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BezugK-reNr »drt«riâ-r8ch 1,80 Mk^ monatlich 60 Pfg., fk «* p&tfige Bbonu«t«n dem betrefseuden Postaufjchlag, Die itajetae Nummer kostet 10 Pfg.

WetetUnlbtutf nab Verlag bet vuchdrucksei dS Kreta« a. »aiseahause» in Harum.

Amtliches Organ für Stadt- M Landkreis Sana».

Erschriul täglich mit Ausnabme der Svnn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Mx. 182 F«rnsprechanschl»ß Nr. 605.

Amtliches.

Eandkreis F^anau. MNtmchWtn des KSiiiglicheii LWdriltSilmtS.

Der Metzger Georg Müller in Bruchköbel beabsich­tigt auf feinem Grundstück daselbst Karte 7 Nr. 60 und 61 (Kirch gasse Nr. 41) eine Schlächterei einzurichten und zu betreiben.

Einwendungen gegen die geplante Anlage, zu welcher Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Krèisaus- schusses hier offen liegen, sind binnen 14 Tagen, vom. Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, mündlich oder schriftlich in zweifacher Ausfertigung hier an- »ubringen.

Zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einsprüche ist Termin auf

Samstag den 24. August d. I., vormittags 10 Uhr, in das Bureau des Kreisausschusses anberaumt. Die Inter­essenten werden zu diesem Termin mit dem Bemerken vor­geladen, daß im Falle ihres Ausbleibens gleichwohl mit der Erörterung der Einsprüche vorgegangen werden wird.

Hanau den 5. August 1907.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

L3111 v. Beckerath. 16153

Hus Ban au Stadt und Eand.

Hanan, 7. August.

* Pfarrer Wissemann t» Nach kurzem Kranken­lager ist Herr Pfarrer W i s s e m a n n in Bieber bei Gelnhausen gestorben. Allzufrüh, für seine Familie und die Oeffentlichkeit, im Alter von 44 Jahren hat ein heimtückisches Leiden den kräftigen Mann besiegt. In Herrn Pfarrer Wissemann ist ein Geistlicher aus dem Leben geschieden, der verstand, in dem kleinen Kreise, über den ihn Gott und die Obrigkeit als Geistlichen gesetzt, Großes zu wirken und zwar im Kirchspiel Spielberg, wo er seit 1895 als Pfarrer am­tierte. Dem hessischen Bauernstand entstammend, gehörte sein Herz diesem Stande. In der Raiffeisensache sah er die Rettung dieses Standes und in nie rastender Tätigkeit be­nutzte er all seine freie Zeit zur Hebung des Wohls seiner Pfarrkinder, gleich Raiffeisen überzeugt, daß die geistliche und sittliche Hebung der Bevölkerung mit der materiellen Hand in Hand gehen müsse. Seine Tätigkeit verschaffte ihm bald den Ruf als tüchtiger Organisator der Raiffeisenvereine und bald sah er sich durch das Vertrauen der Raiffeisen­leute, für deren Wohl er arbeitete, als Direktor für den Unterverband Gelnhausen seitens der Organisation gestellt. Er verstand es, den Leuten die Vorteile der Organisation handgreiflich zu machen. So lehrte er sie, um nur eins zu erwähnen, manche öde Triesche in eine gesunde Obstanlage zu verwandeln. Wissemann war einer von denen,die", wie der Psalmist sagt,durch das Jammertal gehen und machen daselbst Brunnen und die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt." Schon manchmal machte sich sein Leiden bei ihm fühlbar, aber umso eifriger suchte er immer noch Vieles zu verwirklichen, was ihm für das Wohl des Land­volkes als wünschenswert und erstrebenswert erschien. Im vorigen Jahre erfolgte seine Versetzung nach Bieber, wo ihm sein grades Wesen und sein bem ^anböolt gehörendes Herz die Liebe und Achtung seiner Pfarrkinder schnell erwarb. Nun hat der Tod seinem Leben und seiner Segensarbeit bereits ein Ziel gesetzt. Sein Wirken aber wird den Spiel­bergern und dem Unterverband Gelnhausen ebenso wie der Hessischen Gesamtorganisation unvergessen bleiben I

