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Amtlichts AM für Sindt- md Flindkreis Smm.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 196 Fernfprechanfchltch Nr. 605. ff»- —"ggigg ■ ■ "'"^ Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 fast neues Rasiermesser, 1 Schirmgriff, l kathol. Gebetbuch, 1 Paar blaue unfertige Pantoffeln.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 13 Mk. und einigen Pfennigen, 1 silberne Herren-Zylinderuhr ohne Kette (auf der Straße Groß-Auheim—Hanau), 1 blaue Schülermütze mit Wachstuchüberzug (in den Stadtgraben gefallen).
Zugelaufen: 1 junger kleiner schwarzer Hund mit langen Öhren.
Hanau den 23. August 1907.
Hus Ran au Stadt und Fand.
Hanau, 23. August.
WMche 6i|m der AMmordileten-LerMmlung
vom 22. August 1907.
Anwesend die Herren: Vorsteher Kommerzienrat Canthal, Aukamm, Baader, Bernges, Beyer, Bonn, Craß, Daßbach, Förster, Hoch, Hock, Holm, Hansen, Kehl, Kreuter, Loßberger, Müller, Peteler, Salomon, Schroeter, Spatz, Voltz, Dr. Wagner, Wohlfarth und Wolff.
Vom Magistrat die Herren: Oberbürgermeister Dr. Gebeschus und Beigeordneter Hild.
Erbauung von Arbeiter-Wohnhäusern.
An der Straße Nr. 1 sollen im ganzen 5 Arbeiter- Wohnhäuser errichtet werden. Eine Magistratsvorlage sieht für jetzt die Errichtung von 3 Häusern vor, welche von dem Bauunternehmer Bernges zufolge eines mit ihm abgeschlossenen Vertrags erstellt werden sollen. — Stadtv. Peteler wendet sich dagegen, daß die 3 Häuser von einem Unternehmer errichtet werden sollen. Es wäre Pflicht der Stadt gewesen, die Häuser in eigener Regie zu bauen und die einzelnen Arbeiten auszuschreiben, dann wäre billiger gebaut worden. Redner stellt dementsprechenden Antrag. — Der Referent, Stadtv. Wohlfarth, erwidert, wenn die Arbeiten einzeln ausgeschrieben würden, würde die Sache wieder ungebührlich verzögert und es käme in diesem Jahre abermals kein Haus Unter Dach. Außerdem bestreitet er, daß der Vorschlag des Herrn Peteler im Interesse des Stadtsäckels gelegen sei, es würde auf diese Weise auch nicht billiger gebaut werden können. — Stadtv. Holm schließt sich dem Antrag Peteler an. In diesem Jahre komme ohnehin kein Haus mehr unter Dach, also sei dieser Grund nicht stichhaltig. Die Bauhandwerker befänden sich ohnehin nicht in rosiger Lage, man solle, wo es angängig sei, ihnen entgegenkommen. — Stadtv. Kreuter weint, es wäre vielleicht beiden Seiten gedient, wenn Herrn Bernges gegenüber der Wunsch ausgesprochen würde, daß nur Hanauer Bauhandwerker bei den Arbeiten berücksichtigt würden. — Oberbürgermeister Dr. Gebeschus führt aus, derselbe Einwand sei von Herrn Peteler schon früher gemacht und von den Körperschaften zurückgewiesen worden. Das vorgelegte Projekt sei das geistige Eigentum des Herrn Bernges, wolle man es ausführen, so könne dies gerechterweise nur durch diesen geschehen. Daß ihm drei Häuser übertragen würden, liege daran, daß er nur mit Rücksicht auf diesen Umstand ein so billiges Angebot habe machen können. — Gegen den Antrag Peteler wenden sich noch die Stadtv. Dr. Wagner und Hoch, welche ausführen, dieser Eintrag laufe doch nur auf eine Verschleppung hinaus. — Stadtv. Förster erklärt, das Projekt Bernges könne natürlich nur durch diesen ausgeführt werden, es genüge aber doch wohl, wenn diesem ein Haus übertragen würde, im übrigen könne man den Wünschen der Bauhandwerker entgegenkommen. -• Stadtv. Peteler tritt nochmals für seinen Antrag ein. — Die Magistratsvorlagc wird mit dem Zusatzantrag Kreuter mit großer Mehrheit angenommen.
