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25. Juli

Donnerstag

steuerten auch jetzt wieder, wie am Mittag, das Fahrzeug. Aber zu ihnen hatte sich diesmal alS Dritter Major Groß, der Kommandeur des Luftschifferbataillons, gesellt. Bald stieg der Ballon so hoch, daß er in den vom Abendrot um­spielten Wolken wie ein dunkler Rebelstreifen erschien, bald senkte er sich tief zur Erde herab. Doch ob wi Ausstieg oder im Fallen, die Präzision, mit der er dem Steuer ge­horchte, war die gleiche. Das Fahrzeug beschrieb Bogen und Schleifen, es hielt mitten in seinem Lauf inne und stand still. Der Motor wurde hoch oben in den Lüften gestoppt und wieder angelassen, der Ballou ließ sich nieder und stieg wieder auf, und einmal marschierte er förmlich über das Gelände, d. h. man ließ ihn nur ganz wenig vom Boden entfernt über die Erde Hinschweben. Der Abend begann seine Schatten auf das Feld zu werfen, als man dieses wechfelreichen Spieles es genug sein ließ, und still wurde der Ballou, der sich als ein Triumphator erwiesen, zurück in die Halle gebracht.

Fünf Stunden hatte er sich im Aether bewegt und bis zum letzten Augenblick mit Steuer, Schraube und Motor jedwedem Kommando gehorcht. Schon wird gesagt, daß der deutsche Ballon bei seiner gestrigen ersten Auffahrt den von derPatrie" ausgestellten Rekord in der Fahrtdauer um 15 Minuten geschlagen habe. Denn das französische Luftschiff war am 14.Jn )R. 3 Stunden und 12 Minuten unterwegs gewesen, während unsere Aeronauten gestern bei der mittags begonnenen Fahrt 3 Stunden und 27 Minuten ihr Fahr­zeug gelenkt hatten. Andere Erfolge bewahrt die Truppe als militärisches Geheimnis. Eines aber ist fürder kein Ge- beimuis: Frankreichs bisherige Überlegenheit im Befahren des Luftmeeres hat aufgehört bedrohlich zu erscheinen.

China. v

Das ungeheure Reich im Osten mit seiner^ ungeheuren Menscheuzahl ist und bleibt wohl noch für lange Zeit in allen politischen Berechnungen eine variable Größe, ein mehr oder minder unbekanntes X. Man hört von Zeit zu Zeit seltsam klingende Erzählungen von Rebellionen, die dann doch keine sind, von höchstwichtigen Aenderungen im Palaste, oie sich daun bald wieder verflüchtigen und wirklich Greif­bares hat man wenig. Diese unendlichen Gebiete scheinen manche verborgenen Gespenster zu beherbergen, Dinge, welche plötzlich kommen und Macht gewinnen und das schöne kunst­volle labile Gebäude der Politiker, das man status quo nennt, gefährden können.

Das eine ist sicher: in Süd-China gärt es. Da und dort, namentlich in der Gegend von Swatau sammeln sich Rebellenhaufen. Details hat die Weltkorrespondenz in diesen Tagen aus fëanton mitgeteilt. Man weiß nur nicht recht: ist das aus religiösen Gründen oder gegen die Mandschus gerichtet oder gegen die Fremden oder blos gegen die Zucker­steuer. Sonderbares scheint auch in den inneren alt-urchine- sischen Provinzen vorzugehen. Da kam neulich aus New- 2)ork die Nachricht, dort versuchten potente Leute, welche in zivilisierten Ländern über große Bankkontos verfügen, ein Waffendepot einzurichten in ganz modernem Stile. Das ginge wohl von einer neuen imperialistischen Zentrale aus, die in der Bildung begriffen sei und beabsichtige, die Chinese« gegen die Mandschus zu mobilisieren. Was daran wahr ist, wissen wohl die Kabinette der Großmächte ebensowenig, wie wir, ausgenommen die Japaner und die Engländer, welche wohl auch dort hinten gute Agenten haben. Außerdem hört man einiges stückweise Über die wachsende Verstimmung zwischen Japan und China wegen der Mandschurei und einiger anderer Sachen.

Es wäre eigentlich nur natürlich, wenn die kolossale Veränderung, die der russisch-japanische Krieg in den poli­tischen Gedanken der Ostasiateu hervorgerufen hat, auch in China langsam zwar aber desto elementarer zum Durchbruch käme. Hat dieser Stoß doch auch die Volker des nahen Orients und des inneren Indiens erreicht! Wenn China mit seinen Menschen und seiner Ausdehnung sich auch nur einigermaßen reformieren sollte, so wäre das natürlich ein noch viel tiefer einschlagendes Ereignis als der japanische Sieg. Wie dem auch sei, und was die Skeptiker auch alles zu ihren Gunsten anführen können, das eine scheint doch sicher zu sein, daß die chinesische Armee heute achtbarer ist als vor 5 Jahren und nach Jahren wieder viel achtbarer sein wird als heute vorausgesetzt natürlich, daß nicht im Innern des unbegreiflichen Landes Unruhen und Bewegung«! entstehen und die neu gewonnene und gesammelte Energie in inneren Kämpfen aufgesaugt wirb.

