Einzelbild herunterladen
 

Hauses spricht, williger, als wenn er unverhüllt daS Recht des Stärkeren zeigt. Es sind dies die verschiedenen Formen der pénétration paoifique, der friedlichen Durchdringung, von der noch jüngst die Franzosen in Marokko eine neue Spielart zu schaffen versuchten.

Sieht man von dem nicht erfreulichen äußeren Hergang ab, so wird man zugeben müssen, daß die Japaner ihre Herrschaft über Korea ehrlich und mit schweren Opfern er­worben haben. Der Kaiser von Korea hatte die Situation, wie sie seit dem Ende deS russisch-japanischen Krieges vor­lag, nicht richtig erkannt. Er hätte, wenn er sich still ins Unvermeidliche gefügt hätte, sein behagliche- Dasein im Palaste von Söul ruhig weiterführen können. Statt dessen versuchte er, den Herren des Landes durch kleine Intrigen daS Leben schwer zu machen. Die Entsendung eines Prinzen aus seinem Hause nach dem Haag, wo dieser vergebens nutzlose Proteste anzubringen suchte, schlug dem Faß den Boden aus. Hayaschi fuhr nach Söul hinüber, ließ den alten Kaiser Jhöng abdanken, setzte deffen geistesschwachen Sohn auf den alten Thron der Han-Dynastie und ließ in einer neuen Konvention den japanischen Generalrestdenten Jto mit allen Befugnissen auSstatten, dessen ein Diktator bedarf. In Verwaltung und Heer wird nun in beschleunig­tem Tempo der japanische Geist einziehen und das alt­geworbene Korea, das einst seine Kultur nach Japan ge­tragen hatte, wird nun vielleicht eine neue Blüte aus der japanischen Verjüngung erleben.

lMMe**iäw**eiSeHWaHJieWMWW»l^^

KoM an d OHM.

Einweihung der medizinischen Akademie in Düsseldorf. Düsseldorf, 27. Juli. Anläßlich der feierlichen Eröffnung der mit einem Kostenaufwande von 61/« Millionen Mark errichteten Allgemeinen Krankenanstalten und der Akademie für praktische Medizin fand nach Besich­tigung brr neugeschaffenen Anlagen in Gegenwart von zahl­reichen Vertretern der Staatsbehörden und Universitäten des In- und Auslandes heute Mittag ein Festakt statt. Nach einleitendem Chorgesang hielt Oberbürgermeister Marx eine Rede. Mit dem Krankenhaus entstehe eine Akademie für praktische Medizin, die für die Fortbildung der Jünger der Wissenschaft eine unerschöpfliche Quelle bilde. Redner schloß mit einem Hoch aus den Kaiser. Beigeordneter Greve hielt sodann die Festrede, in welcher er darauf hinwies, daß die j Geschichte Düsseldorfs durch die Gunst der Verhältnisse ein besonder« ausgeprägtes Beispiel der Entwickelung des ge­samten Vaterlandes darstelle. Nachdem Prof. Dr. Witzel die Allgemeinen Städtischen Krankenanstalten mit einer Rede übernommen hatte, ergriff Kultusminister Dr. Holle das Wort zu einer Ansprache, in welcher er zunächst benen, die den Plan des bedeutungsvollen, dem öffentlichen Wohl ge­widmeten Lebens ersonnen und zur Verwirklichung gebracht haben, seinen Dank aussprach. Redner wies darauf hin, daß die Akademien für praktische Medizin neben voller Wür­digung mancherlei Anfechtung, namentlich von ärztlichen Kreisen, erfahren haben; mehr und mehr aber würden nun­mehr die Vorurteile überwunden, und die Anerkennung dessen, was durch die ärztlichen Fortbildungskurse in den Akademien geleistet wird, sei im In- und Auslande im Wachsen begriffen, sowohl in den Kreisen der ärzlichen Praxis wie der medizi­nischen Wissenschaft. Ferner wies der Kultusminister darauf hin, daß das Schwergewicht der von der neuen Akademie zu erfüllenden Aufgaben in der ärztlichen Fortbildung liege und daß es ferner eine wichtige Aufgabe der Akademie sei, die reichen Erfahrungen im Krankenhaus der Wissenschaft nutz- bar zu machen. Zum Schluß betonte er das warme Inte­resse seitens der Staatsbehörden für die Anstalt.

