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Hanauer

General-Anzeiger

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Amtliches Vr-t» für AM- iü FmRreis KmL

Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssrm- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 222 »«*h>r«*4#f<»i*ß Nr. «os. g™g . _ " - —^^^^-^

Amtliches.

Eandkreis Ran au. BtkmtmchWtn des MWeil LRdriitsmts.

Der Landweg von Niederdorfelden über Gronau nach Vilbel wird wegen Ausführung von Dampfwalz- arbeiten von Diensiag den 24. ds. Mts bis ein­schließlich Montag den 7. n. Mts. für Fuhrwerke mit einem Ladegewicht über 20 Zentner gesperrt.

Ich ersuche die Ortspolizeibehörden der in Betracht fom« menden Gemeinden, dies ortsüblich bekannt zu machen.

Zuwiderhandlungen werden aus Grund ver RegierungS- pokizeiverordnung vom 6. April 1877 (Regierungs-Amtsblatt Seite 137) mit 10—80 M. oder hilssweise Haft bestraft.

Hanau den 28. Septbr. 1907.

Der Königliche Landrat.

V 9550 J. A.: Conrad, Kreissekretär.

Unter den Schweinen zu Kilianstädten ist dir Schweine­seuche festgestellt worden.

Hanau den 20. September 1907.

Der Königliche Landrat.

V 9517 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Stadtkreis Ran au. Jagdverpachtung.

Die Jagdmtßitug in der Gemarkung Kesselstadt bei Frankfurt a. M., 270 Hektar Wald und Feld umfassend, ist für die Zeit vom 23. Dezember 1907 bis 31. Januar 1912 zu verpachten. Die Pachtbedingungen liegen im Rat- hruse, Zimmer Nr. 12, zur Einsicht auf.

Termin zur öffentlichen Verpachtung wird auf Montag den 14. Oktober b. I., vormittags 11 Uhr, in den Magistrats-Sitzungssaal zu Hanau, Neustädter Rathaus Zimmer Nr. 1, anberaumt.

Hanau den 12. September 1907.

Der Jagdvorsteher.

Dr. Gebeschu 8, Oberbürgermeister. 18827

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Ge­markung Langenselbold belegenen, im Grundbuche von Langen­selbold Artikel 1013 zur Zeit der Eintragung des Versteige­rungsvermerkes auf den Namen des Maurers Johannes Wagner, Wilhelms Sohn zu Langenselbold eingetragenen Grundstücke:

Feuilleton.

Zwei Urallfsiihrilngcil in Frankfurt a. M.

(Von unserem Korrespondenten.)

(Nachdruck verboten.)

Frankfurt a. M., 22. Septbr.

Zwei musikalische Uraufführungen an einem Abend, dieses immerhin nicht leichte Kunststück hat die Frankfurter Oper gestern fertig gebracht. Eine zweiaktige Oper und ein ein­aktiger Tanzakt zeigten sich zum ersten Male im Rampen- licht. Ist der Tanzakt eine willkommene Bereicherung unserer allzusehr von den lustigen Witwen-Weisen beherrschten laichte.:, prickelnden Musik, so ist die Oper alles andere denn ein großer Wurf. Man wird der Oper keine Zâhren nach- , weinen.

Der Kaiserlich königliche österreichische Rittmeister a. D. Ludwig Freiherr von Erlanger aus Hohenmauth in Böhmen hat unter dem Pseudonym R. Langer die Heinesche bekannte Ballade vom Ritter Olaf dramatisiert und komponiert; also Dichterkomponist, in diesem Falle ein nicht beneidenswertes Talent, das Erlanger mit noch drei Sprossen des freiherrlich Erlangerffchen Hauses teilt. Die Oper bezw. ihre Urauf­führung in Frankfurt a. M. hat eine so nette Geschichte, daß sie erzählt werden muß, denn sie beginnt mit fröhlicher Laune und endet mit dem Kadi. Vor zwei Jahren etwa hat der Intendant der Frankfurter Oper Herr Jenssen dem Dichterkomponisten die Aufführung seiner Oper „Ritter Olaf" versprochen. Dem Versprechen folgte die regelrechte Annahme. Mit der Zeit aber ist dem Intendanten zum Bewußtsein gekommen, daß mit der Uraufführung weder der Opernliteratur, noch dem Publikum ein Gefallen getan wird, Jenssen schob die Aufführung fort und fort

Montag den 23. September

Abt. I Nr. 16 Krtbl. 11 Nr. 82, in dem Kochgrund, Acker 49,67 ar, 9,22 Tlr. Reinertrag,

Abt. I Nr. 17 Krtbl. 70 Nr. 101, Oberdorfstraße, 8,98 ar, HauS Nr. 30, 75 Mark Nutzungswert,

a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten, b) Stall,

am 12. November 1907, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.

Langenselbold den 16. September 1907.

____________Königliches Amtsgericht. 19359

Verpachtung von Ackergrundstücken bei Forsthans Neuhof.

