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Amtliches Grgös sm Mt- Mkrtiü SsM.

Erscheint tLgüch mit Ausnabme der S«m- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Adriger

Nr. 210 Aentsprechanschltch Nr. 605.

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Hus Ban au Stadt und Eand.

Hanau, st. September.

Cinweihungsftier des BolksgescllschastshdusesConcordia".

Ein in sozialpolitischer Bedeutung bedeutsames Unter­nehmen, das von der Gesellschaft m. b. H.Concordia" auf dem Grundstücke Paradeplatz 1 errichtete Volksgesell­schaf t s h au 8 ist jetzt in allen Teilen fertig gestellt und seiner Bestimmung übergeben worden. Es soll eine Stätte bilden, in der alle national gesinnten Arbeiter Hanaus stch zur Forderung ihrer gemeinsamen Interessen zusammenfinden können, gleichzeitig aber auch geselligen Veranstaltungen aller Art dienstbar gemacht werden. Die Ziele sind weit gesteckt und der Unterstützung weiter Kreise wert, mögen sich Me Hoffnungen derer erfüllen, die in weitherziger Weise hier Opfer gebracht und für des Volkes WoLlfahrt gearbeitet haben. Daß die Fertigstellung riues derartigen Werkes nicht ohne eine äußere Feier vorübergehen durfte, war begreiflich und auch als selbstverständlich anzusehen. Eine Einweihung?« feier fand denn auch am Samstag abend statt, zu der der Ausschuß für Errichtung des Volksgesellschaftshauses zahl­reiche Einladungen hatte ergehen lassen. Namentlich hatte man sich bemüht, vor allem dem Arbeiterstand Gelegenheit zur Anwohnung an der Feier zu geben, weiterhin wollte man auch die Vereine in die Lage versetzen, die Einrichtungen des Saalbaues kennen zu lernen. Der ergangenen Ein­ladung hatte man in weitem Maße Folge geleistet, sodaß die Räume zu Beginn der Feier dicht besetzt waren und viele Besucher sich noch mit Stehplätzen begnügen mußten, unter den Ehrengästen waren zu bemerken die Spitzen der staat­lichen, städtischen und kirchlichen Behörden Hanaus. Den ersten Teil des Programms bildete ein

Festakt, den die treffliche Kapelle des Infanterie - Regiments Hessen- Homburg unter der Leitung des Königl. Musikdirigenten Herrn C. Schmidt mit dem Vortrag der Ouvertüre z. Op. Mignon" und desMtniederländischen Dankgebetes" von Kremser einleitete. Die Gesangsabteilung deS evangelischen Arbeitervereins, unter der Leitung des Herrn Lehrer Schnell stehend, bot dann den dem Charakter der Feier angepaßten ChorHör uns" von Mähul in einer Weise, die der kleinen Sängerschaar und ihrem Dirigenten Ehre machte. Dann betrat der Vorsitzende des Ausschusses Herr Fabrikant Dr. Wilh. Heraeus das Rednerpodium, um in einer längeren, fesselnden Ansprache den Zweck, die Bedeutung des neuen Unternehmens darzulegen und sich auch weiterhin über die eng damit in Zusammenhang stehende Arbeiterbewegung zu ergehen. Seine Ausführungen, die von weiteren Kreisen mit Interesse entgegen genommen werden dürften, lauteten:

M. H. Es waren im Juni 3 Jahre, daß sich ein Aus­schuß in unsrer Stadt gebildet hatte, der es sich zur Auf­gabe stellte, einen Saalbau zu errichten, um einerseits dem Eoangel. Arbeiter-Verein eine Unterkunft zu gewähren, andererseits für alle nationalgesinnten Arbeiter Hanau's einen Mittelpunkt zu schaffen. Der Aufruf, mit welchem sich dieser Ausschuß an die wohlhabenden Einwohner der Stadt um finanzielle Unterstützung wandte, hatte den Erfolg, daß sofort 81 500 M. gezeichnet wurden und da sich auch der eoangel. Arbeiterverein mit einem ihm zur Verfügung stehenden Kapital von 7000 M. zu beteiligen beschloß, so schien damit der finanzielle Teil der Angelegenheit in zufriedenstellender Weise gelöst. Es kam zur Bildung der Ges. mit beschr. Haftung Volksgesevschaftshaus Concordia und zum Ankauf des Anwesens auf dem wir uns hier befinden, des Hauses, rn dem einst die Brüder Grimm das Licht der Welt er­blickt hatten.

