Drittes Matt.
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âtchHrvch 130 M^ monatlich 60 Pfg., fLr mck- •foUgt Abonnenten mit dem betreffenden PostaufschlLg, Die einzelne Nummer kostet 10 Pf«.
General-Anzeiger
ANtlichrs Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Stmt* und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Ml. 215 Fe»nsprechankchl«k Nr. 605.
Samstag den 14. September
Fernsprechanschlutz Nr. 605. "W
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Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Städtisches Wannen- und Brausebad.
Vangertstratze 2 (Eingang: Große Dechaneistraße).
Geöffnet für Männer r
Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 2—8 Uhr nachmittags,
Sonntag von 8—12 Uhr vormittags.
Geöffnet für Frauen:
Dienstag und Freitag von 2—8 Uhr nachmittags.
Preise der Bäder:
Brausebad mit Wäsche 10 Pfg., Wannenbad mit Wäsche 25 Pfg., Wannenbad ohne Wäsche 20 Pfg.
Hanau den 22, Mai 1907.
Der Magistrat.
Bode. 11447
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Politischer Mockenberickt.
Wir leben in der Zeit der Kongresse und Parteitage. Nachdem in der abgelaufenen Woche bereits mehrere stattgefunden haben, steht demnächst der Parteitag der nationalliberalen und der freisinnigen Partei bevor. Es ist zu wünschen, daß man bei diesen Verhandlungen nicht die Partei über das Vaterland stellen möge, sondern stch bessen I eingedenk sei, daß der nationale Block gegründet wurde, um eine Einigung der bürgerlichen Parteien herbeizuführen als eine feste Schutzwehr gegen die Politik des Umsturzes, als eine starke Stütze, auf die sich das Vaterland, wenn es sich um große nationale Fragen handelt, verlassen kann. Werden von diesem Gesichtspunkte aus die Verhandlungen geführt, dann werden sie auch zum Wohle des gesamten Vaterlandes beitragen und dem hämischen Gerede der Vaterlandsfeinde von einem über kurz oder lang bevorstehenden Zusammenbruche des Blocks ein Ende bereiten.
In der auswärtigen Politik steht die Marokkofrage noch immer obenan. In der deutschen Antwort auf den französischen Vorschlag, in den acht marokkanischen Häfen französisch-spanische Polizeikorps aufzustellen, wird in freundschaftlicher Weise das Bedenken ausgesprochen, daß dadurch die Marokkaner noch mehr gereizt und infolgedessen die Lage der in Marokko lebenden Europäer noch gefährlicher werden könnte. Die deutsche Negierung hat die außergewöhnlichen Umstände, durch die Frankreichs Vorgehen in Marokko be- zründet wurde, wohl anerkannt und beabsichtigt nicht, der
Kleiner Feuilleton.
Cs fall sich oder Keiner mit der Liewe abgäwen.