Donnerstag den 26. September 1907, vor­mittags 11 Uhr, sollen die bisher auf 6 Jahre verpachtet gewesenen Alkerstücke zwischen dem Forsthaus Neuhof und der abgegrabenen Kinzig (5 Parzellen von zusammen 2,245 ha Größe) auf weitere 6 Jahre vom 1. Oktober 1907 bis 30. September 1913 öffentlich meistbietend an Ort und Stelle verpachtet werden.

Forsthaus Neuhof am 20. September 1907.

Königliche Oberförsters Hanau. 19353

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 braune wollene Pferdedecke mit blau und gelben Streifen, 1 silberner Kettenring, 1 Handtäschchen (mit Schere, Metermaß und Taschentuch, 1 goldener Trau­ring (gez. M. L. 31 III 07).

Verloren: 1 grünes Portemonnaie mit 40 Pfg., 1 schwarzes Portemonnaie mit ungefähr 17 Mk. und mit 2 goldenen Ohrringen, 1 lederne Handtasche mit Klappdeckel (auf dem Marktplatz stehen geblieben).

Hanau den 23. September 1907.

politische Rundschau.

Fürst Bülow und der englische Jonrnalisten- besuch. Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin : Der Reichs­kanzler Fürst Bülow antwortete aus die Uebersendung des vom Vorbereitungsausschuß für den Gegenbesuch der eng­lischen Journalisten veranlaßten Buches von Dr. Grunwald „Deutschland in englischer Beleuchtung" aus Norderney mit einem Schreiben, in welchem es heißt: Ich habe die Arbeit nicht durchsehen können, ohne mich dabei der Verdienste zu erinnern, die Sie und die Herren des Ausschusses sich um

hinaus; das wurde mit der Zeit dem Dichterkompouisten zu dumm, er lief zum Kadi. Auf den 4. Oktober war vor dem Frankfurter Landgericht Termin „in Sachen von Erlanger-Jenssen" augesetzt. Um sich den Gang zu diesen „heiligen Hallen" zu ersparen, entschloß sich Jenssen die Oper aufzulühren. Von der Musik ist nicht viel zu sagen, denn sie ist schlecht und recht konventionell. Daß sie der Lands­mannschaft des Komponisten entsprechend hie und da in Polka- und Walzerklänge sich verliert, das könnte man v. Erlanger noch verzeihen, daß er aber, als Ritter Olaf auf's Schaffst steigt, die volle tragische Wucht in den Akkorden schuldig bleibt, das ist der beste Beweis, daß kompositorischer Intellekt v. Erlanger fehlt. Auch in dem Augenblicke, in dem der König dem Ritter den Tod verkündigt, bleibt die Musik farblos. Musikalische Charakterisierung hat v. Erlanger nicht einmal versucht. Nicht eine einzige Figur wird musikalisch gestützt, nur die unglückliche Gemahlin des Ritters hat einige Liedchen von schlichter Innigkeit. Eine Nummer, der man nicht ganz interesselos gegenüberstehen kann, ist das Lied des Narren während der Henkersmahlzeit, v. Erlanger teilt dem Orchester lediglich die Aufgabe der Untermalung zu, die In­strumentation ist stellenweise dünn, kurz: die Musik läßt im Grunde teilnamslos, da sie das Tragische nicht zu treffen weiß.

Ein schlechter Librettist ist sich dazu noch der Komponist gewesen. Er hat vergessen, daß das, was in der packend­schönen Heine'schen Ballade erlaubt ist, dem Drama direkt zum Nachteil wird. Der Kernpunkt der Handlung ist der, daß der Ritter Olaf den Tod findet, weil des Königs Töchterlein ihm gegenüber eine schwache Stunde hatte. Dieser Ritter aber kann niemals ein Moriturus im Sinne eines seriösen Dramas werden, weil doch die Schuld des Ritters in dem Augenblick gesühnt ist, als er mit der Königs­tochter zum Traualtar schreitet. Der König aber, der in der Oper modern vor uns steht, steckt mit seinen An­schauungen so in der alten, alten Zeit, daß er zur

Aernsprechanschluß Nr. 605. 1907

bas Gelingen dieser Reise der englischen Pressevertreter na* Deutschland erworben haben. Die Auffassung, daß die d^ malS ausgetauschten Eindrücke in der öffentlichen Meinung beider Länder günstig nachwirken, kann ich aus eigener Er­fahrung bestätigen. Der Brief schließt mit dem Wunsche, daß die deutsche Presse auch ferner an der schönen ernsten Auf­gabe, ein besseres Einverständnis zwischen dem deutschen utA dem englischen Volke zu erzielen, tätig mitwirke.

