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MrtchSHMch MO Mk., mmulüich 60 Pfg., f^ «i* wattige Abormarten mit dem betreffenden Pest^'.fjchta-,
Die einzelne Nummer kostet 10 M
Mietlsaldrmf nnd Verlag der Vuchdracker« dS mr^ <9. »aisenhaich» m Om.
Amtliches Organ für Nadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint tâgüch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
dMmksrrtl. SLâ«r T. Schrecker tu ytw.
Nr. 201 F«msp»<cha«schl<ch Nr. 605
Donnerstag den 29. Angnst
Ferssprechanschltttz Nr. 605» 1907
? Hierzu „Amtliche Beilage Nr. 1S".
Amtliches.
Eandhreis l^anaa.
ZekâiiiltmchWeil -es toWtn 8ii-»ts««ts.
An der evangelischen Schule zu Bischofsheim ist die neu zu errichtende 5. Schulstelle zum 1. Oktober d. Zs. durch einen Lehrer zu besetzen.
Das Einkommen dieser Stelle beträgt 1200 Mk. Grund- gehalt neben freier Wohnung oder 250 Mk. Mietsentschädigung. Der Einheitssatz der Alterszulagen beläuft sich auf 180 Mark.
Bewerber werden ersucht, ihre, Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 14 Tagen dem Königlichen Ortsschul- inspektor, Herm Pfarrer Ganß in Bischofsheim einzureichen.
Hanau den 27. August 1907.
Namens des Königlichen Schulvorstandes.
Der Königliche Landrat.
V 6099 v. Beckerath.
Zwangsversteigerung.
Am Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Langenselbold belegenen, im Grundbuche von Langenselbold Blatt 2114 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau des Friedrich Einschütz, Karoline geb. Hamburger, in Langenselbold, und im Grundbuche von Langenselbold Blatt 2214 auf den Namen des Eisenbahnarbeiters Friedrich Ein- fchüh 4t und dessen Ehefrau, Karoline geb. Hamburger in Langenselbold, eingetragenen Grundstücke:
I. in Blatt 2114
Krtbl. 79 Parz. 105, Acker, an der alten Straße von 12,16 ar,
3,16 Tlr. Reinertrag,
II. in Blatt 2214
Krtbl. 72 Parz. 78, Mühlgasse, $auë Nr. 5 von 1,59 ar,
a) Wohnhaus mit Hofraum und HauSgarten, 75 Mk. Nutzungswert,
b) Stall,
c) Schweinestall,
Krtbl. 72 Parz. 79, Garten von 0,64 ar,
0,20 Tlr. Reinertrag,
Krtbl. 72 Parz. 80, Garten von 0,65 ar, 0,20 Tlr. Reinertrag,
am 29. Ortober 1907, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete-Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Langenselbold den 22. August 1907.
Königliches Amtsgericht. 17589
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Anhänger (rofa Herz mit Silberschleife), 1 Damenschirm mit Silbergriff, 1 schwarzes Damenkorsett, 1 Peitsche, 1 ca. 50 Liter haltende Milchkanne. Abhanden gekommen: 1 kleiner Mülleimer.
Zugelaufen: 1 schwarzer Pinscher mit braunen Abzeichen und etwas weißer Brust m. Geschl., 1 kleiner junger schwarzer Hund mit braunen Abzeichen m. Geschl.
Hanau den 29. August 1907.
Hus Ban au Stadt und Fand.
Hanau, 29. August.
* Vom Manöver. Das Regimentsexerzieren der zur 42. Infanterie-Brigade gehörenden Truppenteile ist gestern zu Ende gegangen. Heute ist Ruhetag. Morgen Freitag beginnt das Brigadeexerzieren der 42. Infanterie-Brigade (Regimenter 166, 80 und 81). Das Gelände für die Uebungen bleibt dasselbe wie seither und liegt zwischen Düdelsheim, Enzheim, Glauberg, Stockheim und Rohrbach.