Es ist aber ein großer Irrtum, auzunehmen wie in Deutschland meistens geschieht das wiedererstanbenè China wäre eine Gefahr für Europa und für die Herrschaft der .weißen Rasse. Vielleicht aber ganz gewiß lange nicht so wie für Japan. Der Gegensatz zwischen Japan und China .wird bei uns unterschätzt, weil beide Völker der gelben Rasse angehören. Wahrscheinlich würde nach Wiederauferstehung eines achtunggebietenden China der Gegensatz zwischen den beiden gelben Großstaaten die ostasiatische Politik dominieren und nicht der gemeinsame Raffengegensatz gegenüber der weißen. Der Europäer kann vom Standpunkt' seiner eigenen iJnteresstn aus nicht viel gegen Reformen in China sagen; er müßte eigentlich wünschen, China würde möglichst schnell modern und unserem Wirtschaftsleben zugänglich,' das da­durch einen Anstoß von ungeheurer Tragweite erhielte. Viel­leicht aber geht das alles nicht so glatt, vielleicht kommen große innere Umwälzungen und dann wird das chinesische Problem erst an Europa gestellt werden, komplizierter und gefährlicher noch als das türkische und ungeheure Schicksale bergend.

Die Ansiedler in den Ostmarken.

v Zu den wichtigsten Aufgaben der Ansiedlungskommission m Posen und Westpreußen gehört die Heranleitung eines .ausreichenden Zuflusses von geeigneten Anstedlerelementen.

Sie hat sich erst allmählich, durch eine langjährige Werbe­arbeit und zweckentsprechende Artswahl der Ansiedlungs- lustigen, lösen lassen. Anfänglich suchten sich alle möglichen schiffbrüchigen Existenzen, die in landwirtschaftlichen Arbeiten gar feine Erfahrung besaßen, zur Ansiedlung zu drängen. Nach und nach gelang es dann als Bewerber nur solche Leute heranzuziehen, die im landwirtschaftlichen Beruf standen oder daraus hervorgegangeu waren und nun zur alten Tätigkeit zurückzukehreu wünschten. Dabei haben sich die süd- und westdeutschen Ansiedler, die nach bent Osten eine gehobene Kultur und reiche Erfahrungen mitbrachteu, be­sonders bewährt. Die verschiedensten Zweige des landwirt­schaftlichen Betriebes haben sie in die neue Heimat eingeführt oder vervollkommnend darin gewirkt. Von den annähernd 12 000 Ansiedlern, die bis Ende 1906 angesetzt waren, stammen etwa 3O°/o auS den westlichen Provinzen Pnußens und den nichtpreußischen Teilen Deutschlands, ferner etwa 24°/o aus den Ansiedlungsprovinzen selbst, etwa 25°/g aus den übrigen preußischen Provinzen und der Rest aus dem Auslande (namentlich kommen hier rückgewanderte Deutsche aus Rußland in Betracht). Die Ankömmlinge sind nicht ge­trennt nach Herkunftsgebieten, sondern in den meisten Sied­lungen gemischt angesetzt worden, weil sie auf diese Weise sich am leichtesten den neuen Verhältnissen anpassen und am besten voneinander lernen können.