Herr Dernburg und die Reichstagsanftösnng. Herr Dernburg sollte im Dezember v. I. erklärt haben, dèr Reichstag müsse sofort aufgelöst werden, weil 1908 eine wirtschaftliche Krists eintrete und dies der Regierung un­günstige Wahlen zeitige. So erzählte Abg. Bebel seinen gläubigen Genoffen auf dem Parteitage. Demgegenüber kann die „Nord. Allg. Ztg." bestimmt erklären, daß Exzellenz Dernburg eine derartige Erklärung nie abgegeben hat.

Wegen Beleidigung Dr. Peters wurde Redakteur H. Müller von der „Leipz. Volksztg." vom Schöffengericht zu 300 Mk. Geldstrafe subs. 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Müller wurde beschuldigt, in allen Berichten über den Prozeß des Dr. Peters gegen die „Münch. Post" diesen als Hänge- Peters bezeichnet zu haben, ferner soll er in einem ArttkA unter der Ueberschrift: „An ihren Freunden sollt ihr st» er­kennen" ganz besonders schwer» Beleidigungen gegen Dr. PeterS sich haben zu schulden kommen lassen.

In der Schlußsitzung der Wiener Tuber» kulofe-Konferenz hielt Dr. jur. Neubecker-Charlottenburg einen Vortrag über die juristischen Beziehungen der Tuber­kulose, der allgemein starken Beifall fand. Neubecker setzte zuerst die Rechtsstellung der tuberkulösen Sachen, dann die Rechtsstellung der tuberkulösen Personen austinander. Ick zweiten Teil interessierten namentlich die Familienbeziehungen, das Verlöbnis, die Ehe, das Eltern- und KindesverhältniS. Interessant waren auch die Aufklärungen über Tuberkulose bei Beginn von Vertragsbeziehungen. Geheimrat Fränkel- Berlin wies dann unter großem Beifall an der Hand von Tabellen die starke Verminderung der Tuberkulose im Deut­schen Reich nach. Um 12 Uhr wurde der Kongreß geschloffen, die Teilnehmer fuhren nach Alland zur Besichtigung der Heil­anstalt für Lungenkranke. Von Potsdam ging an das Prä­sidium der internationalen Tuberkulosevereinigung folgendeS Telegramm ein: „Seine Majestät der Kaiser und König haben Allerhöchst sich über das freundliche Gedenken Aller­höchst Ihres Interesses für die auf die Bekämpfung der Tubev- kulose gerichteten Bestrebungen gefreut und lassen der Tuber- kulosekonferenz bestens danken und erfolgreiche Arbeit wünschen. Auf Allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinettsrat von Lu­canus."

Morenga. Nach einem telegraphischen Bericht bei

unbegreiflichen Figur wird. So fehlt denn die psychologische Motivierung; damit fällt auch das Libretto der Oper.

Trotz sorgfältiger Inszenierung mußte daher das Werk an seinen musikalischen Schwächen wie dramatischen Unmög­lichkeiten scheitern; die beiden Hauptdarsteller Frau Hen­sel-Schweitzer und Herr Forchhammer bemühten sich um eine von Anfang an verlorene Sache, deren Achtungs­erfolg den Dichterkomponisten hoffentlich überzeugt«, daß auf der Opernbühne seine Zukunft nicht liegt.

Die zweite Uraufführung des gleichen Abends erreicht« mehr Interesse. Es handelte sich um „Tanzbilder in einem Aufzuge", die von der Balletmeisterin der Frankfurter Oper, Frl. Emma Grondona, entworfen sind. Der Frank­furter Komponist Fritz B a s e l t hat zu den Sprüngen und Tänzen die nötigen Notenköpfe gesetzt. Der Tanzakt stellt nicht eine fortlaufende, in sich abgeschlossene Handlung dar, er löst sich vielmehr in fesselnde Stimmungsbilder auf, bit lebhaft an Watteau erinnern und die durch ihre malerisch« Gruppierung und glänzende Ausstattung das Auge für sich gewinnen. Wenn man den idyllischen Tanzakt in bie dürf­tige Prosa um setzen will, so stellt man sich am besten eine illustre Gesellschaft im Zeitalter Louis XVI, vor; diese Gesellschaft amüsiert sich bei fröhlichem Retgenspiel, findèt Wohlgefallen am neckischen Liebesgetändel einer zierlichert Elfe mit einem flirtenden Jüngling und läßt sich schließlich von den lockenden, klingenden Weisen eines herzigen RondoS selbst zum Tanze begeistern. Die Musik ist voller Eigenart und Gefälligkeit, sie wandelt vor allem nicht in den auëg^ tretenen Bahnen unserer Tanzbilder. Das Reigeuspi«! ist eine willkommene Bereicherung des RepertoirS jener Opern­bühnen, die das Ballet nicht als notwendiges Nebel be­trachten, die vielmehr auch der leichtgeschürzten Muse nach wie vor eine gewisse Berechtigung und Bedeutung auf der Opernbühne zusprechen und glanzvolle Ausstattung nicht scheuen. Der Tanzakt fand feurige Wiedergabe und waE Aulnahm«.