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Mk. 204 Fernsprecharrschltch Nr. 605.
Amtiiches.
Stadtkreis Fjanau. Bekanntmachung.
Die Notzkastattiett-Ernte in dem Bezirke der früheren Gemeinde Kesselftadt soll am Dienstag den 3. September d. I., nachmittags 5 Uhr, im Dienstzimmer der unterzeichneten Kaffe, Rathaus Zimmer N r. 4, öffentlich meistbietend versteigert werden.
Hanau den 30. August 1907.
Stadhauptkaffe. 17715
Kaisertsge.
Die Jubelfeier der Grafschaft Tecklenburg.
Tecklenburg, 31. Aug. Das Bergstädtchen Tecklenburg hat sich zu Ehren der Ankunft des Kaisers mit Fahnen und Ehrenpforten schön geschmückt. Auf der Chaussee, welche den Berg hinanführt, bildeten Vereine und Schulen Spalier. Das Wetter ist sehr schön. Der Kaiser, begleitet von dem Kronprinzen, den Prinzen Eitel Friedrich und Oskar, in kleiner Generalsuniform, traf im Automobil über Greven, Ladbergen und Lengerich um 11 Uhr vormittags vor dem Kreishause ein. Gemeindevorsteher Bode begrüßte den Kaiser; die Ehrenjungfrauen der Grafschaft überreichten Blumen. Auf dem Marktplatz standen die Kriegervereine der Grafschaft. Am ersten Portal der Schloßruine wurde der Kaiser vom Landrat Geheimrat Belli, empfangen und auf den ersten Schloßplatz geleitet, wo die Kreisdeputierten und Deputierten der Grafschaft aufgestellt waren. Hierauf begann auf dem zweiten Burghof die Huldigungsfeier, nachdem der Kaiser unter das Ehrenzelt getreten war. Anwesend waren der Oberpräsident Dr. Frhr. v. d. Recke von der Horst, der kommandierende General Frhr. v. Bissing, sowie die Spitzen der Behörden der Provinz. Die Feier eröffnete der Choral „Run danket alle Gott" von einem Posaunenchor begleitet. Dann sprach Pfarrer von der Recke das Dankgebet. Hierauf hielt Landrat Belli eine Ansprache an den Kaiser, in der er ausführte, die Bewohner der Grafschaft sprächen ihren Dank aus und entböten dem Kaiser bei seinem Erscheinen den Will- kommensgruß. Schon als im Winter die Nachricht bekannt geworden, daß der Kaiser kommen werde, habe Tecklenburg sofort Flaggenschmuck angelegt. Als die Grafschaft vor 200 Jahren an Preußen gekommen sei, sei sie bald innegeworden, welche Wohltat es für die Bewohner sei, Glieder eines kraftvollen, mächtig emporstrebenden, von starker Hand und zielbewußtem Willen geleiteten Staatswesens zu sein. Handel, Industrie und Bergbau, sowie der Landwirtschaft sei reicher Segen zuteil geworden. Unter der rauhen Schale der dortigen Bevölkerung schlügen biedere und treue Herzen. Fest wie die Felsen der Heimat werde die Treue der Grafschaft stehen. Der Landrat schloß mit der Bitte um Annahme eines Ehrentrunks und mit einem Hoch auf den Kaiser. Der Kaiser ergriff den silbernen Pokal, hielt eine Ansprache und trank auf die Grafschaft, worauf der Landrat ein Hoch ausbrachte. Der Kaiser erfreute sich später an der wundervollen Aussicht von der Ruine über Berg und Wald und trat sodann die Rückfahrt nach Münster über Brochterbeck, Dörenthe, Särbeck, Greven an. Ueberall wurde der Kaiser, wie auf der Herfahrt, von der Einwohnerschaft auf das herzlichste begrüßt, unter anderen auch von etwa 900 Berglenten aus der Georgsmarienhütte in Jbbenbühren.