Das 7. deutsche Sänger-Bundesfest wurde Samstag abend 9 Uhr durch den Fürsten Hatzfeld als Vertreter des Kaisers eröffnet. Vorauf ging ein Vortrag der Euryanthe- Ouverture und ein von 2000 schlesischen Sängern vorge- tragenes BegrüßungSlied mit dem TitelLied an deutsche Sänger", gedichtet von Felix Dahn, komponiert vom Bres­lauer Domkapellmeister Filke. Fürst Hatzfeld führte in seiner Ansprache aus, der Kaiser habe ihn beauftragt, den deutschen in Breslau versammelten Sängern seine Gruße zu entbieten. Der Kaiser habe stets ein großes Interesse an den Be­strebungen des deutschen Sängerbundes genommen undfreue sich, daß das Volkslied durch ihn gefördert werde. Hierauf begrüßte Oberbürgermeister Bender die Sänger und hieß sie herzlich willkommen. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses des deutschen Sängerbundes Professor Geller- Leipzig brachte hierauf ein stürmisch aufgenommenes Hoch aus den Kaiser aus, worauf von den anwesenden 15 000 Sängern und Zuhörern die Nationalhymne gesungen wurde. Auf Vorschlag des Professors Geller wurde ein Huldigungs- telegramm an den Kaiser abgesandt. Schließlich brachte der Vorsitzende deS schlesischen Sängerbundes, Kaufmann Stadt­verordneter Biller ein Hoch auf die versammelten Sänger aus. Es folgten Vorträge einzelner Vereine, die stürmischen Beifall fanden. Nach der Beendigung des Begrüßungsabends begann auf dem FeMatze reges Leben, das bis in die späten Nachtstunden anhielt.

BreSlau, 28. Juli. Der Festzug anläßlich des 7. deutschen Sängerbundesfestes nahm einen glänzenden Ver­lauf. Der Vorbeizug dauerte gegen drei Stunden, das Wetter war zwar trübe, doch angenehm. Ueberall wurden den Gästen begeisterte Ovationen dargebracht. Eine viel­tausendköpfige Menge umsäumte die Feststraßen. Der Fest- zug zerfiel in 7 Gruppen und zwar nach der Idee des Bild­hauers Wilborn entworfen. Er stellte die Verherrlichung des Liedes dar und zergliederte sich in die verschiedenen Arten des Liedes: KriegSlied, Kirchenlied, Liebeslied, Trink­lied, Volks- und Wanderlied, Vaterlandslied und FrühlingS- lied. Den Anfang deS Zuges bildeten die MagittratSauS- reuter, denen die Wagen mit der Leitung des engeren Aus­schusses folgten. Dann folgte der Bundesbannerwagen mit der WratiSlavia. Der Kriegsliedwagen stellte Wotan und Freya auf einem Throne sitzend dar. Voran ritten zwei Walküren; Jünglinge führten die 4 Pferde des Wotans- wagenS. Den Thron umschwebten Raben und Adler. ES folgten germanische Krieger zu Fuß und zu Pferde. Der Wagen des Kirchenliedes stellte die heilige Cäcilie dar, um­

