisch ausgetreten zu fein. Er sei mit der Eberling zu Schultheiß am Potsdamer Platz und dann in den Franziskaner gegangen. Die Eberling habe ihn von der Bahn abgeholt und sei dann ihm voran in ihre Wohnung gegangen. 10 Minuten später sei er ihr nachgefolgt und habe geklingelt, worauf die Zeugin öffnete. In der Wohnung sei er biß 1 Uhr gewesen, dann weggegangen und nachmittags wieder zurückgekehrt. Er habe am Nachmittage sogar der Eberling noch für 2 Mk. Konfitüren mitgebracht. Er misse ganz genau, daß er noch einmal in ihrer Wohnung war. — Die Zeugin bestreitet das und behauptet, er sei nur am Vormittage dagewesen, sie habe ihn nur ein einziges Mal beim Oeffuen der Tür gesehen. Ang.: Ich habe der Eberling das Portemonnaie mit 20 Mk. kurz vor 10 Uhr abends auf den Tisch gelegt, ich war also so lange bei ihr. Am Tage darauf reiste ich mit Groß darum gleich nach Hamburg. — Vors.: Ich denke, Sie hatten Geschäfte in Berlin? — Angekl.: In Berlin gibt eS ja nur 2 Zirkusse, die in Betracht kommen, da waren wir mit unseren Geschäften bald fertig. — Vors.: Wann haben Sie den Brillantring der Eberling gegeben. — Angekl.: Am 28. Mai vormittags im Zoologischen Garten. — Die Zeugin bekundet dazu noch, daß die Eberling den Ring bald darauf für 100 Mk. versetzt hat.
Vors. (zum Angekl.): Sie behaupten, den Brillantring im Auftrage HendschelS versetzt zu haben. Dazu waren Sie doch gar nicht berechtigt. Wie wollten Sie dem Hendschel jemals das Geld wiedergeben, Sie hatten ja gar kein Geld. — Angekl.: Wenn ich wieder zu Gelde gelangt wäre, hätte ich ihm die Summe ersetzt. Der Angeklagte gibt ferner noch an, er sei zwischen 4 und 6 Uhr bei Fräul. Eberling in der Wohnung der Zeugin Bielmeyer gewesen und habe auch Tee und Wurst mitgebracht. Die Zeugin Bielmeyer kann sich nicht daran erinnern. — Es wurde dann der Zeuge
Hat Gott ja selber angeracht.
Gebt unserm Gott die Ehre!"
DaS war der Ton, auf den seine Leier gestimmt war, der fromme Glaubensgeist der Freiheitskriege,' in denen die Liebe zum irdischen und zum himmlischen Vaterlande zugleich verjüngt aus Schmach und Nacht erstand. Und Körner ist fast eine Jdeaiverkörperung seines deutsch-evangelischen Geistes. So hat er auf manchem 'Streifzuge sein liebes Schwert, die „Eisenbraut", geschwungen und sein Lied gesungen, so hell ertönend, wie „Lützows wilde Jagd," so innig betend, wie das Gebet zum Vater während der Schlacht; so liebreich und gläubig empfunden, wie damals, als dem schwer Verwundeten bei Leipzig im Gehölz die Wunde brannte und die bleichen Lippen bebten. So ward ihm, was er oft geahnt, aber nie gefürchtet, der Heldentod am 26. August bei Gadebusch. Dort ruht er unter einer Eiche, dem Sinnbilde deutscher Kraft, das er drei Jahre zuvor so schön besungen, und bald gesellte sich die edle Schwester ihm zu. Auch Vater und Mutter mürben später unter der Eiche bei Wöbbelin bestattet. Was sie uns rauscht, das klang schon zuvor in Körners Heldenliede wieder, das er dem Mansfelder Grafen Hoyer gesungen, als der einst am Welfesholze siegte und starb: es ist die Treue zum Vaterlands, es ist gottgeschenkte Liebe bis in den Tod.
Wir kommen zum Schluß. Wenige Tage nach Körners Heldentods kam die todesmutige Schar seiner Waffenbrüder hart an den Feind. Körner, bei seiner sonnigen Art, hatte viele Freunde. Einer aber von denen, die ihm am nächsten standen, von Bärenhorst, stürzte sich mit dem Rufe: „Körner, ich folge dir!" auf den Feind und sank bald, von mehreren Kugeln durchbohrt, tot in das Gras.