Tecklenburg, 31. Aug. Die Ansprache des Kaisers bei dem Ehrentrunk lautete:
„Sie haben soeben im Namen der Grafschaft Tecklenburg die Gefühle der Treue und Dankbarkeit für das Haus, unter dem Sie 200 Jahre stehen, ausgesprochen. Ich meinerseits spreche Ihnen am heutigen Tage meinen Glückwunsch aus. In dieser Feier, und mit Ihnen zusammen, danke ich Gott, daß er es also gefügt hat, daß wir die Feier in Frieden mit frohem Herzen mit einander begehen können. In Gedanken weilt heute auch meine Gemahlin, die Kaiserin, hier, die schmerzlich bewegt ist, am heutigen Tage nicht auch hier oben unter Ihnen weilen zu können. Als der Hochselige König Friedrich Wilhelm IV. hier oben war und seine schönen, begeisternden Worte an die Teck- lenburger richtete, war das Vaterland noch in seiner Entwicklung begriffen. Der große Wunsch, den Sie vorhin in so poestevoller Weise geschildert haben, bewegte noch die Herzen aller Deutschen. Am heutigen Tage stehen wir vor vollendeten Tatsachen. Das kaiserliche Banner ist in den deutschen Landen wieder aufgerichtet und der germanische Aar schwebt über dem Reiche, seine Flügel ausbreitend. Zu ihm prfen bk Germau-n : Lud umbra alanun tua-
Montag den 2. September
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rum protege nos. Die hier versammelten Vereine, Kriegervereine und Veteranen, das sind die Männer gewesen, die in der heißen Zeit des Jahres 1870 die neue Krone aus dem Feuer der Schlachtfelder gewonnen haben, und die mit dem großen Kaiser zusammen das Deutsche Reich wieder zusammengeschmiedet haben. An Ihnen ist es die Eindrücke der großen Zeit zu bewahren, die Sie mit meinem Großvater erlebt haben, sie auf die jüngere Generation zu übertragen, in Dörfern und Städten, wo Sie sich auch befinden, die Königstreue und das Andenken an die Vergangenheit zu stärken, Vorbilder der Jugend zu sein und als ihre Vorbilder zu wirken. Den Pokal, gefüllt mit deutschem Wein, trinke ich auf das Wohl der Grafschaft Tecklenburg mit dem Wunsch, daß Gottes Segen sie behüten möge, daß er mir Kraft verleihen möge, auch fernerhin den Frieden zu bewahren, damit Sie ungestört Ihren Geschäften nachgehen können, und mit dem Wunsch, wie König Friedrich Wilhelm IV. ihn ausgesprochen, daß ihre Reinheit, Treue und hingebende Liebe auch fernerhin den Tecklenburgern bewahrt bleiben möge bis in alle Ewigkeit."
Münster, 31. Aug. Abends um 7 Uhr gab der Kaiser in den Räumen des Landesmuseums Tafel für die Provinz Westfalen. An der Haupttafel saßen der Kaiser mit der Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe und dem Kronprinzen ; weiter rechts folgte Prinz Eitel Friedrich, Prinz Adolf zu Schaumburg, Generalfeldmarschall v. Hahnke und der Fürst zu Fürstenberg; links folgten Prinz Oskar, die Hofdame v. Blücher, der Erbprinz zu Schaumburg-Lippe und Generalfeldmarschall Graf Häseler. Dem Kaiser gegenüber saß Staatsminister Frhr. v. d. Recke. Es folgte zunächst der Herzog von Ratibor, der Prinz von Bentheim-Steinfurt, Prinz von Bentheim-Tecklenburg, der Bischof von Münster, Dr. Dingelstad, Kammerherr Frhr. v. Rheinbaben, Kammerherr Frhr. v. Schorlemer und Erbmarschall Frhr. v. Ledebur. Links folgten der Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der Fürst zu Salm-Horstmar, der Vorsitzende des Provinzialausschusses, Frhr. v. Landsberg-Steinfurt, der Bischof von Paderborn, Dr. Schneider, Prinz Albert v. Belgin, der Fürst von Ligne, Prinz Karl zu Bentheim-Tecklenburg und Kammerherr Graf Hatzfeld-Trachenburg. Vor dem Diner empfing der Kaiser im Schloß eine Abordnung des westfälischen Bauernvereins.