Schriftführerwahl.
Auf der Tagesordnung steht die Neuwahl eines Schrift- ^hrer-s der stadtv.-Vers, an Stelle des ausgeschiedenen
Heraeus. . Die Wahlvorschlagskommission ist zu reinem nqmnmten Resultat gekommen, die Herren Justizrat Uth. und Müller werden von ihr mit Stimmengleichheit präsentiert. ie Wahl fällt auf den jetzigen stellvertretenden Schriftführer, Stadv. Müller, welcher sie dankend annimmt.
Benachrichtigung der Wähler.
„Von sozialdemokratischer Seite liegt ein Antrag vor, die Wähler zur nächsten Stadtverordnetenwahl seitens der Stadt- verwaltung mittels Karten zu benachrichtigen, daß ihre Namen m die Wählerlisten eingetragen sind. — Oberbürgermeister Dr. Gebeschus erklärt, der Magistrat sei zu einem ablehnenden Beschluß gekommen, weil die Sache sich anderwärts nicht bewährt habe. — Nach längerer Debatte wird ein An-
Freitag den 23. August
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trag Hoch angenommen, den Magistrat zu ersuchen, sich darüber zu informieren, wie die Benachrichtigung von Wählern mittels Karten im allgemeinen sich in andern Städten bewährt hat und darüber der Stadtv.-Vers, zu berichten.
Beamten st elle.
Die Stelle des Beamten im Rechnungsamt, welche durch das Ausscheiden des Herrn Büreaudirektors Becker erledigt ist, soll durch einen Beamten der dritten Gehaltsklaffe besetzt werden. Die Stadtv.-Vers. stimmt zu.
Kleinere Vorlagen.
Behufs Erneuerung des Anstrichs im Treppenhaus des Fürstenbaues im Stadtschloß wird ein Betrag bewilligt. — Zum Anschluß der Wohnung des Lehrers Vaupel in Hanau- Kesselstadt an die Wasserleitung und Herstellung einer Zapfstelle im Schulhofe daselbst wird ein Betrag von 550 Mk. bewilligt. — In der Gemarkung Großauheim soll ein Grundstück in der Größe von 676 qm zum Preise von 75 Pfg. pro qm angekauft werden. Wird zugestimmt. — Die Straße Vor der Kinzigbrücke soll mit Lindenbäumen bepflanzt werden. Wird genehmigt. — Für Geländer zum Schutze der Anlagen werden 1000 Mk. bewilligt. — Zu den Kosten für Entfernung der Treppe vor bem Hause Kleine Fahrstraße 4 wird wie üblich dem Besitzer ein Drittel der Gesamtkosten als Zuschuß bewilligt. — Für die Ausbaggerung des Mainkanals waren 5000 Mk. bewilligt, doch stellen sich die Kosten um 248 Mk. höher. Der Betrag wird nachbewilligt.
Hieran anschließend fand noch eine geheime Sitzung statt.