* Das Jubiläum der Wetterauischen Gesell­schaft. Am 8. August sind 99 Jahre verflossen, seit einige gelehrte Bürger Hanau's unbekümmert um die Fremdherr­schaft der Franzosen in der Stadt und trotz der Not der Zert Die Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Natur­kunde gründeten. Es sollte kein Verein sein; die Absicht war, im Westen einen Sammelpunkt für naturwissenschaftliche Bestrebungen und Studien zn schaffen. Im Vertrauen auf ihre weithin anerkannte Tüchtigkeit suchten die Stifter den aufblühenden Naturwissenschaften eine Kultusstätte zu schaffen die einzige weit und breit ; in der Wetterau, ihrer Heimat, suchten sie einen Kreis zu bilden, in dem solche Kenntnisse gehütet und verwertet werden sollten. Diese reine Absicht ließ sich nicht dauernd wahren und das Samenkorn gevieh nicht so machtvoll, wie die Gründer gewünscht und wie es die geistige Kraftleistung und vaterländische Tat jener Männer wobl verdient hätten. Aber in dem langen Zeitraum haben

Mittwoch den 7. August

sich immer wieder Männer gefunden, die den Bahnen nach ^Kräften gefolgt sind und die Tradition der Stifter im Wechsel der Tage nach Möglichkeit hochgehalten haben. So ist es möglich gewesen, daß der Verein, dem zahlreiche Bürger­generationen Beihilfe zumal in Zeiten der Bedrängnis geleistet haben, ein Jahrhundert überdauern konnte. Der Vorstand beabsichtigt im nächsten Jahre den Jubiläumstag der Gründung würdig zu begehen. Vorbereitungen da­zu sind bereits im Gang. Man beabsichtigt eine teilweise Neuordnung der Sammlungen, macht Versuche zu ihrer Aus­gestaltung und trifft Vorsorge, daß eine Festschrift von wissenschaftlichem Charakter erscheinen kann. Daneben soll eine ausführliche Geschichte der Gesellschaft nach den erhaltenen Akten den Mitgliedern übergeben werden. Eine Anzahl Bürger hat ihre tätige Mitarbeit freundlichst zugesagt und will durch Rat und Tat, Aufbringung von Mitteln dem Vorstand in seinen Bestrebungen behilflich sein.

* Kunftvereins-Attsstellttng. Die Sommer-Aus­stellung des Kunstvereins, welche nur noch bis einschließlich nächsten Sonntag geöffnet bleibt, ist recht beachtenswert. Nm Hervorragendsten ist wohl das derVerbindung für Historische Kunst" gehörigeWeibliche Bildnis" von Oskar Zwintscher- Dresden. Der Künstler, ein geborener Meißener und jetzt an der Dresdener Akademie tätig, hat in dem wunderbaren, man kann sagen: monumental aufgefaßten Gemälde, so viel uns bekannt, seine Gattin porträtiert und zwar so ganz eigenartig, so gar nicht in althergebrachter oder an berühmte Meister angelehnter Weise und wiederum doch nicht in ge­suchter Form. Auf den ersten Blick glaubt man, es sei irgend eine historische berühmte Frau in dem durchgeistigten Kopf, dem schön komponierten und fein abgestimmten Ge­mälde zur Darstellung gelangt. Unser jetzt in Berlin lebende Landsmann Franz Stassen ist mit drei Arbeiten vertreten. DieKreuzabnahme" ist so ganz anders, wie unsere kirchliche Historienmalerei derartige Vorwürfe gewöhnlich auf­faßt: mittelalterliche Naivität, moderner Klingerscher Geist und Stassensche Zeichnung finden wir in dem Bilde. Den streng gezeichneten dunkelrotbraunenPan", der in blumiger Au sinnend sitzt, glauben wir vor einigen Jahren schon ein­mal an gleicher Stelle ausgestellt gesehen zu haben. Die ganz hervorragend schöne LandschaftIn den Weiden" dürfte am Kinzigufer bei Hanau entstanden sein. Leider hat der Künstler in den beiden letztgenannten Werken eine wenig dauerhafte Maltechnik und zwarTempera" gewählt, die schon jetzt das BildIn den Weiden" zerstört. Einen ganz hervorragenden Landschafter lernen wir in Wilh. Hamacher- Berlin kennen. Aus den vier von ihm ausgestellten Ge­mälden, zum Teil von außergewöhnlich großem Format, spricht ein echt moderner Geist, der auch die in Wirklichkeit nüchternsten Motive künstlerisch in der Art Schönlebers zu verklären weiß; als ganz hervorragend nennen wir: Die alte Mühle in Schlesien",Sturmwolken" und In den Bergen von Rapallo." Von dem kürzlich verstorbenen Tier- und Landschaftsmaler Ernst Meißner in München sind eine Kollektion Tier- und Landschafts­studien, sowie einige ausgeführte Tierbilder, von denen be­sonders dieWeidende Schafherde" auch einem modernen Geschmack noch zusagen kann, ausgestellt. Dem Kenner werden vielleicht die prächtigen Schaf- und Kühestudien noch besser gefallen. Hans Dahl- Berlin, der stets lachende hübsche norwegische Bauernmädchen auf blauendem Fjord oder am grünen Strand malt, bringt auch hier zwei hübsche Bilder in der geschilderten Art. Recht gute Landschaften sind auch von Aug. Lemmer- Karlsruhe, Bruno L o b b e ck e- München und Richard Lipp s-Starnberg ausgestellt. Das ist nicht alles, was hervorgehoben zu werden verdient: Unter den Blumenstücken, Aquarellen, Handzeichnungen und Radierungen ist noch recht viel Gutes. Wer daher für Kunst ein Interesse hat, der versäume nicht, in die Aula der Zeichenakademie zu gehen. Die Dauer der Ausstellung kann nicht verlängert werden. Ernst J. Z.