Münster, 31. Aug. Bei dem heutigen Zivildiner im Landesmuseum hielt der Kaiser einen Trinkspruch, welcher mit einem Hurra auf die Provinz Westfalen endete. Oberpräsident v. d. Recke erwiderte mit einem Kaiserhoch. Nach der Tafel hielt der Kaiser eine längere Zeit hindurch Cercle und nahm dann Gesangsvorträge der Männergesangvereine sowie eine Huldigung der Turn- und Sportvereine vor dem königlichen Schlosse entgegen. Die Stadt war abermals glänzend illuminiert; der Domplatz war mit vielen Tausenden farbiger Lämpchen erleuchtet, welche unter den alten Bäumen hingen.
Münster, 31. Aug. Am Vormittag legte Flügeladjutant Graf Boden einen Kranz des Kaisers am Grabe des Gesandten Freiherrn von Ketteler nieder.
Münster, 31. Aug. Der Kronprinz reip heute abend von hier nach Potsdam ab.
Münster, 1. Septbr. Heute vormittag um 10 Uhr fand auf dem Neuplatz beim Schloß unter strömendem Regen Feldgottesdienst in Gegenwart des Kaisers statt. Später besichtigte der Kaiser den Friedenssaal im Rathaus in Anwesenheit des Oberbürgermeisters und des Stadtverordnetenvorstehers. Um halb 12 Uhr erfolgte die Abreise nach Berlin, wo der Kaiser gegen 8 Uhr eintraf. Zur Verabschiedung auf dem Bahnhof waren der kommandierende General Freiherr v. Bissing und Oberpräsident v. d. Recke erschienen.
Politische Rundschau.
Der Teutsche Evangelische Kirchenansschntz hat sich, wie erst jetzt bekannt wird, in seiner letzten Sitzung im Mai mit der Errichtung je einer evangelischen Kirche in Windhuk, in Tsingtau unb in Lome (Togo) beschäftigt. Die letztere steht unmittelbar vor der Einweihung; die Errichtung der beiden anderen ist im Gange.
Die Jahrhundertfeier der Schlacht von Ehlau wurde gestern in Pr.-Eylau unter allgemeiner Anteilnahme seitens der Bewohner der Stadt und des Kreises begangen. Die Stadt hatte stimmungsvollen Festschmuck angelegt. Zur Teilnahme an der Feier waren im Laufe deS Vormittags Prinz Friedrich Wilhelm von Nreußen, der kommandierende
Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1907
General von Goltz und Oberpräsident von Windheim auS Königsberg eingetroffen. Um 11 Uhr begann die Gedenkfeier, zu der zahlreiche Ehrengäste, darunter der Generalleutnant z. D. L'Esteque und der russische Konsul in Königsberg, ferner die Spitzen der Behörden und die Mitglieder des Landwehr-Ofsizierkorps erschienen waren, vor dem L'Esteque-Denkmal vor dem Bartensteinertor. Nach Gesangsvorträgen und der Festrede, die Superintendent Burwieg hielt, erfolgte unter Ehrensalven die Niederlegung von Kränzen an dem Denkmal. Sodann hielt Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen eine Ansprache, in der er der Bedeutung der Doppelfeier, nämlich des Schlachttages von Pr.-Eylau und des Sedantages, gedachte und ein Hoch auf den Kaiser aus« brachte, das bei der Versammlung begeisterten Widerhall fand. Gleich nach beendigter Feier trat der Prinz die Rückreise nach Königsberg an. Um 3 Uhr fand ein Festmahl im Kreishause statt. Nachdem zunächst der Landrat das Hoch auf den Kaiser ausgebracht hatte, warf Oberpräsident von Windheim sodann einen Rückblick auf die Zeit vor hundert Jahren. Der kommandierende General von der Goltz gedachte jener schweren Zeit, in deren Feuerprobe sich in Ostpreußen der Geist der Einigkeit und der Entschlossenheit ent- wickelt habe; der Kreis Pr.-Eylau habe sich durch die Gedächtnisfeier große Verdienste erworben.
