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Getleral-Aazeiger

Amtliches Orgsil für Stsdt- m) Fsk-Lreis Hansa.

«, «Waisenhauses in Hamm.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Saun- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 223 ffernsprechanschlich Nr. 605.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Um die Kenntnis der zur Errettung Ertrinkender und zur Wiederbelebung anscheinend Ertrunkener geeigneten Maß­regeln in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten, läßt der Deutsche Samariterverein in Kiel Blechtafeln mit entsprechen­den Anweisungen herstellen. An Königliche Behörden wer­den diese Tafeln kostenlos unter der Voraussetzung abgegeben, daß angegeben wird, für welche Orte oder Stellen sie be­stimmt sind, und daß nur die unbedingt nötige Anzahl Tafeln bestellt wird. An Private werden die Tafeln dagegen nur gegen Erstattung des Selbstkostenpreises geliefert.

Anträge auf unentgeltliche Ueberweisung solcher Tafeln, die sich auf die Fälle eines unmittelbaren Bedürfnisses zu beschränken haben, sind an den Königlichen Polizei-Präsidenten hier, die Königlichen Polizeidirektionen in Hanau und Fulda und die Landräte des Bezirks zu richten. (A II 6502)

Cassel am 21. August 1907.

Der Regierungs - Präsident.

J. V.r Schenk zu Schweinsberg. V 8085

Stadtkreis Hana«.

Wegen Neupflasterung wird die Hainstraßs zwischen Bogen- und Kinzigstraße vom 26. d. Mts. ab auf die Dauer von 5 Wochen für den durchgehenden Ftthrver- kehr gesperrt.

Hanau den 23. September 1907.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8642 I. B. r Siemon, Reg.-Assessvr.

Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Zugelaufen: 1 Dobermann-Hündin, schwarz, Füße, Schnauze und Augen braun gezeichnet, um den Hals trägt sie einen Lederriemen. Abzuholen Hammerstr. 9.

Hanau den 24. September 1907.

Politische Rundschau.

Der sächsische nationalliberale Landesvereta hat beschlossen, die nationalliberale Landtagsfraktion zu er­suchen, sofort nach dem Zusammentritt des Landtages An­träge auf Regelung der Beamtengehälter und auf Reform der Ersten Kaminer einzubringen.

25. Jubiläum der evangelischen Arbeiterver­eine. Aus Essen (Ruhr), 23. Septbr. wird gemeldet: Aus Anlaß der 25jährigen Jubiläumsfeier der evangelischen Arbeitervereine fand gestern nachmittag nach einem Festzug, an dem 15 000 Arbeiter aus dem Rheinland und Westfalen teilnahmen, eine große Huldigungsfeier vor dem Kaiser Wil­helmsdenkmal statt, wo Oberbürgermeister Holle und Super­intendent Klingemann Ansprachen hielten. Am Abend fanden drei große Festversammlungen statt. Zum Empfang der heute beginnenden 34. Konferenz für innere Mission der deutschen evangelischen Kirche ist die Stadt reich geschmückt. Die Ver­handlungen der Konferenz beginnen heute abend mit einem vom Oberhofprediger Dryander abzuhaltenden Gottesdienst. Die Erkrankung des Grotzherzogs von Baden.

Mainau, 23. Septbr. Rach dem Hofbericht fanden In den letzten Tagen abends 6 Uhr in der Schloßkirche in Mainau Abendandachten für die höchsten Herrschaften und die Hausbewohner statt, die vom Präsidenten des evange­lischen Oberkirchenrates, Geh. Rat D. Helbing 'abgehalten wurden.

Karlsruhe, 23. Septbr. In den protestantischen Kirchen des Landes wurde gestern des Großherzogs im Ge­bete gedacht.

Karlsruhe, 23. Septbr. DieKarlsruher Ztg." meldet: Um dem Wunsche der Bevölkerung nach schnellerer Erlangung von Nachrichten über das Befinden des Groß­herzogs zu entsprechen, hat das Ministerium des Innern an­geordnet, daß die Bezirksämter täglich auf telegraphischem Wege Nachricht erhalten und diese telegraphisch den Gemein­den mitteilen.

Die Enthüllung des Natioualdeukmals in Memel.