Seit etwa 12 Jahren wird in den Herkuuftsgebièièn der Ansiedler eine planmäßige, ausgedehnte Propaganda betrie­ben und es ist dadurch und durch die Erweiterung der An­siedlungstätigkeit, die durch die Neuauffüllungen des Fonds ermöglicht wurde, erreicht worben, daß das Deutschtum in den Ansiedlungsgebieten prozentual stärker zuzunehmen be­ginnt als das Polentum. Allein im Regierungsbezirk Ma­rienwerder ist die Zunahmequote der Polen noch nicht ganz erreicht, während im Regierungsbezirk Bromberg die Deut­schen seit dem energischeren Einsetzen der Siedlungstätigkeit sogar auch schon absolut stärker zugeuommen haben als die Polen. Im allgemeinen ist freilich bei dem weit höheren Anteil der Polen an der Gesamtbevölkerungszahl die absolute Zunahme bei ihnen immer noch größer als bei den Deutschen und die deutschen Erfolge der letzten Jahre würden völlig in Frage gestellt werden, wenn die Ansiedlungskommissiou ge­zwungen werden sollte, geeignete Ansiedlungslustige aus Mangel an verfügbarem Gebiet abzuweiseu. Der Ansiedler­strom würde sich dann wieber in verstärktem Maße dem Auslande zulenken, wo er dem Deutschtum so gut wie ganz verloren geht, und die Polen würden in den Ansiedlungs- Provinzen alsbald mit erneuter Energie vorwärts drängen. Schon bei einer bloßen Verminderung der Siedlungstätigkeit würde das Polentum ohne Zweifel auch in der prozentualen Zunahme rasch wieder an die erste Stelle gelangen und es würde dann der größten Mühen und Opfer bedürfen, um den deutschen Rückgang wieder zum Stehen zu bringen. Die Ansiedlungskommission muß also in den Stand gesetzt wer­den dafür zu sorgen, daß der Ansiedlerstrom auch in Zukunft ein Bett findet, das genügend breit ist, um ihn aufzunehmeu.

S-mchccle des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

Zweigvètein Hanau.

Oualitâtszigarren !

Qualitätszigarren" die sieht man jetzt immer häufiger empfohlen. Was es eigentlich für Zigarren sind, wissen Die meisten Raucher wohl * ebensowenig wie die Nichttaucher; nur die Verkäufer und Händler mögen es begreifen und ver­stehen! Deutsch würden sie natürlich nicht ziehen: Eigen­schaf t s z i g a r r e n! ? DaS heißt nichts, gar nichts! Aber im Französischen hat ja gualM oft den engeren Sinn gute Eigenschaft", so daß man sagen kann: rg vin est de güalik^ öder: ce vin a de la qualité ----- das ist seiner. guter Wein! Was liegt dem Teutschen da näher, als das schlank­weg zu übersetzen ober vielmehr nachzustammeln? Dafür hat man ja doch die vielgeliebten Fremdwörter! Quali­tätsagt" zwar in Wirklichkeit in dieser Verbindung im Deutschen auch nichts, gar nichts, aber doch auch so un­sagbar viel, ja alles, was man nur gerade will und meint. Es ist die alte Geschichte: die Fremdwörter sindso furcht­bar bequem" ; was läßt sich in solch dunkles Wort nicht alles hineingeheimniffen 1 Unsere deutschen, klaren und deutlichen Ausdrücke lassen sich so etwas gar nicht gefallen. Drum ist es auch gar nicht so sonderbar, daß der Deutsche, wo ihm das richtige deutsche Wort nicht gleich einfällt, flugs ein Fremdwort heranzieht: da bekommt er Interesse an etwas das sagt alles!, da passiert ihm etwas, da faßt er eine Idee; da verkauft er denn auch Qualitätszigarren, ein Bruder in Merkur preist dann in edlem Wettstreit Qualitäts weine an, und nun findet man sie allenthalben in den Blättern augegeigt, die Qualitätszigarren und die QualitätSweine. Auch ein Fahr­rad kann man schon als Q n a l i t ä t s m a s ch i n e empfohlen sehen und einen Schaumwein als Qualitütsmarke, und wie lange wirds noch dauern, dann steckt man sich nur noch Qualitätsrosen ins Knopfloch, trägt Qualitätshüte und Qualitätsstiefel, tßt Qualitätsapfelfiucn und denkt Quali- tätsgedanker^^

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Drahtnachrichten

EinfteUung der strafrechtlichen Verfolgung.

Paris, 25. Juli. Die ^fnHagcfammer des Appellge» richtshofes in Bouay hat die oom Untersuchungsrichter in Arras augeorduete Einstellung der strafrechtlichen Verfolgung betreffend die Katastrophe von Courrières bestätigt.

Die Vorgänge in Frankreich.

Paris, 25. Juli. Aus Montpellier wird berichtet, daß die Freilassung des Bürgermeisters von Narbonne, Dr. Fer- roul, und des Obmannes des Winzerkomitees von Argelliers, Mareelin Albert, unmittelbar bevorstehe. In Narbonne und Argeliers werden bereits Vorbereiinngen zu ihrem festlichen Empfang getroffen.

Erhängt.

Dresden, 25. Juli. Aus Furcht vor einer Operation erhängte sich denDresdener Nachrichten" zufolge der 70- jährige Putzer Baugärtel. DerDresdener Anzeiger" meldet aus Kamenz, daß der 13jährige Schüler Scheer, der am Sonntag auf die Pilzsuche gegangen war, seitdem ver­mißt wird.