Herr Architekt Deines wurde dazu ausersehen, ein Projekt für die notwendigen Umbauten und Neubauten zu ent­werfen und er hat diese vielleicht nicht ganz leichte Ausgabe nach unserer Ueberzeugung in außerordentlich glücklicher Weise gelost, so daß ich ihm auch hier unsere volle Anerkennung aussprechen zu sollen glaube, der sich wohl alle anschließen werden, die heute hierher gekommen sind, um der Ein­weihung dieses schönen Saales beizuwohnen. Dank möchte ich auch Herm Deines sowohl wie seinem Bauführer Herrn C l o r m a n n dafür aussprechen, daß sie sich mit außerordent­licher Hingebung während der ganzen Bauzeit ihrer Aufgabe gewidmet haben und weiter möchte ich allen den Dank heute abstatten, die, sei es in finanzieller Hinsicht, sei es in anderer Weise, das Zustandekommen des Werkes gefördert haben.

Soviel nur über die Vergangenheit dieses Unternehmens und nun will ich mich dem wichtigeren Teil seiner Zukunft resp seiner Bestimmung zuwenden, wobei ich glaube, etwas ausführlicher meine Ansicht über die Arbeikrbewegung dar«

Montag den 9. September

legen zu sollen, bg diese jq mit der Bestimmung dieses Hauses eng verknüpft ist. Schon zu Anfang meiner Aus­führungen habe ich bemerkt, daß sein Zweck derjenige sein solle, allen denjenigen Arbeitern, welche nicht gewillt seien, sich der Sozialdemokratie auszuschließen, ein Heim, einen Mittelpunkt zu schaffen, damit auch sie sich fester aneinander­schließen und allmählich dahin kommen könnten, daß sie nicht mehr wie seither so vollständig dem Terrorismus der Sozial- demokrati« ausgesetzt wären. Wenn so dieser Bau in der ausdrücklichen Absicht errichtet worden ist, der Sozialdemo­kratie entgegenzutreten, sie zu bekämpfen, so möchte ich aber gleich doch das betonen, daß nach Meinem Wunsch dieser Kampf nicht in gehässiger Weise geführt werden soll, daß die Concordia nicht dazu dienen soll, um die Zwietracht in unserer Bevölkerung, den Haß zwischen den einzelnen Volks­klassen und zwischen sozialdemokratischen und nichtsozial­demokratischen Arbeitem zu erweitern und zu verschärfen.

Nicht im Bekämpfen des Gegners wollen wir unsere Hauptaufgabe erblicken, sondern darin, daß wir die Klassen­gegensätze zu mildern bestrebt sind, daß wir das Verständnis für die sozialen Forderungen der Zeit zu vertiefen suchen, kurz, daß wir Positives in der Arbeiterfürsorge leisten. Viel­leicht wird es dann der Concordia beschieden sein, allmählich eine Versöhnung zwischen den jetzt feindlichen Parteien an­zubahnen.

M. H. Es ist schon oft darauf hingewiesen worden, ich möchte das aber Ijeute auch an dieser Stelle einmal hervor­heben, daß für spatere Generationen, denen unser Zeitalter entrückt dem Kampf und der Leidenschaft des Tages lediglich als ein Abschnitt der jahrtausendjährigen Geschichte des Menschengeschlechtes erscheint, daß für diese die letzten Jahrzehnte und wohl auch noch die vorausliegen­den die Zeit eines gewaltigen Aufwärtsstrebens der breiten Massen des Volkes bedeutet und zwar trifft dieses sür Deutschland und mehr oder weniger auch für die sonstigen Kulturstaaten zu.