* Dom Manöver. Die ersten größeren Einquartierungen trafen Mittwoch und Donnerstag in der Wetterau ein. Die 115er (Darmstadt) bezogen in Melbach (Regts.- Stab), Dorheim, Södel, Schwalheim Quartier, die 166er (Hanau) und 81er (Frankfurt) trafen gestern in den Orten Stockheim, Rohrbach, Düdelsheim, Hainchen, Rommelshausen und Umgegend ein, um hier Regiments- und Brigadeexerzieren abzuhalten, während gleichzeitig die Regimenter 80 und 88 bei Nordenstadt üben. Nächsten Mittwoch treffen auch die 116er (Gießen) in Münzenberg, Wölfersheim und Wohnbach ein, dann ist die 49. Infanterie-Brigade vereinigt. Der Brigadestab kommt nach Wölfersheim, der Stab der 42. Jnf.-Brigade nach Stockheim. Bei den Regimenter 166 und 168 werden dritte Bataillone formiert; zu diesem Zwecke werden Reservisten zu einer vierwöchigen Uebung eingezogen. Die Bataillone werden nächsten Samstag in Hanau bezw. Offenbach gebildet und rücken eine Woche später ins Manöver. Die 50. Jnf.-Brigade (117er und 118er) trifft am 6. September bei Friedberg, Affenheim, Büdesheim, Groß-Karben, Kaichen ein, der Brigadestab kommt nach Büdesheim. Heute sind auch die beiden Artillerie-Brigaden des 18. Armeekorps in der Umgegend von Vilbel eingetroffen. Das 25. Feld- Artillerie-Regiment bezog in Nieder-Wöllstadt, Ober-Wöllstadt, Assenheim und Bruchenbrücken, die 61er Artillerie in Rendel, Petterweil, Okarbeit, Groß- und Klein-Karben Quartier, während das Artillerie-Regiment 27 (Mainz) nach Vilbel, Nieder-Erlenbach und Umgegend kam. Die 21. Art.- Brigade übt vom 4. September ab bei Oberseemen, Wenings, Gelnhaar. Die stärkste Einquartierung trifft in der Wetterau am 12. und 13. September ein, fast alle Orte erhalten in diesen Tagen Maffcnquartiere, nach Friedberg kommen etwa 2800 Mann, nach Bad-Nauheim 1800 Mann, nach Büdingen am 10. September 1700 Mann ; auch die Ortschaften erhalten um diese Tage eine sehr starke Einquartierung, da sich dann fast das ganze 18. Armeekorps zwischen Friedberg- Bad-Nauheim und Büdingen-Stockheim konzentriert. Die Korpsmanöver sind vom 14.—17. September, am 18. September nimmt das Manöver voraussichtlich im Nidder- und Seemental sein Ende. Das Generalkommando des 18. Armeekorps kommt nach Gedern.
* Die Einstellung der NeZrnten für das 18. Armeekorps erfolgt in diesem Jahre bei der Infanterie am 11. Oktober, bei der Kavallerie und bei den BespannungsAbteilungen der Fußartillerie am 3. Oktober, bei der Feld- und Fußartillerie, sowie bei den Pionieren am 10. Oktober, bei den Oekonomie-Handwerkern und Krankenwärtern am 1. Oktober.
* Die Kartoffelernte wird nach Berichten aus der Mainebene recht hohe Erträge liefern. Hoffentlich macht ungünstiges Herbstwetter diese Hoffnung nicht 311 schänden.
* Elektrische Straßenbahn. In der gestrigen Sitzung ^er Stadtverordneten-Versammlung waren den Stadtverordneten die Pläne der demnächst zu errichtenden elektrischen Strabenbabn vorgelegt.
Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1907
* Kollekte. Am 25. August, den 18. Sonntag nach Trinitatis, wird in unserm Lande die Kirchenkollekte für das Hessische Diakonissenhaus zu Cassel erhoben. Die Schwestern desselben, gegen 260, dienen in unserem Lande in 64 Kirchspielen als Gemeindeschwestern, außerdem sind sie in 113 Anstalten, 56 Frauen- und Jungfrauenvereinen, 15 Flick- und Nähschulen und 6 Sonntagsschulen tätig. Wir empfehlen den Lesern des „Hanauer Anzeigers" die Kollekte aufs wärmste, zumal auf dem Diakonissenhause noch eine Schuld von fast einer halben Million Mar? lastet. Auch findet in der Arbeit der weiblichen Diakonie in unserm lieben Hessenlande noch eine große Zahl tüchtiger frommer Schwestern reiche Gelegenheit, dem Herrn ihre Liebe durch den Dienst an Kranken, Armen, Kindern und andern Hilfsbedürftigen durch die Tat und Wahrheit zu erweisen. Das Diakonissenhaus ist bereit, ihnen zu helfen, damit sie für den Schwestern- beruf vorbereitet werden.
