Einzelbild herunterladen
 
  

M-Mlst

& Geptemver

WM«

-------^^^-"'"^ ' ----...............

Sozialpolitik in Portugal. Das Lissaboner Amts­blatt veröffentlicht einen Erlaß betreffend die Emchtung von VersorgungSkaffen für Arbeiter.

Politischer Mord. In Teheran wurde Samstag abend der Großvezier beim Verlassen des Parlaments durch vier Revolverschüsse getötet.

Die Lage in Marokko.

Langer, 81. August. (Reuter.) El Mokri verließ heute Tanger mit 400 AskariS, um nach Fez zu marschieren. Diese AskariS sind alle aus der Casablanca einschließenden Provinz Schawia. Man hielt eS für besser, sie von hier fortzunehmen und durch das alte Regiment Mac LeanS zu ersetzen. Aus amtlichen marokkanischen Kreisen verlautet, daß Amrani und El Badadi gleichfalls nach Fez befohlen seien und daß der Sultan die Stadt wahrscheinlich sofort verlassen würde, um sich nach Rabat zu begeben.

Tanger, 81. August. Die politische Lage ist durchweg ruhig. Der Kaid des Anflus hat, wie verlautet sich Muley Hastd unterworfen. Major Santa Olla soll sich im Prinzip entschieden haben, die Stadt Casablanca zu verlassen und seine Truppen in der Nähe der Stadtmauern zu lagern. Seine Verbindung mit General Drude ist ausgezeichnet.

Paris, 31. August. DerTemps" meldet aus Mazagan: Zehn Notabeln der Chaujas sind am 28. August hier ein» getroffen. Man sagt, daß sie gekommen sind, um die euro- Eschen Vertreter zu ersuchen, als Vermittler zu dienen, um sich den militärischen Behörden Frankreichs zu unterwerfen. Dasselbe Blatt meldet aus Casablanca: Die spanischen Truppen haben die Stadt verlassen und ihr Lager südlich von derselben aufgeschlagen. Das Lager der Franzosen be­findet sich nahe dem Tore von Marrakesch, wo die Stadt nicht gedeckt ist itnb Ueberfälle befürchtet werden.

Paris, 31. August. Admiral Philibert telegraphierte, saß die gestrigen Verhandlungen der Stämme in Mazagan sortdauern. Die Bevölkerung von Saffi und Mogador sei jetzt mehr beruhigt. Die um das Lager bei Casablanca ver­einigten Marokkaner werden auf 56000 geschätzt. Der Tag sei ohne Zwischenfall verlaufen.

Paris, 81. August. DerTemps" meldet aus Cadix: Der KreuzerEstremadura" sei mit dem Admiral Matta an Bord nach Casablanca in See gegangen. DerEstremadura" werde den KreuzerRio de la Plata" ablösen, der nach Cadix zurückgehen werde. Wie derTemps" aus San Sebastian meldet, nimmt man an, die Regierung werde die an der marokkanischen Küste kreuzenden Kriegsschiffe wegen der dort herrschenden Stürme zurückkehren lassen.

Paris, 31. August. In dem heute in Rambouillet ab­gehaltenen Ministerrat machten die Minister Pichon, Picquart und Thomson Mitteilung über die aus Tanger, Casablanca, Fez und anderen Orten vorliegenden Depeschen. Der Ministerrat war in allen Fragen vollständig einer Meinung; es wurde unverzüglich ein Telegramm, in dem die Ansicht der Regierung dargelegt wird, an General Drude ab» geschickt.

Oran, 1. Septbr. Der TransportdampferRive" ist mit einem Bataillon der Fremdenlegion nach Casablanca in See gegangen. Der TransportdampferShamrock" wird am Montag mit einem zweiten Bataillon und Muni­tion folgen.

Casablanca, 1. Septbr. Man ist hier der Meinung, daß Mulay Hafid Zeit zu gewinnen sucht, indem er an die Stämme schreibt, daß sie mit den Angriffen einhalten sollten, um Frankreich den Vorwand für eine Expedition in das Innere zu nehmen. Mulay e l - A i n i n zog an Saffi vorüber, konnte aber nicht in die Stadt selbst eindringen. Er erhielt 500 Dueros, damit er weiterziehe. Er erklärte darauf, er marschiere nach Casablanca.