* StadLiheater-irektion. Dem Koni gl. preußischen Hofschauspieler und Regisseur Adalbert Steffi er, welcher bekanntlich demnächst die Direktion des Hanauer Stadttheaters übernimmt, wurde auch die Direktion des Fürstlichen Schauspielhauses zu Putbus auf Rügen nach bereits neunjähriger erfolgreicher Leitung auf weilere 5 Jahre übertragen.
* Klassenlotterie. Die Erneuerungslose sowie die Freilose zur 3. Klasse der 217. Königlich preußischen Klassenlotterie sind nach den §§ 5, 6 und 13 des Lotterieplans unter Vorlegung der bezüglichen Lose aus der 2. Klasse bis zum 8. September d. Js. bei Verlust des Anrechts einzulösen. Die Ziehung der 3. Klasse dieser Lotterie wird am 7. September d. Js., morgens 8 Uhr, ihren Anfang nehmen.
* Mehmarktverlsgmrg. Der israelitischen Feiertage wegen sind die Frankfurter Hauptmärkte vom 9. September auf den 11. September, vom 23. September auf den 25. September, vom 30. September auf den 2. Oktober verlegt worden. Die zweiten Hauptmärkte sind an den Feiertagen 13. und 27. September und 4. Oktober.
* Aus Furcht vor Strafe in den Tod gegangen ist am Montag nachmittag der Musketier Klein von der 2. Komp, des Jnf.-Regts. Nr. 81, das gegenwärtig
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in der Nähe von Büdingen manöveriert. Klein, Bursche Vei Leutnant Thomas, besuchte am Sonntag seine Kameraden in Büdingen, wo ein Teil der Kompagnie einquartiert ist, während er selbst im benachbarten Orte Wolf lag. Da wurde lustig gezecht und in ziemlich erhitzter Stimmung endlich der Heimweg angetreten. In Wolf geriet Klein bald darauf in einen heftigen Wortwechsel mit dem Musketier Kemper von der 12. Kompagnie, ergriff schließlich ein Bier- glas und schlug es seinem Widersacher mit solcher Wucht auf den Kopf, daß dieser am Montag in ein Lazarett verbracht werden mußte. Klein beobachtete den Transport des schwerverletzten Kameraden, schrieb dann einige Briefe und veranlaßte darauf seine Stubengenossen unter einem Vorwand, sich im Hause zu zerstreuen, während er im Zimmer sich der Fußbekleidung entledigte, die Mündung des mit einer Platzpatrone geladenen Dienstgewehres an die Herzgegend setzte und mit der großen Zehe das Gewehr abdrückte. Die schleunigst herbeigeeilten Kameraden konnten ihn noch im Umfallen beobachten. Der Schuß hatte die Schlagader in bedeutendem Maße zerrissen und führte bald darauf den Tod herbei. Der Verstorbene wird als ein nüchterner, pflichteifriger Soldat geschildert. Die Verletzungen des Kemper sind nicht lebensgefährlich.
* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. ist am nächsten Sonntag der Eintrittspreis bis 1 Uhr auf 30 Pfg. (Kinder 20 Pfg.) und für das Aquarium mit Reptiliensaal auf 20 Pfg. für alle ermäßigt. Um 1 Uhr wird der Garten für die Vormittagsbesucher geschlossen und von da an kostet es 1 Mark (Kinder 50 Pfg.) für den Garten und 50 Pfg. (Kinder 20 Pfg.) für das Aquarium.
* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Tollwut: Landkreis Hanau: Enkheim; Kreis Hünfeld: Burghaun; Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Cassel: Cassel; Landkreis Cassel: Niederzwehren, Wilhelmshausen , Ihringshausen, Harleshausen, Weimar, Altenbauna; Kreis Frankenberg: Schmittlotheim, Haine; Kreis Fritzlar: Gudensberg, Dissen, Fritzlar,Obervorschütz, Zennern, Wehren; KreisFulda: Opperz, Oberstorck; Kreis Gelnhausen: Breitenborn A. W., Oberndorf, Lohrhaupten, Untersotzbach, Kassel, Hailer; Stadtkreis Hanau: Hanau; Landkreis Hanau: Eichen, Bergen, Langendiebach, Langenselbold, Ostheim, Marköbel, Gronau, Oberissigheim, Bischofsheim, Windecken; Kreis Hofgeismar: Immenhausen, Trendelburg, Calden, Grebenstein, Beberbeck; Kreis Homberg: Homberg, Wallenstein, Remsfeld; Kreis Hünfeld: Unterleimbachshof; Kreis Melsungen: Altenburg, Spangenberg; Kreis Herrschaft Schmalkalden: Schmalkaldens; Kreis Ziegenhain: Christerode. Geflügel cholera (Hühnerpest): Kreis Fritzlar: Geismar, Wabern;
MMn.
Der Bachtanz.
Eine Sage aus dem Kinzigtal von Kurt v. Spindler-Hanan.
(Nachdruck verboten).
An den äußersten Ausläufern des Vogelsberges, liegt an der Grinda — oder wie sie jetzt genannt wird Gründau — nahe deren Mündung in die Kinzig der Flecken Langenselbold. Hier wurde jährlich vor vielen Jahren ein ganz eigenartiges Fest „der Bachtanz" gefeiert, über den wir uns in folgendem weiter ergehen wollen.
Vorher jedoch wollen wir auch ein wenig der Selbolder Geschichte unsere Aufmerksamkeit zuwenden.
Schon früh lebte hier im Kinzigtal ein altes und edeles Grafengeschlecht von Selbold oder von Gelnhausen genannt. Den Rainen Grafen von Selbold trugen sie nach ihrer Reichsgrafschaft. Grafen von Gelnhausen hießen sie nach ihrer Ltammburg, die höchstwahrscheinlich am Dietrichsberg nordwes.lich von Gelnhausen lag. Einer dieser Grafen, Dieihmar mit Namen, stiftete in Selbold ein Kloster zu seiner Gemahlin und seinem Seelenheil. Dieses am 16. Oktober 1108 von Papst Pasch alis II. bestätigte Kloster batte die Regeln des heiligen Augustinus zur Richtschnur. Spater wurde es jedoch ein Prämonstratenserkloster. Im zwölften Jahrhundert ist dann das Geschlecht der Grafen von Gelnhausen oder Selbold in männlicher Linie wahrscheinlich ausgestorben, denn nach dem Jahre 1151 sind die Grafen von Büdingen und später deren Erben die Grafen von Isenburg die Herren von Selbold. Durch Stiftungen und dergleichen kam das Kloster zu großem Reichtum. In: Jahre 1525 wurde es dann von den Bauern völlig verwüstet, trotzdem kam eS noch nicht ru einer Auflösung des
Klosters. Zu einer solchen kam es erst 1543 unter dem Abte Konrad Jäger, der das Anwesen an den Grafen Anton von Isenburg verkaufte. Ein Nachkomme des Letzteren, Fürst Wolfgang Ernst, ließ die ruinenartigen Gebäude dessKlosters niederreißen und errichtete auf dem nämlichen Grund und Boden das jetzt noch bestehende Schloß. Der Platz auf dem das alte Kloster stand und nunmehr das fürstliche Schloß steht, gehört zum Klosterberg. Das Dorf Langenselbold ist nämlich aus vier Dörfern — Oberdorf, Hinserdorf, Klosterberg und Hausen — zusammengewachsen.