geben von 6 Genien. Das Liebeslied zeigte den Minne­sänger Herzog Heinrich IV.; an seiner Seite saß Frau Minne. Der Wagen war von oben bis unten mit blühenden Rosen bedeckt. Es folgte der Trinkliedwagen. Voran ging eine Hundemeute, dahinter der Nodensteiner zu Pferde. Hoch auf einer Fässergruppe thronte Bacchus. Den Wagen be­lebte zechendes Volk. Studenten, Jäger, Landsknechte. Winzer führten einen mit Weinlaub geschmückten Esel. Der Volks- und Wanderlieb-Wagen stellte die schlesische Ruine Kynast im Riesengebirge dar. Voran ging Rübezahl, dem Wagen folgte zahlreiches wanderndes Volk, Touristen und Landleute. Auf dem DaterlandSwagen thronte Königin Luise mit ihren Ehrendamen, voran ritt ein Trupp Schill- scher Husaren, Trommler und Pfeifer, dahinter Theodor Körner, Blücher, Gneisenau, Lützow und noch weitere andere Gestalten aus den Freiheits­kriegen. Ein Lützowsches Freikorps, Markedenterinnen im Wagen und schlesische Landwehr beschlossen die Gruppe. Es folgte der Frühlingsliedwagen, auf dem sechs Genien lagerten. Den Schluß des Zuges bildete eine Sennhütte, darstellend die Simony-Hütte bei Graz, auf der lustige Dirndeln und Buam sich tummelten. Als der Zug um 7, Uhr auf dem Festplatz angelangt war, wurden die Fahnen auf die Galerie der Festhalle gebracht, von der sie bis zum Schluß deS Festes herabwehten. Als der Zug vor dem Rathause anlangte, hielt der Grazer Delegierte, Landgertchtsrat Ritter Viktor von Schmeidel, eine Ansprache an den Oberbürgermeister, in der er auf die Freundschaft hinwies, die zwischen Deutsch­land und Oesterreich bestände. Der Deutsche könnte versichert sein, baß wenn es not täte, der Oesterreicher stets für ihn eintreten werde. Er erinnerte ferner an die Zeit von 1806 bis 1818, wo die Breslauer ihren Ruf als treue Patrioten so hervorragend bewährt hätten und an den Aufruf des Königs an sein Volk. In jener Zeit sei daS deutsche Lied entstanden, mit dem das deutsche Volk auf das innigste ver­knüpft sei. Redner übergab das Banner, daS die Stadt der grünen Steiermark fünf Jahre lang gehegt habe, in die Ob­hut des Oberbürgermeisters und schloß mit einem Hoch auf die Feststadt. Oberbürgermeister Dr. Bender dankte mit kurzen Worten und schloß mit einem Hoch auf die deutschen Sänger, das freudigen Widerhall land. Hierauf wurde daS Banner von der Tochter des Vorsitzenden deS schlesischen Sängerbundes, Fräulein Biller, mit dem Fahnenbande ge­schmückt, wobei sie ein Gedicht vortrug. Der Vorsitzende des deutschen Sängerbundes, Professor Geller-Leipzig, dankte hierauf mit kurzen Worten.

Die Gallen-, Nieren- und Blasensteine und deren einheitliche Entstehung, sowie ihre Verhütung und Heilung durch Blutentsäuerung und Blutregeneration. Von Dr. med. Walser. Verlag von Edmund Demme, Leipzig. (0,50 Mk.) Den Gallen-, Nieren- und Blasensteinen liegt nach dem Autor dieselbe einheitliche Ursache wie dem Asthma, der Gicht und vielen anderen Krankheiten, nämlichUeberschuß an Blut- und Säftesäure" zu Grunde, und wenn von diesem Gesichtspunkte aus die Behandlung geleitet wird, so werden am sichersten Heil- resp. Verhütungsresultate erhielt, die eine Operation überflüssig machen. Das Verhüten allein ist dieMorgenröte der künftigen Heilkunde". Aber auch das Volk muß nicht blos das Getriebe des ge­sellschaftlichen, sondern auch des eigenen Organismus kennen, nur so kann es alsaufgeklärt" die Bemühung des Arztes unterstützen.