Jm Verlage von A. F r e y s ch m i d t (R. Fr. Jung- henn) in C a s s e l ist soeben in prächtiger Ausstattung das alte volkstümliche Lied: „Es fall sich ocker Keiner mit der Liewe abgäwen" erschienen. Der verdienstvolle einheimische Komponist Johann Lewalter hat es in Wort und Weise aus dem Munde des Volkes ausgezeichnet und bringt drei verschiedene Mundarten (Casseler, Gudensberger und Rauschenberger Dialekt) sowie zwei verschiedene Melodien. Die Singstimme ist bequem auszuführen, wie auch bis Begleitung (Klavier oder Guitarre) sehr einfach gehalten ist. In der Einleitung schreibt Lewalter folgendes:
Die ältesten Drucke des Liedes finden sich in „Des Knaben Wunderhorn, Alte deutsche Lieder, gesammelt von L. Achim von Arnim und Clemens Brentano nach der Originalausgabe Heidelberg 1806—1808 neu herausgegeben, Leipzig, Philipp Reclam", unter der Ueberschrift „Don Juan" auf Seite 656 und gleichzeitig in Büsching und von der Hagens „Sammlung deutscher Volkslieder mit einem Anhänge flamländischer und französischer, Berlin 1807" unter Nr. 94. Die Weise, welche Büsching und von der Hagen ausgeschrieben haben und mit welcher wieder die bei Kretschmer in „Deutsche Volkslieder (1840) Band I" unter Nr. 310 abgedruckte übereinstimmt, hat Franz Magnus Böhme in seine große Volksliedersammlung „Deutscher Liederhort von Ludwig Erk, im Auftrage und mit Unterstützung der königlich- preußischen Regierung nach Erks handschriftlichem Nachlasse und auf Grund eigener Sammlung neu bearbeitet und fortgesetzt. 3. Bände. Leipzig 1893—94" unter der Ueberschrift
von Frankreich unternommenen Aktion Schwierigkeiten zu bereifen, hat aber auch den Wunsch geäußert, Frankreich möge seine weiteren Operationen so einrichten, daß dadurch nicht wieder wie in Casablanca deutsches Eigentum beschädigt werde. Es ist zu hoffen, daß der ruhige und freundliche Ton, in dem die deutsche Antwort gehalten ist, in Frankreich gewürdigt wird und die Ueberzeugung befestigt, daß zur Vermeidung neuer, allerseits unerwünschter Konflikte die strenge Innehaltung der in der Algeeirasakte sestgelegten Bestimmungen das beste Mittel ist.
Der Hafenarbeiterausstand in Antwerpen hat sich zu einem regelrechten Aufstande entwickelt. Die Arbeiter find die unamschränkten Herren des Antwerpener Hafens geworden; sie wollen nur unter bestimmten Bedingungen arbeiten, die sie den Arbeitgebern auferlegen. Lehnen diese die Bedingungen ab und stellen andere Arbeiter ein, so werden die Arbeitswilligen mit Steinwürfen und Revolverschüssen empfangen und gezwungen, die Flucht zu ergreifen. Ja, mit noch verbrecherischeren Mitteln fechten die Antwerpener Hafenarbeiter ihre Lohnkämpfe aus: neue Brände haben sie mittels Petroleum angelegt und dadurch eine riesige Feuersbrunst hervorgerufen, gegen deren furchtbares Wüten die Antwerpener Feuerwehr machtlos war, so daß zur Bewältigung des entfesselten Elements die Feuerwehren aller größeren Städte Belgiens herbeigeholt werden mußten. Die Arbeit im Hafen ist zum weitaus größten Teile lahmgelegt. Daß die Mitschuld an derartigen Verbrechen auf die sozialdemokratischen und anarchistischen Hetzereien zurückfällt, unterliegt keinem Zweifel, und sie wird von den Leitern der Sozialdemokratie, wie sie sich auch drehen und wenden mögen, nicht abgewälzt werden können.
In der ausländischen Politik ist ferner das Abkommen zwischen Rußland und England zu verzeichnen, das nach Meldungen englischer Blätter nunmehr abgeschlossen worden ist. Im allgemeinen weiß man, daß es sich auf die Grenzfragen und vor allem auf die Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären in Westasten bezieht, und daß es selbstverständlich keine wechselseitige Garantierung des asiatischen Besitzstandes der Vertragsmächte enthält. Mehr ist nicht bekannt, und gerade deshalb orakelt jede Londoner Zeitung auf eigene Hand frisch darauf los und brüstet sich mit geheimnisvollen Informationen. Man kann diese ruhig übergehen und muß abwarten, bis der offizielle Text des Abkommens bekannt werd.