Ihm in allem zu folgen, steht nicht in unserer Macht. Daß er sich selber des Glückes Schoßkind nennen konnte, daß seine freilich nur kurzen Erdentage eine Wanderung über sonnige Höhen waren, das war Gottes Gnade, der sich in diesem Leben in all seiner Freundlichkeit und Leutseligkeit geoffenbaret hat, so daß wir mit Mose rühmen dürfen: „Seht, wie hat der Herr die Leute so lieb!" Aber daß des Glückes Schoßkind in dem Erdensonnenschein nicht erblindete, für die ewigen idealen Güter der Liebe, Freund- i schüft, des glühenden Patriotismus, vor allem nicht für baß I Gut aller Güter, den schlichten, lebendigen Christusglauben, I darin soll er unserem erdenwärts geneigten Sinn und unserer 5 materiell gesonnenen Zeit ein hellès Vorbild sein. Als über I Napoleon 'im eisigen Rußland das Gottesgericht hereinzu- brechen begann, da dachte Körner nicht an sich und feine so
Juwelier Anton Meidinger nerrrrTmen. Zu ihm ist in Mai 1904 Hendschel m't Nü^ ^ér gekommen und hat einen Brillantring für 675 M cfauft. Am 15. Juli sei Niederhofer mit dem Ringe w t bei ihm erschienen und, habe ihn für die Hälfte des Prelle? angeboten. Der Zeuge fragte ihn, wie er zu dem Ringe komme. Darauf erwiderte Niederhofer, er hätte den Ring als Zahlung erhalten. — Der Angeklagte bemerkt hierzu, er hätte von Hendschel mehr Schaden gehabt als Nutzen. — Bors. : Wieso denn? — Angekl.: Durch die Nichtabnahme des Apparats. — Bors.: Am 15. Juli wußten Sie doch noch nicht, ob SievonHend- sckel Geld bekommen würden oder nicht. — Angekl.: Nachdem am 1. Juli der Wechsel protestiert worden war, mußte ich annehmen, daß ich kein Geld bekommen würde. — Vors.: Sie haben aber doch zu Zeugen gesagt, Hendschel komme nicht wieder. — Angekl.: Ja, ich war der festen Ueberzeugung, daß er in London sei. — Vors.: Sie haben aber am 13. Mai von Leipzig aus eine Postkarte an Hendschel geschrieben, in der Annahme, er sei noch in München. — Angekl.: Er konnte doch in London gewesen, und nach 8 oder 14 Tagen wieder zurückgekehrt sein. — Vors.: Am 25. Mai haben Sie aber zu der Frau Stumpf gesagt, Hendschel komme nicht wieder. — Angekl.: Ich meinte, er komme nicht wieder inl Geschäft. — Es wurde dann die Postkarte verlesen, bie Niederhofer an Hendschel von Leipzig aus geschrieben hat. Es heißt da: Besten Gruß, aus Wiedersehen 1 Leopold Groß, David Niederhofer. — Zeuge Goldarbeiter Müller hat im Jahre 1904 einen Brillantring geändert, den ihm Niederhofer übergeben hatte. Er weiß nicht, ob der Ring Eigentum Niederhofers war. — Es wird dann die Frage erörtert, woher Niederhofer die 200 Mk. zur Reise nach Hamburg und Berlin genommen hat. — Der Angeklagte behauptet, daß seine Mutter ihm ausgeholfen habe und daß er außerdem einen Ring versetzt habe.