In der Hauptsache haben wir diese Erscheinung der mäch­tigen Entwicklung der Industrie in den meisten Kulturstaaten zu danken. Ich bin aber vorurteilslos genug, um meiner» seit auch anzuerkennen, daß die Sozialdemokratie ebenfalls zu diesen Errungenschaften beigetragen hat und ich bin auch vorurteilslos genug, um offen anzuerkennen, daß dieses nur möglich war, weil auch viele und gesunde Kräfte in der Sozialdemokratie tätig sind. Aber umso­mehr muß man es bedauern, daß die Sozialdemokratie neben dem Guten, was sie bisher geschaffen hat, meiner festen Ueberzeugung nach schon unendlichen Schaden unserer deutschen Nation zugefügt hat, und umsoweniger darf man die Augen davor verschließen, daß die größten Gefahren un­serem Vaterland drohen, wenn es nicht gelingt, dieser sozial­demokratischen Bewegung Herr zu werden oder sie in andere Bahnen zu lenken. Wenn wir die Arbeiterbewegung im Ganzen betrachten, so müssen wir zwei Strömungen streng auseinanderhalten. Das eine ist die gewerkschaftliche Bewegung die lediglich die materielle Lage des Arbeiter­standes zu Bessern, ihm bessere Löhne zu erobern Berufen ist, mit Politik aber nichts zu tun hat, wenigstens zu tun haben sollte. Das andere ist die sozialdemokratische Bewegung, die lediglich politische Zwecke verfolgt, die nicht nur die Monarchie abzuschaffen und ein demokratisches Regiment einzuführen bestrebt ist, sondern einen Zukunftsstaat èinsühren zu wollen behauptet, der angeblich die Welt in ein Paradies verwandeln würde, in Wirklichkeit aber so unsinnig ist, daß kein ver­ständiger Mensch und danach auch kein verständiger Sozial­demokrat an feine Existenzfähigkeit glaubt.

Sprechen wir zunächst von der gewerkschaftlichen Be­wegung, so kann es m. E. auch nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß dieselbe ihre vollste Berechtigung Hai und ihr diese Berechtigung heutzutage auch vom Staat, soweit sie sich in gesetzmäßiger Form abspielt, nicht aberkannt wird. Der Kampf der Gewerkschaften mit dem Unternehmer­

Bewegung, die die Monarchie

tum ist, wenn man die Sache ganz objektiv betrachtet, Privatsache der von dem Kampf betroffenen Kreise, das große Publikum hat durchaus keinen Grund nach der einen oder andern Seite Partei zn ergreifen, geschweige denn den Arbeitern einen größeren Anteil an dem Gewinn, der in den betreffenden Unternehmungen erzielt wird, zu mißgönnen. Wenn die Erwerbsverhältnisse der in einer beliebigen Branche beschäftigten Personen schlechter sind als in anderen ähnlichen Branchen, während die Unternehmer ansehnliche Gewinne einstecken, so wird das große Publikum sich unter Umständen mit seiner Sympathie in diesem Kampf auf die Seite der Arbeiter stellen, wie wir das schon des Oesteren erlebt haben. Ganz abgesehen davon, daß die Besserstellung von 1000 Menschen in weit höherem Maß wieder den Wohlstand weiter Kreise beeinflussen wird, als wenn einigen wenigen Personen der höhere Gewinn zufließt.

Da andererseits die Arbeiter häufig nicht beurteilen können, ob ein Unternehmen, oder wie es heutzutage viel häufiger vorkommt, eine größere Anzahl von gleichen und ähnlichen Unternehmungen in der Lage sind, die von den Arbeitem geforderten Löhne zu zahlen, so kann es den Unter­nehmern ganz gewiß nicht verwehrt werden, sich ebenfalls zusammenzuschließen, um sich ihrerseits gemeinsam gegen

Uernspr-chanschwtz Nr. 605. 1907

unberechtigte Forderungen zu wehren. Ein Sieg der Arbeit«, welcher dahin führen würde, baß die Geschäfte, in denen st« beschäftigt sind, nicht mehr existenzfähig sind oder zum mindesten nicht mehr leistungsfähig genug sind, um den harten Kampf, der im wirtschaftlichen Leben fast tonet Branche erspart ist, auf die Dauer zu bestehen, würde für die Arbeiter die gleichen schlimmen wirtschaftlichen Folgen haben, wie für die Unternehmer.

Der Kampf zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird nie aus der Welt geschafft werden können, je Mehr m einem Land die Industrie sich auSbreitet, und zur Blüte ge­langt je mehr die Zahl der Arbeitskräfte wächst, die in der Industrie Beschäftigung finden, um so mehr wird her Boden für künftige Streiks geebnet, denn sobald ein gewisser wenn auch nur partieller Mangel an geeigneten Arbeits­kräften eintritt, hat die Ware Arbettskraft das Bestreben, teurer zu werden, wie jede andere Ware auch, und der Weg, den höheren Preis durchzusetzen, wird Häuftz in Organisation und eventuell den Streiks gegeben sein.