Gegenüber der Sozialpolitik der Regierung verfolgt die Sozialdemokratie eine ebenso alte wie nichtssagende Taktik. Man wird sich erinnern, daß die Sozialdemokratie in den letzten Jahren, in denen eS verschiedener Verhältnisse wegen nicht möglich war, soviel sozialpolitische Entwürfe wie früher an den Reichstag zu bringen, unaufhörlich von einem Stocken der Sozialpolitik sprach und die Regierung rückständigster Anschauungen auf diesem Gebiete zieh. Schon im vorigen Tagungsabschnitte des Reichstages wurde der Entwurf über die Heimarbeit in der Zigarrenindustrie eingebracht, jetzt ist dem Bundesrat eine Gewerbeordnungsnovelle zugegangen, in der u. a. die Regelung der Nachtarbeit der Frauen, die Verkürzung des Maximalarbeits- tages der Frauen und die Regelung der gesamten Hausindustrie vorgesehen sind. Wie stellt sich gegenüber einem solchen Vorgehen der Regierung die Sozialdemokratie? Sie erklärt, daß die''neue sozialpolitische Tat der Regierung „recht bescheidener Art" sei. Ueber die Bedeutung der einzelnen sozialpolitischen Gesetzentwürfe für die Arbeiterschaft läßt sich gewiß streiten, nur hat die Sozialdemokratie von jeher die Taktik verfolgt, daß sie, wenn eine sozialpolitische Aktion einsetzte, diese als unbedeutend bezeichnete, und deshalb ist auch ihr jetziges Urteil über die neueste Gewerbeordnungsnovelle recht nichtssagend. Woher weiß denn übrigens die Sozialdemokratie, daß es in der Sozialpolitik des nächsten Tagungsabschnittes des Reichstages bei den Gewerbeordnungsnovellen sein Bewenden haben wird? Ehe sie über die Bedeutung und den Umfang der Sozialpolitik der Regierung urteilt, wird sie also gut tun, abzuwarten. Vor allem aber wird sie sich selbst fragen dürfen, ob sie, die die Verdienste anderer Faktoren um die Sozialpolitik Deutschlands zu verkleinern aufs Eifrigste stets bemüht ist, solche Verdienste aufzählen kann. Gegenüber dem jetzt wiederholten Gebühren der Sozialdemokratie ist es doch angebracht, daran zu erinnern, daß diese Partei gegen sämtliche ersten staatlichen Arbeiterversicherungsgesetze gestimmt hat. Erst als sie merkte, daß der Wert der Versicherungsgesetze in der Arbeiterschaft immer mehr erkannt wurde, bequemte sie sich zu einer andern Taktik und stimmte einzelnen Versicherungsnovellen zu. Auch als die Einführung der Arbeiterversicherung in Frage stand, bezeichnete die Sozialdemokratie diese Aktion als „unbedeutend". Heute ist der Segen, den die Versicherung für die Arbeiterschaft stiftet, so evident geworden, daß sogar einzelne sozialdemokratische Gewerkschaftsorgane, wenn auch widerwillig, anerkennen müssen, daß die Arbeiterschaft Deutschlands davon Vorteile hat, an die Arbeiter anderer Länder nicht denken können. Wie die von der Regierung und den bürgerlichen Parteien vertretene Arbeiter- Versicherungspolitik, so wird sich auch schließlich die Arbeiterschutzpolitik, auf die sich die beiden jetzt in Rede stehenden Gewerbeordnungsnovellen beziehen, die Anerkennung weiter Arbeiterkreise erringen. Daran wirb die Sozialdemokratie mit ihrer kleinlichen und hämischen Kritik nichts ändern. Jedenfalls steht fest, daß die Behauptung der Sozialdemokratie von einer Stockung der Sozialpolitik durch die jetzige Aktion der Regierung unzweideutig widerlegt ist. Daß die Sozialdemokratie diese Aktion bescheiden findet, wird nicht daran hindern, daß sie durchgeführt und daß der nach der sozialdemokratischen Wahlniederlage vom Anfang des laufenden Jahres gefallene Ausspruch: .Nrm erst Recht Sozialpolitik" weiter betätigt werden wird.