Tanger, 1. Septbr. Die Meldung, daß der Kaid von Saffi, Si Aissa Ben Amor, Mulay Hafid als Sultan aner­kannte, fand bis jetzt kein e Best äti gung. Es wird ernstlich in Erwägung gezogen, um die Erregung zu be­sänftigen, in Tanger provisorisch eine Bürge r gar de zu errichten, gebildet aus Einwohnern der Stadt. Die europäische Kolonie von Fez, einschließlich der deutschen, ist am 30.August in Tanger eingetroffen. Zwei Franzosen sind freiwillig in Fez zu ck g eb li eb en. Die deutsche Kolonie war mit den übrigen Europäern bei Elksa r und El Ke b ir zusammengetroffen.

Paris, 1. Sept. DerTemps" meldet aus Casablanca vom 81. August, daß nur noch spanische Kavallerie sich im Innern der Stadt befinde. Der Arzt Henri Rotschild sei angekommen, um in einem, einem früheren Kaid gehörigen Hause, das ihm vom Konsulat zur Verfügung gestellt wurde, ein Hospital zu errichten. Die beim Bab el Kebir aufgestellte Schildwache rief in der Nacht einem umherstreichenden Menschen dreimal;Wer da!" zu. Da sie keine Antwort erhielt, gab sie Feuer und verwundete den Mann, der ein spanischer Zivilist ist.

Paris, 1. Sept. Admiral Philibert telegraphiert am 31. August, daß die Stationierung der französischen Kriegsschiffe folgende ist:Admiral Aube" liegt östlich von Mogador, Galilee" bei Saffi,Conde" bei Mazagan,Gloire",Guey- don" undVeich lang" bei Casablanca mit 29 Verwundeten und Kranken von der Armee und 8 Kranken von der See- diviston;Cassini",Jeanne d'Arc" undDr. Caila" liegen in Tanger. Die politische Lage ist ruhig; im Lager von Casablanca ereignete sich nichts.

Tanger, 1. Sept. In der Stadt herrscht andauernde Panik. Ein Dampfer, der für diesen Zweck gechartert wurde, verläßt heute Algeciras mitzahlreichen Familien. Viele hiesige Europäer werden ihre Familien nächste Woche abreisen lassen.

Rambouillet, 31. August. In dem heute nachmittag abgehaltenen Ministerrat unterzeichnete Präsident Fallieres eine Anzahl Dekrete betr. Beförderungen und Verleihung des Ordens der Ehrenlegion und der Militärmedaille an Marineoffiziere und Seeleute, die sich bei Casablanca durch Mut und hinreißendes Beispiel auszeichneten oder verwundet wurden. Der Schiffsfähnrich Balande wurde zum Schiffs­leutnant befördert und zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, 19 andere Seeleute erhielten ebenfalls Auszeichnungen. Weitere Beförderungen werden folgen. Die Regierung ist gegenwärtig damit beschäftigt, die Vorschläge betr. Beloh­nungen für Angehörige der Armee und des auswärtigen Dienstes zu prüfen.

Die Kampfesweise der Kabhlen bereitet den Franzosen mancherlei Ueberraschung. Sie ver­stehen die Defensive, die General Drude notgedrungen bis auf weiteres festhalten muß, weidlich auszunutze» und haben

nach und nach auch gewußt, dem mörderischen Feuer der Schiffsgeschütze möglichst aus dem Wege zu gehen. Die Er­folge dieser Taktik werden wie folgt beleuchtet:

'Die Verluste, ldie die französischen Truppen den Casa­blanca umlagernden Stammesleuten zuzufügen vermögen, sind nach den vorliegenden Telegrammen nur geringfügig und stehen in gar keinem Verhältnis zu dem dazu aufge- wendenten militärischen Apparat. Beispielsweise geht der Morning Post" über den letzten schweren Kanipf folgender Bericht eines Augenzeugen zu:Die Schützenlinie der an­greifenden Stämme war sehr ausgedehnt. Sie vermieden jeden Massenangriff und entzogen sich dadurch sowohl dem Feuer der Feldartillerie wie dem der Schiffsgeschütze. Da­gegen wurden sie ihrerseits den Franzosen sehr unbequem und ließen sie den ganzen Tag über nicht zur Ruhe kommen, klebrigen? hatten die Franzosen nicht allein kein Ziel für ihre.Artillerie, sondern sie schossen auch schlecht. Sie er­reichten buchstäblich weiter nichts, als tiefe Löcher in den Sandboden zu bombardieren und ungeheure Staubwolken aufzuwirbeln. Das wird in alle Ewigkeit so fort gehen, wenn die Franzosen sich nicht zu einem ernstlichen Vormarsch ins Innere entschließen." Der Korrespondent derTimes" bezeichnet die Verluste der Marokkaner ebenfalls als nicht nennenswert, ttotz des lodeSverachtenden Mutes, mit dem sie angriffen, und der den General Drude nach vierstündigem, vergeblichen Kampf der französischen Infanterie die Spahls vorzuschieben zwang. Der französische Oberbefehlshaber übt demDaily Telegraph" zufolge eine sehr strenge Zensur über die Korrespondenten aus, die die Beförderung objektiver Berichte erschwert. Soweit solche hierher gelangen, hat die aufgelöste Kampfesformation der Marokkaner zu einer Ueber- schätzung ihrer Anzahl geführt. Sie standen den Franzosen danach nie stärker als 1200 Mann gegenüber.