-» .-.MmMMBirTiiiMMii n 1 «MMWMMiMMMMiZE^MMEE«

Die großen Dcpotnntcrschlagungen bei der Gewerbebank Speyer.

Frankenthal, 26. Juli. Wegen der im März d. Js. bei der Gewerbebank in Speyer entdeckten großen Depot- Unterschlagungen in Hohe von etwa 725 000 M. hatte sich vor der zweiten Kammer des hiesigen Landgerichts heute der 37 Jahre alte Prokurist und Kassengehilfe der genannten Bank Wendelin Müller von Speyer zu verantworten. Müller ist 20 Jahre lang in der genannten Bank tätig gewesen. Vor etwa 7 Jahren hat er, nachdem er sich bis dahin des Ver­trauens seiner Vorgesetzten in jeder Beziehung würdig gezeigt hatte, begonnen zu spekulieren, und zwar in Effekten bei Bankiers in Paris, Hamburg, Frankfurt und Budapest, an letzterem Platz auch in Getreide. Müller wurde in der Bank als Kassengehilfe verwendet, nahm an der Kasse eingehende Depots in Empfang und führte das Depotbuch. Verant­wortlich für die Kasse und die Depots war jedoch der erste Direktor der Bank Philipp Seer, dieser hatte hierfür Kaution gestellt und fungierte seit Gründung der Bunk als ihr erster Vorstand. Ihm lag die Verwaltung der Depots ob, für die die Bank vor wenigen Jahren ein eigenes Gewölbe mit drei­fachem Verschluß hatte herstellen lassen. Serr hatte die drei Schlüssel des Gewölbes in Verwahrung und pflegte diese, wie sich nach der Flucht Müllers herausstellte, ungetrennt in dem feuersicheren im Direktionszimmer eingebauten Dicektions- fchrank auszubewahren. Dieser Schrank war während der Geschäftszeit nicht verschlossen. Müller hatte deshalb schon während der Dienststunben Gelegenheit, in das Depotgewölbe zu gelangen, obwohl ihm eine generelle Erlaubnis hierzu vom ersten Vorstand nicht erteilt worden war. In dem bei Beginn der heutigen Verhandlung zur Verlesung gelangten Eroffnungsbeschluß wird dem Angeklagten zur'Last gelegt, in den letzten Jahren bis zum 10. März d. Js. eine große Anzahl der dec Bank zur Ausbewahrung und Verwaltung als offene Depots übergebenen Wertpapiere im Kurswerte von mehr als 700 000 M., ferner Coupons von Depot- papieren und solchen Papieren, die Eigentum der Bank waren, im Betrage von etwa 16000 M. weggenommen zu haben. Der Angeklagte ist in vollem Umfange geständig. Er war ursprünglich Bäckergehilfe und ist, nachdem er sich als Kauf­mann hatte ausbilden lassen, im Januar 1887 zunächst als Lehrling in die Speyerer Gewerbebank eingetreten. Nach Be­endigung seiner Lehrzeit vorerst mit einem bescheidenen Ge­halt angestellt, hat er in den letzten Jahren ein Jahres­einkommen von etwa 4000 M. bezogen' Im Jahre 1898 hat sr sich verheiratet wodurch ihm durch die Mitgift seiner Frau ein Vermögen von 6000 Mark zugewendet wurde. Mit diesem Geld hat Müller zunächst angefangen zu spekulieren, er hat demnach die ersten Veruntreuungen an den eigenen Effekten vorgenommen. Erst als, 'hm Verluste erwachsen sind, hat er sich an fremden Effekten vergriffen und sich auch Papiere angeeignet, die am Schalter der Bank zur Deponierung eingeliefert wurden, indem er diese den Depots nicht mehr einverleibte. Um die Depots­entwendungen zu verschleiern, hat er die gestohlenen Depots im Depotbuche als zurückgegeben ausgetan. Und da man -