Die englandfeindliche Gesinnung und Stimmung in Irland hat zu ernsten Unruhen geführt, die bereits zu zahlreichen Verhaftungen, darunter mehrerer irischer Abgeordneten, geführt haben. Daß die Bewegung bereits einen bedeutenden Umfang angenommen hat,
I „Liebesjammer eines Dorfknechts" (Band 2 Seite 491 Nr. ! 693) ausgenommen. Sie hat eine große Aehnlichkeit mit der j in Hessen gebräuchlichen, während die bei Erk und Irmer in „Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen (1843)" Heft 5 Nr. 47 sich vorfindende Weise der niederhessischen völlig gleicht. Das Lied findet sich ferner bei Firmenich „Germaniens Völkerstimmen. Sammlungen der deutschen Mundarten und Dichtungen, Sagen, Märchen, Volkslieder, usw. Band 1-3. Berlin 1844, 1846 und 1854" (Band 2 auf Seite 94 und 139), im „Coburg-Meiningschen gemeinnützigen Taschenbuch 1804", woraus es von Erlach in sein Werk „Die Volkslieder der Deutschen. Eine vollständige Sammlung der vorzüglichen deutschen Volkslieder von der Mitte des fünfzehnten bis in die Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, Band 1—5. Mannheim 1834—1836" herübergenommen hat (Band 4, Seite 279), im „Allgemeines Reichs-Kommersbuch für deutsche Studenten. Herausgegeben von Müller von der Werra, 4. Auflage 1880, Leipzig, Breitkopf und Härtel (Seite 380)", woselbst die Weise sonderbarer Weise in a-moll erscheint, in „Volkslieder aus dem Erzgebirge von Alfred Müller, Annaberg 1883" (Seite 106) in Ernst H. Wolframs Sammlung, „Nassauische Volkslieder, Berlin 1894" (Seite 204, Nr. 217 c), in der Zeitschrift „März" 1. Jahrgang 1907 Heft 8, Seite 155 (als „altes fränkisches Bauernlied") und in dem Buche „Volksklänge in Altenburger Mundart von Friedrich Ullrich, 8. Auflage von Kurt Greß, Stettin und Leipzig 1875" (Seite 134). Böhme hat das Lied aus Thüringen, aus dem Nassauischen, aus O b er h e s s e n , der Weiterem erhalten und behauptet, dasselbe sei in ganz Mittel- und Norddeutschland bekannt und wäre besonders viel in den Spinnstuben Thüringens und Hessens um 1820—30 gesungen worden. Auch im Hannoverschen ist, wie Böhme schreibt, das Lied als „Der gebildete Hausknecht" bekannt. Außerdem ist das Lied noch abgedruckt im „Kommersbuch für den deutschen Studenten". Leipzig 1880, Seite 477 (Weise in a-moll)
geht schon ans der Tatsache hervor, baß die Regierung eint Reihe von Grafschaften als „im Aufruhr befindlich" erklärt, und zahlreiche Verstärkungen der Polizei aufgeboten hat. Die Frauen. sind eifrige Parteigängerinnen der Bewegung und stellen infolgedessen auch einen großen Teil der Verhafteten. Wenn die englandfeindliche Gesinnung in Irland zuweilen einen rebellischen Charakter annimmt, so ist nicht zum wenigsten die irische Presse dafür verantwortlich zu machen, dte in ihrem Engländerhasse keine Schranken kennt.
Verkehrsaiifschwung in unsern Kolonien.
Der Schiffsverkehr in unsern Kolonien mit Ausnahme von Südwestafrika, über bas keine Angaben vorliegen, hat sich sehr erfreulich entwickelt, wie aus den lehrreichen Mitteilungen hervorgeht, die in dem Ergänzungshefte zu den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches „Die deutsche Flagge in den außerdeutschen Häfen" für das Iaht 1905 gemacht werden.
In Deutsch-Ostafrika betrug der Schiffsverkehr überhaupt in jenem Jahre 930 Schiffe mit 1 156 824 Registertonnen netto; davon waren 352 Schiffe mit 1 018 732 Registertonnen netto Dampfer der Deutschen Ostafrika-Linie, 565 Schiffe mit 124 760 Registertonnen netto Gouvernements- dampfer und 18 Schiffe mit 13 332 Registertonnen netto andere Frachtdampfer. Dabei ist der Schiffsverkehr der einheimischen Segler (Daus) nicht mitgerechnet worden. Von den Häfen der Kolonie wiesen den stärksten Verkehr auf: Daressalam 220 Schiffe mit 388 400 Registertonnen, Tanga 131 Schiffe mit 350 680 Registertonnen, Bagamoyo 142 Schiffe mit 103 775 Registertonnen und Kilwa 90 Schiffe mit 92 545 Registertonnen.