Dèe Vorgänge in Rußland.

Petersburg, 1. September. Ein kaiserlicher Ukas vom 21. August bestimmt, ergänzend zu dem Gesetz über die Glaubensfreiheit, daß die Juden, die früher zum orthodoxen Glauben übergetreten sind und jetzt wieder jüdischen Glauben annehmen, ihr durch den Uebertritt zum Prawoslawentum erworbenes Bürgerrecht verlieren und in das AnstedelungS- gebiet auszuweisen sind.

Petersburg, 1. September. In Gegenwart des Kaisers, der Kaiserin, der Königin von Griechenland, aller hier an­wesenden Großfürsten und Großfürstinnen, der Minister und des diplomatischen Korps fand heute die feierliche Ein­weihung der §um Gedächtnis an Kaiser Alexander II. an der Stelle, wo er den Tod fand, errichteten Kirche, zur Auf­erstehung Christi, statt. Der Metropolit Antonius vollzog den Weiheakt. Sämtliche Truppenteile der Garnisonen von Petersburg und Umgebung hatten Abordnungen entsandt. Der Kaiser und die Kaiserin waren von Peterhof zu Schiff eingetroffen. Am Newaquai und über dem Marsfeld hin­weg waren Truppen aufgestellt. Trotz der polizeilichen Ab­sperrungen waren Tausende erschienen, um den Kaiser zu begrüßen, der seit der Eröffnung der ersten Reichsduma zum ersten Male wieder Petersburg besuchte. Nach der kirchlichen Feier nahmen der Kaiser, der die Uniform des Preobraschens- kischen Leibregiments trug, und die Kaiserin den Vorbeimarsch der Truppen ab. Die Volksmassen brachen in stürmische Hurrarufe aus. Im Innern der neuen Kirche ist an der Stelle, wo Kaiser Alexander II. ermordet wurde, der be­treffende Teil der Straße im alten Zustande erhalten und von einem Tempel mit schwarzen Granitsäulen überdeckt. Nach der Feier besuchten die Majestäten die Gräber Alexan­ders II. und Alexanders in. in der Peter-Pauls-Kathedrale und kehrten zu Schiff nach Peterhof zurück.

Petersburg, i. September. Der Minister des Aeußern, Iswolsky, begibt sich heute über Berlin nach Karlsbad.

Leutenot.

Berkin, 30. August. Die Leutenot in der Provinz Brandenburg ist so gestiegen, daß man mit den gewöhnlichen ausländischen Aushilfskräften nicht mehr auskommt. Jetzt sind bereits in verschiedenen Stellen Serben und Italiener tätig. In den Bergwerken, in denen die Heranziehung der nötigen Arbeitskräfte noch schwieriger ist, will man nun­mehr sogar Chinesen verwenden. Man verhandelt, wie ver­lautet, mit einer Gesellschaft in Hamburg, die den Trans­port der Söhne des himmlischen Reiches in die Hand nehmen soll.

Hus aller Sielt.

Zu Dem Fall des Ehepaares Gold, das wie wir wiederholt berichteten, unter dem Verdacht steht, eine schwe­dische Dame namens Levin ermordet zu haben, um sich in den Besitz ihrer Juwelen zu setzen, wird noch folgendes aus Paris gemeldet: Bei den Akten des Ehepaares Gold befindet sich das Schreiben einer sehr reichen englischen Dame, welche aus den wiederholten, immer dringender gehaltenen schrift­lichen Einladungen der Frau Gold zum Besuche der Villa Menesini jetzt 'den Schluß zieht, daß ihr das Schicksal der Frau Levin zugedacht gewesen sei. Jene Engländerin liebt es nach eigener Erklärung, bei Besuchen viel Schmuck anzu­legen. Frau Gold flößte ihr aber wegen jener auffälligen Form der Einladungen starkes Mißtrauen ein. Der Unter­suchungsrichter wird diesen Wink nicht unbenutzt lassen und die Liste der während der drei letzten Jahre von ihren Angehörigen als vermißt gemeldeten Besucherinnen von Monacco eingehender studieren.