Unter allgemeiner Spannung wird dann die Hauptzeugin in dem Prozesse, die Restcmrâteursfrau Genoveva Einselle vernommen. Durch ihre Bekundungen ist hauptsächlich der Anstoß zur Einleitung des Verfahrens gegen Niederhofer gegeben worden, denn ihr gegenüber hat Niederhofer sich dahin ausgesprochen, daß Hendschel nicht mehr wiederkommen werde. Die Zeugin ist eine ältliche, kleine, äußerst lebhaft» Frau, die während ihrer Bekundungen fortwährend mit dem Handschuh auf den Zeugentisch aufschlägt. — Vors.: Sind Sie mit der Familie Niederhofer verfeindet? — Zeugin : Nicht im geringsten. — Vors.: Ich mache Sie eindringlich darauf aufmerksam, daß Sie nur die reine Wahrheit zu sagen haben. — Zeugin: Aber gewiß doch, ba8 ist selbstverständlich. Ich möchte nur bitten, mich in meinen Ausführungen nicht zu unterbrechen. — Vors.: Es ist ja Vorschrift, daß die Zeugen ihre Bekundungen möglichst im Zusammenhangs machen. — Zeugin: Na das ist gut. (Heiterkeit.) — Auf Befragen des Vorsitzenden gibt die Zeugin an, daß Sie die Familie Niederhofer im Jahre 1894 kennen gelernt hat. Sie hat mit ihr bis zum Jahre 1900 verkehrt. Den Angeklagten David Niederhofer kannte sie schon als kleinen Buben. Im Jahre 1900 habe Frau Niederhofer Sie gebeten, ein Kästchen mit Schmucksachen zu versetzen, was sie auch getan habe. Später habe Frau Niederhofer behauptet, es seien 18 Schmuckgegenstände in dem Kästchen gewesen, während es tatsächlich nur 12 waren. Sie habe sich über diesen versteckten Vorwurf des Diebstahls oder der Unterschlagung so sehr geärgert, da sie vollkommen schuldlos gewesen sei, daß sie den Verkehr mit den Niederhofers abgebrochen habe. Im Jahre 1908 habe sie sich aber mit Frau Niederhofer wieder versöhnt und im Jahre 1904 sei sie Hausmeisterin im ZirkuS Bavaria geworden. Frau Niederhofer habe sie vor ihrem Sohn David eindringlich gewarnt. Sie solle ihm besonders nicht die Schlüssel geben. Im Jahre 1904 habe David sie gefragt, ob sie einen guten Leumund habe, worauf sie geantwortet habe: 9'a. dâs will ich wissen. Die Frage sei ihr auffällig vorgekommen. — Die Zeugin erzählt dann allerlei Einzelheiten und Nebensächlichkeiten auS ihrer jahrzehntelangen Bekanntschaft mit der Familie Niederhofer. Der Präsident läßt sie gewähren und sucht nur hin und wieder durch WW»WmBMMHSamBW^I«W>ml»WWMMBMW«M^^ «MW 'M glänzend beginnende Ehrenbahn, da opferte er sein Glück, seine behagliche Ruhe dem Daterlande, dem Ideal der Freiheit. Da 'liebte er die Allgemeinheit mehr als sich; und er, der so zart empfand, der so treu am Ellernhause, so liebend an seiner Braut hing, stürzte sich begeistert und furchtlos dem Tod entgegen.
Gewiß, er lebte in einer großen Zeit, und große Zeiten begeistern und zeitigen große Herzen. Aber in kleiner Umgebung groß sein, ist weniger bedeutend, als in großen Tagen dennoch hervorragen. Theodor Körners Persönlichkeit tut eS. Es ist eine deutsch-christliche Jdealgestalt, an der man sich erbauen kann. Wie jämmerlich gerade neben solcher Persönlichkeit nehmen sich die traurigen Tagesgrößen aus, die Vaterland und Heer, Thron und Altar und Kirche schmähen oder kaltherzig an ihnen vorübergehen. Das soll man sich gegenwärtig halten, wenn man geneigt ist, jenen traurigen Buben, wie Körner selbst sie nennt, die einem leid tun können. Gehör und Herz zu schenken. Gott offenbart sich je und je durch seine Menschenbilder; im Bergmann Körner sehen wir deutsche Treue, deutsche« Fleiß und deutsche Innigkeit des Empfindens; — er, der Bergmann, bleibt nicht an der Oberfläche der Dinge; er geht in die Tiefe und fördert aus der Tiefe; und eS ist Edelmetall, was er fördert: Liebe zu Vaterhaus und Vaterland, Liebe, die das Leben opfert für Güter, die man nicht steht; ein Kindesvertrauen vor allem zu dem, der Lug und Trug, Knechtung und Selbstsucht, Schmutz und alle Sünde verdammt, und den wir als den Vater nicht vergeblich rufen im Gebrüll der Schlacht, und ob der Tod uns ans Herz greift. Hier liegt das Geheimnis von Körners Persönlichkeit; hier sind ihre scheinbaren Wider- ' spräche in höchster Harmonie vereint: die Weichheit des Gemütes mit der Kraft des Mutes; der idale Flug mit dem praktischen Schaffen; der scherzende Sinn mit dem schönen, heiligen Ernst; die Treue gegen das irdische und die Sehnsucht nach dem himmlischen Vaterlands. Es ist das Ge^ heimnis der christlichen Persönlichkeit; wir nennen e§ Liebe und Macht.
„Körner, ich folge dir!" Ja — wir wollen Gott Bitterfr auf solchem Höhenpfade ihm zu folgen:
„Bricht dann der große Lohntag an,
Und des Lebens Schicht ist verfahren,
Dann schwingt sich der Geist aus der Tiefe hinan. Aus dem Dunkel der Schächte zum Klaren,
Und die Knappschaft des Himmels nimmt ihn auf Unb empfängt ihn jauchzend: Glück auf. Glück auf