_________________________________29. JitN sich bei den jährlich dreimal stattfindenden Revisionen bei Bank lediglich daruuf beschränkte, nur bezüglich der im De­potbuche als vorhanden bezeichneten Depots einige Stich­proben zu machen, nicht aber auch wegen der angeblich zu» rückgegebenen Depots durch die Forderungen der erforderlich gewesenen, jedoch nicht vorhandenen Belege eine Kontrolle übte, so konnten die Veruntreuungen nicht entdeckt werden. Die Zinsen, die zur Verschleierung der Veruntreuungen von ihm aufzubringen gewesen sind, werden auf 6070 000 Mk. pro Jahr beziffert.

Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß die veruntreute Summe nicht nur zur Deckung von Spieloerluften Verwen­dung gefunden, sondern auch für den Verkehr mit gefällige» Frauenspersonen ausgewendet worden seien, gibt der Ange­klagte an, daß er hierfür insgesamt nur 3000 bis 4000 Mk. aus gegeben habe. Seine plötzliche Flucht, durch welche die Entdeckung der Veruntreuungen herbeigeführt wurde, ist durch einen Brief veranlaßt worden, den eine Frauensperson, mit der er verkehrt hatte, an ihn geschrieben hat. Dies« Brief wurde von der Ehefrau Müllers gefunden, worauf er auf und davon ging und nach Paris flüchtete. Er will nicht die Absicht gehabt haben, auf Nimmerwiedersehen zu ver­schwinden. Im Gegenteil, er will geglaubt und gehofft haben, daß eS ihm möglich sein werde, von Paris aus einen Vergleich mit der Gewerbebank herbeizuführen. Der als Zeuge vernommene zweite Direktor der Gewerbebank Speyer, Strassor, bekundet, daß der Angeklagte bis zu seiner Flucht infolge seiner Tätigkeit und seines anscheinend tadellosen und soliden Verhaltens bei der Direktion der Bank das denkbar größte Vertrauen genossen hat. Die unausreichend gewesen« Kontrolle sei hierauf zurückzuführen. Von den der Bank er­wachsenen Verlusten in Höhe von insgesamt 725 000 biS 730 000 Mk. sind nur etwa 42 000 Mk. zurück erlangt wor­den. Die Zurückerlangung eines weiteren Betrages sei sehr fraglich. Die Verluste seien in der Hauptsache durch den §«- servefondS gedeckt, von dem Aktienkapital sei nur ein klein« Teil anzugreifen. DaS Urteil lautet entsprechend dem An­träge des Vertreters der Staatsanwaltschaft wegen Diebstahl- auf 5 Jahre Gefängnis und fünfjährigen Verlust d« bürget« liehen Ehrenrechte.

Hus aller Mett.

Nachklang zum Hau-Prozetz. Karlsruhe, 27. Jul^ Beim heutigen Schluß der SchwurgerichtSfesston richtete bet Vorsitzende Landgerichtsdirektor Eller, Präsident im Hau- Prozeß, an die Geschworenen eine Ansprache, in der « sagte, eS waren große Anforderungen an die Ruhe ihres Gewissens, ihre unerschütterliche Ueberzeugung und ihren ManneSmut gestellt. Sie haben sich bei Ausübung ihres Amts als echte deutsche Männer bemalt.

Bei der Gegeteüberfteilnng der in Mayen ver­hafteten sieben Kroaten haben der jüngste Sohn und die ältere Enkelin der ermorbtten Eheleute Naas die drei Leute wiedererkannt, die vor dem Morde bei NaafS um Nacht­quartier anfragten. CS scheint sich um ein Komplott zu handeln. Ein Schachtmeister soll der Anstifter zum MoÄe' gewesen sein.