Umfangreichen Kirchhofsdiedstählen ist man in Lüchow auf die Spur gekommen. Von dem borUgen alten Friedhofe sind Gedenksteine und Teile von Grabeinfassungen gestohlen, und in mehreren Füllen sind die auf den Steinen befindlichen Kreuze als altes Eisen bei Produktenhändlern verkauft worden. Zwei Grabsteine wurden zerschlagen und zur Fundamentierung eines kürzlich ausgestellten Grab­denkmals benutzt.

Ein AmaLenrfechtbruDer ist bei Tannesberg in der Oberpfalz aufgegriffen worden. Er will ein wohlhabender, nach 17 Jahren aus Amerika zurückgekehrter Mann sein, der zu seinem Vergnügen nach Deutschland von Oesterreich kam, um dort fechten zu gehen, was ihm Spaß mache. Bei dem Sonderling, der wie ein richtiger Handwerksbursche aus­gestattet war, wurden 3000 M. in amerikanischem, öster­reichischem und deutschem Gelde gefunden, sowie Schecks auf auswärtige Bankhäuser. Er,gab an, auS Innsbruck gekom­men zu sein, und wurde von der mißtrauischen Polizei in Haft behalten.

Eine ungewöhnliche Löwenjagd fand dieser Tage, wie aus New-Pork berichtet wird, im Luna-Park in einem Vorort von Pittsburg in Pennsylvanien statt. Dort gab eine reisende Menagerie Äorstellnngen in einem offenen Theater, in dem sich' an dem betreffenden Abend über 1500 Personen versammelt hatten. Einer der Löwen wollte feine Aufgabe nicht zur Zufriedenheit seines Trainers ausführen und' wurde von biefem mit einigen Peitschenhieben bestraft. Der Löwe sprang darauf mit solcher Gewalt gegen die Wände seines Käfigs, daß eine der Mauern brach. Das Tier sprang heraus direkt in einige Büsche, die nebem dem Theater stânden. Eine gräßliche Panik bemächtigte sich sofort der Versammlung,Frauen und Kinder sprangen schreiend über die Bänke hinweg dem Ausgang zu. Ein Dutzend Polizisten und die Angestellten der Menagerie begannen dann die Jagd auf den Löwen, der zunächst die Flucht ergriff, sich aber zu Widerstand setzte, als man ihn in eine der Ecken des eingezäunten Parkes gedrängt hott«. Sein Trainer suchte heranzukommen, um das Tier in einer Schlinge zu fangen, aber er mußte sich schnell wieder zurück­ziehen. Schließlich mußten Feuerwaffen herbeigeholt werden, und es gelang am Ende, den Löwen zur Strecke zu bringen, aber erst, nachdem über 50 Gewehr- und Revolverschüsse ans ihn abgegeben worden waren.

Eine Verschärfung der WinzerkristS in Sübfrant» reich wird gemeldet. Zu dem Mangel an Absatz für Wein ist jetzt noch ein rapides Sinken der Preise für Tafeltraubm gekommen. Infolge der nicht normalen Temperaturverhält- niffe dieses Jahres sind nämlich die Trauben später, aber mit einem Male reif geworden, so daß der Markt über» schwemmt wurde, und das gerade zu einer Zeit, wo M» ganze wohlhabende Welt in Paris noch verreist ist. Die in Paris anlangenden Massen von Weintrauben müssen daher, um nicht zu verderben, zu Spottpreisen abgelassen werde», bis 24 Mark für zwei Zenter herab, wobei die Produzenten nicht nur keinen Pfennig herausbekommen, sondern manch­mal noch zuzahlen müssen, da die Expedilions-, Martthalle- und sonstigen Kosten den mageren Ertrag ganz verschlingen.