In Kamerun (Duala) kamen im Jahre 1905 159 Schiffe mit 383 063 Registertonnen an; davon waren 80 deutsche und 78 britische Schiffe, deren Tonnengehalt im einzelnen leider nicht angegeben ist. Der Schiffsverkehr in Kamerun hat sich also von 1899/1900 bis 1905 der Zahl der Schiffe nach mehr als verdoppelt (von 62 auf 159), während der Raumgehalt in dieser Zeit um mehr als das Fünffache gestiegen ist.
In Togo kamen im Jahre 1905 an 247 Schiffe ans 419 261 Registertonnen, davon 160 deutsche Schiffe mit 292 532 Registertonnen, 45 britische mit 70 979 Registertonnen und 42 französische mit 55 750 Registertonnen. Die Abnahme gegen das Jahr vorher ist darauf zurückzuführen, daß die Reede von Anecho (Klein-Popo) von den Schiffen nicht mehr wie früher angelaufen wird, sondern daß nur Lome angelaufen werden darf. Die deutsche Flag ...... ist in ■!■ ■ 1^111—11.........IljlMafl* und in Künzel „Geschichte von Hessen". Friedberg 185°* Seite 436.
Daß Lied in Altenburger Mundart, so wie es in Friedrichs Ullrichs erwähntem Buche unter der Ueberschrift „Liebesklage" abgedruckt ist, hat sieben Strophen, die sich von den anderenorts ausgeschriebenen mehr dem Inhalte nach unterscheiden. Ullrich schreibt in der Anmerkung zu diesem Liede: „Angeblich von Veit Räumschüssel, welcher im Jahre 1706 im Dorfe Ehrenberg bei Altenburg gelebt haben soll." Um festzustellen, ob Räumschüssel tatsächlich der Verfasser unseres Liedes sei, schrieb ich an Herrn Pfarrer Hugo Kirst in Ehrenberg bei Altenburg mit der Bitte, in den Kirchenbüchern nach dem Namen Räumschüssel zu forschen. Derselbe hat 1897, vom Jahre 1706 ausgehend, einen größeren Zeitraum nach rückwärts und vorwärts durchgesehen, aber den Namm kein einziges mal finden können. Demnach muß sich Räumschüssel 1706 nur vorübergehend in Ehrenberg aufgehalten haben. Nun kommt der Name Reimschüssel aber in Schmalkalden, also in unmittelbarer Nähe Thüringens schon 1668 vor, wie 1906 Herr Kirchenrat Reichardt in Metzels bei Walldorf a. d. Werra in freundlichster Weise sestgestellt hat. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß unser Lied einen hessischen Bauern zum Verfasser hat.
Die mundartliche Rechtschreibung der drei verschiedenen, nach mündlicher Mitteilung ausgezeichneten Lesarten verdankt Lewalter den Herren Zeicheninspektor Wilhelm Lüttebrandt (Casseler Mundart), Oberbibliothekar Dr. Hugo Brunns (Gudensberger (Niederhessische) Mundart) und Schriftstellet Valentin Traudt (Rauschenberger sOberhessische) Mundart).
Wir lassen nun die Casseler Mundart folgen. Das tranig und mit komischer Wehmut vorzutragende Lied lautet also:
Der Henn er un sin Lisb eth.
Es soll sich oder *) keiner mit der Liewe abgäwen, Sä bringet so mänchen jungen Borsche immès Läwen. Min Trutschel**), das Hot mä de Liewe versatt: Ich hon se verkla't.