Ein entsetzlicher Vorfall ereignete sich in Hüfingen fr^ Baden. Die Lehrlinge des dort ansässigen Kaufmann- Fritsche holten aus dem Magazin ihres Herrn eine größere Quantität Pulver, das für eine Nachbargemeinde bestimmt war. Hierbei fielen ihnen, ohne daß sie es merkten, kleiner^ Mengen auf den Boden. Diese eignete sich der 22jährig« Sohn des Bäckermeisters Schneidenberger an und steckte sie lose in die Tasche. Auf noch unaufgeklärte Weise entzündet«! sich das Pulver, und der Unglückliche stand im Nu in Hellen Flammen. Er erlitt gräßliche Brandwunden, die bald darauf seinen Tod herbeiführten.

Ein Fuhrwerk auf den Schiene«. Der München- Berliner v-Zug war Freitag nachmittag bei der Statiotr Breitengüßbach stark gefährdet. Durch vorzeitiges Herablassen der Uebersahrtschranken war ein Bauernfuhrwerk auf dem Bahnkörper eingezwängt worden, so daß es die Chaussee nicht mehr erreichen konnte. Der Wagen wurde von dem heranbrausenden Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert;! zwei Kühe wurden auf den Schienen zermalmt. Die Insasse« kamen mit dem Leben davon. Der Schnellzug erlitt ein«* längere Verspätung.

JrriÄurlich in das Wasser, statt i« das Bett ge» gangen und ertrunken ist in Erkner der Schuhmachergeseü«! Köppner. Er ging am abend in angetrunkenem Zustande di« Straße hinunter zum See und marschierte in das Wasser hinein. Kaum zwei Meter vom Ufer entfernt, legte er sich nieder an einer Stelle, wo der See etwa 30 Zentimeter tief ist. Der Vorgang war von verschiedenen Passanten beamtet worden; diese glaubten jedoch, daß K. gleich wieder auf«* stehen werde. Das geschah aber nicht; als man nunmehr zui Hilfe eilte und den Schuhmacher aus den Fluten herauSzog,' war er bereits tot.

Ein eigenartiger Unglücksfall, der den Tod eine«! Menschen zur Folge hatte, ereignete sich dieser Tage in d« Nähe von Paris. Eine elektrsiche Automoildroschke, die nur für zwei Personen Platz bietet, hatten drei Damen be* stiegen, um von Ville d'Array nach Saint-Cloud zu fahren.- Unterwegs setzte sich wegen des Platzmanges die eine bet- Insassinnen auf b>n Wagentritt. Plötzlich gerieten ihr« Kleider, während das Automobil in rasener Fahrt dahin« sauste, in Brand, da aus dem auf dem Wagentritt stehende« Behälter ein Funke gesprungen und auf die Kleider der Dame gefallen waren. Durch den scharfen Luftzug breiteten sich die Flammen schnell aus und bald glich die Unglückliche einer lohenden Feuersäule. Da der Führer des Automobils nicht sofort die Schreckensruse der Frauen hörte und anhtelt,! stürzte sich die Bedauernswerte aus dem Fahrzeug auf die Straße, wo herbeigeeilte Personen die Flammen erstickten und die Verunglückte nach Favi in ein Krankenhaus brachten. Sie hatte aber bereits so schwere Brandwunden erlitten, daß sie auf dem Transport verstarb.

Auch ein Brandbericht. Der Kommandant der frei­willigen Feuerwehr eines belgischen Städtchens sandte kürz­lich an den ihm vorgesetzten Präfekten einen Bericht über einen Brand, den die Allgemeine Versicherungspreffe in mög­lichst treuer Uebersetzung so wiedergibt:Herr Präfekt l MS gestern wie gewöhnlich gegen abend die Nacht gekommen war und ich mich niedergelegt hatte, um im Schoße des Schlafes zu ruhen, wurde ich plötzlich geweckt durch Geschrei, welches nach Feuer rief. Da ich auf der Stell« erriet, daß es sich um ein Feuer handelte, welches brannte, «hob ich