Eine wissenschaftliche Beschreibung ves größten Diamanten, des Cnllinan, den die Regierung von Trans­vaal dem König von England zu schenken beabsichtigt, ist vom Professor Molengraaff, dem früheren Leiter der Geolo­gischen Landesuntersuchung von Transvaal, geliefert worden. Der Gelehrte kennzeichnet den kostbaren Stein als ein Bruch­stück, das nur die Hälfte eines ursprünglichen Kristalls von der Form eines etwas verzerrten Oktaeders darstellt. Di« andere Hälfte sollte sich eigentlich noch finden lassen eine recht schöne Aufgabe für die südafrikanischen Diamanisuch«. Genauer lautet das Gutachten von Molengraaff folgenbey­maßen :Der große Diamant ist ein Teil eines viel größere» Steins, dessen ursprüngliche Form nur ungefähr ertateift werden kann. Vier Stücke dieses ursprünglichen Steine-find, längs Spaltungsflächen abgebrochen, die in ihrer Lage aktaendrischen Flächen entsprechen. Jedes dieser Stücke muß von beträchtlicher Größe gewesen fein. Demnach zeigt der Stein selbst nur einen Teil'seiner ursprünglichen natürlichen Oberfläche, die in der Sprache der Diamantschneider Nys ge­nannt wird, während der größere Teil durch jene vier flachen Spaltebenen gebildet wird. Sonst zeigt die Oberfläche ein« oktaedrische und eine gekrümmte unregelmäßige Fläche, die ungefähr einer Gruppe von sechs Flächen des Dodekaeders entspricht. Außerdem ist eine sehr unregelmäßige Fläche deS Würfels (Hexaeders) angedeutet. Der Stein ist ein einziger Kristall ohne Zwillingskamellen, vollkommen farblos und von einer Durchsichtigkeit, die am besten mit der von reinem Eis oder mit der als Hyalit bezeichneten Abart des Kiesels verglichen werden kann. Es sind einige Körner (Einschlüsse) und auch einige Flocken ober innere Spaltflächen (Gleffen der Diamantschneider) darin, aber ihre Lage ist derart, daß der Wert deS Steines nicht beeinträchtigt wird. Der Cullinan ist sicher der reinste von allen sehr großen Diamanten, die bisher bekannt geworden sind."

3um Mordprozetz Hau.

München, 30. August. Fräulein Olga Molitor erläßt durch den Münchener Rechtsanwalt Dr. v. Pannwitz in denMünch. N. Nachr." folgende Erklärung:Zahlreiche Blätter haben seit Wochen die denkbar schwersten Angriff« auf die Ehre Fräulein Olga Molitors verbreitet. Ande» Blätter haben, vielleicht einer anerkennenswerten menschen­freundlichen Reyung folgend, für Fräulein Molitor einzutreten geglaubt. Fräulein Molitor steht jedoch für ihre Person allen diesen Erklärungen usw. fern. Dieselben wurden teÜS auf Veranlassung anderer Mitglieder der Familie Molitor durch Herrn Rechtsanwalt Schäfer-Baden-Baden pflichtgemäß publiziert, teils ohne Auftrag durch wohlgesinnte Dritte. Fräulein Olga Molitor hält auch heute noch konform Mr Ansicht des Unterfertigten daran fest, daß ihre Ehre und Frauenwürde viel zu hoch stehen, als daß dieselben durch die gegen sie erhobenen Einwürfe berührt werden dürfen. Des­wegen bedarf es keiner Richtigstellung der maßlosen Schmähungen. Nicht in der Tagespresse ist die Berechtigung der gegen Fräulein Molitor erhobenen Anschuldigungen zu prüfen, fonbern vor dem Strafrichter. Deshalb wird nach wie vor der Strafantrag auch in Zukunft die einzige Ant­wort meiner Klientin bleiben."

Wien, 30. Aug Landgerichtsrat Dr. Vischer, der Unter­suchungsrichter im Prozeß Hau, brachte einige Tage in Wien zu. Er sprach seine Ansicht über einige in der Oeffentlichkeit erörterte Fragen bezüglich des Falles Hau gegenüber einem Mitarbeiter derN. Fr. Pr." aus. Zunächst erzählte er über seine Beziehungen zu Frau Lina Hau. Er habe eS ihrer freien Entschließung überlassen, Aussagen gegen ihren Mann zu machen, oder solche zu unterlassen. Sie sei aus freien Stücken zu ihm gekommen, als sie die Ueberzeugung von der Täterschaft ihres Mannes erlangt hatte. Sie habe sich für seine (Dr. Vischers) Gefälligkeiten bei ihm bedankt. Erst als er die Beschlagnahme der Korrespondenzen anordnen mußte, änderte sie ihr Verhalten ihm gegenüber. Er hatte auch Gelegenheit, das Verhältnis zwischen Lina Hau und Olga Molitor zu beobachten. Dr. Vischer hielt dieses für unge­trübt, sogar für herzlich. Gewiß wäre Frau Hau empört über die Verdächtigungen Olgas gewesen, wenn sie den Prozeß erlebt hätte. Vischer sucht ein Mordmotiv HanS in der Tatsache, daß die Mutter das HarrpthinderniS für sein« unlauteren Absichten auf Olga war. DaS Hauptmotiv habe der Prozeß vollständig aufgeklärt. Hau sei ohne Geld ge­wesen und habe bei feiner Lebensweise notwendig welches gebraucht. Das Argument, Hau habe sich, wenn er die Tat auSgeführt haben soll ungeschickt benommen, läßt Vischer