Reiten

Ravensburg, 25. Juli. Ein abends ausgebrochene* Feuer äscherte bis in den Grund die Wirtschaftsgebäude de? Gastwirts Vogt vor zwei Tagen vollständig ein. Seitbem ist der zweijährige Sohn des Wirtes verschwunden, sodaß angenommen wird, daß er in den Flammen umgekommen ist.

Ueberfahren.

Ulm, 25. Juli. Ein Fuhrwerk des Artillerie-Regiments Nr. 13 überfuhr in Ulm den zweijährigen Sohn eines Metzgers, der zwischen die Räder gelaufen war. Das Kind starb kurze Zeit darauf.

Aussperrung beendet.

Berlin, 25. Juli. Die Aussverrung der Steinbildhaue? ist nach viermonatlicher Dauer durch einen Arbeitstart' beendet.

Frage der Krebsheilung.

Petersburg, 25. Juli. Die Regierung beschloß, binnen kurzem eine Konferenz zur Prüfung der Frage der Krebs' Heilung einzuberufen.

Ertrunken.

Breidumyri, 25. Juli. Knebel und Rudloff sind in bei Askisa ertrunken. Ihr Boot wurde durch kochendes Waffe»! zerstört. Die Leichen sind bisher nicht gesunden worden.

Selbstmord.

Dogutschuetz, 25. Juli. Ein Schlosser beging Selbst mord, indem er sich in den Stromkreis der elektrischen Zent­rale einschaltete.

Verhaftet.

Hangelar im Siegkreis 25. Juli. Unter dem Verdachte eines dreifachen Mordes sind drei Arbeiter, die in der dortigen Verblendsteinfabrik tätig waren, verhaftet worden.

UnglüSSfälle.

Glauchau, 25. Juli. Ein schwerer Unglücksfall ereig­nete sich in Nieder-Lungwitz. Durch den Hufschlag eines scheuenden Pferdes wurde der Wäßrige Sohn des Güterbodenarbeiters Kirschner in den Rücken getroffen. Der verletzte Knabe ist im Glauchauer Krankenhause seinen Verletzungen erlegen.

Zeithain, 25. Juli. Auf dein Truppenübungsplatz schwer verunglückt ist ein Kanonier des Feldartillerieregiment? Nr. 77. Besin Scharfschießen wurde ihm der rechte Unter­arm weggerissen.

Veränderungen im französischen Armee-Ober- kommanSo.

Paris, 25. Juli. General Metzinger erklärte einem Be' riebterftatter, er habe seine Versetzung in Disponibilität nur verlangt, weil seine Vorschläge betreffend die Beförderung von Offizieren, welche er als Armeeinspekteur eingereicht habe, von der Jnfanteriedirektion des Kriegsministeriums nicht be ­achtet worden feien, obgleich der Kriegsminister General Picquart befohlen habe, diesen Vorschlägen Rechnung zu tragen. Wie verlautet, find als Nachfolger der bisherigen Mitglieder des Obersten Kriegsrates Metzinger und Michal, die Generale Bailloud, Kommandeur des 16. Armeekorps in Montpellier und Galliènt, Kommandeur des 14. Armeekorps und Militärgouvernenr von Lyon bestimmt.

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AVen, 25. Juli. Der DampferFeldmarschall" mit bem Staatssekretär Dernburg an Bord passierte gestern Aden. An Bord ist alles wohk.

Brest, 24. Juli. Zu Ehren des ainerikanischen und des japanischen Geschwaders wurde heute ein Garten- s e ft gegeben. Der japanische Admiral L j u i n ist mit seinen Offizieren nach Paris abgereist.

Schiffsberichte.

Mitgeteilt vom Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen, M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1).

Der DampferKaiser Wilhelm der Große" ist am 24.

Juli wohlbehalten in New-Aork augekommen.

Schiffsnachrichterr.

(Mitgeteiit von Agent Ad. Trensch-Hanau.)

Der Hamburger DampferPatricia^ ist am 20. Juli wohlbehalten in New-2)ork eingetroffen.

Hamburg, 21. Juli. Der DampferTilly Nuß. von der Hamburg-2lmerika-Linie ist gestern in Havana und der DanlpferHermersberg" vorgestern in St. Thomas ein* getroffen.

Gebrauchs-Muster.

Nr. 308 311. Tür- oder Fensterfitfche mit Verstellvvr« richtung. Hermann Kölsch in Cassel, Ständeplatz 6, yom 6. April 1907 ab. K. 30 690. Kl. 68c.

Nr. 308 066. Tür mit seitlich vorgebauter fester Schutz» mässe zur Sicherung der Riegel gegen Abschmelzen mittels Stichflamme. Franz G a r n y in Frankfurt a. M., Hanauers -andstraße 5, vom 2. Mai 19 0 7 ab. A. 17 298. ÄL 68<