Hk. Bei den Schweizerischen Auswechselungs- poftanstalten entstehen fortgesetzt dadurch Schwierigkeiten, daß die italienische Bahnverwaltung bei der Uebernahme von Säcken mit gemünztem Geld oder Edelmetall die geringsten Verletzungen der Versiegelung oder des Verschlusses bean­standet. Zur Vermeidung dieses Uebelstandes ist den Ver­sendern derartiger Gegenstände nach Italien künftig von den Aufgabepostanstalten zu empfehlen, die zu verwendenden Säcke mit Bleiplomben zu verschließen oder Kisten als Verpackungs­material zu benutzen, bei denen die Siegel so in das Holz zu versenken sind, daß sie während der Beförderung nicht Schaden leiden.

* Der Milchhandel an Sonntagen. Das hiesige Schöffengericht hatte sich aestern nochmals wL dem Milck-

Fernsprechanschluß Nr. 605. 1907

^^"1 ,11, II., I »g?; g^ verkauf unter der sonntäglichen Gottesdienstzeit zu beschäftigen; etwas neues konnte die Verhandlung aber nicht mehr bringen, nachdem, wie wir anläßlich der letzten einschlägigen Verhand­lung erwähnten, das Oberlandesgericht in dieser Sache eine Entscheidung getroffen hat und die untergeordneten Instanzen selbstredend nach dieser sich richten werden. Diesmal hat der Vorsitzende der hiesigen Milchhändlervereinigung, Herr Liß- mann, Einspruch gegen zwei Strafmandate erhoben, die ihm zugingen, weil er Sonntags unter der Gottesdienstzeit Milch verkaufte. Die von ihm vorgebrachten Gründe dürften ja an sich für die Notwendigkeit einer etwas längeren ununter­brochenen Verkaufszeit an Sonntagen stichhaltig sein, können aber, nachdem eine gültige Polizeiverordnung besteht, die den Verkauf während der Gottesdienstzeit verbietet, für eine ge­richtliche Entscheidung nicht in Betracht kommen, da sich die Gerichte ausschließlich an die Polizeiverordnung zu halten haben. Diese Verordnung verbietet die Vornahme öffentlich bemerkbarer Arbeiten während der sonntäglichen Gottesdienst­stunden, und unter diese öffentlich bemerkbaren Arbeiten fällt nach Entscheidung des Oberlandesgerichts (in dieser Sache die höchste Instanz) auch das Umhertragen von Milchkannen zwecks Verkaufs von Milch. Empfinden die Milchhändler diese Bestimmung als drückend, so müssen fie sich eben be­mühen, die maßgebenden Behörden zu einer Aenderung bet in Frage kommenden Polizeiverordnung zu bewegen zu suchen. Ob hierzu aber die von Herrn Lißmann in Aussicht gestellt« Einstellung jedes sonntäglichen Milchverkaufs das geeignete Mittel ist, darf wohl zum mindesten angezweifelt werden.