Im Oberdorf liegt der Schauplatz des Bachtanzens. Dort, wo der Gründaubach an dem alten Totenhof vorbeifließt, wo die steinerne Brücke über den Gründaubach führt, ist der Ort des Bachtanzes. Ueber die Veranlassung des sogenannten Bachtanzes geht folgende Sage. Einst bürdete der Graf von Isenburg den Selboldern eine außergewöhnliche Steuer auf. Die Selbolder, welche, wie man so sagt, zu den Anhaltinern gehören, weigerten sich, die Steuern zu zahlen, in Sonderheit, da sie der Graf für persönliche und nicht Selbolder Interessen gebrauchte. Der Graf gedachte nun auf dem Wege der Gewalt das zu erreichen, was er auf friedlichem Wege nicht erlangt hatte. Er wollte mit einer Söldnerschar Selbold überfallen. Aber die Selbolder hatten, trotz aller Heimlichkeit, mit der von Seiten der Isenburger verfahren wurde, von dem geplanten Ueberfall Nachricht bekommen. Mit Sensen, Dreschflegeln u. s. w. bewaffnet, bezogen sie den durch seine hohen Mauern vortrefflich zur Verteidigung geeigneten Friedhof, der an der Straße lag, durch welche die unter des Grafen von Isenburg Befehl stehenden Mainzer Söldner einrücken wollten. Als dieselben nun einzogen, wurden sie von einem Hagel von Steinen empfangen und als sie versuchten, den Friedhof im Sturm zu. nehmen, wurden sie mit blutigen Köpfen abgewiesen. Die Selbolder waren über den Erfolg so ausgelassen, daß einige Frauen — denn dieselben waren auch auf dem Friedhof gewesen und batten ihre Männer angefeuert — durch den am
Friedhof vorbeifließenden Gründaubach tanzten. Die einen erzählen nun, der Graf und die Selbolder seien augenblicklich in Verhandlungen getreten, die mit einem völligen Frieden endeten. Zum Andenken an diesen erfolgreich abgeschlagenen Sturm hätten nun die Selbolder den Bachtanz gefeiert. Andere erzählen jedoch, der Graf von Isenburg sei nach dem vereitelten Sturm mit verstärkter Macht erschienen und habe Selbold genommen. Als Strafe für die Auflehnung gegen den Landesherrn habe er ihnen die jährliche Aufführung des unten näher beschriebenen Bachtanzes auferlegt. Der Bachtanz wurde am zehnten August dem Tage der Kirchweihe gefeiert. Wenn dieser Tag heranrückte, loste der Amtmann (Justizbeamte) unter der männlichen Dorfjugend drei Burschen aus, die mit den von ihnen erkorenen Mädchen den Bachtanz ausführen sollten. Am Tage der Kirchweih begaben sich am frühen Morgen im Festtagsstaate und mit Blumen geschmückt die Burschen des Dorfes im Zuge zum Amtmann, um^feierlich die Erlaubnis zur Aufführung des Bachtanzes zu holen — denn der Amtmann war zu der Zeit auch noch Verwaltungsbeamter —. Für den Amtmann wurde auch ein Ehrenplatz auf der steinernen Brücke errichtet, und ihm einige Burschen als Ehrengarde beigegeben. Wenn alle Vorbereitungen getroffen waren, erschien der Festzug, an dessen Spitze ein Musikantenkorps zog, direkt hinter diesem der jeweilige Bürgermeister des Orts, in der Mitte des Zuges schritten die drei Bachtänzer mit ihren Mädchen. Wenn der Zug an der steinernen Gründaubrücke angekommen war, nahmen die Musikanten auf einem Tische,, der mitten in dem Bache aufgestellt war, Platz. Auch ein Bursche mit vier Flaschen Wein (Selbolder Gewächs) und einem Glase setzte sich auf denselben. Während die Musikanten einen besonderen Tanz spielten, ging einer der Tanzburschen mit seinem Mädchen vor den Tisch der Musikanten, und bat den Amtmann, auf das Wohl des jeweiligen Landesherrn trinken zu bürfen; darauf leerte er ein Glas. das er selber im Bache gespült.* Sodann tonale er