Memel, 23. Septbr. Der Kaiser mit den Herren des Gefolges, begleitet von dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, traf um 11 Uhr 50 Minuten hier ein und begab sich im offenen Zweispänner nach dem Festplatz, von der Menge mit stürmischen Hurrarufen empfangen.

Memel, 23. Septbr. Die Stadt ist anläßlich der An­kunft des Kaisers zur Enthüllung des Nationaldenkmals fest­lich mit Fahnen und ^Girlanden geschmückt. Die Straßen-

Dienstag den 24. September

züge, die vom Bahnhof zum Rathause, vor dem bas Denk­mal steht, führen, sind mit Bannermasten besetzt, aber auch in allen Nebenstraßen ist keines der Häuschen ohne Tannen­grün geblieben. Das Wetter ist stürmisch und regnerisch, klärt sich aber augenblicklich auf. In den Feststraßen bilden sich Spaliere von Veteranen, Kriegervereinen, Gewerken und Innungen, diese zum Teil in ihren traditionellen Trachten, und Schulkindern. Der Zuzug der Landbevölkerung ist ganz gewaltig. Vielfach sieht man Litauer und Litauerinnen in ihrer eigenartigen Gewandung. Der Festplatz liegt zwischen dem Rathause und dem Memelstrom. Vor dem Rathause ist das Kaiserzelt errichtet. Tribünen find zur Seite und auf dem gegenüberliegenden Ufer aufgebaut. Die auf dem Fluffe liegenden großen Handelsdampfer haben geflaggt. Das noch verhüllte Denkmal von Professor Breuer stellt die Borussia in Bronze auf einem kanellierten Säulenstück aus schlesischem Granit bar. Die Figur steht im Panzer da, mit Adlerhelm, das offene Schwert in der Rechten, in der Linken den Schild und ein römisches Feldzeichen, auf dem das Wort Borussia steht. Sie stützt den Adlerstab auf eine zerhauene Schandsäule, auf deren Ketten sie tritt. Am Sockel zeigt ein Medaillon die Reliefs Friedrich Wilhelms III. und der Kö­nigin Luise. Rechts und links vom Denkmal unter Bäumen sind Bankanlagen angebracht, die von je zwei Hermen flan­kiert sind, die Nork, Gneisenau, Scharnhorst und Dohna einerseits, Stein, Hardenberg, Schön und Schrötter anderer­seits darstellen. Im Rathause ist eine Gedenktafel aus schlesischem Granit gestiftet mit der Inschrift: In diesem Hause wohnten König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen vom 8. Januar 1807 bis 15. Januar 1808.

Memel, 23. Septbr. Heute mittag fand die Enthüllung des Nationaldenkmals statt. Der Minister des Innern v. Moltke hielt folgende Ansprache:

Allerdurchlauchtigster großmächtigster Kaiser und König, Allergnädigster Kaiser, König und Herr! E. K. und K. M. bitte ich, den alleruntertänigsten, tiefempfundenen Dank des Denkmal-Ausschusses und aller Vaterlandsfreunde, die mit großen und kleinen Spenden unser Vorhaben ermöglichen halfen, dafür ehrfurchtsvoll zu Füßen legen zu dürfen, daß E. K. und K. M. geruht haben, zur Enthüllung des hier errichteten National-Denkmals allerhöchstpersönlich zu er­scheinen. Unvergessen sind allen Preußen die Worte, die E. K. und K. M. am 20. Februar 1901 an die zum Pro­vinziallandtag versammelten Brandenburger richteten:

Ich habe im vorigen Jahre an einer Stelle gestanden, die uns allen teuer, lieb und wert, ich möchte sagen ge­heiligt erscheint; es ist der Boden von Memel. Von dort aus sind die ersten Anfänge zur Größe unserer Jetztzeit ausgegangen. Das Fürstenhaus, festhaltend an Gott, am Glauben, an der Treue zu seiner Pflicht, das Volk, fest vertrauend der Hand seines Führers, sie fanden sich beide wieder zusammen. In diesem Vertrauen liegt das Ge­heimnis der Größe unseres Vaterlandes."