Also der Kampf ist nicht zu umgehen dieser Kampf, in welchem jeder einzelne seinen Nebenmann, jede Berufsklaff« die andere zu überflügeln trachtet, in dem jedes Gemein­wesen seine Sonderinteressen dem anderen gegenüber ver­folgt, in dem jeder Staat dem anderen Vorteile abzu­ringen strebt, dieser Kampf ist ja vielmehr so recht eigentlich der Inhalt unseres ganzen Lebens. Daß in diesem Kampf, der dem Spiel der Wellen im großen Meere vergleichbar ist immer nur einzelne an die Spitze gehoben werden können, ist genau ebenso selbstverständlich, wie es eben selbstverständ­lich ist, daß nicht jedes Wasser-Molekül an der Oberfläch, sein und bleiben kann. Um aber in diesem Kampf hoch hinauf zu kommen, müssen eine ganze Anzahl glücklicher Umstände zusammenwirken, weder Klugheit allein, noch Fleiß allein sind eine sichere Gewähr dafür, obgleich diese beiden Eigenschaften vereint schon manchen, der in seiner Argen- kaum einen Groschen sein eigen nannte, zum reichen Man« gemacht haben.

Wenn wir den Vergleich mit dem Wellenspiel nochmalS heranziehen wollen, so würde sich das Leben, wie es sich in einem ruhigen, hauptsächlich von Ackerbau lebenden Staat abspielt, wie es sich bei uns noch vor 50 Jahren abgespielt hat, mit der ruhigen, nur von wenigen Wellen bewegten Meeresoberfläche vergleichen lassen, während das Leben in einem Industriestaat der wild bewegten Sèe vergleichbar ist. Bei beiden ein steter Wechsel von hoch hinauf und tief hinunter, Bei beiden die Auslösung einer gewaltigen Energie, ein Stürmen und Drängen, das keinen Moment der Ruhe aufkommen läßt. Auch Bei uns in Deutschland, sagte ich, ist in den letzten 50 Jahren an die Stelle des ruhigen beschaulichen, in mancher Beziehung wohl glücklichen Daseins, das von steten Kämpfen, Unruhe, An« und Aufregungen beherrschte Dasein getreten, wie es daS Kennzeichen der heutigen Zeit ist. Möchte man da nicht die Frage amwcrfen, ob die Menschen nicht glücklicher ge­wesen sein sollten in jener Zeit, wo der Mann noch still be­schaulich seinem Beruf nachging, wo die Frau noch keinen anderen Beruf hatte, als sich ihrer Familie zu widmen? Mochte das Leben noch so primitiv und kärglich seift, der Mann hatte doch eine richtige Häuslichkeit, die Kinder, die Heranwachsende Jugend hatten doch eine Mutter, hatten ein Heim, wo sie in Zucht und Ordnung erzogen wurden, wo vor allem aber auch die Entwicklung des Gemüts nicht zu kurz kam, wo eine natürliche Frömmigkeit in die Kindesseele gelegt wurde, die den Mensch bis zu seinem Lebensende be­gleitete und beglückte.

Wie anders ist das heutzutage die Lebenshaltung ist freilich eine bessere geworden, aber doch in weitaus den meisten Fällen auf Kosten der Ausbildung des inneren Menschen, auf Kosten des Familienlebens. In tcmsenden von Ehen sehen wir das Bild, daß auch die Frau von morgens bis abends die Fabrik besucht, sie ist es von jhrem 14. Jahre an gewöhnt, sie hat ein eigentliches Familienleben nie kennen gelernt und ist in keiner Weise befähigt, das Haus für ihren Mann, für ihre Kinder zu der StätH zu machen, die es sein sollte, git der Stätte, die auch in ärm­lichen Verhältnissen das reichste Glück dem Menschen zu spenden Berufen ist. Wenn alles in der Welt eine Lichl­und eine Schattenseite hat, so ist es auch hier. Wenn auch die Entwicklung Deutschlands zum Jnöustrte-Stacft ohne Zweifel unendlich viel Gutes geschaffen hat, wenn sie die Lebenshaltung und das Kulturniveau der Breiten Massen des Volkes ganz enorm gehoben hat, so hat sie doch auch yar vieles geschaffen, was man nicht als einen Schütt zur Besserung, als einen Vorzug bezeichnen kann. X

Meine Herren! Man mag hierüber denken wie MM will, jedenfalls laßt sich an diesen wirtschaftlichen PerhÄl- Nissen, an dieser Entwicklung nichts ändern, wir müssen ledig­lich darauf ausgehen, die Nachteile, die Schäden, welche sie gebracht hat, nach Möglichkeit zu mildern. Vor allem müssen die Arbeitgeber sich davor hüten, die Anschauungen, die für die früheren Verhältnisse gepaßt haben, für die heutigen aber nicht mehr passen, als die alleinig richtigen anzusehen, sie müssen lernen dr« ErsordernW der Mt M verstÄrm Und