* Ueber die Gasversorgung der Gemeinde Bergen-Enkheim. Um dem städtischen Gaswerk zu Hed­dernheim ein weiteres Absatzgebiet zu sichern, wurde schon bei der Erbauung des Werkes die Einbeziehung von Bergen- Enkheim zum Versorgungsgebiet ins Auge gefaßt. Die hier­auf abzielenden Verhandlungen konnten aber erst nach längeren Verhandlungen zum Abschlusse gebracht werden. Nunmehr ist ein Vertrag ähnlich demjenigen, welcher mit der Gemeinde Preungesheim abgeschlossen wurde, zustande ge­kommen. Zu demselben hat der Kreisausschuß des Land­kreises Hanau am 1. Juli 1904 seine Genehmigung ausge­sprochen. Der Abschluß des vorliegenden Gasvertrages wurde in erster Linie von der Bedingung abhängig gemacht, daß die Stadt Frankfurt innerhalb fünf Jahren nach Vertrags- fchluß eine elektrisch betriebene Kleinbahn bis nach Bergen führt; die Gemeinde Bergen-Enkheim hat sich dagegen bereit erklärt, vom Tage der Betriebseröffnung der Kleinbahn ab gerechnet, auf die Dauer von 20 Jahren zum Betriebe der Bahn einen jährlichen Zuschuß zu leisten in Höhe der Hälfte derjenigen Beträge, die auf Grund der Ordnung für die Er­hebung einer Gemeindesteuer bei dem Erwerb von Grund­stücken im Bezirke der Gemeinde fällig werden. Außerdem ist der Stadt Frankfurt gegen Zahlung einer mäßigen Vergü­tung das Recht zugestanden worden, innerhalb der Gemar­kung Bergen-Enkheim Röhren zur Durchleitung von Wasser nach Frankfurt zu verlegen. Diese Berechtigung ist besonders für den Fall wertvoll, daß eine zweite Zuleitung vom Vogels­berg her ausgeführt werden soll. Bergen-Enkheim hat z. Zt. 4900 Einwohner; der Gasverbrauch wird im Jahre etwa 125 000 Kubikmeter betragen. Die Baukosten des Rohrnetzes einschließlich der Hausanschlüffe, Laternen, Gasmesser usw. betragen rund 160 000 Mark. Das Tiesbauamt Frankfurt beantaagt, den mit der Gemeinde Bergen-Enkheim abgeschlos­senen Gasvertrag nebst Benutzungsbestimmungen zu geneh­migen und zur Ausführung des Gasrohrnetzes in Bergens Enkheim auf Nebenverwaltung für 1907 160 000 Mark zu­sätzlich zu bewilligen.

* Wettspiel zwischen Turngemein-e Hanau und Grotz-Auheimer ^nstbaKklub 1906. Am ver­gangenen Sonntag standen sich auf dem Spielplätze des Groß-Auheimer Fußballklubs die 1. Mannschaft der Spiel­riege der Turngemeinde und die des Fußballklubs 1906 im Wettspiel gegenüber. Trotz der großen Hitze gelang es der Turngemeinde, das Spielfeld mit 2:0 Goal zu verlassen.

* Beschwindelt. Der Gelegenheitsarbeiter Karl Berg hier wurde kürzlich vom hiesigen Schöffengericht zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er eine hiesige Einwohnerin um einen kleinen Geldbetrag beschwindelte. Zwei weitere Be­trugsfälle konnten damals nicht mit verhandelt werden, weit ihm die Anklageschrift nicht rechtzeitig zugegangen war und B. absolut auf Wahrung der äußeren Form bestand. Doch dieser Aufschub brachte ihm kein Glück. In der gestrigen erneuten Verhandlung wurden diese beiden ganz analog bem ersten liegenden Falle nämlich nicht wie jener mit 2 Wochen, sondern mit je Monaten Gefängnis geahndet, die in eine Gesamtstrafe von 3 Monaten 14 Tagen zusammengezogen werden. Außerdem wurden ihm die büraerlicben EhrenrechN