Diese Worte umschreiben das ganze Programm, bas uns bei Errichtung des Denkmals vorgeschwebt. Meilensteine in der Entwicklung des Brandenburgisch-Preußischen Staates sind glänzende Waffentaten. Wir stehen hier auf keinem blutgetränkten Schlachtfelde. Kein schimmernde Lorbeer ward hier um das preußische Schwert geflochten. Aber auch ohne Schrittzähler geht in der Stille die Geschichte unauf­haltsam ihren Weg. Dem nachgeborenen Beobachter ihres Fortschreitend ziemt es, neben der Wirkung die Ursache zu bewerten. Denn nichts ist zufällig im Geschick der Völker. So wird der von Erfolg gekrönten Tat der mannhafte Ent­schluß dazu ebenbürtig. Er hat Teil am Siegespreis. Für ein Stegesdenkmal folgenschwerster Entschlüsse ist dieser fried­liche Platz, den keines Feindes Fuß betreten, der rechte Ort; er ist es für das dankbare Andenken an ein edles Königs­paar, das hier zu schicksalsschwerer Zeit geweilt, da ihm alles verloren schien, nur nicht das Vertrauen an seinen gerechten Gott und der Glaube an die innere Kraft und opferfreudige Hingebung seines Volkes. Von der Höhe unserer Tage blicken wir heute zurück auf eine Spanne von einhundert Jahren. Fremd mutet uns in der ganzen Schwere ihrer Not jene Zeit an, von der wir ausgehen. Das rein Menschliche in ihr allein klingt in unserem Empfinden ewig weiter. Vor allem ist es die lichte Gestalt der Königin, die in den Herzen ihres Volkes Unsterblichkeit gewann. Dis Tränen, die die schlichten Räume jenes Hauses gesehen, da mit knöchernem Finger die Sorge an die Tür pochte, wurden zu Perlen, die als ein wohlgehüteter nationaler Schatz von Geschlecht zu Geschlecht weiter erben. Uns überliefert ist ein denkwürdiges Wort der Königin, das den Faden für die Zukunft anknüpft. Es ist von einer Zuversicht eingegeben, von der man meinen möchte, sie habe die Kraft besessen, den Schleier kommender Tage zu lüften:

möge die Nachwelt von mir sagen: Sie duldete ütel, sie harrte aus im Dulden, aber sie gab Kindern das Dasein, welche besserer Zeiten würdig waren, sie herbeizuführen ge- strebt und endlich sie errungen Laben."

J-ernsprechanschlutz Nr. 665. w

SU. »M^~ I I.w

Neber alles Hoffen und Erwarten gab die göttliche Vor­sehung Erfüllung. Wir durften eS erleben. Des großen Kaisers Wilhelm Majestät aber, berufen, den Traum unserer Väter mit dem Schwert zu verwirklichen, war am 8. Oktober 1807 unter den Augen der Königin Luise hier in Memel in die Armee eingetreten. Von Memel erging, mit vielen Ueber­lieferungen brechend, am 9. Oktober 1807 das bedeutsame Edikt, das den Bauer, das Gewerbe, den Güterverkehr frej machte, hier wurden die Städteordnung und die Verbesserung der Landeskultur und der Landesverwaltung vorbereitet, hier wurde am 81. August 1807 der Entwurf zur Bildung ehteÜ Reservearmee erlassen. Auf beiden Gebieten, der StaatS- und der Heeresverwaltung der erste verheißende Morgensttahk einer sonnigen Zukunft. Es entstand das Ehrenamt, eS stet der Zopf. Wurde hier die schlummernde Volkskraft geweckt und in persönliche Verantwortung zu lebendiger Selbsthilfe eingespannt, so dort dem Grundsatz Geltung verschafft: (.Alle Bewohner deS Staates sind geborene Verteidiger des- jelben." So wandelte sich von hier aus der alternde Staat zur Nation. Edler und glühender Begeisterung wurden die Tore geöffnet. So gesundete Preußen und erstarkte zu neuem Ringen und zu neuen Opfern, aber zu besseren Zeiten, gestählt zur endlichen Erfüllung seines hohen Berufes am ganzen deutschen Vaterland. Wir haben nun aus der Vrov oinz, aus der derAufruf an mein Volk" ergangen, einen wetterfesten Felsen gewälzt hierher, an die Geburtsstätte preußischer Burger- und Wehrpflicht. Ein Herzschild haben wir daran gehängt mit dem Bildnis des Königspaares, da­hier vor hundert Jahren das feste Band mit seinem treuen Volke geknüpft. Auf diesen unverrückbar festen Grund haben wir die unüberwindliche, zum Siege führende Borussia ge­stellt. In dankbarster Befolgung allerhöchsten Befehles haben wir auch daS Denkmal umgeben mit den Bildnissen der Männer, die in jener schweren Zett des Wägens und Wagen­den Königlichen Majestäten mit Rat und Tat zur Seite standen. Da ist der kernfeste Reichsfreiherr von Stein, dD der Feind fürchtete als ein unheilverkündendes Wetterleucht^i mit seinen geistesverwandten Gehülfen Hardenberg, Schötz und Schrötter; da sind Dork, der Held, die Rüstmeister bei Volkes in Waffen Scharnhorst und Gneisenau und Dohna, der Vater der Landwehr. Dankbarkeit der Enkel hat das Denkmal gestellt, das nunmehr der Obhut dieser Stadt â oertraut sei. Möge es kommenden Geschlechtern überliefern^ wie Preußens Söhne sich heute vor ihrem König und Herrch dem deutschen Kaiser, zur Verantwortung bekannten, der Väter wert zu sein, und in alter preußischer KönigStreue und Vaterlandsliebe zu erhalten, was aus dem Segen der Tagst von Memel in glücklicherer Zeit auf sie gekommen. Itzt Rückblick auf einhundert Jahre glorreichster Entwickelung Preußens ohne Gleichen klingt jubelnd durch unsere HerM wieder der Heroldsruf von 1871:

Nun lasset die Glocken von Turm zu Turm Zum Himmel frohlocken im Jubelsturm,

Des Flammenstoßes Geleucht facht an, Der Herr hat Großes an uns getan,

Gebt unserm Gott die Ehre!"

Euere Kaiserliche und Königliche Majestät bitte ich allst? untertänigst, befehlen zu wollen, daß die Hülle deS Denk­mals falle.

Nachdem der Kaiser das Zeichen zur Enthüllung gegeben, übernahm Oberbürgermeister Altenberg das Denkmal mit einer Ansprache, in der er zunächst dem Kaiser für seine Teilnahme an der Feier dankte und sein Bebauern aussprach/ daß die Kaiserin der heutigen Feier nicht beiwohnen tan^ und die wärmsten Wünsche für die Genesung der Kaiseritz aussprach. Redner erinnerte an die Zeit vor hundert Jahretz, da König Friedrich Wilhelm III. und die Königin Luise in Memel Hof hielten. In jener Zeit seien von Grund aus Fäden geschlungen worden, die zur Wiederaufrichtung und zur ungeahnten Erstarkung des preußischen Staates führten. Der Redner übernahm das Denkmal in die Obhut der Stadt Memel und gelobte, daß es allezeit als Wahrzeichen und Sinnbild deutscher Treue gehegt werben wird. Der Oberbürgermeister sprach weiter den Wunsch aus, daß die Epoche der Erhebung, die in dem Denkmal verkörpert noch viele Jahrhunderte weiter wirken, daß die Gesinnung die in jenen schweren und gewaltigen Tagen in den Herzetz der Führer des Volkes auflebte und Unsterbliches schuf, eitz Gemeingut unserer Nation sein und bleiben möge, damit fich das Dichterwort erfülle:Am deutschen Wesen wird^ einmal die Welt genesen!" Redner wies bann darauf hin, daß der Erstarkung und der ungeahnten Entwicklung de- preußischen Staates die Gründung des deutschen Reichs folgte, das heute unter Preußens Führung kraftvoll uub mächtig dastehe unter dem deutschen Kaiser auS dem Hohetz- zollernstamm. Redner gelobte dem Kaiser unverbrüchliche Treue und schloß mit einem Kaiserhoch.

Memel, 28. Septbr. Bei der Enthüllung des Naüonal- denkmals waren die Tribünen an dem Festplatz dicht besetzt, ebenso die neben dem Festplatz liegenden großen Dampfer und Seaelschiffe. Auf dem Strom hatten eine Anzahl reich-