* Aus dem KahlgrunD. In nicht geringe Aufregung gerieten am vergangenen Sonntag die Passagiere des Zuges der Kahltalbahn, der 2 Uhr 45 Min. in Kahl abgeht, und die Insassen eines von Hanau kommenden Vergnügungsomnibusses. Genau an derselben Stelle, an der im Frühjahr das gräßliche Unglück auf dieselbe Art passierte und dem ein Menschenleben und zwei Pferde zum Opfer fielen, war der Omnibus im Begriff, die Bahnstrecke zu überqueren, als der Zug in voller Fahrt herankam. Der Geistesgegenwart des Kutschers, der int letzten Moment vom Wagen sprang und die Pferde auf die Seite riß, ist es zu danken, daß eine furchtbare Katastrophe verhindert wurde. Der Wagen kam hart neben dem Bahnzug zu stehen und die zu Tod erschrockenen Menschen konnten von Glück sagen, daß sie noch unter den Lebenden waren.
* Blutvergiftung Durch einen Fliegenstkch. Eine Frau in Sachsenhausen wurde vor einigen Tagen von einer Fliege in den Fuß gestochen. Sie beachtete die Sache nicht, bis das Bein anschwoll. Dann zog sie einen Arzt zu Rate, der Blutvergiftung konstatierte und die Ueberführung der Frau nach der Dr. Bockenheimer'schen Klinik veranlaßte. Dort ist die Frau, da die Blutvergiftung schon zu weit im Körper vorgedrungen war, gestorben.
* Die Lohnbewegung der Hanauer Schreinergehilfen ist mit Ausnahme der Körner'schen Möbelfabrik beendet. Eine Versammlung, die am Mittwoch abend abgehalten wurde, stimmte dem Abkommen mit den Arbeitgebern zu. Auch die Arbeitgeber haben am Dienstag in einer Versammlung die Abmachungen, welche zwischen beiden Kom- missionen vereinbart wurden, angenommen. Es kam ein Tarifvertrag zustande, welcher mit rückwirkender Kraft vom 12. August 1907 bis 31. März 1908 Geltung hat. Der- selbe enthalt eine sofortige Lohnerhöhung von 3 Pfennig pro Stunde. Für Ueberstunden bis 8 Uhr abends wird ein Zuschlag von 10 Pfennig, für Nacht- und Sonntagsarbeit wird ein Zuschlag von 50 Prozent pro Stunde gewährt. Ferner tritt eine sofortige Erhöhung der Akkordlöhne ein.
* MtNUwaffer Wärme gestern abend 14 Grad.
* Schreib- und Buchführungskurfe für Herreu und Damen. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, werden die bekannten Handelslehrer Herren Gebrüder Gander aus Frankfurt a. M. am nächsten Donnerstag, 29. August, hier wieder ihre Kurse in obigen Fächern eröffnen. Die überaus günstigen Erfolge, welche die Herren Gebrüder Gander auf Grund ihrer 30jährigen Lehrpraxis auch stets bei ihren hiesigen Schülern erzielten, sind genügend bekannt.
* Der Verein Der Deutschen Kaufleute hält am Samstag, abends halb 10 Uhr, in der „Sonne" eine öffentliche Mitgliederversammlung ab, in welcher Herr Max Heller, Frankfurt, über das Thema „Das Gutachten der Handelskammer zu Hanau zur Frage über die Einrichtung von Kaufmannskammern und Einführung von Handelsinspektoren" referieren wird. (Wir verweisen ans das Inserat in heutiger Nummer.)
* Ausflug Dev Hanauer Viktoria. Am Sonntag veranstaltet obengenannter Verein einen Ausflug in die Säle des Gasthauses „zur Krone" in Großauheim und steht den Besuchern Unterhaltung in reichstem Maße in sicherer Aussicht, zumal der Verein keine Kosten gespart hat, seinen Besuchern einige gemütliche Stunden zu bereiten. (Siehe Inserat.)
* Sportplatz „Dunlop". (SRabrennen.) Das Interesse an der neugeschaffenen Fahrradrennbahn des Sportklubs „Dunlop" an der Freigerichtstraße wächst von Tag zu Tag mehr. Konnten wir doch die letzten Tage die gemeldeten Fahrer fleißig beim trainieren und eine vielköpsiae Zu- schauermenge sehen. War es denn nicht für die meisten auch etwas Neues! Jedoch von dem Sportplatz selbst zu sprechen, so bedeutet er für uns Hanauer einen großen Fortschritt unseres hier so fleißig betriebenen Sportes, insbesondere da das Innere der Rennbabn aMefüllt und als